Bolo de Caco – das Beilagenbrot Madeiras

Ich starte mit dem Foto des besten Bolo de Caco des Madeira-Urlaubs. Es stammt aus der zweiten von drei Wochen und war wirklich absolut perfekt. Es lag zwar nur einen Hauch vor dem zweitplazierten Teilnehmer, ist damit aber jetzt praktisch der Maßstab für alle meine eigenen Versuche. Wir aßen es nach einem absolut nervenzerfetzenden Abstieg vom Jardim de Botanico in Funchal über so steile Straßen, dass ich sehr, sehr erleichtert war, als wir auf diese Bar stießen und der Gatte vorschlug, kurz einzukehren. Sie sah von außen nicht besonders spektakulär aus, erwies sich dann aber als ausgesprochen gute Wahl. Ausführlicheres dazu im in den nächsten Tagen folgenden zweiten Bericht aus dem Urlaub.

Zurück zum Bolo de Caco. „Bolo“ ist im Portugiesischen ja eigentlich ein Kuchen. Dieses Brot allerdings heißt aus einem sehr schlauen Grund so. Es wird seit dem 15. Jahrhundert auf den Inseln des Archipels – Madeira und Porto Santo – gebacken. Vermutlich stammt das ursprüngliche Rezept von Sklaven, die es aus Afrika mitbrachten. Öfen im Haus waren zu dieser Zeit dem Adel und dem Klerus vorbehalten. Fürs Brotbacken wurden hohe Steuern fällig. Da brauchte es eine gute Idee. Man buk also das „Brot“ auf einer heißen Basaltplatte, die man auf eine offene Feuerstelle legte. So entstand das Bolo de Caco. Und da es ein Bolo und kein Pão war, ließen sich damit geschickterweise die für Brot fälligen Steuern umgehen.

Und so dachte ich mir, dass ein brauchbares Bolo-de-Caco-Rezept eine gute Idee für Volkers „Kulinarische Weltreise“ mit dem Thema „Gerichte gegen die Hitze“ wäre. Zwar ist es auf Madeira jetzt nicht so wahnsinnig heiß, aber dafür dauerhaft angenehm warm. Auch im Winter. Da kann man bei sowas wohl einem Klassiker von der Insel vertrauen. Ich habe nach unserer Rückkehr dann auch wirklich alles gegeben, um heute auf den letzten Drücker noch fertig zu werden und hatte sogar beim Rückflug zwei weiße Süßkartoffeln von der Bude am Strand in Campo de Baixo auf Porto Santo im Handgepäck.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in sucht Gerichte gegen die Hitze - die besten Rezepte aus der ganzen Welt

Genau. Es kommen nämlich Süßkartoffeln in den Teig. Ich wunderte mich im Urlaub die ganze Zeit, warum das Brot nicht irgendwie orangefarbener ist, aber irgendwann verstand ich es. Die dafür benutzten Süßkartoffeln sind nämlich gar nicht orange. So einfach kann es sein. Sobald meine beiden Exemplare verbraucht sind, werde ich es allerdings auch mit den hier erhältlichen Süßkartoffeln testen. Ich bin sicher, das sollte ebenso machbar sein.

Was zum Bolo de Caco auch definitiv dazugehört, ist Knoblauchbutter – Manteiga de alho. Wichtigste Bestandteile: Butter, Knoblauch, Petersilie, Salz. Fertig. Aber die kommt erst kurz bevor das Brot auf dem Tisch landet zum Einsatz.

Ich habe den Teig mit Übernachtgare hergestellt. Einfach weil ich weniger Hefe am Ende leckerer finde. Und die Krume wird dadurch auch sehr fluffig. In den meisten Rezepten, in denen ich recherchiert habe, wurde mehr Hefe verwendet und das Brot am gleichen Tag – nach einer relativ überschaubaren Gehzeit gebacken.

Der Teig ist sehr angenehm zu handhaben, muss allerdings etwas ausbalanciert werden – je nach Süßkartoffel und nach Garmethode derselben. Ich habe die Küchenmaschine zum Kneten benutzt. Einfach weil es schnell gehen musste. Das Ergebnis war für den ersten Versuch auch auf diese Art sehr erfreulich.

Legen wir also mal los mit dem Rezept:

Bolo de Caco

Pfannenbrot von Madeira & Porto Santo
Gericht: Beilagenteller, Brotkörbchen, Picknickteller, Snackschälchen
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 500 g Weizenmehl Type 550
  • 350 g Süßkartoffel
  • 10 g Salz
  • 10 g Frischhefe ersatzweise hier: 1 gestr. TL Trockenhefe
  • 240 ml Wasser lauwarm

Anleitung

  • Süßkartoffel waschen, grob zerteilen und mit Schale kochen bis sie sehr weich ist. Abgießen und ausdampfen lassen. Pürieren und abkühlen lassen.
  • Wasser und Hefe in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und verrühren, bis die Hefe aufgelöst ist. Süßkartoffelbrei und Salz zugeben.
  • Mit der Küchenmaschine und dem Knethaken verrühren. Mehl nach und nach zugeben und einarbeiten. Anschließend etwa sechs bis sieben Minuten bei hoher Geschwindigkeit verkneten lassen, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst und geschmeidig wird.
  • Nun mit Wasser (falls zu fest) oder Mehl (falls zu flüssig) nachjustieren. Der Teig soll glatt sein und sich gut von den Händern lösen.
  • Teig in eine Schüssel geben, abdecken und über Nacht (oder mehere Stunden) im Kühlschrank parken. Anschließend herausnehmen und anspringen lassen.
  • Arbeitsplatte mehlen. Teig in Portionen teilen und zu Kugeln formen. Mit dem Schluss nach unten auf das Mehl setzen, abdecken und nochmals etwa eine halbe Stunde gehen lassen.
  • Eine der Kugeln nehmen, zu einem Fladen drücken und in eine bemehlte Pfanne bei mittlerer Temperatur geben. Langsam von der ersten Seite Farbe nehmen lassen. Der Teig geht dabei ordentlich auf.
  • Schließlich wenden und nochmals langsam weiter garen, damit die Brote auch innen durchgebacken sind.
  • Auf einem Gitterrost auskühlen lassen, Mehlreste aus der Pfanne entfernen und das zweite Brot abbacken. Nacheinander so alle Brote garen.
  • Tipp: In diesem Stadium können sie eingefroren und bei Bedarf aufgetaut werden.
  • Brote mittig aufschneiden und in der Pfanne mit sehr wenig Fett oder im Ofen an der Innenseite aufknuspern. Auf die noch heißen Brote Knoblauchbutter streichen, zuklappen und lauwarm servieren. Dazu in Streifen oder "Kuchenstücke" schneiden.

Im Prinzip kann man den Ofen ignorieren und alles auf dem Herd zubereiten. Das Brot muss außen sehr knusprig und innen flauschig sein. Und wenn man einmal eine größere Menge vorbereitet, hat man sehr flott eine Beilage zu allem Denkbaren auf dem Tisch. Sehr Sommer-kompatibel! Und ganz toll schmeckt es übrigens auch zu Muscheln. Der SeptembeR steht ja bereits vor der Tür – und ich scharre schon mit den Hufen, weil ich die wahnsinnig köstlichen Miesmuscheln von Porto Santo nachkochen will.

Jetzt aber flott noch alle anderen Teilnehmer mit ihren Rezepten gegen die Hitze. Stöbern ist Pflicht! Und dann habe ich es tatsächlich noch kurz vor knackig geschafft. Juhuuu!

Friederike von Fliederbaum mit grönländische Suppe Suaasat * Wilma von Pane-Bistecca mit Gefuellte Mozzarella Kugeln (Italien) & Carne Tonnata besser bekannt als Vitello Tonnato & BBQ Sauce mit geroesteten Erdbeeren & Pollo alla Diavola * Cornelia von SilverTravellers mit Erfrischende Gurken-Limonade selbst gemacht * Carina von Coffee2Stay mit Die beste zitronige Limonade aus Amerika & Erfrischung auf Amerikanisch: Der Arnold Palmer * Regina von bistroglobal mit Grönländisches Fischgericht * Sonja von Cookie und Co mit Italienischer Brotsalat – Panzanella einfach & schnell * Ute von wiesengenuss mit Chili, Hitze und ein Chicken Chettinad * Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Salmorejo andaluz * Britta von Brittas Kochbuch mit Radieschenblätterpesto (Italien/Deutschland) & Spaghetti mit Zucchinispiralen (Italien/Deutschland) * Francesco auf volkermampft mit Cicchetti – I mesi ovi – Aperitivo mit Ei und Anchovis * Britta von Backmaedchen 1967 mit No bake-Tiramisu-Torte/italienisches Dessert mal anders * Sonja von fluffig & hart mit Frozen Yogurt * Sylvia von Brotwein mit Gazpacho Andaluz – Rezept für original spanische Suppe & Rote Grütze – Omas Klassiker selber machen * Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Lietuviški šaltibarščiai – litauische kalte Rote-Bete-Suppe * Volker von volkermampft mit Kalte Erbsen-Joghurt-Minz Suppe – gegen die sommerliche Hitze * Susan von Labsalliebe mit Brot Salat mit frischen Kräutern * Nadja von Little Kitchen and more mit Schweizer Wurst Käse Salat * Simone von zimtkringel mit persischer Gurken-Apfelsalat

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