Brückentag: Neuneinhalb-Finger-Joe gibt alles!

Die Kommode war aufgebaut. Smart Jim ging aushäusig seiner smarten Tätigkeit nach. Neuneinhalb-Finger-Joe hatte Urlaub. Und er war motiviert bis an die Zähne. Bereits seit drei Tagen lag die Tapete bereit. Joe begann bereits kurz vor Morgengrauen – Jim hatte gerade das Haus verlassen-, die alten Schränke in der Garderobe auszuräumen und zu entfernen. Die alten Schränke wussten schlagartig, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Joe wusste das auch.

Einschub: Nichts hält so lange wie eine Notlösung. Als wir damals eingezogen sind, war der Flur bzw. die Garderobe das letzte, dem unsere Aufmerksamkeit galt. Am Ende wurde eine „Kann man ertragen, aber wir finden sicher bald was Besseres“-Tapete an die Wand geklebt. Und es wurden zwei Tchibo-Möbel hineingeschoben. Und ein Aldi-Spiegel. Und ein Aldi-Schuhregal. Ich gestehe es hier ganz offen und in aller Schamlosigkeit. Das teuerste waren die Kleiderhaken von „Impressionen“. Und so sah das dann in den letzten (acht? neun?) Jahren auch aus:

So sah es natürlich nicht wirklich aus. So sah es aus, nachdem Neuneinhalb-Finger-Joe alles ausgeräumt hatte. Danke, Joe!

Hinzu kommt, dass sich hinter der Bank der Steuerungskasten für die Fußbodenheizung befindet. Den hat man normalerweise nicht gesehen, weil die Bank stets mit allerlei Handtaschen, Schals etc. belagert war. Über die Tatsache, dass die Schublade der Kommode sich seit Jahren nicht mehr schließen ließ (ich habe übrigens auch heute nicht herausgefunden, woran das liegt), schweigen wir an dieser Stelle mal lieber. Immerhin hatte ich mich damals dazu aufraffen können, das Sitzkissen der Bank mit einem Stroh-Print zu beziehen. Besser als nix.

Aber zurück zu Joe. Um seine Leistung am heutigen Tag hinreichend würdigen zu können, muss folgendes angemerkt werden: Neuneinhalb-Finger-Joe war seit etwa 22 Uhr am Vorabend nur noch Neun-Finger-Joe. Er hatte sich einen Fingernagel brutalstmöglich eingerissen, sodass er jetzt zwei Pflaster trug.

Zudem stellte sich nach zwei Tagen unermüdlichen Schneutzens traditionsgemäß sein längst überfälliger Lippenherpes ein. Aua. Bis unter die Cowboyhutschnur zugeballert mit Nasenspray (dem bösen Nasenspray mit Xylometazolinhydrochlorid wohlgemerkt!), Lippenherpessalbe und Schmerztabletten entfernte er tapfer die alte Streifentapete. Und erlebte beim Anblick der Spachtelarbeiten darunter kurz einen Moment der Wehmut.

Anschließend begab er sich zu OBI, um Kleister zu besorgen. Und allerlei anderes Nützliches. Leider hatten sehr viele andere Menschen die gleiche oder eine ähnliche Idee. Der OBI war komplett überfüllt mit Kunden, während zwei – trotz allem sehr freundliche – Mitarbeiterinnen, die offensichtlich die A-Karte gezogen und kein überlanges Wochenende hatten, versuchten, des Ansturms Herr zu werden.

Neun-Finger-Joe war die Ruhe selbst. Er hatte ja frei.

Nach seiner Rückkehr rührte er erstmal den Kleister an. „Ich hab‘ da mal was vorbereitet…“. Palettmesser aus der heimischen Backstube sind dazu übrigens hervorragend geeignet. Während der Kleister andickte, schnippelte er aus der ersten Tapetenbahn die Aussparung für den ersten Deckenbalken heraus.

Und so ging das weiter. Und es ging erstaunlich flott. Von der aufgrund einer Fehlmessung versäbelten Bahn und des nachfolgenden Wutausbruchs einmal abgesehen.

Gekleistert wurde übrigens auf dem Esstisch. Vier Bahnen Tapete sollte die Folienbespannung wohl aushalten. Und sie hielt es aus.

Und als Neun-Finger-Joe – der vermutlich bis morgen bei achteinhalb Fingern angekommen sein wird – die komplette Wand tapeziert hatte, stand er nur und staunte. Vergessen war der fiese Herpes. Und auch die Kopfschmerzen. Die Garderobe wirkte locker doppelt so groß wie vorher.

Er wischelte ein wenig herum und schaffte es schließlich sogar, die Kommode an ihren Platz zu schieben. Allerdings nicht bis ganz an die Wand, weil die ja noch trocknen musste. Aber immerhin. Damit würde selbst Smart Jim bei seiner Rückkehr nicht rechnen.

Blöd nur, dass der Glaser nicht angerufen hatte. Joe hätte wahnsinnig gerne den Spiegel noch aufgehängt. Egal. Ein Foto der kompletten Garderobe wird er jedenfalls erst in Auftrag geben, wenn alles da ist.

Bis dahin hat er ohnehin genug zu tun. Er kümmert sich jetzt erstmal um die Lammlachse, die er für Jims Rückkehr vorbereitet hat. Große Taten erfordern große Feste!

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