Unter den Pflastern liegt der Strand

Der Sonntag startete nach dem Frühstück gleich mit den Reparaturarbeiten am Trockentauchanzug. Ins Wasser ging es eh nicht. Sonntags hat die Tauchbasis nämlich geschlossen. Wir drehten also locker eine Folge „Hobbythek: Prima Trocki-Reparatur selbst gemacht“ ab.

Die ganze Sache war etwas frickelig, weil die eingerissene Halsmanschette durch den darüber befindlichen Neoprenkragen nicht gerade perfekt zugänglich war, aber wir schafften es mit vereinten Kräften und einem Gummiband, insgesamt sieben längliche Fahrradflicken – von Vorder- und Rückseite – zu applizieren. Immer einen nach dem anderen. Immer erst aufrauen und Vulkanisierflüssigkeit aus der Tube drauf. Und dann leicht überlappend den nächsten Flicken drangebastelt.

Schön sah das nicht aus, aber der Gatte wollte in dem Ding ja auch nicht an einer Miss-Wahl teilnehmen. Es sollte nur einfach noch vier Tauchgänge durchhalten. Von zu Hause aus würde das Ding ohnehin zum Manschettenaustausch eingeschickt werden. Das Finish besorgte eine Tube „AquaSure“ aus der Tauchbasis. Nachdem wir die Außenseite damit bearbeitet hatten, musste das ganze Späßchen zwei Stunden trocknen. Zeit, hinauszuziehen zu einer ausgedehnten Wanderung.

In unserem Gepäck befanden sich glücklicherweise ausreichend Pflaster in allen Variationen. Ich verklebte meine Füße an allen beblasten Stellen und zog dicke Funktionssocken in die Wanderschuhe. Das sollte passen, fand ich.

Auf dem Weg nach Port de Sóller wollten wir eigentlich auf dem Markt in Inca vorbeischauen. Der große Wochenmarkt findet dort donnerstags statt, aber sonntags sollte es laut Netzrecherche noch einen kleineren geben. Kurz: Wir fanden ihn nicht und gaben angesichts der katastrophal engen Sträßchen und völlig unbeparkbaren Innenstadt von Inca genervt auf. Dann halt kein Markt. Pah!

In Port de Sóller stellten wir das Auto in einem Parkhaus ab und machten uns auf den Weg nach Deià. Bereits nach zwei Kilometern stellte ich fest, dass ich den Zustand meiner Füße wohl etwas überschätzt hatte. Das Marschieren auf den Eselspfaden mit unebenem Boden war schmerzhafter als erwartet.

Anfangs war die Fotofrequenz angesichts der Wanderung durch die endlosen Olivenhaine der Serra de Tramuntana noch hoch. Ich glaube, ich fotografierte etwa jeden zweiten Olivenbaum, nachdem ich mich spontan in ihn verliebt hatte. Das verzögerte unser Fortkommen erheblich. Irgendwann war ich allerdings zu schwach für Fotos – aber auch zum Gehen, was zu weiteren Verzögerungen führte. Durch das vorsichtige Auftreten hatte ich eine Art „Schongang“ eingenommen, der ab der Hälfte des Weges zu Muskelverspannungen in den kompletten Beinen führte. Meine Erkenntnis des Tages: Wenn beide Füße im Eimer sind, kann man nicht mal mehr gescheit humpeln. Verdammt!

Als wir noch etwa einen Kilometer bis nach Deià vor uns hatten, gingen mir endgültig die Lichter aus. Der Gatte schaute bereits vorsorglich nach, wie die Notrufnummer lautete. Ich schleppte mich mühsam bergauf, jeder Schritt eine Qual. Das letzte Stück Eselspfad wurde verbissen in Angriff genommen, der Anblick der ersten Häuser von Deià hatte auf mich in etwa den gleichen Effekt wie der Anblick einer Oase in der Wüste auf einen Verdurstenden.

Und das beste an Deià war für mich nicht seine Geschichte als Künstlerdorf, sondern die Bushaltestelle. Eine echte Bushaltestelle! Und der letzte Bus war noch nicht durch. Was für ein Triumph!

Während der 25minütigen Wartezeit schaffte ich nicht mal einen Rundgang durch den Ort. Ich saß einfach nur auf einer Bank an der Bushaltestelle. Und der Gatte streifte mich dann und wann mit besorgten Blicken. Der Bus kam. Ich schaffte es sogar hinein. Aber nur, um in Port de Sóller wieder hinaus und auf die nächste Bank an einer Bushaltestelle zu sinken. Der Gatte holte das Auto und sammelte mich ein. Zum Parkhaus hätte ich es nicht mehr geschafft.

Den für 19:30 Uhr reservierten Tisch fürs Abendessen hatten wir zwischenzeitlich abgesagt. Um 21:30 Uhr trafen wir auf unserem Zimmer ein und brachten eine weitere Schicht „AquaSure“ auf den Kragen des Trocki auf. Ich havarierte unmittelbar danach auf dem Bett und „aß“ zwei Gläser Wein bevor ich in einen todesähnlichen Schlaf sank.

Am Morgen wachte ich wiederbelebt und voller Tatendrang auf. Beim Frühstück fragte uns unser Gastgeber, ob wir am Mittwoch vielleicht an einem mallorquinischen Essen mit Paella teilnehmen wollten. Aber sicher. Superidee! Der Gatte fuhr nach dem Frühstück mit seinem Anzug zur Tauchbasis und setzte mich im Zentrum ab. Als er mittags wieder „auftauchte“, hatte der Anzug gehalten. Er war begeistert. Ich auch.

Mein Stadtbummel erwies sich als erfolgreich. Ich entdeckte einen kleinen Laden, der u.a. Tap de Cortí führte, und deckte mich ein. Auf dem Rückweg in den Zypernschlappen zog ich mir eine weitere Blase zwischen den Zehen zu. Egal! Darauf kam es jetzt nicht mehr an.

Den Rest des Vormittags verbrachte ich lesend auf der Terrasse in der Sonne. Herrlich!

Für den Nachmittag hatten wir eine Wanderung durch den Parque Natural de Mondragó geplant. Wie besessen bepflasterte ich unter irrem Lachen meine Füße, steckte sie in die Wanderschuhe und hoffte, dass sie hielten. Der Muskelkater allein war schon übel genug.

Der außerordentlich nette Parkplatzwächter, den ich von Herzen um die Arbeitsdichte seines Broterwerbs beneidete, nahm uns EUR 5,00 für den Parkplatz ab. Wir wanderten zum Caló d’en Garrot (Sichtung von Window Nr. 1 des Urlaubs), dann an der Küste entlang zum Caló des Burgit und zurück (Rundwanderweg „Sa Guàrdia d’en Garrot“). Meine verpflasterten Füße machten einen sehr guten Eindruck. Also marschierten wir auch gleich nochmal in die andere Richtung: an der Küste entlang zur Bucht von S’Amarador, zum Punta de Ses Gatoves, weiter an der Küste entlang und über den Rundweg wieder zurück.

Auf dem Rückweg fiel uns in der Bucht ein Hund an, dessen Besitzer offensichtlich keinerlei Autorität für ihn darstellte. Natürlich war das aber auch kein Grund, den Hund in einem Naturschutzgebiet, in dem ohnehin Leinenpflicht bestand, anzuleinen. Ein Deutscher übrigens. Das nur so am Rande…

Die Sonne schien, das Meer rauschte, alle Buchten strahlten in herrlichstem Türkis. Wenn nicht ständig hässliche Yachten und neonfarbene Strandmuscheln die besten Motive verschandelt hätten, wäre mein Glück vollkommen gewesen. Vollkommen wurde es allerdings beim anschließenden Besuch der Töpferei „Terra Cuita“ in Santanyí. Schööön. Ich nahm zwei Schälchen und vier längliche Platten mit.

Und damit ich die gleich vorzeigen kann, habe ich gestern bereits eins der versprochenen Rezepte umgesetzt.

Quelitas

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Zutaten

  • 100 ml lauwarmes Wasser
  • 50 g Olivenöl
  • 20 g Schweineschmalz
  • 1 Pck. Trockenhefe (im Original 15 g Frischhefe, aber ich hatte keine mehr im Haus)
  • 275 g Weizenmehl Type 405
  • 5 g Meersalz
  • Nach Belieben können auch Kräuter, Gewürze etc. zugegeben werden. Beim ersten Versuch wollte ich eng am Original bleiben.

Zubereitung

  • Wasser, Öl und Schmalz verrühren bis alles gut gemischt ist. Hefe zugeben und ebenfalls unterrühren.
  • Mehl und Salz zugeben und etwa fünf Minuten durch die Küchenmaschine mit dem Knethaken bearbeiten lassen. Oder zehn Minuten von Hand kneten.
  • Teig auf 0,5 Zentimeter Dicke auswalzen und kleine Kreise ausstechen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben. Mit einem Zahnstocher jeweils mehrfach einstechen und zwanzig Minuten gehen lassen.
  • Ofen auf 180°C vorheizen und Blech hineingeben. Nach fünfzehn Minuten Temperatur auf 170°C reduzieren und noch kurz ausbacken, bis sie Farbe genommen haben. Zwischendurch probieren. Die Quelitas sollten innen trocken und knusprig sein.
  • Mit Sobrassada, Dips, Tapenade o.ä. servieren.

Das in der Mitte ist unser erstes Abendessen nach der Rückkehr. Prinzipiell könnte ich das jeden Tag essen.

Aber zurück zum Montag letzter Woche. Da waren wir auch essen. Nämlich im „À Table“ in Cala d’Or, das eigentlich bereits für den Vorabend eingeplant gewesen war. Es gab kein mallorquinisches, sondern französisches Essen. Passend dazu erreichte uns die Nachricht, dass Notre Dame in Flammen stand. Bei unserem Paris-Aufenthalt vor ein paar Jahren hatten wir es uns nur von außen angesehen, da uns der Besucheransturm – endlose Schlangen am Eingang – abschreckte.

Glücklicherweise röstete der Heizpilz neben uns uns nur von jeweils einer Seite. Unsere Haare gingen wider Erwarten nicht in Flammen auf. Immerhin konnten wir so draußen essen ohne zu frieren. Abends wurde es doch recht frisch.

Der warme Camembert mit Äpfeln und Calvados verlieh mir die Kraft, zurück zur Unterkunft zu stiefeln. Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn wir das zweite Window des Urlaubs entdecken.

2 Kommentare

    1. nicht ernsthaft. ohne nahtodeserfahrung ist ein urlaub ja kein urlaub 😀
      ich meine: ohne wandern hätte ich nichts abseits der wege gesehen. manche dinge gehen halt leider nur zu fuß ^^

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