Wie wir einmal eine ganze Pflanzengattung ausgerottet haben

Nachdem ich meiner Lieblingskollegin heute im Büro erzählt habe, dass wir massenhaft Mohn auf unserer Limes-Außenanlage haben, meinte sie: „Aber nur roten, oder?“ Ja. Nur roten. Stimmt. Wo ist eigentlich der weiße Mohn? Oder der rosafarbene? Weg!

Damit ist es klar: Meine unselige Generation hat ihn bei unzähligen „Engelchen oder Teufelchen?“-Spielen ausgerottet. Und wir haben uns echt nichts Böses dabei gedacht. Wie konnte das nur passieren? Prompt fällt mir natürlich bei dieser Gelegenheit auch wieder ein, dass wir damals Marienkäfer „gesammelt“ haben. In gelochten Plastikdosen. Und einmal habe ich in meiner Nachttischschublade eine ziemlich ordentliche Marienkäferpopulation gefunden, die den Winter ohne Wasser und Futter leider nicht überlebt hatte. Luft hatten sie ja bekommen. Waren ja Löcher in der Dose…

Kartoffelkäfer gibt es irgendwie auch nicht mehr. Die gab es massenhaft. Und Zitronenfalter. Aber da bin ich mir ausnahmsweise mal keiner Schuld bewusst. Dass es keine Schallplatten mehr gibt, sondern nur noch CDs – daran sind wir auch nicht schuld. Ich habe mich bis zum bitteren Ende geweigert, einen CD-Player zu kaufen, aber irgendwann gab es nur noch die Alternative, sich auf Radiohören („Der Ball ist rund“ auf hr3, montags, 22 Uhr) und auf von Freunden zusammengestellte Kassetten zu beschränken oder doch endlich zu investieren.

Apropos „Kassetten“: Bei „Aldi“ an der Kasse gibt es bereits seit Ewigkeiten keine mehr. Vor kurzem sind dann auch die Videokassetten verschwunden. O.K. – es ist beim Autofahren schon praktischer, nicht immer auf gut Glück zurückspulen zu müssen, weil man das gleiche Lied nochmal hören will. Man konnte es natürlich an den Seitenanfang packen. Dann war es einfacher. Andererseits hatte das auch irgendwie Charme. Beim Ausräumen meiner Wohnung fand ich eine Riesenkiste mit von mir oder Freunden aufgenommenen Kassetten. Ich hab‘ sie mitgenommen. Vielleicht höre ich sie demnächst mal durch. Und die Platten auch.

Weißer Mohn, Kartoffelkäfer, Musikkassetten. Alles weg. Menno! Die Kamillen sind noch da. Und das, obwohl wir sie für winterliche Dampfbäder massenhaft gesammelt haben, aber wo ist das Wiesenschaumkraut? Hauptbestandteil der Blumensträuße meiner Kindheit.
Wieso sind alle diese eigentlich schönen Dinge verschwunden? Und wieso gibt es noch Brennnesseln, Stechmücken, Elektriker und sich nicht selbst entpackende Umzugskartons?!

5 Kommentare

  1. Also das mit den Schallplatten muss ich dir hier wiedersprechen. Im Gegenteil. Die sind wieder z.T. im kommen. Jedenfalls hier bei uns. Habe erst kürzlich wieder einen richtigen kleinen süssen Laden entdeckt, der erst kürzlich hier her gezogen ist, wo du fast alles von Ana Domina bis heute was die gepressten Dinger hergaben bekommen kannst. Und was der gute Mann nicht hat, kann er dir spätestens nach 14 Tagen mindestens besorgen. Sogar entsprechende Abspielgeräte empfielt er nicht nur, sondern kümmert sich sogar um deren Organisieren. Und es gibt viele Sachen, die ich um nichts in der Welt als Schallplatte hergeben würde. Meine absolut beste Lieblingsplatte ist aus den Anfang der 1970 Jahre von Joan Beaz. Dieses kratzen und leichte Rauschen auf der alten Platte macht in manchen Dingen erst für mich den Musikgenuss aus. Da klingt wiele Musik auch noch wie Musik und nicht wie das Nachstellen eines abfahrenden ICE.
    Hallo übrigens und auch gleich wieder Tschüss, sowie euch ein wunderschönes Wochenende. Ob nun mit Stubenfliegengedächtnis oder auch ohne. 😉

    LG rolf

    1. prima. dann sollte man ja auch wieder ersatznadeln für plattenspieler bekommen. was bedeutet, dass ich meine alten platten demnächst mal wieder durchhören kann.
      erfreuliche entwicklung! =)
      dir / euch auch ein schönes wochenende!

    1. gut. dann muss es mein eindruck, sie seien verschwunde,n wohl daher rühren, dass es in der mainzer neustadt relativ wenig kartoffeläcker gibt 😀

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