Il-Milied it-tajjeb!

Das da oben heißt ‚Fröhliche Weihnachten!‘ auf Malti. Aber noch ist es ja nicht so weit. Erstmal ist ja Advent. Und da werden Türchen geöffnet. Reichlich Türchen. Adventskalender-Türchen. Und Türen kann schließlich ja auch niemand besser als die Malteser. So passt das bis hierher eigentlich alles ganz gut zusammen.

Vorab: Es ist mir eine große Ehre und Freude, dieses Türchen zu öffnen, auch wenn es zugegebenermaßen etwas Patina angesetzt hat und möglicherweise sogar quietscht. Das ist nämlich meine maltesische Lieblingstür in Ir-Rabat auf Gozo.

Und ich schaue in jedem Jahr nach, ob das etwas *räusper* verfallene Haus noch steht. Im Oktober war sie noch da, die Tür.

Weiterhin: Ich habe es nach etlichen Jahren endlich einmal geschafft, mich rechtzeitig für die Befüllung eines Türchens im mittlerweile legendären Kulinarischen Adventskalender bei Zorra zu bewerben. Jetzt kann ich also nicht nur öffnen, sondern erstmals auch selbst etwas beisteuern. Ich liebe diese Aktion und verfolge sie seit vielen Jahren. Und das Beste: Es gibt auch stets tolle Preise zu gewinnen, mit denen man sich nach korrekter Beantwortung der Fragen prima selbst noch ein Weihnachtsgeschenk machen kann.

Näheres dazu hier: Kulinarischer Adventskalender 2022

Aber nun zum eigentlichen Inhalt. Ich backe und koche (und esse…) mich ja nun schon seit geraumer Zeit quer durch Malta und Gozo. Und ich liebe diese Küche mit ihrer Mischung aus mediterranen Zutaten und orientalischen Gewürzen. Auf den maltesischen Inseln ist Weihnachten – wie auch alle anderen kirchlichen Feste – eine ganz große Sache. Und obwohl die Malteser römisch-katholischer sind als der Papst selbst, beten sie zu Alla. Ohne „H“ an Ende wohlgemerkt. Schlichtweg deshalb, weil das auf Malti „Gott“ heißt. „Alla jagħlaq bieb u jiftaħ mija“ heißt zum Beispiel „Gott schließt eine Tür und öffnet hundert“. Passt! Momentan reichen uns allerdings 24 davon.

Das Weihnachtszentrum auf Gozo ist eindeutig Għajnsielem bzw. „Bethlehem f’Għajnsielem“. Im Jahr 2008 haben sich die Anwohner über ein angrenzendes verwahrlostes Gelände hergemacht und es kurzerhand zu einer Krippe umgebaut. Zu einer sehr, sehr großen Krippe. Sie haben praktisch Bethlehem vor 2.000 Jahren nachgebaut. Mit allerlei Handwerksbetrieben (Bäckerei, Schmiede, Schneiderei etc.), einem Markt und einer römischen Garnison. Der Höhepunkt ist dann am Ende der Stall mit der Heiligen Familie (inklusive Baby) und echten Tieren. Und das alles wird seit letztem Jahr von einem der schönsten Weihnachtsbäume Europas begleitet. Wie gesagt: Weihnachten ist eine echt große Sache für Malteser und Gozitaner.

Der Advent war zudem vor nicht allzu langer Zeit traditionell eine Zeit des Fastens. Und ab der Messe an Heiligabend ging es dann kulinarisch so richtig zur Sache. Ein sehr altes, typisch weihnachtliches Rezept sind Qagħaq tal-Għasel, was im Gegensatz zur Schreibweise lachthaft einfach ausgesprochen wird und wörtlich übersetzt Honigringe heißt – obwohl keine Spur von Honig drin ist. Malteserlogik. Muss man nicht verstehen. Inzwischen gibt es sie eh ganzjährig beim Bäcker. Dann kommt es darauf auch nicht mehr an.

Wichtig ist: Sie müssen außen fast weiß und innen fast schwarz sein. Und die Füllmasse muss durch die Einschnitte herausquellen. Bei mir ist aufgrund der veränderten Größe fast zuviel gequollen. Bei den beiden großen Exemplaren lief es perfekt. Qagħaq tal-Għasel sind normalerweise etwa speisetellergroß und man isst drei Tage an einem Exemplar. Mit mehreren Personen. Okeeehhh… Das ist etwas übertrieben. Aber sie sind mir im Original deutlich zu monströs. Sorry, Malteser!

Ich habe mich also an einer etwas handlicheren Ausführung versucht – und es hat auf Anhieb funktioniert! Sie schmecken wirklich ausgezeichnet. Ich weiß das. Ich habe nämlich in den letzten Wochen einige davon gegessen.

Die gekauften Exemplare, die ich bisher probiert hatte, waren mir immer etwas zu trocken gewesen. Frisch und selbstgebacken sind sie ein echter orientalischer Traum. Das ist so ein maltesisches Rezept, bei dem die arabischen Einflüsse die mediterranen eindeutig besiegt haben. Die Füllung schmeckt nach Orangen und Gewürzen und ist nicht zu süß. Der Teig ist herrlich knusprig.

Zur Herstellung benötigen wir also einen weißen Teig und eine schwarze Füllung. Beides sollte am Vortag hergestellt werden und über Nacht gründlich auskühlen. Dann lässt es sich deutlich leichter handhaben.

Da ich das Verhältnis von Füllung und Teig bei den gekauften Originalen stets etwas suboptimal fand – der eher trockene Teig hatte meist die Oberhand -, beschloss ich, ihn für die kleineren Exemplare gleich gar nicht erst von Hand auszurollen, sondern portionsweise durch die Pastamaschine zu lassen. Das klappte ausgezeichnet. Stufe drei ist ausreichend. Sollte er etwas kleben, ist Semolina rimacinata dein Freund.

Das Formen an sich ist bei den großen Ringen natürlich deutlich einfacher, aber nach dem dritten kleinen hat man den Bogen raus. Ich verfuhr erst wie vielfach geraten so, dass ich die feuchte Füllmasse in etwas Semolina ausrollte. Später stellte ich fest, dass es bei so kleinen Qagħaq tal-Għasel wie meinen mit etwas Fingerspitzengefühl auch ohne diesen Schritt ging.

Die Füllmasse wird einfach am Teigrand verteilt und fest eingerollt. Aus den Teigrollen werden anschließend Ringe geformt, indem man die eine Seite in die andere steckt und das Ganze überlappend etwas festdrückt. Die lange Naht muss dabei unten liegen.

Zuletzt werden die Ringe mit einem Messer schräg rundum eingeschnitten und anschließend die Schlitze mit zwei Teelöffeln etwas auseinander geschoben. Dazu die Spitzen der Löffel aneinanderlegen und mit den runden Außenseiten den Schlitz aufziehen. Auch das geht flott und routiniert nach den ersten paar Ringen.

Was mir sehr gut gefiel, war, dass das Teig- und Füllungsverhältnis perfekt passte. Just beim letzten Ring war die Füllung verbraucht. Funktioniert auch selten!

Ganz wichtig: Es gibt ein traditionelles Lied, das bei der Herstellung gesungen wird. Helen Caruana Galizia schreibt dazu in „The Food and Cookery of Malta and Gozo“ folgendes: „The traditional song that celebrates their making is like a carol combined with a nonsense verse. Ask a Maltese person to translate. Guzi Gatt says there is a theory that it might have derived from ‚el nino‘ meaning the little child so that the first line would be ‚little child, little Christmas child‘.“

Wie auch immer. Man findet es lustigerweise auch auf YouTube. Es heißt „Ninu Ninu tal-Milied“. Nur falls jemand gesteigertes Interesse daran hat, es beim Backen zu hören. Oder gar zu mitzusingen.

Qagħaq tal-Għasel

Maltesische Honigringe
Gericht: Plätzchenteller
Land & Region: Maltesisch
Keyword: gebäck
Autor: nach Matty Cremona, The Way We Ate – Memories of Maltese Meals

Zutaten

für den weißen Teig:

  • 400 g Weizenmehl hier: Type 550
  • 50 g Butter auf Zimmertemperatur
  • 3 Eigelbe
  • 150 ml Wasser eventuell etwas mehr oder weniger – je nach Mehl
  • 1 Schuss Anisette

für die Füllung:

  • 400 g Zuckerrohrmelasse Black Treacle passt auch. Ich habe die 300 ml-Dose mit Golden Syrup auf 400 g gebracht.
  • 400 g Wasser
  • 100 g Zucker hier: Muscovado
  • 1 Orange davon die Schale in Zesten
  • 1 Zitrone davon die Schale in Zesten
  • 1 Mandarine davon die Schale in Zesten
  • 4 EL gemahlene Walnüsse
  • 2 Datteln fein gehackt
  • 1 EL Anissaat
  • 50 g dunkle Schokolade hier: 70% Kakaoanteil
  • 1 EL Orangenmarmelade
  • 1 EL Mixed Spice ersatzweise: Koriandersaat, Zimt, Piment, Muskat, Ingwer, Nelke – alles gemahlen
  • 175 g Semolina

Anleitung

Am Vortag wird der Teig hergestellt…

  • Dazu Butter und Mehl verkneten. Restliche Zutaten zugeben und einarbeiten, bis ein nicht zu geschmeidiger Teig entsteht. Er sollte eher etwas trocken wirken.
  • Über Nacht kalt stellen.

… und auch die Füllung

  • Alle Füllungszutaten bis auf das Semolina in einen Topf geben und unter Rühren aufkochen lassen. Hitze reduzieren und Semolina langsam und portionsweise einrühren. Ein paar Minuten sanft köcheln lassen. Dabei immer wieder rühren, damit die Masse nicht am Boden anbrennt.
  • In eine Schüssel geben und über Nacht komplett auskühlen lassen. Sobald es nicht mehr heiß ist, im Kühlschrank lagern.

Jetzt kommt die Bastelarbeit

  • Teig entweder mit dem Nudelholz sehr dünn ausrollen oder portionsweise durch die Pastamaschine lassen. Das Originalrezept ergibt acht große Exemplare. Ich kam auf deutlich mehr. Teigbahn einfach auslegen, Füllmasse am Rand darauf geben, einmal einrollen, Teig abschneiden. Fortfahren.
  • Zum Formen und Einschneiden wie oben beschrieben vorgehen. Rollen zu Ringen formen und verbinden. Mehrmals schräg auf der Oberseite einschneiden und Einschnitte etwas dehnen.
  • Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei 180°C Ober-/Unterhitze etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten lang ausbacken. Sie sollten nicht braun werden, sondern sehr hell bleiben.
  • Auf einem Gitterrost auskühlen lassen. Matty Cremona sagt "They keep well in an air-tight tin." Das kann ich mittlerweile bestätigen.
Und für alle, denen das nicht süß genug war, kommt jetzt das dazugehörige Getränk nach einem wirklich sehr alten maltesischen Rezept: Imbuljuta talQastan. Es handelt sich um DAS Getränk am Weihnachtsmorgen, wenn alle aus der Mitternachtsmesse kommen. Da ich noch nie an Weihnachten auf Malta bzw. Gozo war, habe ich es noch nie vor Ort probiert und so auch keinen Vergleich. Helen Caruana Galizia benutzt nur vier Zutaten, die aber von ausgezeichneter Qualität sein sollen. Die besonders exquisiten Maronen, die dafür verwendet werden, heißen auf Malti deshalb auch Qastan tal-Imbuljuta (also Maronen für die Imbuljuta). Die stehen mir hier natürlich leider nicht zur Verfügung.

Für die Imbuljuta fand ich unglaublich viele Rezepte. Bei den meisten war ich mir allerdings sicher, dass sie mit dem Original etwa soviel zu tun haben wie ein Kakao bei McDonalds. Ich habe experimentiert und den vier Zutaten – so empfiehlt es VisitGozo – noch ein paar Gewürze und etwas dunkle Schokolade hinzugefügt. Das sollte das Rezept nicht ruiniert, sondern lediglich etwas verfeinert haben.

Imbuljuta tal-Qastan

Gericht: Getränke
Land & Region: Maltesisch
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 200 g Maronen Im Original getrocknete. Ich wich auf französische vorgekochte aus.
  • 0,5 l Wasser
  • 75 g Zucker
  • 1 geh. EL Kakao
  • 50 g dunkle Schokolade
  • 1 Orange davon die Schale in Zesten
  • 1 Mandarine davon die Schale in Zesten
  • 0,5 TL Mixed Spice
  • 0,5 TL Nelken gemahlen
  • 0,5 TL Zimt gemahlen

Anleitung

  • Falls die Imbuljuta mit getrockneten Kastanien zubereitet wird, müssen diese am Vortag eingeweicht und über Nacht stehen gelassen werden. Ich habe die hier im Handel erhältlichen vorgekochten französischen Maronen genommen. In diesem Fall entfällt das Einweichen. Der folgende Kochvorgang benötigt dann auch deutlich weniger Wasser und geht recht schnell.
  • Kastanien in einen Topf geben und mit dem Wasser aufgießen. Erhitzen und alle restlichen Zutaten zugeben.
  • Kurz aufkochen und bei reduzierter Hitze etwas einkochen lassen. Beständig rühren. Mit den getrockneten und eingeweichten Maronen sollte die Kochzeit mindestens eine Stunde betragen oder bis die Maronen weich sind.
  • Die Kastanien können nun – falls gewünscht – etwas mit einer Gabel zerdrückt werden. Nicht vollständig zermatschen, bitte. Sie können auch im Ganzen in der Imbuljuta verbleiben.
  • Heiß servieren.

Ja. Ich fand das Rezept auch auf den ersten Blick seltsam. Und wenn jetzt alle dicht halten, passiert auch niemandem etwas. Pssst! Ich mag Maronen, aber ich fand sie jetzt in einem Getränk doch etwas gewöhnungsbedürftig. Deshalb: Man kann das Ganze auch ohne die Maronen machen. Oder mit den Maronen und sie zuletzt aus der Tasse löffeln. Und es schmeckt wirklich ganz ausgezeichnet. Ehrlich. Total weihnachtlich, nicht zu süß und wie eine sehr leckere heiße Schokolade, aber ohne Milch. Aber davon – von meinem Maronenfrevel – darf kein Malteser jemals etwas erfahren!

„Traditionally, the Imbuljuta was served after the midnight Mass to warm up the parishioners after the service before they returned to their homes on the chilly wintry night. Over the years, the drink has remained popular not only to keep the custom alive, but because there is no doubt that this spicy, aromatic and velvety drink has real Christmassy feel to it!“ – VisitGozo

Imbuljuta trinkt der Malteser übrigens auch gerne in der Silvesternacht. Und wer da vielleicht außer aufs verbotene Feuerwerk auch auf übermäßigen Alkoholgenuss verzichten möchte, hat hier vielleicht die perfekte Alternative zum Kinderpunsch gefunden.

Ich wünsche allen noch eine schöne Advents- und ganz bald auch Weihnachtszeit und weiterhin viel Spaß mit dem „Kulinarischen Adventskalender“ von Zorra. Zehn Türchen und ein Gewinnspiel warten noch auf euch. Viel Glück!

11 Kommentare

  1. Die Türe ist ja wirklich toll und die Plätzchen erst. Du hast bei der Zubereitung sicher gesungen, oder? Und keine Sorge betreffend den Maronen, ich halte dicht. Danke liebe Manuela für das schöne und unterhaltsame Türchen.

    1. Danke fürs Dichthalten. Und danke für die alljährliche Organisation dieser wirklich tollen Aktion!
      Und: Nein… Ich habe nicht gesungen… Oder vielleicht gaaanz leise 😀

  2. Was für ein tolles Türchen und mal was ganz Neues. Danke für das tolle Rezept.
    Ach Weihnachten in Malta, was für eine wunderbare Vorstellung.

    Herzliche Grüße

    Susan

  3. Il-Milied it-tajjeb liebe Manuela,
    vielen Dank für das spannende Türchen! Malta steht ja schon ewig auf meiner „da will ich hin“- Liste. Mit deinen Qagħaq tal-Għasel bekomme ich direkt Lust eine Reise zu planen. Ich schau mal, was das nächste Jahr so bringt, vielleicht komme in endlich in 2022 mal dahin.
    Herzliche Grüße und komm gut ins neue Jahr,
    Tina

    1. Kurzer Flug, schönes Wetter – und wenn man nicht gerade in den Touri-Hochburgen versackt auch eine tolle Landschaft zum Wandern und viel Kultur. Ich empfehle Gozo – außer man will Strandurlaub 8)
      Dir auch alles Gute für 2022!

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