Nach dem Gelage…

… ist vor dem Anisschnaps. Traditionell. Immerhin haben es alle unbeschadet überstanden. Und ich glaube, dass das Käsebrett mal wieder (zum wievielten Mal eigentlich?!) nicht zum Einsatz kam, ist auch nicht das schlechteste Zeichen. Von irgendwas in den Stunden vorher müssen alle satt geworden sein.

Wir starteten mit ein paar Häppchen zum Sekt: Salbeifleischbällchen, panierter Feta, Pizzabrötchen, drei Dips. Die Geschenke wurden ausgepackt. Und anschließend ging es los. Ich fasse es kurz zusammen: Alles gelang trotz zwischenzeitlichn Chaos‘ bestens. Der Neffe sorgte freundlicherweise für Essensfotos. Meine Kamera ist nämlich immer noch in Reparatur…

Es gab zuerst eine scharfe Hühnerbrühe mit Geflügelquenelles. Eins meiner beiden Hühner hatte ich mit Innereien bekommen und unter Zuhilfenahme der Leber diese köstliche Suppeneinlage hergestellt.

Geflügelquenelles

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Zutaten

  • 100 g Hühnerbrust
  • 50 g Hühnerleber
  • 1 Prise Macisblüte (ersatzweise: Muskatnuss)
  • 1 halbes Eiweiß
  • Meersalz
  • frischgemahlener Pfeffer (hier: Szechuanpfeffer)
  • etwas getrockneter Wildthymian
  • 100 ml Sahne

Zubereitung

  • Hühnerbrust und Leber fein würfeln. Mit Salz und Pfeffer würzen. Mit Folie bedeckt im Kühlschrank gut durchkühlen (< 5°C).
  • Die Sahne in einem Becher für fünf Minuten in den Tiefkühler stellen.
  • Im Mixer zuerst die Brustwürfel mit der Sahne fein pürieren. Danach die Leber und das Eiweiß zugeben und alles wieder fein pürieren. Die Farce durch ein Sieb streichen (der doofste Teil der Sache...) und mit den Kräutern mischen.
  • Mit zwei Teelöffeln feine Gnocchi abstechen und im siedenden Geflügelfond pochieren.
  • Ich habe die gargezogenen Klößchen anschließend mit Abstand auf ein mit Frischhaltefolie bezogenes Brett gesetzt, abgedeckt und eingefroren. Sobald sie gefroren sind, einfach zusammen in einen Gefrierbeutel geben.
  • Am Tag des Essens morgens auftauen und später in der Suppe garziehen lassen.

Anschließend ging es – nach mehr oder weniger (eher weniger…) – kurzen Pausen weiter mit Bolinhos de Bacalhau auf Kürbispüree und Mangold und mit Maniokplätzchen (man beachte den spiraligen Süßkartoffelcrunch in Violett! :D), und mit Jakobsmuscheln auf Rahmwirsing mit Rotweinbutter.

Derweil aalte sich der Wildschweinrücken lasziv im Sous-vide-Bad und das Sößchen ging seiner Vollendung entgegen. Noch kurz mit kalter Butter montiert – da weiß man wieder, wozu man das stundenlang einreduziert.

Die Brezenknödel und der Rosenkohl landeten im Ofen. Eigentlich waren alle satt – aber egal. Das wilde Schwein durfte nochmal kurz durch die Pfanne grunzen – und dann ging es ab auf die Teller.

Merke: Abends werfen auch kleine Rosenkohlröschen lange Schatten. Von Tageslicht waren wir zu diesem Zeitpunkt auch weit entfernt.

Es kam zu einer kurzen Pause. Erste Schreie nach Kaffee, Anislikör und / oder „Moselfeuer“ wurden laut. Das Dessert wurde kurzfristig etwas verschoben.

Ich hatte bereits Derartiges befürchtet und von ausufernden Schokoorgien abgesehen. Stattdessen wurde es schließlich sehr fruchtig. Und es gab mehr Kaffee. Und die ein oder andere Rumkugel dazu.

Beim Dessert handelte es sich um Bernd Sieferts „Der Kern der Wahrheit“: unten marinierte Ananas, darauf eine kleine Kugel Himbeersorbet, aufgefüllt mit Mangoespuma. Mandeltuille drauf, Pistazien-Cranberry-Financier drauf, Himbeere drauf. Fertig!

Leider ging an dieser Stelle zum erstenmal an diesem Abend etwas schief. Statt Mangoespuma hatten wir eine nur wenig schaumige Mangocrème in den Gläsern. Um darüber noch lange zu diskutieren, fehlte uns allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits die Kraft.

Lieber anschließend noch ein Kaffee, noch ein Anis (oder zwei…) und noch ein „Moselfeuer“. Oder so. Da konnte schon niemand mehr zählen. Besser so! Zuletzt hingen wir schwach und platt in den Seilen, der Gatte hatte immerhin noch die Spülmaschine beladen und eingeschaltet.

Inzwischen sind die letzten Soßenspritzer, das letzte Mangoldgeschmiere und die letzten Espumaklebereien entfernt. Die Spülmaschine läuft gerade ein letztes Mal. Ob ich heute noch etwas essen kann, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Möglicherweise bin ich auch bis Anfang 2018 satt.

Da fällt mir ein: Endgültig die letzte Spülmaschinenrunde war das noch gar nicht. Da müssen noch Weihnachtsgeschenke durchgejagt werden. Und dann sinke ich irgendwann in eine Badewanne, in der außer mir ein anderes Weihnachtsgeschenk treibt: eine selbstgemachte Badekugel von der Schwester. Herrlich!

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