Feuerzungen & feministische Küchenpolitik

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ Apostelgeschichte 2, 3-4

Ja, es war windig. Und ja, die über dieses Haus gekommene Xenoglossie reichte aus, um eine Gebrauchsanleitung in einer Fremdsprache zu lesen. Und zu verstehen und umzusetzen. Und ich mochte sie, weil sie irgendwie pfingstlich war: „Confused? Unsure? There’s plenty of help waiting for you. Online.“

Das war so beruhigend. Und außerdem wahnsinnig nachhaltig. Online gab es Videos und eine detaillierte Aufbauanleitung. Und kein Papierwust, den man mühsam dürchwühlen und anschließend wegwerfen musste. Außerdem hängt der Fernseher nun an der Wand. Und macht nicht den Eindruck, als ob ihn ein Lufthauch von wieder weg brächte. Läuft!

Was auch definitiv läuft, ist die Spargelsaison. Ich glaube, es gab in den letzten Wochen selten ein Essen ohne Spargel. Und es gab niemals eine Wiederholung. Ich war so wahnsinnig einfallsreich, dass der Gatte gestern feststellte, man könne ja auch mal den Klassiker mit Sauce Hollandaise auf den Tisch bringen.

Papatas Bravas in allen Variationen, dazu Estragon-, Ziegenfrischkäse-, Paprika- und Tomatensauce. Grüne Ravioli, Tortellini und Taglatelle. Fleischbällchen, Garnelen, Onglet und Halloumi. Und eine hervorragende afghanische Salsa mit Pakura. Das sind in Kichererbsenteig ausgebakene Kartoffelscheiben. Ein ähnliches Rezept hatte ich schon mal hier. Das hier war aber noch besser. Beide Rezepte – das für die Kartoffeln und das für die Sauce – stammen aus „Parwana“ von Durkhanai und Farida Ayubi. Hier sind sie:

Pakura

Gericht: Beilage
Land & Region: Orient
Keyword: kartoffeln, kichererbsen
Autor: nach Durkhanai & Farida Ayubi, Parwana

Zutaten

  • 120 g Kicherbsenmehl
  • 2 EL Mehl
  • 1 EL Stärke
  • 2 TL Salz
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Koriander gemahlen
  • 1 TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1,5 TL Kurkuma
  • 250 ml Wasser sehr kalt
  • neutrales Pflanzenöl zum Ausbacken
  • 2 große Kartoffeln oder halt mehr kleinere – je nach gewünschtem Durchmesser der Scheiben

Anleitung

  • Die trockenen Zutaten in einer Schüssel vermischen. Unter ständigem Rühren langsam das Wasser hinzugeben und alles zu einem glatten, flüssigen und klümpchenfreien Teig verrühren.
  • In einem mittelgroßen Topf (Alternative: Fritteuse) eine ausreichende Menge Öl auf 180°C erhitzen.
  • Die Kartoffelscheiben in den Teig tauchen, ganz damit überziehen und dann mit einer Zange vorsichtig in das heiße Öl gleiten lassen.. Die Pakuras portionsweise etwa drei bis vier Minuten goldbraun und knusprig ausbacken, dabei einmal wenden.

Chutney Morcheh Sorkh

Gericht: Dipschälchen, Sauciere
Land & Region: Orient
Keyword: chutney, dip, salsa, sauce
Autor: nach Durkhanai & Farida Ayubi, Parwana

Zutaten

  • 500 g rote Paprikaschoten gewaschen, geputzt und grob zerkleinert
  • 200 g frische rote Chilischoten gewaschen, geputzt und grob zerkleinert
  • 3 Zehen Knoblauch geschält, grob zerkleinert
  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Paprika edelsüß
  • 60 ml Weißweinessig
  • 1 TL Salz

Anleitung

  • Paprika und Chili mit 250 Millilitern Wasser in einen kleinen Topf geben und zum Kochen bringen. Dann die Hitze auf niedrige Stufe verringern, einen Deckel auflegen und in etwa 15 bis 20 Minuten bissfest köcheln lassen. Knoblauch zugeben und weiter 15 Minuten garen, bis das Gemüse sehr weich ist und sich die Aromen gut verbunden haben. Mischung beiseite stellen und vollständig abkühlen lassen.
  • Das abgekühlte Paprika-Gemisch in den Mixer geben und pürieren. Durch ein feines Sieb in eine Schüssel streichen, dann das durchgeseihte Pürée wieder in den Topf geben und bei mittlerer bis hoher Stufe erhitzen. Restliche Zutaten einrühren und alles zum Kochen bringen.Die Hitze verringern, Deckel auflegen und die Sauce zehn Minuten köcheln lassen, bis sie schön sämig ist.
  • Vor dem Servieren vollständig abkühlen lassen. Chutney Morcheh sorkh kann in einem gut verschließbaren, sterilisierten Gefäß im Kühlschrank bis zu zwei Wochen aufbewahrt werden.

Was ebenfalls außerordentlich gut gelungen war, sind die Petersilien-Frischkäse-Gnocchi, die mehr oder weniger aus der Not geboren wurden. Es war kein Ricotta im Haus. Dafür aber eine Packung Frischkäse, die dringend mal weg musste. Ich improvisierte mit einem alten Rezept (Bärlauch-Ricotta-Klößchen) und das Ergebnis war überraschend gut. Noch besser am zweiten Tag nach einer Nacht im Kühlschrank.

Petersilien-Frischkäse-Klößchen

Gericht: Beilage
Keyword: gnocchi, klößchen

Zutaten

  • 300 g Frischkäse
  • 1 Bund Petersilie grob zerkleinert – Menge ruhig ordentlich viel
  • 1 Eigelb
  • 50 g Parmesan frisch gerieben
  • schwarzer Pfeffer, Salz
  • 80 g Mehl Tipo 00 bei Bedarf auch etwas mehr

Anleitung

  • Petersilie mit Frischkäse und Eigelb im Mixer (oder mit dem Pürierstab) miteinander verhäckseln.
  • Parmesan, Salz und Pfeffer unterrühren. Zuletzt das Mehl zugeben und von Hand einarbeiten.
  • Masse kurz stehen lassen, Salzwasser aufkochen. Mit zwei Teelöffeln Nocken abstechen und im siedenden Wasser garziehen lassen.

Notizen

Am ersten Tag habe ich Nocken mit zwei Teelöffeln abgestochen und anschließend noch mit etwas Butter in einer Pfanne rundum etwas angebräunt.
Nach einer Nacht im Kühlschrank war die zweite Hälfte der Masse am nächsten Abend so fest, dass ich daraud mit den Händen Kugeln formen konnte. Ebenfalls in siedendem Wasser garziehen lassen. Ohne Pfannenbehandlung serviert.

Dank eines Einkaufs beim Waldhof in Niederseelbach gab es am ersten Tag ein feines, kleines Galloway-Medaillon und am zweiten Tag eine Wildbratwurst dazu. Und natürlich Spargel.

Nachdem ich am ersten Tag der Sauce den Saft einer Kalamansi vom eigenen kleinen Bäumchen gegönnt hatte, was hier wirklich Begeisterungsstürme auslöste, bekam die Sauce Hollandaise etwas Orangensaft mit. Mit den Kalamansi muss ich noch etwas geizig sein. Zwei hab ich geerntet und – nachdem ich das auf Instagram bei Anna #LiebermitButter gesehen hatte – als Salzkalamansi eingelegt. Sobald sie soweit sind, gebe ich Rückmeldung über Erfolg oder Enttäuschung.

Und jetzt habe ich leider schon wieder keine Zeit mehr. Der Gatte fordert feministische Küchenpolitik und die sofortige Lieferung schwerer Waffeln in sein Arbeitszimmer.

2 Kommentare

    1. Ich habe sie als Pflanze gekauft. Sie ist total fleißig. Ständig neue Bluten und Fruchtansätze. Aber sie ist halt nich sehr klein. Da muss man geizig sein 😀
      Dir auch einen schönen freien Tag 🙂

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