Die mit dem Brot spricht…

„Iss mich jetzt! Iss mich hier!“ raunzte es mich gleich nach dem Backen in herrischem Ton an. Dieses Brot hat es mir nicht leicht gemacht. Zu gern wäre ich seinem Wunsch nachgekommen. Geht aber gerade nicht. Verdammt! Aber das ist eine andere Geschichte. Trotz seines etwas bestimmenden Wesens ist dieses Brot absolut perfekt. Zumindest für meinen Geschmack Geruchssinn. Es ist außen superknackig und innen schön großporig und fluffig. Ein Traumbrot. Absolut. Genau mein Ding!

Entstanden ist es am vergangenen Wochenende beim Synchronbacken von und mit Sandra und Zorra. Das „Grundrezept“, nach dem improvisiert und gebacken wurde, stammt aus Dagmars Brotecke und heißt No Knead mit Emmervollkornmehl und Leinsamenkruste. So weit erstmal die harten Fakten.

„No Knead“ und „Topfbrot“ klangen perfekt. Ich spürte nur einen winzigen inneren Widerstand gegen den Vollkornanteil im Mehl. Keine Ahnung warum. Vielleicht, weil ich gerade so gar keine Vollkornambitionen habe und permanent von krustigen, luftigen, knackigen Broten träume. Oh, wiederhole ich mich etwa?! Lassen wir das! Aus, Manuela! Braaav.

Ich startete also samstags mittags mit einem Blick ins Mehlregal. Und nahm kurzentschlossen, was gerade angebrochen war: Weizen 550 und Dinkel 630. Eine kleine Stimme in meinem Kopf sagte leise: „Sehr schön. Kein Vollkorn. Eine ausgezeichnete Wahl.“ Okeeehhh. Na dann. Gut dann.

Da ich es einfach nicht schaffe, einen Sauerteig über mehr als ein paar Wochen am Leben zu halten, beschloss ich, ihn einfach ersatzlos zu streichen und dafür eine längere Gehzeit einzuplanen. Ich rührte die Zutaten zusammen, deckte sie zärtlich mit einem feuchten Handtuch ab und platzierte sie im ausgeschalteten, beleuchteten und leicht geöffneten Ofen. War das ein leises „Danke„, das ich da vernahm?! Ich sagte „Bitte. Gern.“ – und schaute erst Stunden später kurz – und aus reiner, nicht zu bändigender Neugierde – nach, was mein Teiglein denn so machte. Es wirkte irgendwie glücklich. „Gute Nacht, Teig!“

Am Morgen standen wir einander wieder gegenüber – der Teig und ich. Da wirkten wir beide glücklich. Er blubberte fröhlich vor sich hin. Ich brachte es nicht übers Herz, ihn auf die Arbeitsplatte zu kippen. So faltete ich ihn nur kurz viermal im Uhrzeigersinn und ließ ihn noch ein wenig in Ruhe. Er seufzte wohlig und schmiegte sich an die Schüssel.

Etwas später kam dann allerdings die Stunde der Wahrheit. Ich bemehlte und sesamisierte – mit geschältem und schwarzem Sesam, der seit dem Besuch der Frankfurter Kleinmarkthalle auf seinen Auftritt warteten – ein Küchenhandtuch, legte es in ein Sieb und kippte den Teig hinein. Es gefiel ihm. Er blubberte weiter. Er war mir ein wenig verrutscht, nahm es mir aber nicht weiter übel.

„Schon gut…“, grunzte er. „Danke„, sagte ich.

Der Ofen wurde angeworfen, der Topf hatte irgendwann Betriebstemperatur. Die Sache wurde ernst.

Ich mag ja flüssige Teige. Da kommen – zumindest bei mir – die besten Ergebnisse heraus. Wenn man mal seine Angst überwunden und ein wenig Übung darin hat, sie zu handhaben, dann gibt es praktisch nichts Besseres.

Als ich den Teig in den heißen Topf plumpsen ließ, ignorierte ich das kurze Zischeln gekonnt. „Teig! Ich weiß besser als du, was du brauchst! Glaub‘ mir!“

Als wir uns wiedersahen – Deckel abheben nach einer halben Stunde Backzeit – war ich entzückt. Was für ein hübsches Brot! Am Ende der Backzeit standen wir uns staunend gegenüber. Das Brot knackte beim Abkühlen zufrieden vor sich hin. Dieses Geräusch! Ich war verliebt.

Nachdem es Schnitttemperatur erreicht hatte, war ich noch verliebter. Essen wird es der Gatte allein. Obwohl es mir permanent zuraunt „Nur ein Stückchen. Mein Krüstchen ist besonders knackig. Nimm‘ es! Streich‘ Butter drauf!“ – „Schnauze, Brot!“

Hier meine Rezeptvariante:

No-Knead-Brot zum Verlieben

Gericht: Brotkörbchen
Keyword: brot, synchronbacken
Portionen: 1 Schmortopf
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 420 g lauwarmes Wasser
  • 230 g Weizenmehl Type 550
  • 270 g Dinkelmehl Type 630
  • 0,5 TL Trockenhefe
  • 12 g Salz
  • 1 EL Backmalz
  • 1 Handvoll Sesam, geschält und schwarz jeweils

Anleitung

  • Alle Zutaten bis auf den Sesam in eine Schüssel geben und gründlich verrühren. Mit einem feucht-warmen Tuch abdecken und etwa 20 Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen.
  • Teig in der Schüssel viermal falten - reihum mit einem Teigschaber. Nochmals eine Stunde gehen lassen.
  • Küchentuch gründlich bemehlen, Sesam darauf streuen, Teig drauf kippen und alles in ein Sieb legen. Abdecken und nochmals etwa eine halbe Stunde gehen lassen.
  • Derweil Gusstopf im Ofen auf 245°C vorheizen. Der Topf sollte am Ende unbedingt die Ofentemperatur erreicht haben.
  • Teig mit der Sesamschicht nach oben in den Topf kippen. Deckel drauf - und ab in den Ofen.
  • Eine halbe Stunde bei 245°C abbacken. Dann Deckel abnehmen und etwa eine weitere halbe Stunde bei 225°C knusprig backen.
  • Aus dem Topf nehmen und auf einem Kuchenrost abkühlen lassen. Anschneiden, staunen, essen!

Wir waren einander so nah – und blieben uns doch so fern. Eins steht fest: Sobald ich mein Fasten beendet haben werde, landet dieses Brot wieder im Topf! Definitiv! Und dann sind wir vereint für immer. „Ich dich auch, Brot…“

Danke nochmals an dieser Stelle an Sandra und Zorra. Ich finde das Synchronbacken echt toll. Und ich freue mich auch immer besonders darauf.

Dabei waren diesmal sehr viele Bäcker auf Instagram. Und es kamen sehr viele köstlich aussehende und sehr unterschiedliche Brote dabei heraus. Gebloggt wurde von den folgenden Teilnehmern – ein Besuch lohnt sich. Versprochen!

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf * Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum * Tina von Küchenmomente * Jenny von Jenny is baking * Simone von zimtkringel * Tamara von Cakes, Cookies and more * Volker von volkermampft * Dagmar von Dagmars brotecke * Tanja von Tanja’s „Süß & Herzhaft“ * Dominik von Salamico * Sylvia von Brotwein * Bettina von Homemade & Baked * Sandra von From-Snuggs-Kitchen * Silvia von Kulturgut * Katha von katha-kocht! * Geri von Lecker mit Geri * Kathrin von Kathrins-Home

20 Kommentare

  1. Was für eine tolle Krume! Mein Brot ist deutlich fein poriger geworden, was aber eventuell auch am hohen Vollkornanteil liegt. Beim zweiten Versuch ist es etwas großporiger geworden. Da habe ich aber auch die Garzeit erhöht und den Vollkornanteil reduziert.

  2. Liebe Manuela,
    das lesen deiner Beiträge ist und bleibt eine wahre Wonne! Aber abgesehen davon, dein Brot ist wirklich traumhaft geworden! Hut ab, dass du eisern geblieben bist und es nicht probiert hast, ich wäre garantiert schwach geworden…
    Herzliche Grüße
    Tina

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