„Muros ciegos sin nada, …

… de blancos gastados por el viento, y dedos señalando las distancias de los cielos.“ – César Manrique

„Blank walls with nothing, the white faded by the wind, and fingers pointing to the distances of the heavens.“

Der zweite Teil der Weihnachtsflucht war dann am Ende noch beeindruckender als der erste. Zumal wir uns zwischendrin in Manrique verliebt haben. Und ihm über die Insel gefolgt sind. Immer auf seinen Spuren. Durch die vielen fabelhaften Mo(nu)mente, die er hinterlassen hat.

Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhren wir bereits morgens – die Tauchbasis hatte geschlossen – zum Islote de Hilario im Timanfaya Nationalpark. Auch hier hatte Manrique seine Finger im Spiel. Zitat: „Beeindruckt von der vulkanischen Schönheit, entwickelte César Manrique die Ruta de los Volcanes, eine etwa 14 Kilometer lange Route entlang des Hauptkerns der Eruptionen. Auf dieser Route können Besucher eine große Anzahl von Höhlen, Kratern, Lavamänteln und beeindruckendem Vulkangestein von einem speziell dafür ausgestatteten Bus aus besichtigen, der in der Lage ist, die vulkanischen Wände dieser bewegten Mondlandschaft zu durchqueren.“

Der Timanfaya Nationalpark & die Ruta de los Volcanes

„Beeindruckend“ ist treffend formuliert. Ein Tipp an dieser Stelle, den wir auch vorher irgendwo gelesen und beherzigt hatten: Im Bus unbedingt auf der rechten Seite Platz nehmen! Dankt mir später.

Oben am Parkplatz – grandios organisiert übrigens – gibt es das Restaurant El Diablo. „Manrique ließ auch seiner Fantasie freien Lauf und erweckte das Restaurant El Diablo zum Leben. Ein lebendiger und beeindruckender gastronomischer Ort, der perfekt in seine Umgebung passt und das touristische, künstlerische und kulturelle Interesse noch steigert. Während man bei dem berühmten Ofen die Wärme der Erde nutzt, um köstliche Grillgerichte zu zubereiten, erreicht die Tiefe von zehn Metern unter unseren Füßen fast 300 Grad.“

La Geria – Weinbau in einer großartigen Landschaft

Wir waren früh dran. Zu früh zum essen. Und wir wollten noch einiges sehen an diesem Tag. Am Vortag hatten wir das Weinanbaugebiet La Geria bereits mit dem Auto durchquert, um unseren Heiligabend-Wein zu besorgen. Wir wollten dort aber nochmal zu Fuß ein wenig herumlaufen. Ich sage es gleich vorweg: Es führte zur erwarteten Fotoeskalation.

Wikipedia sagt dazu: „Die schweren Vulkanausbrüche in den Jahren 1730 bis 1736 lagerten hier mächtige Lapillischichten (picón) von 1 bis 2,5 Metern Dicke ab. Wohl zunächst aus der Not heraus entwickelte sich eine besondere Art von Trockenfeldbau. Um an fruchtbaren Boden zu gelangen, wurden Trichter in die Lapillischicht gegraben und an ihrem Grund jeweils eine einzelne Pflanze gesetzt. Die grobporige Schicht lässt die mit 100 bis 200 mm pro Jahr sehr geringen, fast ausschließlich im Winter fallenden Niederschläge schnell in den durchwurzelten Boden versickern. Gleichzeitig verringert sie – neben einem seitlichen Abfließen des Wassers und der damit verbundenen Erosion – durch ihre geringe Kapillarwirkung und Wärmeleitfähigkeit die Verdunstungsverluste. Zusätzlich zu der Vertiefung schützen oft noch halbkreisförmige Mauern aus Lavabrocken die einzeln wachsenden Reben vor den kräftigen Winden.“

Wir waren sehr begeistert und liefen eine ganze Weile durch die fast unwirklich wirkende Landschaft.

Für mehr als ein paar wenige Drohnenfotos war es zu windig. Oder ich zu feige. Aber einmal musste ich sie starten lassen.

César Manrique: Casa-Museo del Campesino

Anschließend wollten wir unbedingt nochmal zum Casa-Museo del Campesino, das wir bereits bei deutlich schlechterem Wetter kurz besucht hatten. Diesmal sah das deutlich besser aus. „Das Casa-Museo del Campesino, das auf einer Idee des Künstlers César Manrique beruht, ist eine Reise durch die Volkskultur von Lanzarote, die Architektur, die Landwirtschaft, das Kunsthandwerk und die traditionelle Küche, um die Schönheit einer anderen Insel zu verstehen, deren Männer und Frauen aus der Not heraus einen eigenen Stil entwickelt haben.“ – schreibt die CACT-Website.

Ich fotografierte mich wieder lustig übers Gelände, das hinter jeder Ecke eine neue, spannende Perspektive bot. Das Monumento a la Fertilidad mal mit mehr, mal mit weniger Wolken dahinter. Die Plätze um das Restaurant herum. Irgendwann meinte der Gatte, man könne ja mal fragen, ob ein Tisch zu haben sei. Ich hielt das für aussichtslos an einem ersten Weihnachtsfeiertag mittags, zumal geraten worden war, unbedingt vorher zu reservieren. Was soll ich sagen? Das Glück war mit uns. Es war noch ein einziger TIsch für zwei Personen frei. Und fünf Minuten später saßen wir daran und diskutierten uns durch die Karte.

Wir teilten uns eine Portion fritierten, geräucherten Käse von der Insel mit Kaktusfeigenmarmelade. Anschließend trennten sich unsere Wege. Den Gatten zog es zum Pulpo, mich Richtung Kaninchen – beides ein Genuss.

Als wir das Restaurant satt und zufrieden verließen, strahlte die Sonne auf die weißen Mauern. Auch dieser Ort war wieder ein Genuss für alle Sinne.

Abends liefen wir in Costa Teguise im Sonnenuntergang noch ein Stück am Meer entlang. Zu essen gab es anschließend die Reste der Kartoffeln, die ich wieder aufopferungsvoll stundenlang in mehreren Portionen in der winzigen Pfanne anbriet. Ein herrlicher Tag, der mich mit knapp 800 zu bearbeitenden Fotos zurück ließ.

Käse aus Femés und Fisch in La Calleta

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte die Tauchbasis wieder geöffnet. Der Gatte tauchte ab, während ich Fotos sichtete. Als er mittags zurückkehrte, fuhren wir nach Femés zur Quesería Rubicón. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, bevor der Laden schloss und setzen uns nach erfolgreichem Erwerb zweier Käsestücke erstmal ein paar Meter weiter an der Plaza de Femés in eine Bar und tranken hervorragenden Kaffee, bevor wir zur Kirche und zum Aussichtspunkt am Restaurant Balcón de Femés liefen. Dort hat man einen herrlichen Blick über die Rubicón Ebene nach Playa Blanca. Für Fotos waren die Lichtverhältnisse zu diesem Zeitpunkt denkbar ungeeignet. Leider.

Von Femés ging es zum Castillo de las Coloradas. Wir liefen eine Weile an der Küste entlang, bekamen irgendwann Hunger und überlegten, wo wir denn mal einkehren könnten. Der Gatte hatte bereits vor der Reise beschlossen, dass wir die Casa Tomás in Las Calletas besuchen würden. Die Kritiken lasen sich, als ob das etwas für uns sein könnte. Und nach unserem Glück im Restaurant des Casa-Museo del Campesino fuhr er kurzerhand einfach hin. Ohne Reservierung, obwohl die auch hier dringend empfohlen wurde. Und auch diesmal hatten wir wieder Glück und ergatterten einen Tisch für zwei.

Und die Casa Tomás war tatsächlich etwas für uns: Das perfekte, unkomplizierte und ehrliche Fischrestaurant, das wir erwartet hatten. Hervorragende Gerichte ohne Schnickschnack. Und eine der besten Muschelsaucen, die ich je gegessen habe. Mejillones a la marinera. Ich untersuchte sie akribisch und notierte alle Zutaten, die ich sehen, riechen und schmecken konnte. Da ist ein Nachbau fällig.

Als Dessert hatten wir eine Mousse de Gofio und den im letzten Blogpost bereits erwähnten Polvito. Beides gleichermaßen köstlich. Die Mousse hatten wir bereits auf La Palma probiert. Und ich hatte sie anschließend verbloggt:

Überflüssig zu erwähnen, dass auch diesmal wieder Gofio im HiperDino erworben und nach Hause geschleppt wurde.

Die Fundación César Manrique: Casa del Volcan

Die Fundación César Manrique betreibt die Casa del Volcan in Tahíche und die Casa del Palmeral in Haría. Zu seinem Haus in Tahíche sagt Manrique 1988 in einem Spiegel-Interview: SPIEGEL: „Sie haben ein prachtvolles Haus…“ MANRIQUE: „…ja, ich will Ihnen mal erzählen, wie das mit meinem Haus war. Ich wollte mir dieses Haus in der Lava bauen und bat einen befreundeten Arzt, mir Gelände zu verkaufen. Er sagte: Junge, nimm, was du willst, es ist sowieso nichts wert. Alle haben damals über mich gelacht, als ich mein Haus in Tahíche mitten in das Lavagestein baute, aber hinterher haben sie gesagt: César, du hast recht gehabt.“

Hier lebte er, bis er 1988 in die von ihm wiederaufgebaute Casa del Palmeral in Haría zog. Man kann beide Häuser besichtigen – getrennt oder mit einem Kombi-Ticket. Alle Einnahmen fließen direkt in die Stiftung.

Das Haus besteht aus mehreren großen Luftblasen in der Lava. Manrique hatte damals die Spitze eines Feigenbaums herausragen sehen. Die Blasen sind untereinander mit Gängen verbunden. Futuristisch – selbst im 60er und 70er Look.

Als wir dort waren, gab es gerade eine sehr interessante Ausstellung: „LANZAROTE. architectura [in]édita“ mit Werken, Zitaten, Fotos – alles in dieser spannenden Umgebung.

Alles in allem eine absolut lohnende Unternehmung. Und eine gute Vorbereitung für die Manrique-Besichtigung, die am letzten Urlaubstag auf dem (Um)Weg zum Flughafen geplant war.

Vorher hatten wir für diesen letzten Abend allerdings noch einen Tisch im hochgelobten SeBE reserviert. Der Guide Michelin schreibt: „A must for visitors to Lanzarote! The interior, which reflects the colours and iconic architecture of the island, provides the backdrop for superb fish and seafood, although Santi’s delicious and intense rice dishes also take centre stage. Make sure you sample the spectacular prawns from La Santa!“ Natürlich probierten wir sie.

Ja… Ich weiß… Die Fotos sind nicht wirklich gut ausgeleuchtet. Besser ging es leider nicht. Das tat dem Essen aber keinen Abbruch. Es gab ein hervorragendes Sauerteigbrot (pan ecológico masa madre) vorweg. Dazu zwei sehr nette Grüße aus der Küche. Es folgten: Carabinero Tatar (tartar de carabinero aliñado con mojo oxidado de tuétano), Tomate in Ziegenbutter-Béchamel und gegrillter weißer Fisch aus der Region (cherne, mojo hervido y tomate confitado en bechamel de mantequilla de cabra), Oktopus mit blanchiertem Gofio und schwarzer Olivencrème (pulpo con gofio escaldado, pil pil de oliva negra), kanarischer Thunfisch, Pilzescabeche, glasierte Schalotte (atún canario, escabeche de setas, chalota glaseada) – und schließlich unsere gemeinsame Zwei-Personen-Paella mit den La Santa-Carabineros (arroz a banda carabinero de La Santa en paella). Als Desserts hatten wir: Kakao-Blätterteig, Mandelpraline, Schokolade und Pistazieneis (hojaldre de cacao, praline de almendra, chocolate y helado de pistacho) und – Trommelwirbel, weil wirklich ausgezeichnet – Ziegenmilchflan mit Vanillecrème (flan de leche de cabra, chantilly vainilla bourbon).

Unsere Begeisterung bewegte sich am Ende auf unterschiedlichen Ebenen. Ich war mit meinen Vorspeisen ausgesprochen zufrieden. Der Flan war sensationell von der Konsistenz und vom Geschmack. Der Gatte war von seinen Vorspeisen ein wenig enttäuscht, mochte aber sein Dessert. Was wir beide sehr mochten war die Paella mit den Carabineros, die uns vor dem Garen noch persönlich am Tisch vorbeigebracht und vorgestellt wurden. Der Wein, den wir ein paar Tage vorher getrunken hatten – die beiden Flaschen von der Bodega El Grifo (vor allem der Vijariego) und die Flasche im Restaurant (Althay) lagen für uns deutlich weiter vorne als der empfohlene Contradicion im SeBE. Es war trotzdem ein gelungener Abend. Und leider auch der letzte des Urlaubs.

Mirador del Río – auf Timm Thalers Spuren…

Nachdem wir am folgenden Morgen aus dem Hotel ausgecheckt waren, stand der Mirador del Río auf dem Plan. Den wollte ich unbedingt noch sehen. Und es lohnte sich.

Der Mirador del Río war mal ein Drehort, an den sich die Älteren unter uns vielleicht noch erinnern werden. Wikipedia: „In der ZDF-Serie Timm Thaler aus dem Jahre 1979, die Thomas Ohrner zum Kinderstar machte, wird das höllische Domizil des Barons (gespielt von Horst Frank) in Zusammenschnitten dreier Kunstwerke Manriques dargestellt: Hotel Melia Salinas in Costa Teguise, Mirador del Río und Jameos del Agua.“

Der Aussichtspunkt ist so genial in die Umgebung eingefügt, dass man ihn eigentlich erst sieht, wenn man schon fast drin steht. Wir waren sehr zeitig unterwegs und tranken an der Panoramascheibe erstmal einen Kaffee. Es waren noch nicht allzu viele Menschen unterwegs, sodass man tatsächlich zwischendurch auch mal ein Foto machen konnte, in das niemand hineinstolperte. Man hat von der Plattform als auch aus der Bar einen fabelhaften Blick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa. Und dann immer wieder diese herrlichen Sitzlandschaften! Manrique muss wirklich wahnsinnig gerne herumgelümmelt haben.

Sonntag: Markt in Teguise

Teguise wollten wir uns ohnehin anschauen, den Markt hatte ich mir allerdings Tage vorher bereits abgeschminkt, bis der Gatte meinte, dass wir den vor dem Abflug schon noch schaffen könnten. Ja, hervorragend! Also ab mit dem Auto in ein etwas unübersichtliches und total vollgeparktes Straßengewimmel. Die komplette Innenstadt war wegen des Markts abgesperrt. Es gelang uns allerdings nach kurzer Suche einen Parkplatz zu finden, der vertrauenswürdig genug wirkte, um den Mietwagen eine Weile dort abzustellen.

Teguise ist ein recht hübsches Städtchen und wir saßen eine ganze Weile sehr entspannt vor der Kirche in der Sonne, nachdem ich – Ehrensache! – einen winzigen Keramikkauf getätigt hatte. Die beiden Schalen landeten im Handgepäck. Die nette Frau aus der Töpferei hatte sie wirklich sehr penibel eingepackt und sie kamen unbeschadet zu Hause an.

Und damit waren wir dann auch prinzipiell bereit, zum Flughafen zu fahren. Dort verlief alles – Abgabe des Autos, Einchecken, Sicherheitskontrolle, Boarding – wirklich sehr entspannt. Wir erwischten das Kofferband 42, was ich für ein ausgezeichnetes Omen hielt. Nach Mitternacht waren wir zu Hause, packten das Nötigste aus und fielen ins Koma. Am nächsten Morgen schleppte ich mich einigermaßen erschöpft an den Schreibtisch, um an den beiden Tagen „zwischen den Jahren“ vollumfänglich meinem Arbeitgeber zur Verfügung zu stehen. Ich überlebte den Tag. Und den folgenden auch.

Was bleibt? Eine Menge Nachkoch-Ideen (Rezepte folgen), Bilder im Kopf von weißen Wänden, Palmen, Farnen und Lava, und das Gefühl, sicher nicht zum letztenmal auf Lanzarote gewesen zu sein. Mir war vorher absolut nicht klar, wie fotogen eine so nette, kleine Insel sein kann. ¡Hasta luego!

Anmerkungen & Ideen? Lob & Tadel? Her damit!

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