Zwölf Freunde müsst ihr sein

Karwoche ab morgen. Jetzt könnte man sich ja prinzipiell mal Gedanken über Ostern machen. Also ich meine jetzt eigentlich über Essen an Ostern. Praktischerweise kann ich da etwas anbieten, das ich schon seit geraumer Zeit nachbacken wollte. Es ist maltesisch und wahnsinnig traditionell und es heißt Qagħaq tal-Appostli.

Wahrscheinlich hätte ich es auch in diesem Jahr wieder nicht geschafft, aber da war doch was. Genau!

Johannas Blogevent „Köstliche Rezepte für Ostern“. Sie hat zum ersten Mal zu einem eigenen Event auf ihrem Blog Dinkelliebe aufgerufen – und da bin ich doch gerne bei der Premiere dabei.

Auf den maltesischen Inseln gibt es unzählige traditionelle Rezepte zu den kirchlichen Feiertagen. Gerade war der Papst da. Er besuchte auch ta’Pinu auf Gozo. Ich schätze, in diesem Jahr sind alle noch motivierter als sonst. Dass der Papst eine Rede gegen Korruption gehalten hat, stört dabei nicht. Katholizismus und Gemauschel haben schon immer zusammen gepasst.

Das Qagħaq tal-Appostli (Plural: Qagħqa tal-Appostli) hat seinen Ursprung – wie so vieles auf Malta und Gozo – wohl in der levantinischen Küche. Dazu ein Artikel auf The Malta Independent. In früheren Zeiten war es wohl deutlich süßer als heute. Mittlerweile ist es mehr ein Brot geworden. Dabei als Ring gebacken wie Ftira. Geblieben sind die Mandeln oben drauf. Und der Sesam. Beim Stöbern fand ich heraus, dass viele Malteser das Apostelbrot mit genau zwölf Mandeln bestücken. Is‘ klar!

Es wird vor allem in der Karwoche und ganz besonders an Karfreitag gebacken. Und vermutlich werde ich nach diesem Blogpost auch exkommuniziert. Ich habe es nämlich abgewandelt bzw. einmal die Originalversion und zusätzlich einen Ring mit Bärlauch gebacken. Ich glaube nicht, dass das erlaubt ist.

Das Bärlauchding wurde am Ende auch noch etwas größer als das traditionelle. Ich hatte nicht bedacht, dass das Pesto die Masse natürlich vergrößert. Egal.

Und es wurde am Ende auch sehr eng mit den zwölf Mandeln. Ich hatte das Rezept für ein Qagħaq tal-Appostli hergestellt und dann aufgeteilt. Zwei vollformatige Exemplare hätten unseren Zwei-Personen-Haushalt etwas überfordert. Sie durften unter meinem gozitanischen Lieblingsküchenhandtuch aufgehen. Das schien ihnen ausnehmend gut zu gefallen.

Nach zwei Gehzeiten von jeweils einer Stunde sahen sie so aus:

Zu diesem Zeitpunkt roch dann allerdings auch das ganze Haus nach Bärlauch. Das war irgendwie nett, allerdings stand mir die nächste Glaubensfrage bevor. Wie die Ringe geformt werden, ist nämlich nicht ganz klar: einfach rund oder gedreht oder geflochten. Ich entschied mich für ein paar mal verdreht. Verdreht kann ich schließlich.

Als die beiden auf dem Blech lagen, dachte ich leichtsinnigerweise, jetzt sei der schwierige Teil vorbei. Weit gefehlt!

Sie kamen aus dem Ofen und sahen sehr vielversprechend aus. Ich marschierte mit ihnen auf dem Kuchenrost zu meinem Fotoplatz. Die ersten beiden Mandeln rutschten ab. Ich versuchte sie aufzufangen. Dabei rutschte das kleine Qagħaq vom Gitter. Ich fing es auf, bekam einen Wutanfall und hätte beinahe auch noch das zweite fallen lassen. Am Ende waren vielleicht insgesamt noch fünf oder sechs Mandeln an ihrem Platz.

Fürs Foto verteilte ich sie wieder auf den Broten. Eben beim Bearbeiten fiel mir auf, dass sich eine Mandel vom kleinen aufs große Qagħaq geschlichen hatte. Vermutlich Judas, der alte Verräter! Für einen Beutel Sesamlinge.

Am Ende waren sie abgekühlt und wurden angeschnitten. Und sie wurden – beide! – für ausgezeichnet befunden. Schön soft, aber außen knackig. Ziemlich bagelartig. Und die Bärlauchvariante war wirklich toll. Ich werde den Teig demnächst mal als Bubble Bread backen. Mit Bärlauch. So als kleine Beilagenbrötchen.

Qagħaq tal-Appostli

Maltesisches Apostelbrot
Gericht: Brotkörbchen
Land & Region: Maltesisch
Keyword: backen, brot, brötchen
Portionen: 1 großes oder zwei kleine Exemplare
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 500 g Weizenmehl Type 550
  • 15 g Salz
  • 1 TL Zucker
  • 7 g Trockenhefe
  • 280 ml lauwarmes Wasser
  • 45 ml Olivenöl
  • 2 EL Bärlauchpesto optional
  • etwas Wasser zum Einpinseln
  • 12 Stück Mandeln zum Dekorieren – oder für Heidenkinder: beliebige Menge 😉
  • Sesamsaat zum Bestreuen

Anleitung

  • Mehl und Salz in der Rührschüssel der Küchenmaschine vermischen.
  • In einem Becher Hefe, Zucker und das lauwarme Wasser verrühren und etwa 15 Minuten stehen lassen, bis eine deutliche Aktivität zu spüren ist.
  • Hefewasser und Olivenöl in die Teigschüssel geben und zu einem elastischen Teig verkneten (lassen).
  • Falls gewünscht, jetzt den Teig halbieren und die eine Hälfte mit dem Pesto verkneten. Oder halt den kompletten Teig mit etwas mehr Pesto. Oder eben gar kein Pesto.
  • Teig in eine Schüssel geben und abdecken. Etwa eine Stunde gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat. Mit der Faust entgasen, etwas verkneten, wieder zu einer Kugel formen und nochmals eine Stunde gehen lassen.
  • Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen.
  • Teig zu einem Ring (oder eben zu zwei Ringen) formen und aufs Blech legen. Mit Wasser bestreichen, Mandeln aufdrücken und mit Sesam bestreuen. Gehen lassen bis die Ofentemperatur erreicht ist.
  • Backen bis die Brote goldbraun und knusprig sind. Ein großes sollte etwa 40 Minuten brauchen. Zwei kleinere gehen natürlich schneller. Bei mir brauchten sie eine knappe halbe Stunde. Zum Ende der Backzeit im Auge behalten.
  • Auf einem Kuchenrost auskühlen lassen.

5 Kommentare

  1. Liebe Manuela,
    sorry, aber ich musste lachen als ich deinen Text gelesen und dann Bilder dazu im Kopf hatte. 😀
    Dein Beitrag ist wirklich interessant, von diesem Brot habe ich noch nie gehört. Aber um Himmels Willen wie spricht man das nur aus?
    So oder so die Brote sind sicher sehr lecker und ich freue mich sehr, dass du mit deinem Rezept bei meinem Blogevent dabei bist.
    Liebe Grüße
    Johanna

  2. Ich denke man spricht es „Hefekranz“ aus. Mit Mandeln.
    Ich musste da an einen Kommentar bei Instagram denken: Jesus hatte nur 12 Follower, einer davon war ein hater! Frohe Ostern du kreatives Wunder!

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