Bialy – ich kenn‘ dich nicht, aber ich back‘ dich trotzdem!

Ich habe mit Sicherheit schon schönere Sachen gebacken. Und ich habe mit Sicherheit auch Rezepte schon gewissenhafter durchgelesen als dieses. Im Rückblick gilt aber immer noch ein Helmut-Kohl-Zitat von 1984: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“. Stimmt. Und ‚was hinten raus kam‘, war wirklich gut. Ich habe keinerlei Ahnung, wieso mir ausgerechnet bei diesem Blogpost ständig der mittlerweile tote Altkanzler einfiel, aber irgendwie ist das so passiert. Ich kann nix dafür. Ehrlich.

Nicht für eine lange Lagerung gedacht, aber frisch aus dem Ofen ausgesprochen köstlich. Wenn es jetzt auch noch ein bißchen so ausgesehen hätte, wie es hätte aussehen sollen, wäre ich fast begeistert gewesen.

Der Teig jedenfalls war absolut perfekt. Und ich kann ihn mir sehr gut als kleine Brötchen zum Tunken – z.B. zu Muscheln o.ä. – vorstellen. Und das wird dann zur Muschelzeit auch getestet. Oder im Sommer vielleicht schon zu einer Tomatensuppe aus den ersten eigenen Tomaten. Wir werden sehen.

Nach der kalten Gare über Nacht war er morgens wirklich nett anzufassen und perfekt formbar.  Und auch sehr hübsch.

Ich habe die halbe Originalrezeptmenge an den Start gebracht. Das ergab am Ende sechs Bialy. Oder wie ist der Plural von Bialy?! Etwa Bialies?! Oder gar Bialys?!!

Okeeehhh… Passt soweit – nur die Sache mit dem „depressed center“ (bzw. centre) müssen wir nochmal üben. „Depressed“ war da am Ende mehr nur ich. Und auch hier passt wieder ein Zitat des Bundeskanzlers, dessen Amtszeit wir mal für endlos hielten – wie naiv wir doch waren.

„Ich würde nicht sagen, dass ich alles wieder so mache, wie ich es gemacht habe, denn dieser Weg ist von Höhen und Tiefen geprägt, aber auch von Fehlern.“

So isses. Dabei fand ich durchaus noch, dass ich auf einem guten Weg war, als ich die Dinger in den Ofen schob.

Auch hier: Wie naiv ich doch war!

Dabei war es an sich doch so einfach: Der wichtige Satz stand am Ende des Originalrezepts von „King Arthur Flour“. Sperrig und eigentlich nicht zu übersehen. Und Zorra hatte ihn auch gewissenhaft übersetzt und in ihre deutsche Version übernommen. Ich hatte ihn also mehrfach gelesen. Ach, nennen wir es lieber „mehrfach überlesen“.

Und bei mir war die Gefahr noch viel größer, da ich statt der Zwiebeln etwas noch Feuchteres als Auflage geplant hatte: Spargel. Pfff!

Keine Ahnung, weshalb ich alle Warnungen gekonnt übersah. Es musste also so kommen, wie es kam. Das „center of the bialy“ „puffte up“. Like a topknot. Bähm!

Dazu kam, dass mein ohnehin schon recht dunkler Wildschweinschinken durch Anbraten und Abbacken jetzt völlig verbrannt wirkte. Was er aber wirklich nicht war. Ich schwöre!

Wer etwas anderes behauptet, dem haue ich gleich noch ein Kohl-Zitat um die Ohren: „Das ist eine klassische journalistische Behauptung. Sie ist zwar richtig, aber sie ist nicht die Wahrheit.“ In other words: Fake News!!!

Bevor es gleich das Rezept geben wird, noch eins vorweg: Platt drücken, die Dinger. Brutal platt drücken. Keine Gnade! Kein falsches Mitleid!!! Ein winziges, zaghaftes Löchlein mit dem Finger in die Mitte gedrückt bringt uns nicht weiter. Das Live-Video von Zorra bei Instagram, in dem sie entschieden ein Glas (war es ein Glas… oder eine Dariolform?!) in die Mitte der Teigkugeln gedrückt hat, hat mich sehr beeindruckt, kam aber zu spät. Etwa fünfzehn Minuten zu spät – um genau zu sein.

Zu diesem Zeitpunkt waren meine Bialys bereits auf dem Weg straight „up like a topknot“. Wie gesagt: Ich werde dem Teig definitiv eine zweite Chance geben. Und ich werde auch der Auflage / der Füllung / dem Wasauchimmer eine zweite Chance geben.

Bialys mit Spargel-Wildschinken-Auflage

Gericht: Backblech, Brotkörbchen
Keyword: backen, brot, synchronbacken
Portionen: 6 Stück
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 420 g Weizenmehl Type 0 orange von Bon'gu
  • 1,5 TL grobes Meersalz
  • 0,5 TL Trockenhefe
  • 250 g Wasser lauwarm
  • etwas Olivenöl
  • 1 Stange weißer Spargel in kleine Stückchen geschnitten
  • etwas Wildschweinschinken in feinen Würfelchen
  • 1 Frühlingszwiebel in feinen Ringen
  • 2 Blätter Bärlauch in sehr feinen Streifchen
  • 1 Stich Butter zum Anschwitzen

Anleitung

  • Am Vorabend die Teigzutaten - Mehl, Salz, Hefe, Wasser - auf kleinster Stufe mit den Knethaken der Küchenmaschine verkneten, bis der Teig halbwegs konsistent ist. Dem Teig anschließend eine Ruhepause von knapp 30 Minuten (in der Schüssel, abgedeckt mit feucht-warmem Küchentuch) gönnen.
  • Anschließend auf Stufe 1 nochmals etwa sechs Minuten durchkneten lassen, bis er richtig schön glatt ist. Wieder abdecken und über Nacht in einer leicht geölten Schüssel in den Kühlschrank stellen.
  • Am nächsten Morgen in sechs gleich große Teigstücke teilen und diese zu Kugeln formen. Bei Raumtemperatur abgedeckt etwa eine Stunde gehen lassen.
  • Ofen auf 250° C Ober-/Unterhitze vorheizen. Derweil die Füllungszutaten fein schnippeln und kurz in etwas Butter anschwitzen. Beiseite stellen.
  • Backblech mit Backpapier auslegen. In die Kugeln energisch (!!!) eine ordentliche Mulde drücken und auf das Blech legen. Anschließend die Füllung auf die sechs Bialys verteilen.
  • Im heißen Ofen etwa zehn bis fünfzehn Minuten abbacken, bis der Rand schön goldbraun wird. Noch wam essen!

Ich bin ehrlich: Ich habe ihnen jeweils ihren dämlichen „topknot“ mit der Auflage abgebissen, was absolut köstlich war – und irgendwie auch eine tiefe innere Genugtuung. Anschließend tat ich so, als ob es Brötchen seien und belegte die Hälften mit Käse. Nochmals pffff!

Birne würde sagen: „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Manuelas Küche schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“ Oder so…

Ich danke Zorra und Sandra für die Rezeptidee, auf die ich ohne Synchronbacken wahrscheinlich niemals gekommen wäre. Und ich bin sehr gespannt, auf die Rezeptabwandlungen und Berichte meiner Mitbäckerinnen und Mitbäcker:

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf
Britta von Backmaedchen 1967
Dominik von Salamico
Tina von Küchenmomente
Dani von Leberkassemmel und mehr
Simone von zimtkringel
Martha von Bunte Küchenabenteuer
Amber von Kuchennymi Drzwiami
Volker von Volkermampft
Tamara von Cakes, Cookies and more
Conny von Mein wunderbares Chaos
Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum
Sandra von From-Snuggs-Kitchen
Tanja von Miss Golosinas
Andrea von Aprilmädchen
Yvonne von Rezepttagebuch
Bettina von homemade & baked
Geri von Lecker mit Geri
Bernadette von Verkocht!

Bis zum nächstenmal!

20 Kommentare

  1. Einfach wieder herrlich! Ich liebe dein Backabenteuer. Das Dings, das ich in den Teig gepresst habe, ist so eine Brioche- oder Flan-Form. Das hat aber auch nicht wirklich geklappt. Den Teig am besten nur mit den Händen auseinanderziehen so wie man es bei Pizza macht. Dann klappt’s, oder sollte es….

  2. So, dieses Mal habe ich mir deinen Blog als Abschluss der Kommentar–Runde aufgehoben Das Beste kommt zum Schluss oder wie war das? Abgesehen, davon dass deine Bialys sich #diversity auf die Fahne geschrieben haben (sie haben halt Charakter) , waren sie garantiert oberlecker. Wie sagte Aristoteles Onassis so schön..
    „Durch Nachteile seiner äußeren Erscheinung darf man sich nicht beirren lassen.“ 😉 .
    Liebe Grüße
    Tina

  3. Liebe Manuela, was für ein schöner und unterhaltsamer Beitrag, ich habe wirklich sehr gelacht ( aber nicht ausgelacht ganz ehrlich) das war ja ein echtes Abenteuer…. egal was am Ende raus gekommen ist, es sieht lecker aus. Ich freue mich schon auf das nächste Mal und deinen ganz sicherlich wieder unterhaltsamen Beitrag.

    Herzliche Grüße
    Britta

  4. Die gnadenlose Rache der Mrs. Flax! Weg mit dem Topknot! 😉 Deine Füllung hört sich großartig an – und das mit der Mulde ist doch am Ende echt schnurz. Das mit den Kohl-Zitaten gibt mir da viel mehr zu denken. Wo kommen die denn so plötzlich her? 😉
    Herzlichst, Conny

  5. Die Füllung klingt super lecker. Und so lange es schmeckt ist es doch egal, ob die Füllung in der Mulde oder obendrauf sitzt. Zu Muscheln kann ich sie mir auch sehr gut vorstellen.
    Liebe Grüße,
    Kathrina

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