Offizieller Hühnesuppensaisonstart!

Dank des fiesen Wetters der letzten Tage wurde er vorgestern endgültig eingeläutet: Es fiel der Startschuss für die Hühnersuppensaison. Nein. Keiner krank hier. Einfach nur mal so zur Prophylaxe.

Und es ist wahr: Hühnersuppe ist wie Radfahren – man verlernt es nicht. Der erste Versuch der Saison war großartig. Vielleicht schmeckte sie auch besonders gut, weil die letzte so lange her war. Wie auch immer: Mit Hühnersuppe wird es warm ums Herzchen!

Und das war in der vergangenen Woche auch bitter nötig, so etwas wirklich Herzerwärmendes. Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, aber Montag und Dienstag traf ich im Prinzip den ganzen Tag über nur auf Wahnsinnige.

Und dabei war der irre Italiener, der jeden zweiten Passanten im 6:38-Uhr-Zug mit einem herzlichen „Idiooootaaaa!“ begrüßte, noch fast der netteste Mensch, mit dem ich in diesen 48 Stunden zu tun hatte. Aber das wurde mir natürlich erst hinterher klar.

Das war dann nachdem ich von einer hysterischen Kundin übelst beschimpft worden war und stirnrunzelnd die neuesten Entwicklungen am Arbeitsplatz verfolgt hatte…

Der Wahnsinn hatte Methode. Mittwochs klang die allgemeine Muffigkeit und Massenaggression dann allerdings wieder etwas ab. Der heutige Tag verlief überraschenderweise annähernd nervenzusammenbruchsfrei.

Die Karte unten – dienstags mittags erworben – hat übrigens auch eine ziemlich entspannende Wirkung, wenn sie direkt neben dem Telefon platziert ist. Aber das nur mal so am Rande.

Und die Worte hätten im Prinzip auch zur sonntäglichen Verarbeitung der hauseigenen Chiliernte gepasst. Da unsere Ernte sich auf die Exemplare auf dem Foto beschränkte, kaufte ich noch Chilis zu und füllte am Ende alles in vier Gläschen ab. Vier popelige Gläschen als Lohn für stundenlanges Chiliwinzigstzerkleinern… Pah!

Auf die ebenfalls zum Confieren bereit liegenden Knoblauchknollen hatte ich dann irgendwie (Wie kommt es nur?) keine Lust mehr. Die sind dann halt am kommenden Wochenende dran.

Dafür testete ich heute etwas Lustiges: Libum – römisches „Opferbrot“. Der Chef hatte zwei römische Rezepte aus dem Frankfurter Archäologischen Museum angeschleppt. „Das schmeckt dem Gladiator!“ lautete der Satz auf der Vorderseite der Karte.

Was den Gladiatoren recht war, kann uns nach dieser Woche nur billig sein. Eins der beiden Rezepte – das nach Catos „De Agricultura“ – passte noch in den Zeitplan. Um den „Kürbis Alexandriner Art – Cucurbitas more Alexandrino“ werde ich mich bei Gelegenheit kümmern.

Libum – Römisches Opferbrot

Libum hoc modo facito: casei p. II bene disterat in mortario; ubi bene disteriverit, farinae siligineae libram aut, so voles tenerius esse, selibram similaginis solum eodem indito permiscetoque cum caseo bene; ovum unum addito et una permisceto bene. Inde panem facito, folia subdito, in foco caldo sub testu coquito leniter (Cato, De Agricultura, LXXXIV).

Zutaten

  • 400 g weicher Schafskäse
  • 200 g Weizenmehl
  • 2 Eier
  • 10 -12 Lorbeerblätter

Zubereitung

  • Den Schafskäse in einer Schüssel zerdrücken und gut mit dem Mehl vermischen. Mit zwei Eiern zu einem homogenen Teig verkneten. Teig in kleine, runde Laibe formen und abflachen. Ein Blech mit Lorbeerblättern auslegen und Opferbrote darauf setzen. Bei 180°C im vorgeheizten Backofen goldgelb backen (etwa 25 Minuten).
  • Idealer Begleiter zu einem Glas Wein.

In Ermangelung von Schafskäse im Kühlschrank nahm ich Ziegenfrischkäse und stockte die Mehlmenge etwas auf, da dieser doch feuchter ist als sein schafiger Bruder. Und – ich gestehe! – ich gab ein wenig Salz dazu.

Das war jetzt also nicht gerade das Original, aber sicher nicht weit davon entfernt. Morgen besorge ich Schafskäse und teste nochmals.

Für ein Gebäck aus nur drei Zutaten war das irgendwie sehr interessant. Schmeckte sogar ziemlich gut. Geschmacklich waren die Massen von Lorbeer am Ende irgendwie verzichtbar. Und wie gesagt: Ein Schafskäseversuch folgt am Wochenende.

Ach, und einen Apfelkuchen habe ich am vergangenen Sonntag auch noch gebacken. Mit englischer Orangenmarmelade. Klang spannend. Schmeckte lecker. Vor allem noch warm mit einem Klecks Vanillesahne. Mjam!

Das Rezept folgt noch. Schon, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Das landet sicher mal wieder im Ofen. Auch der Mürbeteig war perfekt. Sehr knusprig, aber nicht trocken.

Morgen ist ja schon Freitag. Damit liegen ja dann zweieinhalb freie Experimentiertage vor mir. Und keine seltsamen Menschen am Telefon oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Juhuuuu!

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