Kein Grund, einen Nebensatz mit „…, aaaber…“ zu beginnen

Nein, wirklich nicht. Und doch habe ich es getan, bevor wir in diese sonnige Karwoche gestartet sind. Jedesmal, wenn ich gefragt wurde, wohin es denn ginge, antwortete ich mit „Mallorca, aaaber an die Ostküste…“ oder „Mallorca, aber zum Wandern…“ oder „Mallorca, aaaber ohne Sangriaeimer…“. Uuund: Ich gestehe gleich noch was. Ich bin wahrscheinlich die letzte Deutsche, die noch niemals vorher dort war. Der Gatte war vor vielen Jahren schon zum Radfahren und vor zwei Jahren zum Tauchen auf der Deutschen liebster Baleareninsel.

Und jetzt frage ich mich zwei Dinge: Wieso war ich noch nie da?! Und: Wieso war mir dieses Urlaubsziel im Vorfeld irgendwie „peinlich“?! Mallorca ist ein Traum. Ohne Touristen wäre es kaum auszuhalten, so schön ist es. Darf man das überhaupt sagen, wenn man gerade eine Woche lang Teil des Problems statt der Lösung war?!

Wir starteten vergangenen Freitag praktisch direkt vom Büro aus zum Flughafen Hahn durch. „Flughafen“… Was man so Flughafen nennt… Als ich zuletzt auf dem Hahn war, war da die Hölle los. Diesmal waren 80% der Läden aufgegeben. An unseren Wartesitzen schwebte ein einsamer Luftballon vorbei wie ein trockener Strauch im Western durch eine Geisterstadt. Seltsam… Immerhin tauchten vor dem Abflug noch ein Jungesellinnenabschieds- und ein Geburtstags-Trupp auf, die aber außer Sekt trinken wenig Partystimmung zu bieten hatten. Von nackten Friseusen und ähnlichen Grausligkeiten ganz zu schweigen.

Bei der Gelegenheit: Wir flogen mit Michael O’Leary. Es wird also keine Fotos von Bordsnacks geben. Die Werbeverkaufsveranstaltung über die gesamte Flugdauer war zusammengekrümmt in den viel zu engen Sitzen ohnehin kaum zu ertragen. Und nein. Lose wollten wir auch nicht. Danke der Nachfrage. Ich will auch gar nicht wissen, was Mr. O’Leary unter einem „wohltätigen Zweck“ versteht…

Und ich glaube, dass unten angefügter Bestandteil der „Emergency instructions“ einen verzweifelten Fluggast zeigt, der versucht, den Sitz vor sich von sich wegzuschieben, um etwas mehr Beinfreiheit zu haben, und der dann schließlich, als auch noch der Trolly mit den Parfüms vorbeikommt, weinend zusammenbricht.

Und während bei der Landung in Palma de Mallorca tosender Applaus aufbrandete – wahrscheinlich weil alle endlich raus wollten -, ging der Pilot dann zum vertraulichen „Du“ über. Puh! Wieder einen Arbeitstag ohne Betriebsrat geschafft. Und der Sprit hatte auch gelangt. Besser kann es nicht laufen.

Die Koffersache ging recht zügig über die Bühne, der Transfer vom Flughafen zur Autovermietung ebenfalls. Der Gatte nutzte die Wartezeit dort, um seinen Mietvertrag bereits vorab per Handy auszufüllen. Davon war die Angestellte dann derartig begeistert, dass sie ihm ein Upgrade schenkte. Wir fuhren einen brandneuen Opel Mokka mit Navi und Klimaanlage vom Hof.

Ich saß während der Wartezeit draußen vor der Tür und wurde Zeugin einiger familiärer Verwerfungen. Es gipfelte in der Äußerung einer etwa 15Jährigen, die derartig mies gelaunt war, dass ich als Mutter vermutlich spätestens bei ihrem gekeiften „Können die denn hier gar nichts, wenn man es ihnen sagt?!“ die Schultern ob meiner guten Vorsätze zur Kindererziehung gezuckt und nahtlos zu körperlicher Züchtigung übergegangen wäre. Und ich hätte dabei vermutlich noch ein „Dummes Luder!“ gezischt. Aber ich war ja nicht die Mutter. Juhuuuu!

Als wir in Cala d’Or eintrafen, war es sehr spät. Wir starteten mit dem Mut der Verzweiflung zu einer Runde durch den Yachthafen – in der Hoffnung, ein noch geöffnetes Restaurant zu finden. Allerdings hat Cala d’Or keine Schinkenstraße. Wir zogen unverrichteter Dinge wieder ab, hatten aber immerhin das Meer gesehen. Und gerochen.

Bei unserer Rückkehr schnappten wir uns vier Dosen San Miguel aus dem Kühlschrank des Hotels und „aßen“ zu Abend. Ganz in guter, alter Malle-Manier: „Warum soll ich etwas essen, das ich auch trinken kann?!“ Eben! Und für die nötige Bettschwere war auch gesorgt.

Morgens gab es dann erstmal Frühstück. Frühstück, das ich nicht selbst zubereiten musste. Keine Spielchen mit improvisierten Kaffeezubereitungskonstruktionen. Nach 24 Stunden ohne Essen – vom Bier mal abgesehen – war das göttlich. Gestärkt zog der Gatte anschließend mit seinem Koffer Richtung Tauchbasis ab. Bis dahin lief alles super.

Währenddessen zog ich mir frohgemut zum ersten Mal in diesem Jahr meine zypriotischen Sandalen an, schnappte mir die Kamera und machte mich auf den Weg, um Cala d’Or im Hellen zu erkunden. Ich knipste lustig durch die Gegend. Motive gab es ausreichend, zumal Cala d’Or irgendwie kykladisch wirkt. Es besteht komplett aus frisch geweißelten Häusern – eins schmucker als das andere – und üppigen Gärten. Auch der Flanierbereich in der Innenstadt mit den vielen kleinen Läden begeisterte mich. Ich fiel erstmal in eine Gärtnerei ein und bestückte meinen Rucksack mit allerlei Saatgut. Harhar.

Dann lief ich noch in die Bucht. Und dann noch ein wenig planlos in der Gegend herum. Und dann merkte ich, dass ich mir an beiden Füßen Blasen gelaufen hatte. Super! Eine Glanzleistung! Ich schleppte mich „nach Hause“ zurück und verbrachte den Rest des Vormittags lesend auf der Dachterrasse.

Der Gatte meldete sich. Der Tauchgang war erfolgreich gewesen. Fünf Minuten später dann eine Hiobsbotschaft. Die Halsmanschette des Trockentauchanzugs war beim Ausziehen gerissen. Er suchte nach einer Lösung. Als Radfahrer war das Naheliegendste, das Latex mit Fahrradflicken zu reparieren. Er hatte bloß keine. Es tat sich eine Chance auf, das Ding in einer Tauchbasis in Palma reparieren zu lassen. Damit war klar, was wir nachmittags unternehmen würden: uns Palma anschauen.

Ich wechselte das Schuhwerk – Chucks sollten wohl besser funktionieren. Wir zogen los. Die vorab antelefonierte Tauchbasis stellte sich als Flop heraus. Man könne den Anzug einschicken. Das würde aber zwei Wochen dauern. Keine echte Alternative zu Fahrradflickzeug also. Ein Anruf im Radladen von Danilo Hondo in Cala d’Or brachte dem Gatten zwar kein Flickzeug, aber einen guten Tipp ein: im „Decathlon“ in Palma sollte es wohl welches geben. Und in Palma waren wir ja nun ohnehin schon.

Witzigerweise landeten wir fast direkt vor der Tauchbasis – und zwar exakt unter diesem Schild oben – den absoluten Sechser im Parkplatz-Lotto. Der Schumacher hatte geschlossen. Ich befürchte allerdings, dass er ohnehin keine Füße, sondern nur Schuhe repariert.

Wir liefen also los durch die Altstadt, …

… sahen uns die Banys Àrabs / Baños árabes / Arabischen Bäder und den dazugehörigen traumhaften Innenhof mit Gartenanlage an…

… und statteten dann noch der Festung und der Kathedrale einen Besuch ab.

Zuletzt ging es an der Uferpromenade entlang zurück zum Auto.

Leider hatten wir nicht soviel Zeit, wie wir gerne gehabt hätten. Schließlich lastete immer noch der Fluck des Fahrradflickzeugs auf uns. Und der Fluch meiner zunehmend schmerzenden Blasen auf mir. Durch konsequentes Vorsichtig-Gehen hatte ich jetzt an der Ferse innen noch eine weitere Blase. Danke, Chucks!

Auf dem Decathlon-Parkplatz verloren wir fast die Nerven, schafften es aber schließlich wider Erwarten doch, den Wagen irgendwo abzustellen, ohne ihn oder einen anderen nachhaltig zu zerstören. Wir stürmten den „Decathlon“, fanden das Flickzeug, erbeuteten vier Päckchen (sicher ist sicher…), zahlten an einer mir Artificial Intelligence besetzten Kasse und flüchteten beherzt. Grauenvoll. Da wären wir ohne Not niemals hingefahren. Und werden es mit Sicherheit auch nie wieder tun.

Fürs Abendessen hatte der Gatte im „Proas“ oberhalb des Yachthafens von Cala d’Or einen Tisch bestellt. Und das war eine ausgesprochen gute Idee. Nach den Aufregungen und Schmerzen des Tages hatten wir uns ein Abendessen wirklich verdient.

Ich fasse das Gelage mal kurz zusammen – von oben links nach unten rechts: Brotkörbchen, Oliven, Aioli, Galletas mit Sobrassada – Den Wein aus Felanitx habe ich ausgesucht… – Carpaccio de Bacallà – Tumbet – Langostinos amb Sobrassada – Roter Thunfisch mit Kartoffelstampf und Paprikacrème – Mallorquinischer Gató de Almendras mit Helado de Alemendras – Hierbas de Mallorca vom ortsansässigen Hersteller Moret. Zum Schnaps bekamen wir Gläser und gleich die ganze Flasche auf den Tisch gestellt. Wir probierten und fanden ihn köstlich. Und vor allem: anisig!!! Mein Lieblingsgeschmack bei Verdauungsschnäpschen. Trotzdem reichte je ein Glas.

Von diesem ersten Essen blieb an Inspiration einiges hängen. Ich habe eine Reihe von Rezepten herausgesucht, die nach und nach getestet werden. Und ich habe während der Woche nach und nach die Zutaten dafür zusammengekauft und gestern dann nach Hause geschleppt. „Ryanair Priority“ sei Dank! Gut, dass niemand meinen Rucksack und meine Stofftasche gewogen hat. Aber dazu später mehr.

Selbst Palma ist jedenfalls deutlich schöner als ich dachte. Und die Fahrt dorthin vorbei an blühenden Wiesen, Olivenhainen und Trockenmauern hätte malerischer und un-Ballermännischer nicht sein können. Eigentlich war ich da schon verliebt.

Ob die Trockentauchanzugreparatur funktioniert hat? Cliffhanger für morgen.

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