Bakterien-Mutterschiff ohne Feldbergblick

Der erste Teil der Überschrift bezieht sich auf Max, der zur Zeit als die lustige Bakterienschleuder von nebenan durchs Haus zieht. So, wie er gerade röchelt, wäre es besser, ihn bis auf weiteres nicht aus seinem Zimmer zu lassen, aber irgendwie würde ich mich dabei herzlos fühlen. Wieso eigentlich?!

Im Aufzug unseres Bürogebäudes hängt seit Wochen ein Plakat der BZgA aus der tollen Kampagne „Wir gegen Viren“.
Unter der Rubrik „Hygienetipps“ findet sich unter anderem der Punkt „Familienmitglieder schützen“.

Zitat: „Es ist gut, wenn Sie sich zu Hause auskurieren; allerdings sind dann besonders Ihre Familienmitglieder ansteckungsgefährdet. Schützen Sie sie, indem Sie Abstand halten und auf Körperkontakt wie Umarmen, Küssen usw. verzichten. Schlafen Sie nach Möglichkeit in einem separaten Raum. Achten Sie auf generelle Sauberkeit Ihrer Wohnung, insbesondere in Küche und Bad.“


Zusammengefasst: Lieber Angehörige als Kollegen infizieren! Ab ins eigene Zimmer und Tür zu! Schön Wischi-wischi machen! Max in seinem Zimmer zu isolieren, funkioniert prinzipiell hervorragend, solange Fernseher und Internetverbindung störungsfrei funktionieren. Seine Fürsorge geht sogar soweit, dass er nicht mal zum Putzen sein Zimmer verlässt – natürlich nur aus Angst, uns anzustecken!!!

Wir waren schon immer sehr darauf bedacht, Unschuldige nicht mit Krankheiten zu infizieren. Besonders im Februar 1995, als Max blöderweise an Fastnachtssonntag Scharlach bekam. Mit Ausschlag. Und unbedingt dienstags auf den Mombacher Umzug wollte, auf den er sich seit Wochen gefreut hatte. Schwierig, einem Zweieinhalbjährigen zu erklären, dass er sich das leider von der Backe kratzen dürfe. Ich bin ja kein Unmensch!

Eine Idee musste her. Oder ein geschicktes Kostüm. Als findige Mutter verkleidete ich Max schließlich als Zwerg. Zusätzlich wurden die auffälligsten Punkte im Gesicht mit zwei dicken roten Flecken übermalt. Auf dem Foto oben wirkt er allerdings wie ein kleiner, buckliger, etwas gehässiger Zwerg, der gerade plant, einen ganzen Stadtteil auszulöschen, indem er ihn in den nächsten Minuten mit einem tödlichen Virus zu infizieren beabsichtigt.

Sagen wir es so: Es gibt durchaus schmeichelhaftere, sympathischere und weniger verwachsen wirkende Fotos von ihm. Er steht übrigens auf dem Foto nicht aufrecht, sondern sitzt auf dem Mauerabsatz. Das nur zu seiner Ehrenrettung…

Der zweite Teil der Überschrift trifft uns wirklich alle hart. Seit gestern befindet sich ein Bauschild auf dem Grundstück, das sich direkt hangabwärts von uns befindet. Will meinen: Das Haus, das wahrscheinlich dort demnächst errichtet werden wird, könnte unseren herrlichen Feldbergblick zerstören, bevor wir ihn auch nur einmal von der Terrasse aus genießen konnten.

Nachdem ich gestern noch die schwache Hoffnung hatte, dass es sich vielleicht um einen Flachdach-Bungalow oder wenigstens ein anderthalbgeschossiges Haus wie das nebendran handeln könne, wurde ich heute beim Blick durchs Teleobjektiv (Man möchte ja ungern unter den Augen der Nachbarn neugierig das Bauschild umschleichen…) auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sollte dort tatsächlich das Haus auf dem Foto entstehen, bleibt uns nur die Hoffnung auf schreckliche Baumängel, die einen baldigen Abriss unvermeidlich machen. Zwei Vollgeschosse! Verdammt!

Todesviren und Hochhäuser – was kann einem den Tag noch brutaler verderben?!

6 Kommentare

  1. Ich bin letztes Jahr auf einer internationalen Tagung mit so einem Geschwür im Gesicht rumgelaufen. Ich bin mir sicher, dass ich als „die kleine Deutsche mit dem Riesenpickel“ in die Geschichte der
    Konferenz eingegangen bin. 😥

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