Sag‘ zu Ostern leise „Kulitsch!“

Das Rezept klingt wie der Teig aussah – „Kulitsch!“ Er war sehr feucht, klebte ziemlich an den Händen – das gab sich im späteren Teil der Herstellung etwas – und „glitschte“ halt irgendwie. Muss ich das denn jetzt wirklich erklären?! Ich glaube nicht.

Beim März-Synchronbacken von und mit der lieben Zorra widmeten wir uns jedenfalls mit Hingabe dem ukrainisch-russischen Osterbrot. Das hatte etwas Vereinendes, wo doch momentan nur gespalten wird. Das ist doch irgendwie schön.

Das Rezept stammt von Birgits Babuschka. Sie hat es etwas angepasst. Es ist jetzt wirklich toll gelungen. Super luftig und sehr schmackhaft. Tolles Rezept. Danke dafür, Birgit!

Wird es sicher mal wieder geben – auch ohne Ostern. Und ich denke, man sollte es auch in Gläsern zum Verschenken backen können, die dann sofort nach dem Backen heiß verschlossen werden. Ich werde es testen.

Wichtig laut Birgit: „Außerdem ist es bei der Zubereitung des Kulitsch äußerst wichtig, dass die Bäckerin oder der Bäcker gut gelaunt ist und keine bösen Gedanken hegt. Nur dann kann ein Kulitsch gelingen und –  viel Glück bringen.“

Gut gelaunt kann ich. Böse Gedanken sind mir fremd. Naja fast halt… Das könnte was werden! Anfangs war ich – nennen wir es… – verhalten optimistisch. Der Teig war insgesamt nicht leicht zu bändigen und ging auch über Nacht nicht gerade wahnsinnig auf. Das änderte sich erst mit der Ofengare am zweiten Tag. Als er in den Förmchen war, gab es kein Halten mehr.

Ich habe mich als „Einlagen“ für Cranberries, die vorher in Calvados durchziehen durften, und Chocolate Chunks entschieden. Eine weise Wahl, wie mir der Gatte hinterher inbesondere wegen der Schokolade bescheinigte. Und nachdem ich mit vier Tagen Verzögerung jetzt auch probieren konnte, fand ich den Hauch Calvados toll. Vielleicht verstehen mich da russisch-orthdox getaufte Franzosen.

Aber jetzt erstmal das Rezept – mit minimalen Anpassungen bis auf die Dimensionen:

Mini-Kulitsch im Sturzglas

Gericht: Backblech
Keyword: hefeteig

Zutaten

für den Teig:

  • 550 g Weizenmehl Type 550
  • 300 g Vollmilch Raumtemperatur
  • 4 g Salz
  • 8 g Trockenhefe
  • 50 g Butter auf Raumtemperatur & gestückelt
  • 100 g Zucker
  • 2 Stück Ei Gr. M
  • 0,5 TL Kardamom gemahlen
  • 0,25 TL Muskatnuss frisch gerieben
  • 1 Vanilleschote davon das Mark
  • 200 g Cranberries getrocknet
  • Calvados zum Einweichen der Cranberries
  • 150 g Chocolate Chunks
  • 1 Bio-Orange Abrieb

für die Eistreiche:

  • 1 Ei Gr. M
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Zucker
  • 2 EL Milch

Anleitung

Vorbereitung der Zutaten

  • Orange waschen, abtrocknen und die Schale abreiben. Die abgeriebene Orangenschale mit dem im Rezept angegebenen Zucker vermischen, abdecken und bis zur Teigzubereitung beiseite stellen.
  • Orange halbieren, auspressen und den Saft trinken. Hier kommt nämlich jetzt der Calvados ins Spiel. Cranberries mit dem Calvados begießen und abdecken. In den nächsten zwei Stunden immer wieder umrühren.
  • Die eingeweichten Trockenfrüchte 20 Minuten vor der Teigherstellung abtropfen lassen.

Teig (14 Stunden-Gare)

  • Hefe in der zimmerwarmen Milch auflösen. Die Eier mit dem Zucker zu einer Creme aufschlagen.
  • Alle Teigzutaten zusammen mit den abgetropften Trockenfrüchten per Hand oder einem großen Holzlöffel vermischen, bis sich alle Zutaten zu einem homogenen Teig verbunden haben.
  • Bei Raumtemperatur abgedeckt 14 Stunden gehen lassen. Während dieser Zeit dehnen und falten. Birgit macht das in der Anfangszeit jedes Mal, wenn ich an der Schüssel vorbeikomme. Je öfter der Teig gefaltet wird, um so lockerer wird später die Krume. – Es reicht aber auch, den Teig erst nach 10 Stunden zum ersten Mal zu dehnen und zu falten. Der Teig sollte dann beim Falten nicht mehr gedrückt werden, da sonst bereits gebildete Gase entweichen würden.

Stückgare & Abbacken

  • Nach der Gare den Teig formen. Dazu den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche, von einer Seite beginnend, rundherum zur Mitte ziehen und in der Mitte andrücken, bis alle Anteile eingeschlagen sind.
  • Den Teigling umdrehen, sodass die glatte Seite nach oben zeigt und davon sechzehn etwa gleichgroße Stücke abstechen. Jeweils seitlich mit beiden Händen (wie einen kleinen Ball) umfassen. Die "Teighülle" straff nach unten (unter den Teigling) zusammenziehen, sodass eine fest geformte Kugel entsteht.
  • Sturzgläser eines beliebten deutschen Unternehmens mit vier Buchstaben bereitstellen, innen leicht fetten, mit Backpapierstreifen , die innen ins Glas gegeben werden, den Rand in der Höhe verlängern (klingt doof, weiß aber jeder, was gemeint ist – oder?). Teigbällchen mit der glatten Seite nach oben hinein geben.
  • Die Form abdecken und ca. zwei Stunden (oder bis sich die Teiglinge verdoppelt haben) bei Raumtemperatur reifen lassen.
  • Für die Eistreiche das Ei mit Milch und je einer Prise Salz und Zucker verrühren. Die Teigoberflächen damit bepinseln.
  • Die Formen ins untere Drittel des vorgeheizten Ofens stellen. Den Backofen auf 50° C einstellen und den Teig hier noch einmal für 30 Minuten reifen lassen. Dann die Temperatur auf 180°C Umluft erhöhen und die Kulitschij (ich habe aufgepasst und kann jetzt Plural) in ca. 20-30 Minuten, je nach Ofenleistung, goldbraun backen.
  • Die Kulitschij auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Anschließend beliebig dekorieren.

Und da ich ja ein wenig abergläubisch bin, möchte ich unbedingt noch das hier aus Birgits Blogpost hinzufügen: „In den Dörfern hat sich ein besonderer Aberglaube erhalten. Danach wird anhand der Qualität des gebackenen Kulitsch auf das kommende Jahr geschlossen. Ein klitschiger oder trockener Teig ist ein schlechtes Zeichen für die Ernte. Ein lockerer, guter Kulitsch hingegen verspricht ein erfolgreiches Erntejahr.“

Ich hoffe, dass sie recht hat. Noch ein fieses Tomatenjahr könnte ich nämlich nicht ertragen. Danke. Kulitsch!

Und vielen Dank auch an Zorra und alle Mitbäckerinnen. Es hat auch diesmal wieder großen Spaß gemacht mit euch. Hier die Kulitsch-Versionen aller Teilnehmer*innen:

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf Martha von Bunte Küchenabenteuer Caroline von Linal’s Backhimmel Bianca von ELBCUISINE Britta von Backmaedchen 1967 Désirée von Momentgenuss * Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum * Susanne von magentratzerl * Simone von zimtkringel * Susanne von Was gibt’s zu essen, Liebling? * Laura von Aus Lauras Küche * Shermin von Der magische Kessel * Tina von Küchenmomente

21 Kommentare

  1. Super, du hast die kleine Version gebacken. Das gefällt mir auch sehr gut. Hatte ich mir zu Beginn auch überlegt, aber irgendwie habe ich dafür dann keine passenden Gefäße gefunden. Werde ich aber auf jeden Fall auch mal noch probieren.
    Beste Grüße

  2. Die kleine Version ist eine super Idee! Ich fürchte bloß, ich müsste vorher den bekannten Gläserhersteller etwas sponsoren, ich habe gar nicht so viele von diesen kleinen Gläsern. Schlimm ist das.

  3. Deine Idee mit den Mini-Kulitsch (wie ist denn hier die Mehrzahl ???) also deine Idee mit den Mini-Osterbroten , auch zum Verschenken, finde ich jedenfalls großartig! Ich glaube, dass probiere ich auch mal.
    Liebe Grüße
    Tina

    1. Ich glaube, das heißt Kulitschij – allerdings unter Vorbehalt. Hab’s an der Uni mal ein Semester lang mit Russisch versucht – und dann entnervt aufgegeben 😀

  4. Lecker sehen sie aus, deine Mini-Kulitsch! Und das mit dem Calvados finde ich auch eine großartige Idee, der passt bestimmt super zu den Cranberries.

  5. Uiii, Kulitsch in klein. Das sieht wirklich toll aus und lässt sich so auch bestimmt prima zu Ostern verschenken!
    Liebe Grüße
    Caroline

    1. Werde heute die Tomaten sähen. Habe ewig gewartet und jetzt kann ich es – trotz über zehn Zentimetern Neuschnee – leider nicht mehr weiter hinauszögern. Sonst wird das wieder nix. Immerhin hätte ich schon 25 Chilipflanzen zu bieten. Bin etwas eskaliert… 😀

  6. Großes „Wow“ zu deinen vielen kleinen Kulitsch-Teilchen. Gant getreu der Originalversion! Ich war etwas „praktisch“ unterwegs und habe den Teig nur in die Kuchenform gemacht 🙂
    Liebe Grüße,
    Désirée

    1. Wenn sie so klein sind, müssen sie halt schneller gegessen werden. Die große Form sorgt dafür, dass sie länger frisch bleiben. Aber prinzipiell bleiben da ewig Reste 😀

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