Wer lesen kann, ist klar im Vorteil…

Das Video auf Instagram ist jetzt nicht gerade neu. Ich hatte es sofort abgespeichert, nachdem ich es gesehen hatte. Weil ich so entzückt von der dargebotenen Pastaform war. Nachgedacht hatte ich nicht weiter darüber. Ich hatte es eben abgespeichert. Für den späteren Gebrauch.

Und irgendwie war mir am Freitag nach Pasta. So ein wenig ehrliches, filigranes Handwerk würde mir nach dieser Woche gut tun. Dachte ich. Prinzipiell kein schlechter Gedanke. Aus den Tiefen meines Unterbewusstseins drang die wunderhübsche  Pastaform an die Oberfläche. Ich kramte das Video heraus. Vorher setzte ich einen Pastateig an. Vorher. Das war dann das Problem.

Als ich mich schließlich wunderte, wie dick der Teig im Video war, und dass das Formen mit meiner üblichen Teigdicke (bzw. Teigdünne…) nicht funktionierte, schaute ich nochmal genauer hin. Gute Idee! Warum nicht gleich so?! „Cresc‘ Taja Pizzicate“ stand da.

Also Google angeworfen und nachgeschaut. Ergebnis: „Cresc‘ Taja“ ist kein normaler Pastateig, sondern eine Möglichkeit, Polentareste vom Vortag zu verwerten. Prinzipiell natürlich eine Spitzensache, aber in meiner Situation leider nicht sonderlich hilfreich. Immerhin hatte ich den Teig schon fertig und auch keinerlei Polentareste für einen neuen im Haus.

Am Ende überwand ich mich, walzte den Teig nochmals aus – diesmal deutlich weniger dünn als beim ersten Versuch – und legte los.

Der Teig wird in gleichmäßige (oder möglichst gleichmäßige…) Rauten geschnitten, die stumpfen Winkel zusammengedrückt und dann die eine spitze Seite unter die andere spitze Seite geschoben. Nach ein paar Versuchen klappte das tadellos. Um nicht zu sagen „überraschend simple Sache“. Und das Ergebnis ist wirklich hübsch.

Beim Kochen braucht es dann etwas mehr Geduld, weil dünne Nudeln halt schneller weich sind als dicke Nudeln, aber das sollte kein Problem sein. Ich habe es geschafft während des Nudelabkochens die Sauce herzustellen. Ganz simpel aus confierten Knoblauchwürfelchen aus dem Vorrat, etwas Habaneropaste, Frühlingszwiebeln, Rucola und zwei Gläsern Ofentomaten.

Am Ende noch etwas Rucola und frisch geriebenen Parmesan oben drauf – fertisch! Die rustikale Pasta hat hervorragend dazu gepasst.

Das war auch nicht die einzige Pasta der letzten Tage. In der vergangenen Woche musste es nämlich ständig abends flott gehen. Mehr so gekaufte-Spaghetti-flott. Und dazu habe ich etwas verarbeitet, das es normalerweise hier nie gibt: Avocado.

Von denen hatte ich nämlich zwei Stück im Koffer, als wir am vergangenen Wochenende landeten. Und die waren auch mal nicht der Abholzung von Regenwäldern und der Ausbeutung von Arbeitern geschuldet, sondern stammten aus dem Garten unserer palmerischen Freunde.

Und beide Kerne waren bereits aufgeplatzt und treiben jezt lustig aus. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Widmen wir uns erstmal der Verwertung des Fruchtfleischs.

Es gab eine Art Avocadopesto mit etwas Knoblauch, viel Basilikum, Champignons und Tomaten. Und oben drauf Chiligarnelen. So fand selbst ich die Avocado super.

 

Gestern gab es dann wieder Spaghetti. Diesmal allerdings selbstgemachte. Und zwar Spaghetti Puttanesca. Die Sauce orientierte sich an den Kühlschrankresten. Und das ist dann eigentlich auch der „rote Faden“, der sich durchs Wochenende zog: Reste vernichten!

Es ging nämlich bereits am Freitag an die Umsetzung meiner Pläne für 2019 los. Der erste lautet: Küche & HWR entrümpeln, sortieren, wischeln und ordentlich aussehen lassen. Ich bin wild entschlossen, dieses komplette Haus in einen absolut sensationellen Zustand zu versetzen. Oder sagen wir: in einen vorzeigbaren Zustand.

Wenn man jeden Tag mindestens zehn Stunden außer Haus ist, ist das nämlich im Alltag recht schwer. Der Schlendrian zieht ein. Die Schränke füllen sich mit unnützem Zeugs. Nützliches Zeug verteilt sich willenlos allüberall zwischen nutzlosem Zeugs. Man findet nichts mehr. Spätestens an dem Punkt, an dem man einen Behälter mit Deckel braucht und etwa 1.000 Behälter und 1.000 Deckel findet, von denen keine zwei zusammenpassen, ist es so weit. Das war letzte Woche der Fall.

Und: „Nein!!!“ Es gibt keine Vorher-Bilder. Ich schätze, sehr viele Menschen können sich vorstellen, wie es vorher aussah. Vielleicht, weil es in ihren Küchenschränken genauso aussieht. Oder vielleicht, weil sie eine besonders schmutzige Phantasie haben. Egal.

Ich finde: Nicht jeder muss ein Hochglanz-Putzi sein. Mir zum Beispiel fehlt da eindeutig das „Penibel-Gen“. Leider nicht von meiner Mutter geerbt. Blöd. Ich wurstele halt so lustig vor mich hin. Und irgendwann, wenn es mir zu blöd wird, lege ich voll los. Das kann je nach Umfang auch Tage dauern. Anschließend bin ich hochzufrieden. Und dann geht das Ganze wieder von vorne los. Vielleicht fehlt mir auch das „Nachhaltigkeits-Gen“. Oder das „Es-muss-immer-aussehen-wie-geleckt-Gen“. Keine Ahnung.

Meine Gewürzschublade war noch nie der Schandfleck der Küche. Aber sie hat mich heute extrem lange aufgehalten. Die 39 Ex-Smoothie-Gläschen, die ich irgendwann vor Jahren als perfekte Gewürzaufbewahrung entdeckte, finde ich immer noch genial. Leider ging die Kollegin, die mal kurz eine Art von Smoothie-Abhängigkeit entwickelt hatte, völlig unvermittelt in den Entzug. Ich füllte die Lücken mit diesen hohen Olivengläschen für kleinere Mengen. Und mit 0,5-Liter-Sahne-Flaschen für Zutaten, die in größeren Mengen benötigt werden.

Hinzu kommen eine paar weitere Gläser mit Dingen, die nicht fläschchenkompatibel sind: Safran, Tonka und Lorbeerblätter zum Beispiel. Und ich habe Dinge aussortiert, die selten benutzt werden. DAS war eigentlich der Plan hinter allem. Und dieser Plan wird gnadenlos fortgesetzt werden.

Wenn ich mit der Küche fertig bin, werde ich im HWR weitermachen. Und ich werde sämtliche Vorräte sichten, beschriften, verkochen – und aussortieren. Und dazu startete ichbereits gestern mit den Spaghetti Puttanesca. Ein angebrochenes Glas Oliven weg, eine angebrochenes Gläschen Sardellen weg, ein angebrochenes Gläschen Kapern weg – alles aus dem Kühlschrank. Und dann noch eine Dose geschälte Tomaten aus dem HWR verbraten, die da schon viel zu lange rumlungerte. Praktisch ein voller Erfolg!

Und so wird es weitergehen. Ich werde in den nächsten Tagen systematisch den HWR und den Kühlschrank  leerkochen. Drei Zutaten pro Tag. Das ist kein utopisches Ziel. Finde ich. Das ist machbar. Und das ist der Plan. Ich mach‘ dann mal weiter!

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