Kwareżimal & Chraime – kulinarischer Rundumschlag

Das lief jetzt alles irgendwie nicht wie geplant. Exakt eine Woche nach den beiden erfolgreich verlaufenen Spucktests durfte ich gleich nochmal ran. Im örtlichen Testzentrum. Funktionierte ganz hervorragend – mittwochs einen Termin für den nächsten Tag online vereinbart, das Wattestäbchen wurde nicht wie befürchtet bis ins Stammhirn gesteckt, fünfzehn Minuten mit dem schriftlichen, negativen Testergebnis in der Hand wieder auf der Straße. Das war meine Mittagspause am Donnerstag.

Sie wurde nötig, weil ich mich am Montag mit einem Kollegen unterhalten hatte. Dienstags stellte sich heraus, dass er das Wochenende bei seiner Schwester verbracht hatte, die jetzt positiv war. Er meldete mich als Kontaktperson. Wir hatten beide Masken getragen und die Abstandsregeln beachtet. Aber man weiß ja nie. Mittwochs hatte dann auch er selbst einen positiven PCR-Test in der Hand. Die Einschläge rücken näher.

So werden der Gatte und ich nun also Ostern allein zu Hause verbringen. Trotz negativem Test am Donnerstag. Ich traue dem Frieden noch nicht ganz und möchte ungern meine noch nicht geimpfte Mutter anstecken.

Das und ein später Feierabend brachten mich am Donnerstag derartig aus dem Konzept, dass ich erst als ich die Hähnchenschenkel in der Tajine anbriet, merkte, dass ja eigentlich ein Fastentag war. Gründonnerstag. Das war jetzt nur noch mit Bärlauch zu retten. wenigstens grün sollte es sein, das Essen.

Ich ersetzte also den Knoblauch durch Bärlauch, was sich später am Esstisch als außerordentlich gute Idee herausstellte. Das war ausgezeichnet. Und ich roch und schmeckte es noch! Yeah! Ansonsten entsprach die Zubereitung so in etwa der Standard-Hähnchen-Salzzitronen-Tajine-Zubereitung. Bloß den Bärlauch gab ich erst recht spät dazu. Als eine Art Paste.

Auf Ħamis ix-Xirka (Gründonnerstag) folgt l-Gimgħa il-Kbira (Karfreitag). Zumindest auf Malta und Gozo heißt das so. Karfreitag ist ja noch Fastenzeit. Man kann also noch Dinge herstellen, die auf Malta klassisch zur Fastenzeit gehören. Kwareżimal zum Beispiel. Das sind sozusagen Fastenzeitplätzchen. Und die gibt es auch nur dann. So wie es nur an Ostern Figolli gibt.

Und da ich bereits seit Jahren plane, Figolli zu backen, dachte ich: Ja, Mensch, da kann ich doch auch gleich vorher noch Kwareżimal testen. Immerhin war Karfreitag ja der erste Wochentag seit Weihnachten, an dem ich mir meine Zeit völlig frei einteilen konnte. Man nennt es Urlaub. Unglaublich.

Also habe ich an Karfreitag – also tatsächlich auf den letzten Drücker – Fastenzeitplätzchen gebacken. Und sie schmecken ausgezeichnet.

Kwareżimal

Maltesische Plätzchen für die Fastenzeit
Gericht: Backblech
Land & Region: Maltesisch
Keyword: mandeln, plätzchen
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 400 g Mandeln gemahlen – hier: geröstete Mandeln
  • 125 g Muscovado ersatzweise anderer brauner Zucker
  • 1 TL Kakao
  • 1 TL Zimt
  • 1 TL Mixed Spice meins stammt sogar aus dem gozitanischen Lighthouse Supermarket in Marsalforn
  • 1 Ei
  • 0,5 Bio-Orange davon Zesten und Saft
  • 1 TL Orangenblütenwasser
  • 1 TL Vanilleessenz oder etwas Vanillemark
  • 1 TL Mandelessenz
  • Honig zum Bestreichen – hier: Orangenblütenhonig
  • gehackte Mandeln zum Bestreuen – hier: Mandeln und Pistazien

Anleitung

  • Ofen auf 175°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Von der Küchenmaschine alle Zutaten bis auf den Honig und die gehackten Mandeln miteinander verkneten lassen. Das geht selbstverständlich auch von Hand, ist aber eine recht klebrige Angelegenheit.
  • Teig in vier Portionen teilen und vier Rollen formen. Nebeneinander auf ein mit Backpapier belegtes Backblech geben und leicht flach drücken.
  • Etwa 15 bis 20 Minuten abbacken. Der Teig sollte nicht trocken sein. Aus dem Ofen nehmen und noch auf dem Blech mit Honig einstreichen. Gehackte Mandeln darüberstreuen.
  • Restlos auskühlen lassen und anschließend in Streifen schneiden.

Insgesamt hätte ich – im Rückblick betrachtet meine Mandeln etwas feiner mahlen können. Aber das ist mehr eine optische Sache. Geschmacklich war das mit den kleinen Stückchen drin eine wirklich gute Idee. Wenn ich sicher sein könnte, das das keine Todsünde ist und mich nicht unmittelbar dafür ein Blitz träfe, würde ich die sogar an Weihnachten backen. Ist natürlich jetzt nur so daher gesagt… *hektischerblicknachoben*

So unscheinbar die Kwareżimal aussehen, so spektakulär und filigran sind die Figolli. Schon seit ewigen Zeit bewundere ich an Ostern die teilweise außerordentlich kunstvoll dekorierten maltesischen Osterplätzchen. Diesmal werde ich sie selbst backen. Und da ich Zeit habe, werde ich das am Ostermorgen tun. Just in time.

Karsamstag gab es Fisch. Ich hatte den schönsten und frischesten Saibling aller Zeiten an der Fischtheke geangelt. Nach kängeren Überlegungen entschied ich mich für ein Bettchen namens „Chaime nach Art von Uri Buri“. Mit kleinen Anpassungen und einer Mengenreduktion. Das war ratzfatz erledigt. Inklusive Geschnippel und Garzeit brauchte es etwa eine Stunde, bis es auf dem Tisch stand. Und wir waren sehr begeistert.

Saibling auf Chraime nach Art von Uri Buri

Gericht: Fischteller
Land & Region: Levante
Keyword: fisch, koriander, saibling
Portionen: 2 Portionen
Autor: MrsFlax

Zutaten

für den Fisch:

  • 1 Saiblingsfilet wir teilten uns ein großes – je nach Hunger passt auch eins pro Person

für die Chraime:

  • 1 große Möhre in kleinen Würfelchen
  • 3 Stangen Staudensellerie in kleinen Würfelchen
  • 1 rote Spitzpaprika in kleinen Würfelchen
  • Habanerosauce Menge nach Geschmack – ersatzweise: frische Chili oder eine scharfe Chilisauce
  • 2 Zehen Knoblauch gerieben
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 TL Paprika edelsüß
  • 400 ml Fischfond
  • 1 EL Tomatenmark
  • Salz
  • 0,5 Bund frischer Koriander

Anleitung

  • Zuerst den Fisch enthäuten und sorgfältig entgräten. Im Buch wird ein Zackenbarsch verwendet – mit der Anmerkung "… oder jeder andere günstige Fisch". Der Saibling war reduziert. Passt! Fischfilets beiseite stellen.
  • Öl in einem weiten Topf oder einer hohen Pfanne erhitzen. Gemüsewürfelchen darin anschwitzen. Knoblauch hineinreiben. Kurkuma und Paprikapulver kurz mit anschwitzen. Habanerosauce einrühren.
  • Mit der Hälfte des Fischfonds ablöschen und die Fischfilets auflegen. Den restlichen Fischfond angießen. Der Fisch sollte an den Seiten im Fond, aber oben unbedeckt sein. Deckel drauf und etwa 20 Minuten bei schwacher Hitze garen lassen!
  • Ein dickerer Fisch kann sicher bis zum Ende der Garzeit auf dem Gemüse bleiben. Meiner wurde zwischengeparkt, damit er nicht übergart.
  • Tomatenmark einrühren, salzen, etwa die Hälfte des Korainder unterheben. Hitze erhöhen und Sauce einkochen lassen. Das muss am Ende richtig dicklich eingekocht und nicht mehr flüssig sein!
  • Kurz vor dem Ende des Garprozesses die Fischfilets wieder auflegen und auf der Chraime erwärmen. Anrichten. Mit Koriander bestreuen und sofort servieren.

Die Karwoche ist vorbei. Selbst in Nadur auf Gozo werden keine Kreuze und Ketten mehr durch den Ort geschleift. Kurzer Rückblick auf die Prozessionen rund um Ostern: „Goof Friday Procession in Gozo“. Gibt auch gleich einen kleinen Vorgeschmack auf die Figolli. „Għid it-tajjeb!“ – „Frohe Ostern!“

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