Romantik und Wahnsinn. Und Mandelkuchen.

Dass es auf dieser einstmals schönen Welt eine nicht unerhebliche Zahl Wahnsinniger gibt, sollte allgemein bekannt sein.  Dass blöderweise genau diese Wahnsinnigen stets irgendwo an den Hebeln der Macht sitzen – und ununterbrochen daran herumspielen – auch. Ein Beispiel? Gern! Das da oben ist die „Cala Romàntica“. Und ich bin sicher, dass sie irgendwann einmal diesen Namen auch wirklich verdient hatte. Mittlerweile allerdings wurde sie von den eben erwähnten Wahnsinnigen komplett mit Hotels zugebaut, in denen andere – etwas weniger erfolgreiche – Wahnsinnige ihren Jahresurlaub verbringen. Da fragt man sich doch, warum die gute Santa Catalina, die einzige Heilige, die von Mallorca stammt, nicht wenigstens in irgendeinen dieser Wahnsinnigen einen Blitz hat einfahren lassen. Zu Catalina kommen wir allerdings später noch.

Wirklich schocken kann mich Derartiges seit Xlendi Bay auf Gozo allerdings auch nicht mehr. Geschockt hat mich dafür der „Rother Wanderführer“ mit seiner Wanderung Nr. 60 „Von Cala Romàntica zur Cala Barques“. Bevor wir losziehen erhalte ich jeweils einen Überblick über den Tagesverlauf, meist mittels Wanderführer. Und dann nicke ich die entsprechende Wanderung meist ab, damit wir starten können.

Diesmal stieß ich auf folgende Sätze: „Der teils ruppige Pfad über verkarsteten Fels ist ziemlich anstrengend. Die Tour führt streckenweise durch meterhohe Macchia; lange Hosen empfehlenswert. Badesachen und ausreichend Trinkwasser mitnehmen, es gibt keinen Schatten.“ und „Von der Wasserlinie geht man an der felsigen Wand etwa 30 Meter landeinwärts bis drei bis vier Meter vor den überhängenden Felsen. Dort führt eine deutliche Trittspur durch das Gebüsch aufwärts. Sogleich gilt es, eine vier Meter hohe Steilstufe zu überwinden. In den Fels geschlagene Steighilfen für Hände und Füße machen die Sache für geübte Wanderer jedoch nicht allzu schwierig.“ Gulp!

Wenn „der Rother“ von „ziemlich anstrengend“ spricht, bedeutet das in der Regel unmittelbar bevorstehende Nahtodeserfahrungen. Macchia… Macchia… Nie gehört. Gleich mal Wikipedia gefragt: Macchie / Macchia. Noch so ein toller Satz: „Geschlossene Macchien sind durch die dicht stehenden Büsche mit ihren ineinander verflochtenen Ästen und die eingewobenen dorn- oder stachelbewehrten Lianen gekennzeichnet, welche für Menschen und größere Säugetiere nur schwer durchquerbar sind.“ Das beruhigte mich jetzt nicht wirklich.

Dazu diese „Steilstufe“, die klang, als ob man dafür Steigeisen und Seile benötigen würde. Und dann noch der „verkarstete Fels“ und die ständige Gefahr zu verdursten… Egal. Meine Füße machten einen guten Eindruck. Schau‘ mer mal!

Ich sag’s gleich: ein Witz! Die „Steilwand“ waren wir bereits oben, bis mir auffiel, dass sie das gewesen sein musste. Die „meterhohe Macchia“ sieht man auf dem oberen Foto an der dichtesten Stelle des gesamten Wegs. Sie ging mir bis knapp unters Knie.

Und der „ruppige Pfad über verkarsteten Fels“ sah etwa so aus:

Kein wirklicher Grund zur Panik also. Diesen Mallorca-Wanderführer muss jemand verfasst haben, der desorientierte Strandtouristen in Flip-Flops von den Wanderwegen fernhalten wollte. Es waren natürlich trotzdem welche da. Klar.

Es handelt sich trotzdem um eine sehr schöne Küstenwanderung. Uuund! Es gibt einen Traumstrand. Und ein Window! Und dann noch einen hübschen Strand. Es geht praktisch die meiste Zeit oberhalb der Steilküste entlang. Tolle Ausblicke inklusive.

Besonders nett wurde es, als wir die Cala Falcó erreichten. Ein schmaler Einschnitt in die Felsen, ein weißer Strand. Und die ganze Herrlichkeit fast menschenleer. Fast! Da war ein mittelalter, übergewichtiger, deutscher Tourist mit seiner Frau, der erst den kompletten Strand mit einem Stöckchen beschriftete und dann vor jedem Schriftzug seine Frau in absonderlichen Posen fotografierte. Als er dies erledigt hatte, riss er sich das geschmacklose Shirt herunter und legte seinen Alabasterleib („Bier formte diesen schönen Körper“) mitten in mein geplantes Foto. Und zwar genau so, dass er auf alle Fälle drauf sein musste. Am Ende schaffte ich praktisch kein Foto, auf dem er nicht drauf war.

Wir gingen schließlich weiter und machten noch Fotos vom Wanderweg aus. Ich hoffte inständig, dass er einen ordentlichen Sonnenbrand bekommen würde.

Am Window – der Cova des Pont – trafen wir ihn wieder. Und er HATTE einen ordentlichen Sonnenbrand. Strrrike! Zu diesem Zeitpunkt war ich aber bereits darauf konzentriert, vier andere Wahnsinnige zu hassen. Ein Elternpaar mt zwei halbstarken Jungs. Die Eltern hatten sich exakt an der vorderen Küstenkante abgesetzt, die perfekt für mein Window-Foto gewesen wäre, die Jungs turnten auf der „Brücke“ selbst herum, dass ich schwitzige Hände bekam und bereits einen oder beide aufklatschen hörte. Den Eltern machte das keine Angst. Sie filmten sie dabei. Nun gut.

Irgendwann zogen sie ab und ich schaffte es, in dem kurzen Zeitfenster vor dem Auftauchen eines Instagrampärchens mit Handystick meine Fotos zu machen. Window Nr. 2 – Check!

In der Cala Barquez lag ein Segelboot. Das störte mich gar nicht. Nett. War ja auch nur eins. Und keine protzige Yacht mit sie ununterbrochen umkreisendem, höllenlautem Jetski.

Der Rückweg ist der gleiche wie der Hinweg. Der versengte Adonis begegnete uns ein weiteres Mal – immer noch mit nacktem Oberkörper. Und er grüßte. Unverschämtheit! Ich grüßte zurück.

Mit dem Auto ging es zurück nach Cala d’Or. Unterwegs waren wir kurz davor, die kleine Frau aus dem Navi zu zerren, die uns fortwährend sich ständig wiederholende Anweisungen erteilte. „In 700 Metern den Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt verlassen… Den Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt verlassen…“ Wah! Ist das bei Opel Standard?!

Zum Abendessen gingen wir ins „Mediterraneo“, das zwar von außen wie ein Schnellimbiss aussah, aber von zahlreichen Einheimischen bevölkert war. Der Gatte hatte es bei seinem letzten Besuch bereits getestet und für gut befunden. Wir bestellten Tapas und waren am Ende sehr begeistert. Und pappsatt und glücklich. Und dazu kein Tourist weit und breit.

Am nächsten Tag ließ sich der Gatte morgens wie gewohnt in seinem immer noch dichten Trocki zu Wasser, während ich der Regeneration fröhnte. Für den Nachmittag hatten wir eine harmlose Küstenwanderung geplant: Rother Nr. 62 – „Vom Cap de ses Salines zur Caló des Màrmols“.

Vorher machten wir allerdings noch einen kleinen Window-Abstecher zu Es Pontas. Window Nr. 3 des Urlaubs: Check! Ziemlich spektakulär und absolut freistehend.

Das Licht war für Fotos alles andere als perfekt. Abends soll es einen hübschen Sonnenuntergang von dort aus geben.

Wir starteten anschließend unsere Wanderung am südlichsten Punkt Mallorcas, dem Cap de ses Salines mit seinem Leuchtturm und arbeiteten uns sehr langsam vor. Zu viele Fotomotive und eine neue Blase an meiner Ferse. Wenn’s läuft, dann läuft’s.

Von da aus liefen wir immer an der Küste entlang. Herrliches Wetter, das Meer in allen erdenklichen Blautönen – besser geht’s nicht. Und eigentlich war das mehr ein Spaziergang als eine Wanderung. Mir langte es trotzdem für diesen Tag. Wir gingen nicht bis zum Endpunkt, der Caló des Màrmols, sondern drehten am Torrent d’en Barragot um.

Vorher entdeckten wir allerdings durch Zufall noch ein weiteres Window. Eins, das in keiner Karte und keinem Reisebricht vorkam. Wir waren praktisch seine Entdecker.

Möglicherweise könnte das allerdings auch daran liegen, dass es nicht gerade wahnsinnig groß war. Nennen wir es eher „ziemlich klein“. Um genau zu sein, musste ich mich in einem Erdloch flach auf den Bauch legen, um dieses Foto zu machen. Immerhin kann da niemand drauf rum spazieren. Oder halt nur einmal. Ich fand es trotzdem hübsch. Jetzt habe ich praktisch mein eigenes, kleines Window. Hach!

Auf dem Rückweg trieb ich den Gatten fast in den Wahnsinn, weil ich unbedingt noch bei „Flor de Sal d’Es Trenc“, den nahegelegenen Salinen, vorbeischauen wollte. Kein Urlaub am Meer ohne Aufstockung des heimischen Salzvorrats. Da bin ich eigen. Er ergab sich schließlich in sein Schicksal und wir erreichten zwar noch den Laden, der jeden Augenblick schließen würde, für eine Führung war es allerdings zu spät. Immerhin.

Anschließend standen wir gleich wieder unter Zeitdruck, da ja für abends das mallorquinische Essen in unserer Unterkunft anberaumt war. Wir schafften es gerade so. Okeeehhh… Wir waren etwas zu spät. Aaaber wir waren nicht die Letzten, sondern nur die Vorletzten.

Antonia, die gute Seele des Hauses, hatte alles gegeben und rührte, während wir bereits über weiße Sangria, Brot, Aioli und Trampó (zu dem kommen wir auch noch) hergefallen waren, noch draußen in der Paella. Die war mit Schwein und Huhn angesetzt. Muscheln und Gambas gab es am Ende oben drauf. Kurz garen lassen. Und dann genießen. Ich werde – sobald ich den richtigen Reis beschafft hab – einen eigenen Versuch starten. Zum Nachtisch gab es dann noch Gató, DEN mallorquinischen Mandelkuchen mit Vanilleeis. Und auch der war von Antonia – und perfekt.

Und jetzt kommt’s! Ich habe am Abreisetag mallorquinische Mandeln aus Caimari besorgt. Und eine Zitrone aus Sóller. Und heute gab es den Kuchen. Zu einer Kugel Mandeleis, wie wir sie am zweiten Abend im „Proas“ auf dem Dessertteller mit dem Kuchen hatten. Lustigerweise fand ich in einem Supermarkt eine Tüte mit einer Mischung aus gemahlenen Mandeln (40%) und Zucker (60%), die „Almendra para Helado“ hieß, und für die außerdem nur ein Dreiviertelliter Milch und Zitronenschale benötigt wird, um daraus ein Mandeleis herzustellen. Die habe ich natürlich auch gleich mal mitgenommen und in den Koffer gestopft.

Der großartigste Moment des Tages war der, in dem ich mit der Schere das Mandelpäckchen aufschnitt. SO riechen MANDELN?! Was war dann bitte das, das ich jahrelang dafür gehalten hatte?! Das war in etwa der gleiche Effekt wie wenn man die erste Tomate aus dem eigenen Garten isst und vorher nur Gewächshaustomaten aus Holland kannte. Unfassbar! Ich werde das zweite Päckchen hüten wie einen Schatz.

Gató – Mallorquinischer Mandelkuchen

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Zutaten

  • 250 g gemahlene Mandeln (gehäutet)
  • 250 g Zucker
  • 7 Eier
  • Zitronenzesten nach Belieben
  • 1 Prise Zimt
  • Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung

  • Eier trennen. Eiweiß zu Schnee schlagen.
  • Eigelbe mit dem Zucker schaumig schlagen, Zitronenzesten und Zimt mit einrühren.
  • Nach und nach gemahlene Mandeln zugeben und weiterrühren.
  • Geschlagenes Eiweiß unterheben.
  • Kuchenform ausbuttern. Aus Backpapier einen Kreis in der Größe des Bodens schneiden und einlegen. Teig in die Form geben.
  • Bei 180°C Ober-/Unterhitze abbacken, bis der Kuchen durchgebacken und von oben etwas gebräunt ist. Stürzen, Backpapier abziehen und großzügig mit Puderzucker bestäuben.

Ich habe das Originalrezept an die 250 Gramm Mandeln meines Beutels angepasst. Die Menge war für meine Form perfekt passend. Der Kuchen ist ausgezeichnet – fluffig, fast wie ein Biskuit. Und der Geschmack dieser Mandeln ist einfach die Krönung.

Das Original stammt übrigens von einem sehr genialen YouTube-Kanal, den ich im Rezept verlinkt habe.

2 Kommentare

  1. Danke für den wunderschönen Bericht. War auch schon mal in der Ecke – off season, im November. Da hatte ich auch so manche Bucht ganz für mich. Ein Traum

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