Kalkputz… twelve points… Kalkputz… douze points…

Das Schlafzimmer wurde heute ein gutes Stück voran gebracht. Morgen noch die Decke, und dann ab mit der Tapete auf die Wand hinter dem zukünftigen Kopfende des Bettes – fertisch!

Unsere Tchibo-Schränke fanden sich bei den freundlichen Nachbarn schräg gegenüber, denen der DHL-Mann den kompletten Eingangsbereich damit verstellt hatte. Wir haben uns ca. 1000mal bedankt und entschuldigt.

Und als wir nach Hause kamen lief schon der Grand Prix. Verdammt! Island! Litauen, Israel, Frankreich Schweden, Kroatien und Portugal verpasst! Wie konnte mir das nur passieren? Nicht, dass ich das jetzt irgendwie total faszinierend fände, aber es ist halt eine obskure Mischung aus Tradition und Sensationsgier, die mich alljährlich vor den Bildschirm treibt.

Island war für Song-Contest-Verhältnisse nicht mal übel, der bauchfreie Grieche dagegen reißt mich nicht gerade aus dem Sessel, Armenien ist ein wenig an mir vorbeigegangen („Jan Jan“ als Songtitel erinnert mich wohl zu sehr an Fahrbahnbeschriftungen auf französischen Landstraßen im Juli) und die Russin ist definitiv grottig, wie sie da in ihre Gardine gewickelt ziemlich falsch ins Mikro heult. Apropos Song Contest: blöder Name. Als das Ding noch Grand Prix d’Eurovision de la Chanson hieß, klang das wenigstens noch nach was.

Und jetzt? Gregor Gysi startet für Aserbaidschan und nennt sich Arash?! Erstaunlich.

21:58 Uhr: Bosnien und Herzegowina schicken crèmefarbene Uniformierte ins Rennen. Leider mit einem völlig langweiligen Titel, vorgetragen von einem billigen Ross-Antony-Verschnitt. Grmpf… Aber geben wir Moldawien eine Chance.

22:01 Uhr: Eine seltsame Mischung aus Milva und der Piroschka aus „Ich träume oft von Piroschka“ gibt eine Art folkloristischen Discostampfs zum besten. Nun ja… Wer’s mag…

22:05 Uhr: Chiara für Malta mal wieder! Von der Aufmachung her eine Blümchen-Jasmin-Wagner-Imitation mit 40 kg Übergewicht aber mindestens genauso neckischen Löckchen. Der Gesang ist mal wieder o.k., der Titel kitschig und ich finde die Bühnen-Deko doof.

22:08 Uhr: Estland. Nun ja. Laaaangweiliiig. Findet der Bauherr allerdings nicht. Er wartet darauf, dass sich Morticia Addams endlich in alter Grand-Prix-Tradition in einer grandiosen Geste der Großteils ihrer Kleidung entledigt. Nichts dergleichen geschieht. Stattdessen jodelt sie sich lustig Richtung Ende des Liedchens. Der Bauherr prophezeit 12 Punkte aus Finnland.

22:12 Uhr: Dänemark! Aha. Offensichtlich verdingen sich jetzt gesperrte Saxo-Bank-Fahrer als Ronan-Keating-Imitatoren (mit Ronan-Keating-Songs) und versuchen sich so ein zweites Standbein zu schaffen. Der Titel „Believe again“ erinnert an verzweifelte Tyler-Hamilton-Aktionen. Wieso verlangen Radsportler eigentlich immer das Unmögliche – nämlich dass man ihnen glaubt?!

22:15 Uhr: Endlich! Deutschland geht mal wieder öffentlich unter! Und dazu gibt es nacktes Fleisch. Na, wenn es dann leichter fällt… Mooooment! Wo isse denn überhaupt? Ah. Da isse ja! Schwupp – wieder weg. Wie war nochmal das Lied? Keine Ahnung.

22:20 Uhr: Shakira auf türkisch. Mit ganz, ganz vielen Üs im Text.  Und nackter als es Shakira je war. Ich sach‘ ma‘: Geschmackssache…

22:23 Uhr: Jetzt geht es aber Schlag auf Schlag! Kinderballett… Blue Man Group… schlechtes Englisch… üble Pantomimen… Albanien wird auf uns losgelassen. Nö, nö, so nicht! Aber immerhin wird Berlusconi sie wahrscheinlich nicht gleich wieder ausweisen, falls sie ihren Schülerausweis dabei hat.

22:26 Uhr: Endlich ist das norwegische „Wunderkind“ dran. Der Favorit. Mit seiner Violine. Die Textstelle „She was mine and we were sweethearts“ sagt ja wohl alles. Der Nächste, bitte!

22:31 Uhr: Blödes Geschwätz zwischendurch. Wo bleibt die Ukraine? Ah! Da! Oh Gott – Amanda Lear im Rhönrad. Puh… Schwule Zenturionen in silbernen Höschen tanzen lasziv im Hintergrund. Wieso haben sie eigentlich den Brand von Rom unter Nero überlebt? Verdammt! Die Jungs sind so peinlich. Die würde man nicht mal Dirk Bach wünschen.

22:36 Uhr: So. Was hat denn Rumänien – das Land der Vampire und des Dacia Logan – zu bieten? Mariah Carey und ihre vier Schwestern in hellblau und lindgrün. Die Herren diskutieren gerade angeregt auf dem Sofa, ob an der echten Mariah Carey irgend etwas echt ist. Max tippt auf den linken Handrücken.

22:39 Uhr: Oops! Eine Engländerin, die gut aussieht. Und auch noch singen kann. Andrew Lloyd Webber hat sich allerdings nicht sehr gut gehalten, wie wir mit Entsetzen feststellen müssen. Fast dreißig Jahre „Cats“ gehen halt an niemandem spurlos vorüber. Nichtsdestotrotz: einer der besseren Beiträge.

22:43 Uhr: Finnland. Billige Blondinen, offenes Feuer und ein grottiger Eminem-Verschnitt. Zeit für eine Toilettenpause.

22:49 Uhr: Der norwegische Hirnlostext wird locker von der blonden Spanierin getoppt: „Come on and take me, come on and shake me“. Besonders beim Schütteln möchte man da doch gern mal helfen. Und anschließend kopfschüttelnd „Mädchen, Mädchen, hast du denn gar keine Selbstachtung?!“ murmeln.

So. Anrufpause. Jetzt kommt wieder das bekannt langweilige Rahmenprogramm. Die Mainzer Hofsänger des Schlagers sozusagen. Meist schläft man ein, bevor es an den spannenden Teil des Abends geht: die Punktevergabe. Los geht es. Nach der ISS jetzt der Schnelldurchlauf. Man durchlebt die Grausamkeiten des Abends nochmal in der Zusammenfassung. Aua…

Oh Gott! Im „Green Room“ treibt der von russischen Eltern adoptierte Zwilling von Kai Pflaume sein Unwesen!. Unfassbar. Und schon wieder ein Schnelldurchlauf. Grmpf… Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, folgt jetzt eine argentinische Artistengruppe. Zirkus fand ich schon immer doof. Zweite Toilettenpause!

23:17 Uhr: Endlich! Das Voting!

Fazit: Spanienurlaub gecancelled, kurzfristig Belgien gebucht. Soll ja toll sein. Frankreich beteiligt sich an der Spendensammlung mit drei Punkten. Merci! Und die Überraschung des Abends: die Briten und die Dänen. Mit jeweils sieben Punkten für Deutschland haben sie sich natürlich unsterblich gemacht. Desgleichen Norwegen mit sechs Punkten. Da finde ich die Fjorde gleich doppelt so hübsch. Weitere potentielle Urlaubsländer für die nächsten Jahre: Bosnien & Herzegowina, die Türkei, Albanien, die Niederlande, Portugal und Irland. Und wie immer am Ende eines anstrengenden Abends: Also, nächstes Jahr sehe ich mir den Mist garantiert nicht mehr an!

6 Kommentare

    1. das klingt wirklcih kümmerungsbedürftig 😀
      andererseits wäre vielleicht eine kleine fsv-lobpreisung nach dem heutigen spiel eher angesagt… mmmhhh…
      wir werden das ausdiskutieren ^^

  1. Ich hatte echt gedacht, ihr versiebt das noch. Aber jetzt sehen wir uns ja auch nächstes Jahr wieder – im Obergeschoss, um mal beim Blog-Thema zu bleiben. 😀

    1. nun… rechnerisch können wir es ja noch versieben. ich bleibe jedenfalls bis zum bitteren ende bescheiden im eg sitzen und warte. das gefühl, von einem schiedsrichter in frankfurt das glas sekt
      aus der hand gepfiffen zu bekommen, ertrage ich nicht nochmal 😀

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.