Dabei sein ist alles!

Die olympischen Winterspiele in Vancouver neigen sich bedauerlicherweise dem Ende zu. Eigentlich schade. Keine 4 x 10.000 m-Langlaufstaffel der Herren mehr zu nachtschlafender Zeit. Wie schön war es doch, in den letzten letzten Tagen allabendlich gemütlich und tiefenentspannt bei derlei kurzweiligen Vergnügungen auf dem Sofa wegdösen zu können!

Anschließend fährt man jeweils mitten in der Nacht von Jubelschreien eines euphorisierten Kommentators oder gebrüllter Wischi-wischi-Anweisungen konzentrierter Curlingspieler erschreckt aus dem Tiefschlaf hoch, um sich müde und schlapp, aber erleichtert, dass die Schreie nur aus dem Fernsehgerät kamen, erst zur Zahnbürste und dann zum Bett zu schleppen. Ich werde es vermissen! Ehrlich!

Ebenfalls schmerzlich vermissen werde ich die überaus interessanten Post-Medaillengewinn-Interviews mit deutschen Sportlern und Sportlerinnen. Fremde Dummheit wirkt ziemlich entspannend. Nimmt man die enthusiasmierten Sätze der Moderatoren, Kommentatoren und Interviewer hinzu, ist das ganze wirklich ein Traum. Besonders wenn man gerade nichts besseres vorhat, als sich gähnend von rechts nach links zu drehen. Man möchte sich ja nicht wund liegen, während junge, dynamische Leistungssportler gerade auf dem Bildschirm mutig zu den Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und der modernen Pharmaindustrie vordringen.

Hach… Bald isses vorbei… Menno…

Aber heute abend werde ich es noch einmal aus vollen Zügen genießen. Die Kuscheldecke und das neue Kissen warten auf mich. Letzteres nur, falls der Bauherr nicht schneller auf dem Sofa war, sich das Ding bereits gekrallt und meinem Zugriff entzogen hat. Sich dann innerhalb von Sekunden schlafend zu stellen, hat sich bereits vielfach bewährt.

Nicht zu unterschätzen auch der Lernprozess, dem man sich während der Übertragungen permanent aussetzt. Da tauchen täglich neue Vokabeln auf: „Klisterwachs“! Was für ein Wort von absoluter lyrischer Schönheit! Nur „Knisterwachs“ oder „Glitzerwachs“ wären noch schöner.

Und was allein die „Bild“ an Neologismen geboten hat: „Trainer-Depp“, „Versexung“ und „Todesbahn“ (Diesmal trifft Mehdorn übrigens nicht die Schuld!), um nur einige wenige zu nennen. Wer da nicht freudig seinen geisteswissenschaftlichen Studienabschluss gegen ein Jahresabo tauscht, ist selber schuld!

Ich plädiere für ganzjährige Sportereignisse in Ländern, die spätabendliche und nächtliche Übertragungen ermöglichen. Was heißt „plädiere“? Ich fordere! Vehement!!!

2 Kommentare

  1. Ich hab’s dir ja schon öfter gesagt: mit einem Fernseher am Bett spart man sich das lästige aufstehen mitten in der Nacht. Und du hast schliesslich noch meinen Fernseher. 😀

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