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Jetzt kann der Spargel kommen. Ich schätze, dass es hier an den Ständen in der kommenden Woche losgeht. Jetzt hab ich langsam aber auch wieder richtig Lust drauf.

Außer dem Kerbel explodiert gerade praktisch alles im Garten. Nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ sprießt es überall, wo ich seit zwei Wochen mit kritischem Blick umherstreifte und vorsichtig stocherte. Der Liebstöckel treibt aus,  der Rosmarin blüht, der Salbei berappelt sich. Applaus für den Liebstöckel! Weiter so, Rosmarin! Gib alles, Salbei!

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Und der Salbei ist auch ein gutes Stickwort. Den gab es gestern Abend nämlich unter anderem. Das Rezept „Fleischbällchen mit wildem Salbei“ stammt aus dem Buch „Verführerisches Zypen – eine kulinarische Reise“, das unter anderem eine Reihe von Franz-Keller-Rezepten enthält, weshalb ich es bereits seit längerer Zeit im Visier habe. Letzte Woche habe ich ein Second-Hand-Schnäppchen machen können. Jetzt isses meins!

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Zum Buch: Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Es ist kein Kochbuch. Und es ist auch kein Reiseführer oder Bildband. So ein Buch wünsche ich mir prinzipiell zu jedem Flecken der Erde, den ich gerne mal bereisen würde. Es beschreibt praktisch genau die Art von Reise, die ich mag: Land sehen und Leute treffen – und abends entspannt regionale Gerichte – und das ein oder andere geistige Getränk genießen. Hach!

Das Buch ist übrigens ziemlich großformatig und fett. Es passte in unseren Briefkasten nicht hinein. So konnte ich es erst einen Tag später bei der Postfiliale abholen. Grrrr…

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Beim ersten Durchblättern blieb ich gleich bei den Kellerschen Fleischbällchen hängen. Wilden Salbei habe ich zwar nicht zu bieten, aber immerhin ausgewilderten, der jetzt schon seit sechs Jahren dem teilweise rauhen Untertaunusklima trotzt. Und der wirkt mittlerweile ziemlich wild. Gilt das?

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Das Rezept an sich ist recht simpel. Aber das waren am Ende die absolut leckersten Frikadellen meines Lebens. Ich fasse mal kurz zusammen:

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FLEISCHBÄLLCHEN MIT WILDEM SALBEI
Zutaten (für 2 Portionen):
300 g Rinderhackfleisch von der Hüfte
2 Schalotten, gehackt
1 knapper Bund Petersilie, gehackt
1 Ei
3 EL Paniermehl, mit etwas Milch befeuchtet
2 Blätter Salbei, gehackt
einige Tropfen Chilioel
Salz, Pfeffer
Olivenoel zum Ausbacken
Zubereitung:
Aus allen Zutaten einen Hackfleischteig kneten, Fleischküchlein formen und in etwas Olivenoel ausbacken.
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Das habe ich noch nie getan: ein Foto von der Schüssel mit der Hackmasse gemacht. Das sah schon in diesem Stadium total lecker aus. Das Hack hatte ich morgens noch in aller Eile und kurz vor Toresschluss beim Charolaishof Hertling beschafft. Ein gutes Fleisch sollte es schon sein. Das hier war – wie immer! – super.

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Noch ein Foto von rohem Hackfleisch. Vegetarier, Veganer und Veganer Stufe 5 (Klick! <- Youtube-Link! Zum Aktivieren des Videos musst den Link anklicken. Ich weise dich hiermit darauf hin, dass nach der Aktivierung Daten an den jeweiligen Anbieter übermittelt werden.) könnten sich hier vielleicht diskriminiert, belästigt oder sonstwie dumm angemacht fühlen. Das tut mir leid… Ehrlich? Nö. Tut es nicht. Und ich war bislang auch keine Verfechterin der Ästhetik rohen Hackfleischs oder Fleischwolferotomanin… Aber dieser Geruch… Auch nachher in der Pfanne… Die Kräuter…

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Ich glaube, mit diesen Frikadellen wäre selbst die Kuh, deren Fleisch drin war, einverstanden gewesen. So Douglas-Adams-mäßig.

Dazu gab es die von Keller vorgesehenen Kartoffelspalten, fritierten Salbei und ein paar Pimientos de Padrón, die mir gut dazu zu passen schienen. Das samstägliche Abendessen war eigentlich perfekt. Und wie gesagt: Mjam!

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Jetzt versuche ich mich mal wieder zu beruhigen und konzentriere mich mal kurz auf den Fortschritt unserer Gartenarbeiten. Die Staudenbeete sind jetzt exakt auf dem Stand, auf dem sie sein sollen. Nach fünf Jahren des Ausgrabens, Einpflanzens, Umsetzens, Pflanzen als „Das wird nix!“-Klassifizierens und Aussortierens, brave Sorten Vermehrens und Verteilens und des endlosen Bodenverbesserns sind wir jetzt irgendwie an einem Punkt angelangt, der es uns – vom ständigen Kampf gegen das Unkraut mal abgesehen – ermöglicht, auch einmal ganz entspannt und zufrieden auf der Terrasse zu sitzen und zu staunen.

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Das Tomatenbeet wurde gestern befüllt und bekam sein Dach zurück, das im vergangenen Herbst einem Sturm zum Opfer gefallen und später hinterm Haus unbeschädigt aufgefunden wurde. Ich hab’s jetzt mal zusätzlich gesichert. Das sollte so halten. Die Bretter für das neue – doppelt so große – Tomatenbeet sind bestellt. Die Tomatenpflanzen wären eigentlich auch soweit und jammern in ihren mittlerweile zu kleinen Töpfchen, weil sie in die Freiheit wollen. Blöderweise sind erstmal noch ein paar kalte Nächte angesagt…

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Trotzdem gehen die Heidelbeeren schon mal mit gutem Beispiel voran und setzen Blüten an. Brave Heidelbeeren! Der Weinbergpfirsich blüht herrlich, der Pflaumenbaum startet auch durch.Tulpen und Akelei blühen, die Pfingstrosen haben teilweise schon Knospen. Ob die wissen, dass Pfingsten in diesem Jahr ziemlich früh ist? Und wenn ja – woher?!

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Ganz toll sind gerade die wilden Primeln, die wir dank zahlreicher Nachkommen mittlerweile allüberall verteilt haben. Wenn sich schon etwas epidemieartig ausbreitet, dann muss es mindestens so aussehen. Kategorie „Unkraut, das gefällt“!

Was auch noch zu erwähnen wäre: Anselm hat einen Nachfolger. Anselm I. ist tot, es lebe Anselm II. sozusagen. Er ist deutlich weniger zutraulich, aber ich habe ihn heute trotzdem mit der Kamera erwischt. Bleibt zu hoffen, dass er sich auch irgendwann an mein Auftauchen auf der Terrasse und die Spiegelklappgeräusche der Kamera gewöhnt. Er ist kleiner, aber nicht unsympathisch. Ich habe beschlossen, uns eine Chance zu geben.

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… diesmal an Gründonnerstag. Aber ich hatte ja auch nicht wie in den vergangenen Jahren in der Woche vor Ostern Urlaub. Zudem liegt der Gatte immer noch schwerkrank darnieder und ist Küchenexperimenten gegenüber gerade nicht sehr aufgeschlossen.

Immerhin gab es kein Fleisch. Das gebietet die katholisch-eifelanische Sozialisation. Und so blieb am Ende – nach einem zehnstündigen Arbeitstag – ein kurzer Blick in den Kühlschrank: Nudelteigrest, Fetarest, getrocknete Gozotomaten im angebrochenen Glas. Der Salbei im Garten war in Teilen erntefähig. Ab dafür!

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TAGLIATELLE MIT SALBEI, TOMATEN & FETA
Zutaten…
… für den Nudelteig:
150 g Weizenmehl Type 405
100 g Hartweizengrieß
2 Eigelb
1 Ei
1 EL Olivenoel
1 Prise Salz
2 EL Wasser (aufwärts – je nach Teigbeschaffenheit)
… für den Rest so:
1-2 Schalotten – je nach Größe
Knoblauch und Chili (bei mir eingelegt, geht aber auch frisch)
4 getrocknete Tomaten
10 Kirschtomaten
Feta – so etwa ein halbes handelsübliches Päckchen
10 frische Salbeiblätter (plus ein, zwei fürs Anrichten)
Olivenoel
Salz & Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung…
… der Nudeln:
Zutaten zu einem glatten Teig verkneten – ggf. mit Mehl oder Wasser justieren. Plattwalzen und in Streifen schneiden – Nudelmaschine oder Nudelholz und Messer. Nudeln in kochendem Salzwasser garen, abgießen und beiseite stellen.
… Endmontage:
In den Nudeltopf Olivenoel geben und gewürfelte Schalotten, gehackten Knoblauch und Chili und in feine Streifen geschnittene Salbeiblätter anschwitzen. Getrocknete Tomaten zugeben. Schließlich halbierte Kirschtomaten. Kurz dünsten lassen.
Nudeln zurück in den Topf geben, umrühren, salzen, pfeffern. Zuletzt zerbröselten Feta kurz unterrühren – und ab auf die Teller!
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Das war wirklich sehr, sehr lecker. Hat Potential für Wiederholungstaten an Abenden, an denen es mal flott gehen muss. Die Zutaten hat man ja ohnehin meist im Kühlschrank. Und wenn es mal wahnsinnig schnell gehen muss, nimmt man halt Industrienudeln. Wobei mit ein wenig Übung die Herstellung von frischen Nudeln eigentlich keine Hexerei ist. Und auch kein wirklicher Zeitkiller.

Das Stiefmütterchen ist übrigens das Ostergeschenk des Ökokistenlieferanten. Sehr hübsch diesmal. Das vom letzten Jahr leistete mir bis in den Winter hinein gute Dienste und verschönerte die ein oder andere Vorspeise. Da fällt mir ein: Ich könnte mal nachschauen, ob es noch lebt bzw. sich ausgesät hat.

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Die Schokoschafe gab es heute beim Hof Berbalk dazu, als wir unser Lammfleisch abholten. Aber das muss noch bis Montag warten, da wir Sonntag erstmal von Muttern bekocht werden. Und an den Kartagen steht anderes auf dem Speiseplan.

Lustig übrigens auch die Eier von „Woustemser Hinkeln“, die wir mitnahmen. So nett wie die sortiert waren, spart man sich echt das Färben. Wenn man denn welche zu färben beabsichtigt hätte.

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