„I sit at my table and wage war on myself…

 

… It seems like it’s all, it’s all for nothing
I know the barricades
And I know the mortar in the wall breaks
I recognize the weapons, I used them well…“ – World Leader Pretend, R.E.M.

Nachdem im Büro am vergangenen Freitag eine Art kollektive Schockstarre eingesetzt hatte, haben verschiedene Ereignisse in dieser Woche dazu geführt, dass die Schockstarre von Erstaunen und Ungläubigkeit über Fahnenflucht und Verwirrung bis hin zu unbändiger Wut gewechselt hat.

Die Wut ist dabei mein Part. Und ich bin wirklich wütend. Also so richtig. Und das bin ich jetzt eher nicht so häufig. Abgesehen von der Grundwut, die seit Hesses „Unterm Rad“ in der düstersten Pubertät an mir klebt wie Pech. Kleiner Scherz.

„… This is my mistake
Let me make it good
I raised the wall and I will be the one to knock it down…“

Der Stau auf dem Heimweg kurz vor Wiesbaden trug dann eher zur Entschleunigung bei. Hübscher Himmel. Und dazu R.E.M.s „World Leader Pretend“ auf Autorepeat. Ich verstehe es halt einfach nicht. Und ich kann hier auch leider nicht so recht erklären, um was genau es geht. Sollte ich allerdings heute im Lotto gewinnen, gibt es möglicherweise demnächst ein sehr langes Blogpost. Versprochen – wenn auch unwahrscheinlich.

„… I’ve a rich understanding of my finest defenses
I proclaim that claims are left unstated
I demand a rematch
I decree a stalemate
I divine my deeper motives
I recognize the weapons
I’ve practiced them well, I fitted them myself…“

Vermutlich ist es demnächst aber eher so weit, dass ich mit einem Gummihuhn unterm Arm übers Dach laufe. Falls der Gatte mich aus Sorge um die Solaranlage nicht davon abhält.

Und: Am Montag habe ich festgestellt, dass das Sonntagskalenderblatt meines Bürokalenders den Hafen von Mgarr auf Gozo zeigt. Daraufhin habe ich einfach mal eine Woche lang nicht umgeblättert und mich voll auf unsere demnächst bevorstehende Ankunft mit der Gozo Ferry konzentriert. Das hilft. Ehrlich.

Und zur Einstimmung arbeite ich gerade zum gefühlt hundertsten Mal an einem Ftira-Nachbau. Auf Malta ist Ftira ein Brot mit einem Loch in der Mitte. Auf Gozo ist es eine Art Pizza im weitesten Sinne. Die muss ich aber nicht unbedingt manisch nachbasteln. Das schaffe ich schon irgendwie. Aaaber! Die maltesische Ftira ist göttlich. Ein sensationelles Sauerteigbrot. Der Sauerteig ist jetzt bereit. Er wird eben aktiviert für mein morgiges Projekt. Und ich bin sicher: Diesmal wird es annähernd perfekt. Nach langer Recherche bin ich jetzt auf eine wirklich gute Anleitung gestoßen. Ich werde berichten.

Zudem köchelt gerade ein Curry für den heute ebenfalls überbeanspruchten Gatten vor sich hin. Und es riecht wirklich gut. Ich habe mein eigenes Curry-Rezept vom vergangenen Wochenende sicherheitshalber nochmals exakt nach dem bereits verbloggten Rezept nachgekocht. Kleiner Testlauf. Ich habe nämlich hinterher meinen eigenen Notizen nicht getraut. Scheint aber alles gut zu laufen. Wenigstens das.

Gestern gab es übrigens ganz hervorragende Spaghetti in einer Sahnesauce mit Parmesan. Und Knoblauch. Da etliche Cocktailtomaten reif waren, gab es die obendrauf. Und etwas zypriotischen Basilikum aus dem Tomatenbeet.

Die Cocktailtomaten waren ofengegart. Und ich könnte bereits jetzt heulen über das nahende Ende der Tomatensaison. Dann dauert es fast ein dreiviertel Jahr, bis wieder satisfaktionsfähige Tomaten geerntet werden können. Ich brauche dringend einen Wohnort mit kürzerem Winter. Und mehr Sonne. Und mehr Meer. Und wo wir schon gerade dabei sind: mit einem anderen Arbeitgeber.

Übrigens bin ich mittlerweile zu folgender Ofentomatenherstellung übergegangen: Tomaten halbieren und mit der Schnittseite nach oben aufs Blech legen. Meersalz, schwarzen Pfeffer, Löwenzahnhonig, Olivenöl und getrockneten Thymian in homöopathischen Dosen darüber geben. Bei 180°C Ober-/Unterhitze so lange garen, bis sie kurz vor angekokelt sind. So mag ich sie am liebsten.

Und so passen sie auch perfekt zu allem. Wirklich zu allem. Mir fällt gerade nicht einmal etwas als Gegenbeispiel taugliches ein. Aber egal. Ich suche mal mein Gummihuhn und schaue noch kurz nach dem Sauerteig.

Eigentlich wollte ich noch zu allem möglichen etwas sagen. Zum Beispiel zu den widerlichen Auswüchsen in Chemnitz. Oder zum Bundesamt für Verfassungsschutz und seinem Präsidenten. Und auch zu Horst S., dem Vater aller politischen Probleme. Und zu etwa tausend anderen Abscheulichkeiten. Aber das muss warten. Ich bin platt.

„… You fill in the mortar
You fill in the harmony
You fill in the mortar
I raised the wall
And I’m the only one
I will be the one to knock it down…“

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