Kontrastprogramm

Am nächsten Morgen wurde dann gepackt. Die Unterkunft wurde bezahlt, und auch die Tauchgänge des Gatten. Ich nahm Abschied von meinem niedlichen kleinen Innenhof. Und wir füllten den Fragebogen des maltesischen Fremdenverkehrsbüros aus, der uns am Flughafen bei unserer Ankunft überreicht worden war.

 

Mit einem vollgepackten Peugeot 108 und dem Wissen, dass zumindest das Gewicht meines Koffers definitiv am Flughafen zu Fragen führen würde, ging es zur Fähre. Und mit der Fähre zurück nach Malta.

Es gab kurz vor der Ankunft eine kleine Konfusion, weil unser Auto nicht auffindbar war, aber der kluge Gatte merkte schließlich, dass wir auf dem falschen Parkdeck herumeierten. Ich würde wahrscheinlich immer noch leicht hysterisch herumirren.

Anschließend stand uns die größte Herausforderung des gesamten Urlaubs bevor: Parkplatzsuche in Valletta. Nachdem wir zumindest bis in die Nähe unserer Pension vorgedrungen waren, gelang es uns schließlich direkt am Hafen einen freien Parkplatz zu finden, von dem wir aber nicht genau wussten, ob der bedingungslos beparkt werden durfte. Egal. Erstmal Koffer raus und Zimmer suchen.

Die Altstadt von Valletta ist – sagen wir mal – recht steil. Zudem mussten wir größtenteils Treppen hoch, sodass die Koffer getragen werden mussten. Auf den Stücken, auf denen sich keine Treppen befanden, war das Pflaster für Koffer praktisch nicht befahrbar. Als wir schließlich vor der Pension „Asti“ ankamen, waren wir einigermaßen ausgepumpt. Die letzten Treppen hoch musste mir der Gatte dann auch noch meinen sauschweren Koffer abnehmen, weil ich mich ansonsten weinend zum Sterben auf die Stufen gesetzt hätte.

Die Pension „Asti“ bzw. ihre Besitzerin ist genial. Eine außerordentlich akkurate und recht betagte Person. Blöderweise fand man unsere Reservierung nicht. Ich sah mich bereits mit meinem Monsterkoffer bis in die Nacht durch Valletta irren, als man feststellte, dass unsere Reservierung zwar verschollen, aber glücklicherweise noch ein Zimmer frei war. Puh!

Guuut… Durch das sehr enge und sehr steile Treppenhaus musste der Gatte nochmal unser Gepäck fast alleine hinaufschleppen, aber dann war es geschafft. Ich beschloss, am folgenden Morgen vor der Fahrt zum Flughafen den Koffer strategisch geschickt umzupacken.

Nachdem wir wieder einigermaßen regeneriert und hydriert waren, machten wir uns auf den Weg, um noch etwas von Valletta zu sehen. Die Pension ist in der Nähe der Upper Barrakka Gardens, zu denen es uns als erstes zog. Wirklich schön.

Leider erblickten wir von da oben auch unser nächstes Problem: Zwei Kreuzfahrtschiffe entluden gerade ihre wertvolle Fracht menschlicher Leiber in die Altstadt. Anschließend war es nicht nur voll in den engen Gassen, nein, es war brutal voll.

Als wir in den Grand Master’s Palace, den ehemaligen Herrschaftssitz des Johanniterordens und heutigen Sitz der Präsidentin, vorgedrungen waren, entwickelten wir ein ausgeklügeltes System, um den allgegenwärtigen Landausflugsgruppen ein wenig aus dem Weg zu gehen. Da war Geschick im Umgang mit dem Erklärgerät, das wir jeweils um den Hals trugen, gefragt. Wir meisterten die Sache natürlich ganz großartig.

Bei der Besichtigung der Waffenkammer mussten wir feststellen, dass der aktuelle Einhornwahn bereits vor sehr, sehr langer Zeit begonnen hat. Die Knights of Malta schienen gerne mal ihre Pferdchen entsprechend aufgemotzt zu haben:

Anschließend geriet ich ein wenig – aber wirklich nur minimal – in einen Shopfront-Fotografie-Rausch. Jeder winzige Schriftzug versetzte mich in Entzücken, was dem Gatten so nicht ganz nachvollziehbar und etwas übertrieben schien.

Aber mal ehrlich: Ist das etwa nix?!

Relikte aus Zeiten, in denen auf Malta offensichtlich noch mit Handwerk Geld verdient wurde – statt mit Geldwäsche und Onlinewettbüros. In diesem Zusammenhang schwitzten wir nach unserer Rückkehr übrigens etwas, als die Nachricht vom Anschlag auf Daphne Caruana Galizia zu uns durchdrang. Ein Leihwagen. Ein weißer Peugeot 108. Am Ende der, den wir sonntags am frühen Morgen abgegeben hatten…

Auf die Shopfotos folgten Türfotos…

… und schließlich intensive Balkonstudien:

Ich mache es kurz: Das Abendessen war ein Flop. Selten so desinteressierte Kellner erlebt. Mal angesehen davon, dass sich die Küche auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Einzig für Heiterkeit sorgte, dass das Restaurant direkt neben einer Apotheke lag, und ich während des Essens exakt auf das hier blickte:

Na danke!

Den neben der Apotheke stehenden „Thron“ hätte ich wahnsinnig gerne noch eingepackt, aber mein Koffer war ja leider schon maximal vollgestopft mit Lebensmitteln und Büchern. Mist!

Wir sanken anschließend in unser Pensionsbettchen, schafften es, das Weckerklingeln um 4:15 Uhr ernst zu nehmen und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Gottlob war das Auto nicht abgeschleppt.

Und gottlob hatte ich durch geschicktes Taktieren alle sauschweren Gegenstände, die keine Flüssigkeiten enthielten, in meinem Fotorucksack gestopft, während sich im Koffer jetzt nur noch mittelschwere und / oder flüssige Dinge befanden. Beim Einchecken wog er exakt 19,8 kg. Punktlandung!

Als anschließend die Dame am Schalter noch das Handgepäck kontrollieren wollte, hielt ich ihr meinen Rucksack des Todes an einem ausgesteckten Arm entgegen, ohne sein volles Gewicht auf der Waage abzustellen. Gut. Mir traten die Adern am Hals  hervor, ich zitterte ein wenig vor Anstrengung, aber sie befestigte schließlich ihr lustiges Bändchen daran. Das war gut.

Schlecht war, dass ich über die Umpackaktion vergessen hatte, meine Schere aus dem Rucksack zu nehmen. „Are there any scissors in your backpack, Madam?“ wurde ich kurz danach beim Sicherheitscheck gefragt. Nein! Natürlich nicht!! Oder doch?! Ja. Leider. Bye-bye, Scissors!

Immerhin wurden diesmal nicht meine Kamera und meine Objektive, sondern der Lungenautomat des Gatten einem Sprengstoffabstrich unterzogen.

Wir bestiegen das Flugzeug, bekamen ein total doofes Käsebrötchen und landeten schließlich in Düsseldorf. Gegen Mittag waren wir zu Hause. Urlaub vorbei… Menno.

Merken

Merken

2 Kommentare

    1. ich hab’s erst nach der vorspeise bemerkt. da es aber ohnehin nicht der „burner“ war, kam es nicht dazu, dass ich fatburners gebraucht hätte. die apotheke hatte ohnehin geschlossen 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.