Hölle. Größtenteils.

Die Tomatensaison ist offiziell beendet. Und die Chilisaison gleich mit. Gestern habe ich alles aus dem Garten ins Haus geschleppt, das so verweichlicht ist, dass es Minusgrade nicht aushält. Schon immer ein wenig traurig, wenn man die Pflanzen auf den Kompost wirft, die man erst großgezogen und dann ausgebeutet hat. Man fühlt sich ein wenig wie ein kaltherziger Kapitalist. Da sich das in hiesigen Gefilden aber nun einmal nicht ändern lässt, muss ich da durch. Unweigerlich. Ausbeuten und wegwerfen. Pfff.

Und da ich kommendes Wochenende durcharbeiten muss, mussten die reifen Chili dann auch noch irgendwie verarbeitet werden. Zumindest die, die nicht getrocknet werden. Die Tomaten können derweil so langsam im Haus vor sich hinreifen. Das passt schon.

Diesmal hatte ich – im Gegensatz zum letzten Jahr – viele Chilis von vielen verschiedenen Pflanzen. Wobei die beiden Lemon Drops ertragsmäßig deutlich vorne lagen. Und die geben nun auch den Ton in der Sauce an. Damit die nicht unmenschlich scharf wird, habe ich die Chilis mit ordentlich Paprika gestreckt. Zumindest war das der Plan.

Da ich beim Schnippeln fand, dass da einige Exemplare einen gar teuflisch scharfen Eindruck machten, erhöhte ich die Paprikamenge. Hier meine Anleitung:

Scharfe Chilisauce

Gericht: Einmachglas, Grundrezepte

Zutaten

  • 1 kg rote Paprika
  • 750 gram Chili, gemischt - hier vorwiegend Lemon Drop, dazu einige sehr scharfe Sorten
  • 2 große Zwiebeln
  • 5 Zehen Knoblauch
  • 1 ordentlicher Schuss Olivenöl
  • 250 ml Apfelessig, naturtrüb

Anleitung

  • Paprika in grobe Stücke zerteilen. Haushaltshandschuhe anziehen und Chilis putzen: Stielansatz jeweils entfernen und je nach Größe zerteilen. Für weniger Schärfe optional auch noch Trennhäutchen und Kerne entfernen. Zwiebeln und Knoblauch grob hacken.
  • Olivenöl in einem großen Topf erhitzen und Knoblauch und Zwiebeln darin glasig anschwitzen. Chili und Papika zugeben und bei geschlossenem Deckel sanft einköcheln lassen. Dauerte hier etwa eineinhalb Stunden.
  • Alles gründlich pürieren und je nach gewünschter Konsistenz durch ein Sieb passieren. In diesem Fall die Essigmenge reduzieren, da sich die Chilimasse stark verringert.
  • Essig zur passierten Masse geben und kurz aufkochen lassen. Noch sehr heiß in sterilisierte Gläschen abfüllen und sofort fest verschließen.

Wider besseres Wissen tat ich, was ich keinesfalls hätte tun dürfen: Ich leckte einen Saucenrest vom Löffel. Okeeehhh… Die ist jetzt echt scharf. Ich brauchte eine kurze Pause beim Abfüllen, bin aber dafür nun ziemlich sicher, dass die überschaubare Menge in den kleinen Gläschen erstmal ausreichend für diesen Haushalt ist. Diese Sauce darf wirklich nur in homöopatischen Dosen eingesetzt werden. Und ich kann wirklich scharf essen, aber DAS… Herrje!

Vielleicht hätte ich sie mit einem Totenkopf etikettieren sollen, damit nicht Unschuldige zu Schaden kommen. Ein Fall für den Giftschrank. Passt andererseits ganz hervorragend zu diesem Warnschild, das ich letzte Woche entdeckt habe:

Das ist doch definitiv eine Frau, die am Herd zusammengesunken ist, weil sie Chilidämpfe eingeatmet hat, oder?!

Das Wochenende wurde übrigens sehr gut investiert. Das Fleisch für den Hauptgang des Weihnachtsmenues lagert im Gefrierschrank. Und zur Entspannung wurde gefüllte Pasta hergestellt. Das hat so etwas Meditatives. Ich brachte zuerst Fagottini und dann Tortellini an den Start – einmal mit Fleischfüllung, einmal mit Kürbisfüllung. Und die Kürbisfüllung war perfekt.

Bereits beim ersten Versuch fiel mir auf, dass der Teig beim Ausrollen super war, sich dann aber im heißen Wasser blöd verformte. Mein Fehler! Ich hatte im Post-Büro-Tran des Freitags eierlosen Teig hergestellt. Für Malloreddus toll, für gefüllte Nudeln eher suboptimal. Dem Geschmack tat es keinen Abbruch, aber es wurmte mich schon.

Da ich nun vorausschauenderweise aber recht viel Teig hergestellt hatte und samstags unbedingt den Kürbis verklappen wollte, stellte ich mich stur, ignorierte meine völlig berechtigten Bedenken und bastelte Tortellini, als wäre nix gewesen.

Die Dinger waren optisch diesmal echt ein Traum – exakt bis zu dem Moment, als ich sie aus dem Wasser fischte. Aber vorher erstmal kurz ein paar Worte zur Füllung. Die bekomme ich sonst niemals mehr rekonstruiert. Und das wäre sehr, sehr schade. Fand übrigens auch der Gatte. Und der hatte welche auf dem Teller.

Tortellini mit Kürbis-Gorgonzola-Füllung und Salbei-Butter

Gericht: Pastateller

Zutaten

  • Pastateig mit (!) Ei - aus etwa 200 g Mehl Tipo 00 und zwei Eiern
  • 1 Schalotte
  • 3 Scheiben Schinken
  • etwas Olivenöl
  • 1 Delicata-Kürbis oder ein halber, kleinerer Hokkaido
  • Salz, Pfeffer
  • 100 gram Gorgonzola - ich hatte den würzigen
  • 60 gram Butter
  • Salbeiblätter

Anleitung

  • Pastateig herstellen und erstmal ruhen lassen.
  • Kürbis in Scheiben in den Ofen legen. Mit etwas Olivenöl bepinseln und bei 150°C Umluft garen. Anschließend Schale abziehen - beim Hokkaido entfällt das praktischerweise - und Kürbisfleisch pürieren. Abkühlen lassen.
  • Derweil etwas Olivenöl erhitzen und die Schalotte und den Schinken - beides sehr fein gewürfelt! - darin anschwitzen. Kürbispüree zugeben. Den Gorgonzola in Würfel zerteilen und in der noch heißen Masse unter Rühren schmelzen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Angst beim Würzen ist unnötig. Die Füllung muss immer etwas überwürzt sein. Füllung abkühlen lassen.
  • Pastateig auswalzen und runde Kreise ausstechen. Teelöffelweise die Füllung darauf geben, Kreise zum Halbkreis umklappen, fest zudrücken und zu Tortellini formen. Auf einem mit Hartweizengrieß bestäubten Blech zwischenlagern.
  • Salbeiblättchen - Menge nach Geschmack - in feine Streifchen schneiden. Butter auslassen und Salbei hineingeben. Bei niedriger Hitze Nussbutter herstellen.
  • Tortellini in heißem Wasser garziehen lassen und mit der Salbei-Butter beträufeln.

Das Elend nahm seinen Lauf. Ich schaumlöffelte die erste Portion aus dem heißen Wasser. Vorsichtig! Die ehemals traumhaften Tortellini sahen schlimm aus. Aber die Füllung war noch drin. Leider landete etwas vom Kochwasser mit auf dem Teller. Das ist nicht alles Butter! Nur mal so zu meiner Verteidigung. Aus Angst, dass sie noch mehr zerfallen würden, rannte ich die Treppe hoch zum ausgeleuchteten Tischchen und knipste hastig drauflos.

Das Foto sieht schlimm aus?! Stimmt! Aber der Teller auf dem Foto war der Ansehnliche. Als ich zurück an den Herd trat, konnte ich der Füllung aus meinen Exemplaren nur noch freundlich zuwinken. Ich hatte im Prinzip einen Teller mit scheußlich geformten, leeren Nudelstücken vor mir. Und mit Salbei-Butter. Die hatte ich auch.

Deshalb ein weiser Rat: Egal, was ihr aus eurem Leben macht, nehmt immer Pastateig mit Ei für gefüllte Pasta.

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