Der Aschermittwoch der Muschelsaison

Eigentlich war das gestrige Abendessen komplett anders geplant. Beim hurtigen Freitags-auf-dem-Heimweg-Einkaufen stieß ich auf Miesmuscheln. Damit fing es an. Die Rouladen wurden offiziell auf Sonntag verschoben. Innerhalb von Sekunden. Narrhallamarsch!

Und während in Mainz die Fassenacht in die heiße Phase geht – ich habe natürlich gestern wieder die Sitzung geschaut – neigt sich die Muschelsaison unweigerlich dem Ende zu. Auch wenn der Gatte das wie immer im Februar nicht akzeptieren will. Die Monate mit „R“ am Ende: SeptembeR, OktobeR, NovembeR, DezembeR, JanuaR und FebruaR. That’s it! Aber nein. Es wird diskutiert. MäRz… Auch irgendwie ziemlich am Ende… ApRil… Naja, immerhin noch in der Mitte… Oder etwa nicht?! Aber da ist schon ein „R“ drin!

Die Muscheln gab es vor der Sitzung. Und ich dachte beim Einkaufen darüber nach, dass da doch ein Uri-Buri-Rezept gewesen war, an das ich einen Zettel geklebt hatte. Mit Muscheln. Alle anderen Zutaten wusste ich nicht. Wir würden sehen.

Als ich nach Hause kam, wurde erstmal das Buch aufgeschlagen. „Muscheln im Garnelensud“. Das war es. Verdammt! Keine Garnelen im Haus. Eine Sekunde später durchwühlte ich die Gefrierung. Garnelenschalen! Die sammele ich ja immer, wenn es Garnelen gibt. Und ich fand ganze drei Beutel! Das sollte langen. Und es langte.

Für den Sud musste ich auch gemüsetechnisch vom Rezept abweichen, fand aber, dass Fenchel ausgezeichnet passen würde. Der musste eh weg. Bevor jetzt gleich mein Rezept kommt, dem ich am Ende auch noch einen guten Schluck Sahne zusätzlich gönnte, noch eins vorweg: Ich bereite immer deutlich mehr Brühe, Sud, Muschelansatz oder wie auch immer man es nennen mag zu, weil ich total auf den Muschelgeschmack darin stehe. Und den hat man ja immer erst nach dem Kochen.

Ich gieße die Reste durch ein Sieb und stelle sie über Nacht in den Kühlschrank. Das gibt am Folgetag eine perfekte Sauce zum Fisch.

Muscheln in Garnelensauce

Vorbereitungszeit: 45 Minuten
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Gericht: Fischteller
Keyword: miesmuscheln, muscheln
Portionen: 2 Portionen
Autor: wirklich sehr frei nach „Uri Buri – Meine Küche“

Zutaten

für den Garnelenfond:

  • 2 Handvoll Garnelenschalen
  • 1 Stich Butter
  • Wasser
  • 1 Möhre in Scheiben oder Stücken
  • 2 Frühlingszwiebeln in Ringen
  • 0,5 Fenchelknolle in Würfeln
  • 1 Stück Sellerieknolle in Würfeln
  • 0,5 Dose Tomaten stückig
  • 1 Stück Ingwer in Scheiben

für die Miesmuscheln:

  • 1000 g Muscheln
  • 1 Stück Ingwer in sehr feinen Würfelchen oder gerieben
  • 1 Zehe Knoblauch in sehr feinen Würfelchen oder gerieben
  • 3 EL Olivenöl
  • 120 ml Weißwein trocken
  • 200 ml Garnelensud abgeseiht
  • 1 Schuss Sahne
  • Pfeffer Salz ist meist unnötig
  • Dill gehackt – ersatzweise Fenchelgrün

Anleitung

Vorbereitung: schneller Garnelenfond

  • Garnelenschalen in einem Topf kurz in Butter anschwitzen, bis sie etwas Farbe nehmen. Soviel Wasser angießen, dass sie gerade bedeckt sind. Zum Köcheln bringen.
  • Gemüse und Ingwer zugeben und etwa 30 Minuten ohne Deckel einköcheln lassen. Durch ein Sieb passieren.

… und jetzt die Muscheln!

  • Sorgfältig putzen, entbarten und aussortieren. Bereit stellen.
  • In einem weiten Topf oder einer hohen Pfanne Olivenöl stark erhitzen. Wenn es heiß ist, Muscheln hineingeben und unter Rühren etwa drei Minuten anbraten.
  • Mit Garnelensud und Wein ablöschen. Ingwer und Knoblauch zugeben. Bei geschlossenem Deckel Flüssigkeit zum Kochen bringen und Muscheln gar dämpfen.

Das Beste zum Schluss: die Sauce

  • Muscheln herausheben, Sahne und Pfeffer zugeben. Kurz und kräftig aufkochen und etwas einreduzieren lassen. Muscheln wieder zugeben und sofort servieren. Ich habe den Dill durch Fenchelgrün ersetzt. Passt auch perfekt.

Übrig geblieben ist ein ganzen Glas Meeresfrüchtesauce. Und da ich gestern bei der Schalensuche noch auf ein schönes Stück Saibling gestoßen bin, wird das später noch einreduziert und darf sich zum Fisch gesellen. Ich wollte eigentlich einen Skrei, aber dann hielt der Gatte mir triumphierend den Fischthekenprospekt unter die Nase. Ab Montag im Angebot. Sensationell günstig! War mir recht. Muss ich nicht nochmal einkaufen. Da bin ich gerade nicht sonderlich heiß drauf. Die Desinfiziererei nervt. Und fast alle anderen Kunden noch mehr.

Und das Schlimmste: Man kann nicht dabei einschlafen wie bei anderen nervigen Sachen, den Hofsängern beispielsweise. Ich hab’s wieder geschafft gestern. Bei „So ein Tag…“ fiel ich endgültig in einen tiefen und entspannenden Schutzschlaf.

Das Einschlafen bei den Hofsängern ist obligatorisch. Und nicht verhandelbar. Eine fest betonierte Tradition. Das war schon immer so. Und ich habe auch nicht vor, das jemals zu ändern. Helau!

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