Mit der Kraft des Huhns gegen die Ei-Dämonen

Allein hätte ich das nie geschafft. Und schon gar nicht in dem Zustand, in dem ich mich bei Stufe eins befand. Sozusagen in der Gewalt des Virus‘. Und das war nicht irgendein Virus, sondern ein Supervirus. Der Virusendgegner sozusagen. Aber das Huhn und ich haben ihn besiegt. Und da ich im Fieberwahn nicht nur eine Hühnersuppe zur eigenen Erbauung gekocht, sondern parallel auch noch ein altes Ei-Trauma besiegt habe, fand ich, dass das insgesamt perfekt zu Zorras 150. Jubiläums-Blog-Event „Huhn oder Ei“ passt.

Blog-Event CL - Huhn oder Ei (Einsendeschluss 15. März 2019)Allerdings bin ich der Meinung, dass eins der drei Worte komplett unangebracht ist. Huhn UND Ei muss es heißen! Jedenfalls für mich. Mir egal, was zuerst da war, aber es muss beides da sein.

Wochenenden ohne Frühstücksei (Spiegelei sunny side up auf Brot, dazu knuspriger Schinken) sind keine Wochenenden. Und Herbst und Winter ohne Hühnersuppe sind auch keine halbwegs erträglichen Jahreszeiten. Dazu solche Dinge wie Satay-Spieße mit Erdnusssauce. Oder Soufflées. Oder Currys. Oder die Weihnachtsbäckerei. Alles ohne Huhn und Ei unmöglich. Das ist doch kein Leben! Und jetzt bitte keine Vorschläge zu veganen Alternativen!

Nachdem ich nach unzähligen Hühnersuppenversuchen über die Jahre mein Ursprungsrezept jetzt soweit ausgefeilt habe, dass ich den Gatten damit praktisch auf immer hörig gemacht habe, ist es unnötig, sich schriftlich weiter damit zu beschäftigen. Die Suppe passt so. Und die bleibt auch so. Und verbloggt ist sie auch bereits seit längerem.

Dann lieber für dieses überaus nette Blogevent etwas Neues, eine echte Herausforderung. Spontan fielen mir zwei echte Herausforderungen ein, an denen ich bereits grandios gescheitert bin, und die auch zu Zorra passen: Rösti und Tortilla. Jeweils einmal vollkommen verk***t. Nur in einem von beiden ist Ei. Da fiel dann die Entscheidung nicht sehr schwer. Eine Tortilla Española sollte es sein.

Und diesmal sollte sie auch schnittfest, heiß und kalt gleich lecker und überhaupt perfekt sein. Drunter würde ich es nicht mehr tun nach der mittlerweile fast verjährten Schlappe, als ich sie mit zu einer Party nehmen wollte und am Ende fast hysterisch wurde. Themenwechsel…

Auf La Palma hatte wir im Januar Tortillahäppchen mit Spinat unter den Tapas des ersten Abends. Und seitdem gingen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Tapas im Kopf. Erinnert fatalerweise an Til Schweiger und seinen letzten großen Flop. Passt ja.

Manchmal sind es gerade die vermeintlich einfachen Sachen, die einer gewissen Grundahnung bedürfen, um sie wirklich gut hinzubekommen. Chefkoch-Rezepte helfen da nämlich zum Beispiel gar nicht. Ich gehe sowas ja prinzipiell recht akribisch an. Ich las, las mehr, las da und dort. Und dann sah ich mir anschließend noch etliche Youtube-Videos an, in denen freundliche Spanier/innen Tortilla zubereiteten.

Am meisten geholfen und am besten gefallen hat mir am Ende ein Video von zwei freundlichen spanischen Hausfrauen, von denen die eine den Eindruck machte, als ob sie mindestens schon 1000mal Tortilla gemacht habe. Genau sowas brauchte ich. Ich adaptierte ihre Kartoffel-Schnitttechnik, obwohl ich die sonst nirgendwo so gesehen hatte. Sie wirkte einfach so wahnsinnig vertrauenswürdig was Tortilla angeht.

Sie schälte die Kartoffeln und schnitt sie dann rundum immer Stück für Stück runter, praktisch immer die Kanten. Schwierig zu erklären, aber ich denke, man kann es auf dem Foto recht gut erkennen. Nicht zu dünn wie bei Scheiben, mehr so stückig.

Nachdem das Kartoffelthema also immerhin schon mal hinreichend geklärt war, ging es an eine echte Glaubensfrage: Zwiebel oder nicht Zwiebel? Prinzipiell besteht die Tortilla Española lediglich aus drei Zutaten: Kartoffeln, Eier und Olivenöl. Möglicherweise besteht sie aber auch aus vier Zutaten: Kartoffeln, Zwiebeln, Eier und Olivenöl. Da scheiden sich die Geister. Ich entschied mich für „con Cebolla“. Einfach so. Und ich nahm Schalotten. Bestimmt gesetzeswidrig. Aber egal.

Mein erster Versuch war ein Versuch am Grundrezept. Weitere Zutaten – wie auf La Palma der Spinat – würden später an die Reihe kommen. Erstmal die Grundskills beherrschen.

Tortilla Española

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Zutaten

  • 500 g mehligkochende Kartoffeln (Nettogewicht der geschälten Kartoffeln)
  • 2 Zwiebeln (oder eben Schalotten)
  • 4 Eier
  • Olivenöl
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung

  • Kartoffeln schälen und stückig aufschneiden. Zwiebeln würfeln (oder in Viertelringe schneiden).
  • Eine Pfanne mit reichlich Olivenöl erhitzen. Es sollte wirklich nicht zu wenig sein und wird später abgegossen. Kartoffelstücke hineingeben, Herd herunterschalten und auf mittlerer Hitze anbraten. Immer mal wieder umrühren und wenden. Derweil in einer zweiten, kleineren Pfanne die Zwiebeln glasig dünsten.
  • Die Kartoffeln sind bereit für den nächsten Schritt, wenn man sie mit einem Holzspatel zerdrücken kann. Und genau das tut man dann auch. Nicht zu Püree, aber man quetscht und drückt sie schon ein bißchen zusammen. Und Salz und Pfeffer können sie an dieser Stelle ruhig auch schon mal vertragen.
  • Eier parallel kräftig mit einem Schneebesen (die spanische Mutti bevorzugt eine Gabel, aber ich ging auf Nummer "Sicher") aufschlagen. Kartoffeln in ein Sieb, das in einer Schüssel steht geben und kurz abtropfen lassen. Zwiebeln darauf geben und ebenfalls kurz abtropfen lassen.
  • Die noch heißen Kartoffeln und Zwiebeln in die aufgeschlagenen Eier geben. Salzen und pfeffern. Umrühren. Die Eier beginnen ganz schwach zu stocken. Kurz stehen lassen.
  • Die große Pfanne mit wenig Öl auspinseln und erhitzen. Die Kartoffel-Ei-Masse hineingeben und oben glatt streichen. Bei weniger als mittlerer Hitze (bei mir: 4 von 9 auf Induktion) stocken lassen. Den Rand immer mal kurz mit dem Spatel lösen.
  • Wenn die Masse rundum gut gestockt ist und einen insgesamt stabilen Eindruck (auch in der Mitte nicht mehr flüssig) macht, Pfanneninhalt zügig auf einen großen Teller stürzen und sofort wieder zurück in die Pfanne gleiten lassen - diesmal mit der schön gebräunten ehemaligen Unterseite nach oben. Sollte die Tortilla noch zu hell sein, kann sie hinterher nochmals gestürzt und zuück in die Pfanne gegeben werden.
  • Tortilla jetzt auch von der anderen Seite anbraten und schließlich vorsichtig auf einen Teller schieben. Warm oder kalt servieren.

Der erste Versuch war bereits ein voller Erfolg. Gute Vorbereitung ist halt doch alles. Bevor ich Stufe zwei zünden konnte, lag ich allerdings erstmal eine gute Woche komplett flach. Die Kraft des Huhns brachte mich in den Ring zurück. Als Steigerung hatte ich beschlossen, der Tortilla Gemüse zu gönnen. Paprika. Und Zucchini. Versuchsweise.

Das Rezept blieb das gleiche. Hinzu gesellten sich eine kleine gelbe und eine kleine rote Paprika und ein Zucchino. Die Paprika schnitt ich in schmale Streifen, den – recht kleinen – Zucchino entkernte ich und schnitt ihn in dünne Viertelscheiben. Das Gemüse briet ich mit den Zwiebeln – erst Paprika-, etwas später Zucchinistücke zugeben – an und ließ es etwas länger abtropfen, um nicht zu viel Flüssigkeit in die Tortilla zu bringen.

Die Eier waren diesmal etwas größer. So reichten ebenfalls vier Stück. Möglicherweise muss man bei mehr Zutaten noch ein Ei zugeben. Das Ergebnis war ähnlich zufriedenstellend wie bei Stufe eins.

Es folgte heute Abend dann Stufe drei. Mutig, mutig! Ich hatte mich für Chorizo, Paprika und Spinat entschieden. Da ich gerade faste, kann ich leider nicht beurteilen, wie Stufe drei schmeckt, aber mir wurde glaubwürdig versichert, dass sie ganz ausgezeichnet sei.

Ich verfuhr wieder nach dem obigen Rezept, gab eine in feine Streifchen geschnittene rote Spitzpaprika zu den Zwiebeln. Und ließ anschließend den in Stücke zerzupften Spinat darauf zusammenfallen. Während das anschließend abtropfte, briet ich die vorher in Streifen geschnittene Chorizo kurz in der Pfanne an und gab sie dann auch zum Rest.

Und ich lege mich dann jetzt mal kurz fest: Eine Tortilla ist sicher nicht das Übelste, das einem Ei passieren kann. Oder einem Gatten. Und eben war ich ganz schön froh, dass das alles so geklappt hat, wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Und nicht – wie beim letzten Mal – in Brocken auf der Arbeitsplatte vor den Augen der entmenscht-zornigen Köchin geendet ist. Eieiei!

2 Kommentare

  1. Madre mia, hast du perfekt hingekriegt! Übrigens hättest du auch bei mir im Blog schauen können, da gibt’s ein Rezept von einer Spanierin, sogar mit Schritt-für-Schritt-Anleitung. 😉

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