Tulamben: Digital first, Bedenken second. Oder so. Und die perfekte Erdnusssauce.

Am nächsten Morgen nach dem Bodensee- ääähhh… Boden-seh-Kaffee verließ mich der Gatte und machte sich auf zur Tauchbasis – „Ocean Sun“ übrigens, mit der er ebenfalls sehr zufrieden war. Ich blieb gefühlt völlig abgeschnitten von der Außenwelt (der digitalen Außenwelt…) zurück. Eine Fotorunde ging trotzdem. Die Kamera war ja bislang noch nicht verflucht worden.

Ganesha winkte mir auf der Hauptstraße zu. Da er für Glück und einen Neuanfang steht, wertete ich das mal als positives Zeichen. Und lesen ging ja auch noch. Mit Hilfe eines dieser Dinger, bei denen man nicht wischen, sondern blättern musste. Gegen Mittag tauchte der Gatte wieder auf und berichtete vom Wracktauchen an der direkt vor der Küste havarierten USAT Liberty.

Der Frachter war am 11.01.1942 zwischen Bali und Lombok von einem japanischen U-Boot torpediert worden. Alle Versuche, ihn in den Hafen von Singaraja zu schleppen scheiterten, sodass man ihn einfach mal am Strand von Tulamben abgelegt hatte. So weit, so gut. Da lag das Ding dann erstmal, bis 1963 der Gunung Agung zeigte, was er drauf hat. Die bis zur Küste strömende Lava drückte das Wrack weiter ins Wasser. Dort liegt es seitdem etwa vierzig Meter vom Strand entfernt in geringer Tiefe. Schnorcheltiefe. Aber dazu kommen wir später noch.

Abgesehen von seinen unterseeischen Abenteuern berichtete der Gatte bei seiner Rückkehr, dass es im Nachbarort Kubu einen Handyladen gebe. Das habe sein Divemaster erzählt. Kubu war nicht weit. Wir hatten zwar nur wenig Zeit bis zum Beginn des Kochkurses in Amed, aber das sollte klappen. Also ab auf den Scooter!

Nach längerer Suche und einiger Fragerei in anderen Läden fanden wir den Mann mit den Handies. Mit den gebrauchten Handies. Ich entschied mich schließlich für ein Sony Xperia Z3 wegen der angeblich guten Kamera (hat sich mittlerweile auch bestätigt), lieh mir beim Gatten knapp 80,- EUR in Rupiah, da ich ohne meine BankingApp keine Überweisung auf die DKB-Kreditkarte veranlassen und selbst Geld abholen konnte, und zog glücklich von dannen.

Damit verstand ich jetzt auch die Einleitung im „Baedecker“-Reiseführer unter dem Titel „Kurioses Bali“: „Neben der sichtbaren materialistischen Welt (Sekala) ist man aufs Engste mit der unsichtbaren magischen Welt (Niskala) verbunden – Garant für fortwährendes Glück.“  Das Ersatzhandy war die Rückkehr in mein persönliches „Niskala“. So tief ist man inzwischen gesunken, wenn man mehrere Stunden ohne Anschluss an die virtuelle Welt hinter sich hat. Traurig…

Wir hopsten auf den Scooter und kamen mit nur minimaler Verspätung in Amed im „Nad Brahma“ an. Puh! Chef Komang erwartete uns bereits. Komang! Schon wieder ein Komang! Sie pflasterten praktisch unseren Weg, diese Komangs. Auch dafür bot der „Baedecker“ in der Rubrik „Kurioses Bali“ eine Erklärung, die mich sehr faszinierte – und die ich mal komplett zitiere:

„Balinesen haben nur sehr wenige Vornamen zur Auswahl: Das erste Kind heißt immer Wayan, Putu, Gede (nur Jungen) oder Luh (nur Mädchen), das zweite Made, Kadek oder Nengah, das dritte Komang oder Nyoman und das vierte Kedut. Ab dem fünften geht es von vorne los.“

Cool! Ich überlegte kurz, Max in Wayan umzubenennen. Aber das nur mal so am Rande…

Im „Nad Brahma“ befand sich außer Komang noch eine Katze. Eine ausgesprochen laute Katze. Ich habe noch nie eine Katze erlebt, die eigentlich gar nichts wollte (also keinen Hunger hatte oder so) und trotzdem ununterbrochen rummaunzte. Dazu war sie sehr freundlich. Sie leistete dem Gatten beim Mitschreiben Gesellschaft, während Komang und ich kochten und ihm zuriefen, was er notieren sollte. Komang in Englisch, ich als sein deutsches Echo.

Was wir kochten war so simpel wie köstlich – und übrigens mal wieder ein vegetarisches Essen, bei dem man sich am Ende fragte, ob man wirklich Fleisch brauchte. Hier mal die einzelnen Komponenten des „Special Thali“: Vegetable Curry (ein Curry mit Karotten, Kürbis, Auberginen und Bohnen), Masala (ein scharf-säuerliches Kartoffelgericht), Dal (aus Tomaten, Kartoffeln, gelben Linsen), Chapati (ein indisches Fladenbrot), Rice, Raita (ein Yoghurt Dip), spicy Mint Chutney (das vom Vortag), Barfi (ebenfalls bereits getestet: die Kokosherzchen).

Und so sah das am Ende auf dem Tisch aus. Es schmeckte hervorragend. Und ich verspreche, dass ich es spätestens am kommenden Wochenende nochmals komplett nachkochen und dann die Rezepte ordnungsgemäß verbloggen werde. Es lohnt sich wirklich. Und der Aufwand ist überschaubar. Und die meisten Zutaten hat man ohnehin im Haus.

An dieser Stelle nochmals meinen ausdrücklichen Dank an den Gatten und seine Katze. Eure Notizen sind wirklich grandios! Und auch an Komang, der wirklich genial war. Genauso genial wie sein Essen.

Wir aßen das natürlich alles noch restlos auf, obwohl wir uns für den Abend bereits den „French Warung“ in Tulamben ausgesucht hatten. Wir passten uns an. Der Balinese isst mehrfach am Tag. Immer dann, wenn er Hunger hat. Und wenn wir abends die Speisekarte angeschaut haben würden, hätten wir sicherlich wieder Hunger.

Auf dem Rückweg mussten wir tanken. Tanken ist absolut kein Problem auf Bali. Zumindest nicht mit einem Scooter (mit einem Auto schon, aber auch dazu sehr viel später…). Entweder gibt es wie links richtige „Tankstellen“ vor kleinen Läden oder Warungs, an denen man aus ein bis drei Spritsorten wählen kann, oder man lässt sich an der Straßen einfach aus Plastikwasserflaschen (lösen die sich nicht durch das Benzin auf?!) eine entsprechende Menge in den Tank kippen. Die Preise sind annähernd gleich, die Gestelle mit den Plastikflaschen selbst in unzugänglichen Gegenden (zum Beispiel mitten im Dschungel von Nusa Penida) alle paar Meter verfügbar. Ein durchschnittlicher Mitarbeiter eines deutschen Ordnungsamts würde durchdrehen. Vermutlich. Und das nicht wegen Black Magic.

Zurück in der Unterkunft machte ich mich als erstes daran, mein „neues“ Handy in Betrieb zu nehmen. Mit Hilfe meiner analogen Datensicherung im Urlaubsheft war ich in der Lage, Apps und Passwörter zu rekonstruieren, alle Telefonnummern nachzuvollziehen (weil aus Datenschutzbedenken nicht über Google synchronisiert) und alle auf der Speicherkarte gesicherten Fotos wieder zu laden. Mein einziges Problem blieb das Onlinebanking. Ich schrieb eine Mail an die DKB wegen der Kreditkartenaufladung. Allerdings war gerade Samstag Abend. Ich schätzte, dass vor Montag oder Dienstag (wir waren unserer Zeit ja sechs Stunden voraus) nicht zu rechnen sein würde. Meine Schulden beim Gatten wuchsen sukzessive an. Wobei sich 2.500.000,- Rupiah deutlich schlimmer anhörte als der EUR-Gegenwert. Ich konnte noch ruhig schlafen.

Im „French Warung“, der zur französischen Tauchbasis „Dive Concepts“ gehörte, gelang es uns, beim ersten Bali Hai (die konkurrierende Biersorte zu Bintang, die seltsamerweise – trotz des Namens – nicht auf Bali, sondern auf Java gebraut wird) eine Wiederholung des Brasilien-Belgien-Spiels vom Vorabend anzuschauen. Endlich mal wieder etwas mehr als reine Ergebniskontrolle. Wir aßen ein Red Curry mit Chicken und ein Nasi Campur mit Chicken und Tempeh. Am Ende gab es einen Obstsalat als Schokoladenfondue und Pisang Goreng (gebackene Bananen). Die gebackenen Bananen waren die besten bis dahin. Wir waren begeistert.

Lustig wurde es beim Bezahlen. Die nette Co-Leiterin der Tauchbasis saß im Trikot der Nationalmannschaft Uruguays am Kartenterminal, während ich mich mit ihrem französischen Freund, dem Leiter der Tauchbasis, kurz über das schmachvolle, aber verdiente Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft austauschte. Blöderweise war am Vorabend Uruguay gegen Frankreich ausgeschieden. Ich zahlte und machte mich vom Acker, bevor es zu einer Beziehungskrise zwischen den beiden kommen konnte.

Anschließend beobachteten wir noch einige Taucher, die offensichtlich unter akuter Sauerstoffunterversorgung nach ihrem letzten Tauchgang litten, dabei, wie sie durch die Gegend eierten. Ein lustiger Abend.

Am nächsten Morgen standen für den Gatten nochmals zwei Tauchgänge an, während ich mich – nach exakten Berechnungen – an einen ATM begab. Die Schwierigkeit bestand darin, möglichst den letzten Rest des Pre-Paid-Kreditkarten-Limits auszuschöpfen und dabei gleichzeitig die Untergrenze für Abhebungen (50,- EUR) nicht zu unterschreiten. Nach einigem Lavieren entlockte ich den Automaten 1.000.000,- Rupia. Immerhin.

Mit Geld in der Tasche sah der Tag gleich besser aus, auch wenn ich unmittelbar keines brauchte. Ich knipste in der Gegend rum, behielt dabei misstrauisch den Vulkan im Auge, nachdem jeden Morgen in den balinesischen Zeitungen berichtet wurde, dass es in der Nacht wieder erneute „Erupsi-erupsi“ gegeben hatte, und wartete auf den Chef.

Als er zurückkehrte, stand mir eine neue Prüfung bevor: schnorcheln. Nachdem meine Erkältungsbeschwerden nun nahezu verschwunden waren, hatte ich keine Ausrede mehr. Ich musste mich mit Flossen und Brille zu Wasser lassen. Dazu begaben wir uns an den kieseligen Strand von Tulamben.

Der Plan war, sich das bereits erwähnte Wrack einmal genauer anzuschauen. Und ich scheiterte grandios. Zugegebenermaßen war die See an diesem Tag ziemlich unruhig. Allein ins Wasser zu kommen mit den Flossen war kein Kinderspiel. Womit ich aber am Ende überhaupt nicht klar kam, war das Gefühl, „unter Wasser“ zu sein (durch die Brille sieht man halt nur noch Wasser) und gleichzeitig zu atmen. Ging gar nicht. Ich geriet in totale Panik, riss mir die Taucherbrille runter und stürzte Richtung Strand. Dort saß ich dann erstmal eine ganze Weile und versuchte, mich wieder zu beruhigen. Panik – also echte Panik – ist eigentlich nicht so meine Sache…

Nachdem der Gatte sich davon überzeugt hatte, dass ich nur traumatisiert, aber nicht ernsthaft verletzt war, schnorchelte er selbst noch ein bißchen herum. Ich atmete tief. Schnorcheln hatte sich für mich in diesem Moment ein für allemal erledigt. Das ist nichts für mich. Nie wieder!

Ich bin mehr der Kapitänstyp als der Apnoetauchertyp. Soviel steht fest. Auf Booten fühle ich mich sensationell. Da wird mir nie schlecht – egal wie der Seegang ist. Aber das hier ging gar nicht. Wie sehr ich mich geirrt haben sollte, wird sich im Verlauf der nächsten Tage zeigen.

Nach meiner Nahtodeserfahrung schlappten wir erstmal zurück in die Unterkunft, entsalzten uns und machten uns auf zum Abendessen – wieder im „French Warung“. Das sollte dann auch unser letztes Abendessen in Tulamben sein. Am nächsten Tag ging es nach Pemuteran.

Zum Bier gab es wieder köstliche balinesische Erdnüsschen. Es folgten ein Mie Goreng (Bratnudeln) mit Huhn und Satay Ayam Bumbu Kacang (Hähnchenspieße mit Erdnusssauce).

Und wo wir gerade so schön bei den Hühnerspießchen mit Erdnusssauce sind: Ich habe sie mittlerweile nachgekocht. Und meine Erdnusssauce war außerordentlich gelungen. Und wenn ich sie jetzt nicht an dieser Stelle verblogge, kriege ich sie nie-nie-niemals mehr zusammen. Also mal hier das Rezept – auch für die Marinade der Spieße:

Satay Ayam Bumbu Kacang

Balinesische Hühnerspieße mit Erdnusssauce Ähnliche Beiträge

Zutaten

für die Spieße und Marinade

  • 2 Hähnchenbrüste
  • 1 TL Tamarindenpaste (oder ein Stück Tamarinde und einen Teelöffel heißes Wasser)
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Macadamias oder ein paar Pecans - Lichtnüsse (Candlenuts - habe ich bisher hier noch nicht gefunden)
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 TL gemahlener Koriander
  • 2 EL Kecap Manis (habe ich mir mitgebracht, gibt es aber auch im Asiashop oder z.B. bei REWE)
  • 1 EL Kokosblütenzucker

für die Erdnusssauce

  • 2 Knoblauchzehen bzw. zwei TL confierten Knoblauch
  • gehackte Chili nach Geschmack (nachlegen geht immer noch)
  • 1 EL Tamarindenpaste
  • 100 g Erdnussmus (keine Erdnussbutter, sondern reines Erdnussmus; gibt es z.B. von Alnatura)
  • 1 EL Kokosblütenzucker
  • 1 TL Kecap Manis
  • 1 TL Salz
  • 100 ml Wasser (eventuell mehr - je nach gewünschter Konsistenz)

zusätzlich

  • Bambusstäbchen zum Aufspießen
  • frittierte Zwiebeln für die Garnitur
  • Kecup Manis zum Beträufeln der Erdnusssauce
  • Reis als Beilage

Zubereitung

  • Hühnerbrust in mundgerechte Würfel schneiden. Alle weiteren Zutaten für die Marinade zusammen aufmixen. Hühnchenwürfel darin marinieren - am besten über Nacht. Ich hatte zwei Stunden Zeit und es ging auch.
  • Alle Zutaten für die Erdnusssauce zusammen aufmixen. Eventuell etwas Chili nachlegen und / oder etwas mehr Wasser zugeben - je nach Geschmack.
  • Nachdem das Hühnchen mariniert wurde, die Fleischwürfel auf etwa eine Stunde vorher in Wasser eingeweichte Spieße stecken. Entweder auf dem Grill oder in einer Pfanne braten. Beim Wenden etwas von der übrig geblieben Marinade darüber geben.
  • Wenn die Spieße gar und schön braun sind, mit der Erdnusssauce übergießen oder diese dazu reichen. Über den Reis eventuell die frittierten Zwiebeln geben. Dazu passen zum Beispiel Sambal Matah und / oder Sambal Tomat und / oder Sambal Belacan (Rezepte folgen).

In der Nacht vor unserer Abreise gab es wieder drei Gunung-Agung-Erupsis, was zumindest mir den Abschied leicht machte. Um sieben Uhr saßen wir beim Frühstück, anschließend machten die balinesischen Service-Mädels aus dem „Ocean Villa and Homstay“ noch Selfies mit uns, dann wurden Koffer gepackt. In die Selfies hatten wir nur eingewilligt, weil wir absolut nicht nein sagen konnten. Zu nett waren die Mädels während unseres Aufenthalts zu uns gewesen. Das lief alles total reibungslos. Um neun Uhr stand pünktlich unser Fahrer vor der Tür. Und er hatte sich echt chic gemacht. Vermutlich wollte er auf dem Rückweg in Singaraja noch die Kuh fliegen lassen. Egal. Er brachte uns heil an unseren letzten Bestimmungsort. Und die Fahrt verlief sehr angenehm.

Gegen Mittag trafen wir ein. Kein kurz vor der ultimativen Eruption stehender Vulkan befand sich mehr in meinem Nacken. Es gab selbstgemachte Begrüßungslimonade und das Zimmer war herrlich – bis auf die fehlende Klimaanlage. Der vorhandene Ventilator leistete allerdings ganze Arbeit. Und die Unterkunft war ansonsten einfach herrlich. Ich hatte sogar meinen eigenen Ganesha im Garten! Und einen kleinen Teich mit Fischen vor der Tür. Und man hatte uns Mandarinchen bereit gestellt. Hach!

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