In der linken Ecke: der Saaaauuuueeeeeerteeeeiiig!!!

In der rechten Ecke: die Heeeeeefeeeeeeeeeee!!! Michael Buffer wäre vor Neid erblasst am Wochenende, wenn er den Einzug der Kontrahenten in ihren glänzenden Bademänteln erlebt hätte. Okeeehhh… Übertrieben… Sie teilten sich ein wenig edles Eulen-Küchenhandtuch. Und das einzige Nummerngirl weit und breit war ich.

Falls man das Nummerngirl nennen kann, was da in der Küche stand: keine Karten mit Ziffern drauf und vollständig bekleidet. Zudem von „Girl“ etwa so weit entfernt wie die „Golden Girls“. Aber was soll’s?! Ich war immerhin wild entschlossen eine Art „Clash of the Titans“ in der Küche durchzuziehen.

Anlass war das Synchronbacken, zu dem mal wieder Zorra und Sandra eingeladen hatten. Erstmal danke für euren unermüdlichen Einsatz. Das Synchronbacken ist mittlerweile fast immer als Termin bei mir gesetzt. Und ich genieße es jedesmal, in bester virtueller Gesellschaft etwas Neues auszuprobieren.

Wobei ins diesem Fall das Ciabatta nichts so wirkliches Neues war. Und ich auch bereits zwei perfekte Stammrezepte (links mit Hefe, rechts mit Sauerteig) habe, die mit schöner Regelmäßigkeit ran dürfen.

Aber was ist schon perfekt?! Vielleicht geht’s ja noch perfekter?! Der Komparativ von „perfekt“ ist allerdings Schwachsinn. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…

Bleiben wir mal bei diesem hier: Ciabatta. Das bedeutet – zumindest für mich – knusprige, dünne Kruste, extrem löchrige Krume. Genau mein Ding!

Ich bereitete also zwei halbe Vorteig-Grundrezepte – beide mit einem Hauch Hefe – nach dem Rezept von King Arthur Flour zu. Die Kontrahenten wurden abends zusammengerührt und dann über Nacht abgedeckt in den gegenüberliegenden Ringecken platziert.

Morgens handelte es sich logischerweise noch um zwei nahezu identische Brüder. Praktisch eineiige Zwillinge, die nach der Geburt getrennt worden waren.

Der eine wurde exakt nach Rezept mit einer weiteren Dosis Hefe versorgt, dem anderen wurde Sauerteig zur Seite gestellt. Die Sauerteig-Variante (rechte Schüssel, aber virtuelle linke Ecke!) wirkte jetzt etwas fülliger, obwohl die Mehl- und Wassermenge identisch war. Kein Wunder.

Am Ende der Gehzeit waren dann allerdings schon Unterschiede festzustellen:

Der Hefeteig wirkt deutlich straffer, die Sauerteigvariante dafür blubberiger.

Ciabatta in zwei Varianten: Hefe vs. Sauerteig

Gericht: Backblech, Brotkörbchen
Keyword: brot
Portionen: 2 Brote

Zutaten

für den Vorteig:

  • 180 g Weizenmehl Tipo 00
  • 220 g Wasser lauwarm
  • 1 winzige Spur Trockenhefe Original: 1/16 TL *muahaha*

für die Hauptteige:

  • 1/2 Menge Vorteig jeweils als Starter
  • 1 TL Trockenhefe für die Hefe-Variante
  • 2 EL Weizen-Sauerteig für die Sauerteig-Variante
  • 180 g Weizenmehl Tipo 00 - jeweils 90 g
  • 1 geh. TL Salz jeweils zur Hälfte auf beide Teige verteilen
  • 1 TL Zucker jeweils einen halben TL
  • 60 g Wasser lauwarm - jeweils 30 g
  • 2 EL gutes Olivenöl jeweils 1 TL

Anleitung

  • Vorteigzutaten gründlich vermischen und mit einem Küchenhandtuch bedeckt über Nacht (etwas 15 Stunden) bei Zimmertemperatur gehen lassen.
  • Morgens den Vorteig gerecht halbieren und anschließend die beiden Varianten getrennt weiter zubereiten.
  • Zur einen Hälfte der Hauptteigzutaten den Sauerteig, zur anderen Hälfte die Hefe geben. Beide nacheinander mit dem Flachrührer der Küchenmaschine auf mittlerer Stufe so lange kneten, bis sich der Teig komplett vom Schüsselrand gelöst hat. Dauerte bei den kleineren Portionen jeweils etwa fünf Minuten.
  • Teige in zwei mit Olivenöl geölte Schüsseln geben, wieder abdecken und nochmals für etwa zwei Stunden gehen lassen. Teige nach etwa einer Stunde "entlüften", d.h. mit der flachen Hand behutsam die Luft aus dem Teig drücken.
  • Beide Teige auf einer gemehlten Arbeitsplatte mit einem Teigschaber etwa in Ciabattaform bringen (vorsichtig - möglichst wenig am Teig herumdrücken!) und nebeneinander vorsichtig auf Backpapier transferieren. Bemehlen und wieder abdecken. Nochmals etwa 90 Minuten gehen lassen.
  • Etwa eine halbe Stunde vor Ende der Gehzeit den Ofen (hier: mit Pizzastein!) auf 250°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Unten im Ofen die mit ca. einem Liter Wasser gefüllte Fettpfanne platzieren.
  • Nach dem Ende der Gare die Teige mit dem Backpapier auf den Pizzastein befördern (Holzschieber helfen an dieser Stelle ungemein!) und die Ofentemperatur auf 225°C senken.
  • Gut zwanzig Minuten abbacken - oder bis die Brote ordentlich Farbe haben. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Das hier ist das Ergebnis der Sauerteig-Variante (aus der linken Eckeeeeeeee). Zu kleine Blasen in der Krume. Definitiv! Da hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Die Kruste war super, aber auch nicht so blubberig wie bei meinem Standardrezept.

Und das hier ist das Hefe-Brot. Krume ähnlich, Kruste nahezu identisch.

Geschmacklich lag der Sauerteig vorne. Aaaber: Beide Brote waren definitiv kein Ciabatta. Das waren wirklich super schmeckende, sehr flache Weißbrote. Immerhin! Direkt nach dem Probieren flüsterte etwas in mir (Michael Buffer?!): „Bruschettabruschettabruschetta…!“ Dafür erscheint es mir tatsächlich das nahezu perfekte Brot zu sein. Und dafür wird es auch definitiv nochmals zum Einsatz kommen.

Ich danke für ein geniales Grill- oder Bruschetta-Brot-Rezept. Und: Es war mir wie immer ein Vergnügen!

Hier noch meine Mitbäcker*innen, die ebenfalls gebloggt haben:

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf
Sandra von From-Snuggs-Kitchen
Britta von Backmaedchen 1967
Désirée von Momentgenuss
Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum
Ilka von Was machst du eigentlich so?!
Geri von Lecker mit Geri
Tina von Küchenmomente
Simone von zimtkringel
Petra von Obers trifft Sahne
Katja von Fambrenner
Britta von Brittas Kochbuch
Dani von Leberkassemmel
Conny von Mein wunderbares Chaos
Birgit M. von Backen mit Leidenschaft
Bettina von homemade & baked
Tamara von Cakes, Cookies and more
Tanja von Tanja’s „Süß & Herzhaft“
Volker von Volkermampft
Tanja von Miss Golosinas
Anna von Frau M aus M

30 Kommentare

  1. Ich hatte mich ja für eine Mischung aus Hefe und Lievito Madre entschieden und meine Ciabatte sind auch ziemlich platt geblieben. Aber lecker waren sie eben trotzdem und das ist die Hauptsache.

    Liebe Grüße
    Britta

  2. Liebe Manuela,
    wie immer ein ganz besonderes Vergnügen, Dir beim Küchenkampf über die Schulter schauen zu dürfen. Bis eben war ich noch ganz zufrieden mit meinem Ciabatta-Ergebnis, aber jetzt habe ich Deine Standard-Rezepte gesehen und erkannt: An deren Perfektion reicht mein Ciabatta nicht ran. Da muss ich mich wohl weiter – und ich entschuldige mich im Voraus für den schlechten Wortwitz, der jetzt kommt – durchboxen.
    Herzlichst, Conny

  3. Hallo du Golden-Nummerngirl,
    besser geht immer? Offenbar nicht, wenn man schon das perfekte Ciabatta-Rezept kennt. Aber super, dass du jetzt auch ein perfektes Bruschetta-Brot-Rezept hast 🙂 . Wie auch immer du deine Brote nun auch nennst, ich finde sie sehen toll aus!
    Liebe Grüße
    Tina

    1. bin auch an sauerteig verzweifelt. aber irgendwann hatte ich dann einen, der immer funktioniert. keine ahnung, was ich vorher falsch gemacht habe.
      und: sauerteige brauchen übrigens keine namen. höchstens „depp!“ oder „loser!“ – wenn sie nicht funktionieren 😀

  4. Hallo Manuela,
    das ist ja eine tolle Idee die du hattest!
    Das Ciabatta (auch wenn du der Meinung bist dass keines ein „richtiges“ Ciabatta wurde) auf zwei verschiedene Teigarten zu backen.
    Ich bin begeistert!
    Liebe Grüße,
    Désirée

  5. Hello Golden Girl…hach was ist das wieder für ein herrlicher Beitrag und spannender Boxkampf. Tja es sollte ein Ciabatta werden, aber dann wurde es flach gelegt. Ich denke bei einem perfekten Ciabatta Rezept was du ja schon hast. kann dieses hier nur verlieren. So what du hast ja nun das richtige Brot für Bruschetta. Gefallen tun sie mir auf jeden Fall beide.
    Liebe Grüße
    Britta

    1. „zwei kleine italiener…“ 😀
      ich versuche es nochmal mit langer kaltgare. ich glaube, henry maske und axel schulz brauchen das =)
      quatsch. wohl eher graciano rocchigiani, der „sohn eines sardischen eisenbiegers“ ^^

  6. Ich finde den direkten Vergleich von Hefe und Sauerteig sehr spannend. Auch wenn du darin keine Ciabatta siehst, finde ich sie optisch doch sehr gelungen 🙂
    Liebe Grüße, Bettina

  7. Ich kenne mich leider mit Boxen überhaupt nicht aus. Ausser Mohamed Ali, Klitschkos und dem Ohrenbeisser, dessen Name mir entfallen ist, weiss ich nix. Woher weisst du eigentlich du so viel darüber? Was die Ciabatte betrifft, da weiss ich was du meinst. Meine sind auch flache Weissbrote geworden.

    1. boah… boxen… ich habe nicht wirklich ahnung. ich hatte nur in maske- und schulz-zeiten manchmal kurze erziehungspausen – bisweilen auch nachts – in denen ich mich irgendwie beschäftigen musste / durfte / wollte 😀
      das mit dem ohr war übrigens mike tyson gegen evander holyfield 1997. das fiel in diese zeit =)
      habe am wochenende nochmal mein bewährtes rezept auf tauglichkeit getestet. vielleicht musste ich mir auch nur selbst beweisen, dass es nicht an mir lag 😀

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