So. Der Startschuss für den kollektiven Frohsinn ist also um 11:11 Uhr gefallen. Die männlichen Kollegen trugen alte, hässliche Krawatten und wurden irgendwann ungehalten, wenn sie ihnen nicht abgeschnitten wurden. Die Kreppel waren gut. Die Luftschlangen sind noch kringelig.
Ansonsten bin ich ziemlich unbeschadet aus der Nummer herausgekommen. Und hier in der Stadt hält sich das Chaos momentan noch in Grenzen.
Bereits um 9:31 Uhr erhielt ich eine Mail des Wolfinators, in der er mitteilte, dass er „seine Hausaufgaben bereits erledigt“ habe.
Wegen der zusätzlichen Küchensteckdose, für die ich mich gestern noch spontan entschieden hatte, hatte er sich bereits mit den Elektrikern in Verbindung gesetzt. Ich soll am Wochenende einen Zettel aufhängen, aus dem hervorgeht, wo genau ich sie haben will.
Die Tiefbauer des Energieversorgers haben heute wohl überraschend doch noch zu baggern begonnen. Sensationell! Und ich hatte schon überlegt, welche Nachbarn ich anbettele, damit die Estrichjungs zu ihrem Wasser kommen. Wir sollten also bis zum Estrich-Termin sowohl Wasser als auch Strom haben. Wurde auch Zeit, dass mal irgend etwas einfach funktioniert. Also nicht nur funktioniert, sondern dass es funktioniert ohne nervenraubende Interventionen, zeitintensive Telefonate und ohne das ständige Gefühl, irgendwem auf die Nerven zu gehen.
Wobei ich sagen muss: Ich habe mir den Kontrollbesuch nach längeren Überlegungen doch gespart. Sechzig Kilometer Fahrt nur um in ein Baggerloch zu schauen, erschien dann selbst mir etwas übertrieben. Zumal wir morgen sowieso hin müssen. Wir reden also momentan nur über ein vom Wolfitekten avisiertes Baggerloch. Ob da ein echtes ist, kann ich natürlich nicht definitiv wissen. Aber: Ich hoffe es so sehr…
Im Briefkasten lag eben – taaadaaaaaahhh! – ein weiterer Garten-Katalog! Diesmal von „Baldur Garten“. Und was findet sich auf der Rückseite des Hochglanzkunstwerks? Richtig! Meine unvermeidliche Freundin, die Goji-Beere. Der Text ist diesmal wirklich sensationell: „Im Himalaya wird sie auch die Beere der Glücklichkeit genannt und dort seit Jahrhunderten verehrt.“ In welcher Sprache gibt es nochmal das Wort „Glücklichkeit“?! Ich habe keine Ahnung, sehe aber nach diesem Satz ständig ein Rudel Sherpas sich vor einer monströsen güldenen Goji-Beere erfurchtsvoll in den Staub werfen.
„Im Geschmack erinnert die Goji-Beere u.a. an Kirsche & Cranberry und verbirgt mehr Vitamin C als Orangen und mehr Eisen als ein Steak.“ Mmmhh… Wieso verbirgt sie das denn? Für Vitamin-C- und Eisen-Anteile muss man sich doch nicht schämen. Tun Orangen und Steaks doch auch nicht. Mensch, Goji! Hast du denn gar keine Selbstachtung?
Da kommt die Vitalbeere auf Seite 9 aber gleich viel selbstbewusster rüber. Richtig. Es handelt sich mal wieder um die altbekannte Wu-Wei-Zi-Beere! Der „Gesundheits-Hit aus China“ „schmückt sich mit hübschen weißen Blüten“ und verbirgt sie nicht ängstlich wie die Goji. So geht das! Muss ich erwähnen, dass wieder mal der Gong-Artikel zitiert wird? Nein. Muss ich nicht…
Auf Seite 17 treffe ich auf die „Kuheuter-Pflanze“. „Die knallgelben Früchte dieses bizarren Zierstrauchs sehen aus wie die Euter einer Kuh.“ Überflüssig zu erwähnen, dass ich noch niemals eine Kuh mit knallgelbem Euter gesehen habe. Und auch überflüssig zu erwähnen, dass mich der Anblick einer Pflanze, an der winzige gelbe Kuheuter baumeln, sicher nicht erfreuen kann. Und „Riesen-Fuchsien“ brauche ich auch nicht. Mir gefallen die kleinen schon nicht.
Was ist das nur mit diesen Garten-Katalogen? Warum sind die nur alle so… so… so auf die gleiche Art daneben irgendwie? Die sind alle schockierend in Wort und Bild (Belege nötig? Siehe hier, hier & hier). Auf die gleiche Art schockierend wie ein plötzlich auftauchender Rosenmontagszug. Und wenn man nicht gleich geistesgegenwärtig auf den Bürgersteig springt, kommt man noch unter die Räder, weil man wie gelähmt da steht und den Blick nicht abwenden kann. Und am Ende hat man den Kram dann wahrscheinlich wirklich bestellt: die Duftgeranie „Moskito-Schocker“, die Tiroler Hänge-Geranien „Feuerrot“ und „Schneeweiß“, die „Unsterblichkeitspflanze Jiaogulan“ oder gar den „Pralinen-Baum“. Mir macht das Angst. Vor allem an einem Tag wie heute, an dem es schon gruselig genug ist.

Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon.

Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert’s, da lärmt des Königs Tross.“

Luftschlagen… Luftballons… Bunte Girlanden in Herzform… Dazu hat man mich heute gezwungen. Ich musste – wie jedes Jahr – im Büro meinen Bildschirm mit Luftschlangen und Ballons schmücken und anschließend kletternderweise drei Girlanden an der Decke anbringen. Freiwillige gab es nicht und ich wirkte offenbar mal wieder am kletterwilligsten… Mir ist völlig unklar, wie dieser Eindruck entstehen konnte.
Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl. „

Morgen ist Weiberfassenacht. Da muss das so sein. Um 11:11 Uhr gibt es zum Dank dann die „Vorstands-Kreppel“. Wie jedes Jahr. Für jeden zwei Stück – einer gefüllt, einer ungefüllt. Auch wie jedes Jahr. Und zwei Drittel der Kollegen und Kolleginnen kommen in lustigen Kostümen zur Abeit. Und wie jedes Jahr bin ich eine der Spaßbremsen.
Die Knechte sassen in schimmernden Reih’n
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.
Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.“

Mit Fasching, Karneval, Fassenacht konnte ich mich noch nie anfreunden. Meinen einzigen Sitzungsbesuch brachte ich vor ca. 15 Jahren hinter mich. Und das auch nur auf Drängen von Tine, die das Ballett trainierte, dessen Kostüme ich im betreffenden Jahr genäht hatte. Ich tauge einfach nicht für Massenlustigkeit. Schlimm ist ja nicht nur das permanente Gefühl, fehl am Platze zu sein, sondern viel mehr das Gefühl, die Leute rechts und links und gegenüber auszubremsen. Ich kann nicht schunkeln, ich kann nicht gescheit klatschen und ich schaffe es nicht, gut gelaunt zu wirken, wenn es von mir erwartet wird. Kurz: Die Fassenacht wird mich nie kriegen.
Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.
Und blindlings reisst der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
Und er brüstet sich frech und lästert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.
(…)
Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.
Und er brüstet sich frech und lästert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.“

Als ich in meine jetzige Wohnung gezogen bin – das ist jetzt fast genau 13 Jahre her – hatte ich nicht bedacht, dass ich dann mitten im Herz des Frohsinns zu Hause sein würde. Der erste „Neujahrsumzug der Garden“ brachte mich völlig aus dem Konzept. Stundenlang kommt man mit dem Auto nicht vorwärts oder rückwärts, weil man von sich formierenden Narrengruppen umgeben ist, die zu unchristlicher Zeit in voller Gardeuniform durch die Stadt zu ziehen beabsichtigen. Ziemlich gewöhnungsbedürftig…
„Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und ruft laut mit schäumendem Mund:
‚Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!'“
An den „Tollen Tagen“ reißt das Chaos dann aber wirklich nicht mehr ab. An Weiberfassenacht geht es mit dem „Krachmacher-Umzug“ los. Gleichzeitig gibt es den offiziellen Frohsinns-Startschuss am Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz. Und dann gibt es kein Halten mehr. Samstag flaniert der „Kindermaskenzug“ am Haus vorbei, Sonntags folgt die „Parade der närrischen Garden“. Montags logischerweise der „Rosenmontagszug“. Dienstags folgt die „Kappenfahrt“. Und anschließend wird sie beerdigt, die Fassenacht. Und dann ist erstmal wieder Ruhe. Die nächste großräumige Verkehrssperrung ist erst an Muttertag für den „Gutenberg-Marathon“ zu erwarten.
„Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward’s heimlich im Busen bang.“
Das schlimmste ist eigentlich, dass am Rosenmontag bereits um 7 Uhr morgens die ersten Politessen mit Megaphon durch die Straßen turnen, um schläfrige und erschöpfte Fassenachter mit mindestens 2,1 Promille Restalkohol im Blut an ihre Autos zu treiben, die dem Rosenmontagszug im Weg herum stehen. Anschließend wird stundenlang abgeschleppt und megaphoniert, und schließlich kommen die Soundchecks von der Bühne, die alljährlich direkt unserem Haus gegenüber aufgebaut wird. Und aus deren Lautsprecherboxen quillt dann den ganzen Rest des Tages ein Horror-Schlager nach dem anderen. Den Toilettenwagen direkt in der Parkbucht gegenüber verschweige ich mal lieber… Vor zwei Jahren haben wir neue Fenster bekommen. Seitdem kann man sich während des Rosenmontagszugs in der Wohnung unterhalten ohne sich anzuschreien.
Auch ein Vorzug des Hauses im Hessischen: Keinerlei Garden werden sich alljährlich vor meinem Haus aufstellen. Strrrrrike!
„Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.“

Wo wir gerade beim Thema „Haus im Hessischen“ sind: Heute hatte ich ja meinen Ortstermin mit den Herren Planer & Ausführer. Klasse war es. Und es dauerte zwei Stunden. Und meine Füße starben gegen Ende fast ab, weil ich heute morgen blöderweise keinen Gedanken daran verschwendet hatte, meine Bürobekleidung entsprechend auszuwählen. Dumm gelaufen…
Wir arbeiteten Toms Liste ab, wir arbeiteten meine Liste ab, der Wolfitekt unterbrach zwischendurch mit Punkten, die ihm in den Sinn kamen. Und so arbeiteten wir uns durchs gesamte Haus. Von Zimmer zu Zimmer.
Fazit war letztendlich, dass unsere Arbeit im EG laut Bauleiter-Meinung qualitativ „10mal so gut“ ist wie die der Trockenbauer. Präzise: Es gibt Stellen im OG, die so definitiv nicht bleiben können. Dicke, fette Fugen, Versatzprobleme zwischen OSB und GK und das Hauptproblem ist, dass alle Steckdosenausschnitte der Trockenbauer genau einen Zentimeter zu groß für die Dosen des Elektrikers sind. Mit „Aufschäumen“ prinzipiell in den Griff zu bekommen, aber das kann ja nicht wirklich die Lösung sein.
Der Herr Tom beschriftete die Wände mit „Fehlermeldungen“ und Verbesserungsvorschlägen.
„Und sieh! und sieh! an weisser Wand
Das kam’s hervor, wie Menschenhand;
Und schrieb, und schrieb an weisser Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.“
Einige Probleme habe ich mir im Geiste bereits selbst unter den Nagel gerissen, um sie am Wochenende eigenhändig zu korrigieren, damit alles auch so ist, wie es sein soll. Es folgten längere Diskussionen über Dehnungsfugen im Estrich, Beplankungsfragen an Balken und Luftraum, Vorbauwände in den Bädern und die Vorbereitung für die Hausanschlüsse im Technikraum. Unlösbare Probleme gibt es nicht, aber die Trockenbauer werden einige ihrer Fehler in den nächsten Tagen beheben müssen. Einige beheben wir selbst. An manchen Stellen „staunt der Laie und der Fachmann wundert sich“. Nun denn…
„Der König stieren Blicks da sass,
Mit schlotternden Knien und totenblass.
Die Knechtschar sass kalt durchgraut,
Und sass gar still, gab keinen Laut.

Morgen ist verabredet, dass der Wolfitekt die Tiefbauer des Energieversorgers kontaktiert, um sie zum Arbeiten zu zwingen. Er versprach, „sich da reinzuhängen“… Mmmhhh… Wer ihn kennt, ahnt, wie das aussehen könnte.
„Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.“
    

… ist die Tastatur nicht wert, auf der er getippt wurde! Aber dazu kommen wir etwas später. Erstmal das Baunews-Telegramm:
Der Bauherr hat den Herrn mit dem lustigen Namen bei der Unteren Baubehörde heute erreicht. Die Unterlagen scheinen dort tatsächlich nicht vorzuliegen. Entweder gibt es irgendwo eine Phantom-Akte, die außer allen Unterlagen des Statikers auch die Mail des Bauherren an einen Herren mit einem weniger lustigen Namen enthält, oder die Sachen sind irgendwo auf irgendeinem Weg verloren gegangen. Die Sache bleibt rätselhaft. Der Statiker wird alles nochmals einsenden. Hoffen wir mal, dass es dann auch dort ankommt, wo es hin soll.
Zudem erreichte uns eine Mail des Wolfinators. Der Inhalt war etwas verwirrend. Der Bauherr war schon wieder am „Den bring‘ ich um!“-Punkt. Ein Telefonat ergab dann aber, dass das alles ganz anders gemeint als geschrieben war. Nuuuun… Er bat uns in seinem Schreiben, „bis Mittwoch ggf. noch die Platten im Technikraum zu montieren“. Bei dem bereits erwähnten Telefonat stellte sich dann heraus, dass mit den Stromversorger-Tiefbauern vor Freitag ohnehin nicht zu rechnen sei. Und das auch nur bei Temperaturen, die Erdarbeiten erlauben.
Bei den Prognosen für die kommenden Tage sieht das aber eher dürftig aus – würde ich mal meinen. Keine Ahnung, inwieweit es dann wieder zu einer Kollision mit dem Fußbodenheizungs- und dem Estrichtermin kommt…
Es ist also nicht erforderlich, heute Abend noch flott ein wenig im Technikraum herumzuplanken. Das war nämlich unser erster Gedanke. Mittwoch ist schließlich morgen. Immerhin wurde der Vor-Ort-Termin mit dem Wolfitekten und Tom-yes-we-will-definitely-be-there bestätigt und nicht in letzter Sekunde noch verschoben oder gecancelled. Das ist doch auch mal was!
Das Abarbeiten der Liste in meinem Moleskine wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Desweiteren sollen die Übergänge von Fliesen zu Parkett besprochen werden. Unser „Mann für ästhetische Baubetreuung“ riet uns heute zu Fliesen im Esszimmer. Kommt natürlich absolut nicht in Frage! Wie doof sieht das denn hinterher aus?
So. Und jetzt zurück zur Überschrift, die sich im folgenden erklären wird:
Interessanterweise kam Lance Armstrong in Kalifornien zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich in Mainz. Er findet mich Scheiße und ich ihn (siehe den letzten Satz dieses Spiegel-online-Artikels).
Und dann findet er noch Paul Kimmage Scheiße, der ‚den Stuhl nicht wert sei, auf dem er sitze‘. Das war jedenfalls  seine Antwort auf dessen sehr berechtigte Frage bei der Pressekonferenz zum Start der Amgen Tour of California:
„You’ve spoke recently about the return of Ivan Basso and Floyd Landis, who have returned after their suspensions, compared to David Millar – that they should be welcomed back like he was. But there was one obvious difference in that Millar admitted his doping whereas these guys have admitted to nothing. What is it about these guys that you seem to admire so much?“
Schon dafür könnte ich dann Paul Kimmage umarmen, knuddeln und ihm leckere Sachen (meinethalben auch irische Spezialitäten…) kochen. Der Mann ist einfach grandios. Am Abend nach der Pressekonferenz gibt er ein Interview, das sich auf youtube(<- Youtube-Link! Zum Aktivieren des Videos musst du den Link an klicken. Ich weise dich hiermit darauf hin, dass nach der Aktivierung Daten an den jeweiligen Anbieter übermittelt werden.) findet. Dafür gibt es gleich nochmal eine weitere Kuscheldecke und Nachschlag bis zum Abwinken.
Seine jahrelangen und erbitterten Querelen mit David Millar waren sozusagen nur das Trainingslager für den Fight mit dem Großmeister. Was für ein perfider Plan! Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie das weitergeht. Go, Paul, go!!!
Lustig auch mein spezieller Freund Floyd Landis. Ach, wie habe ich 2006 bei der Bergankunft in La Toussuire seinen Anblick genossen, als er mit unglaublichem Rückstand völlig ausgepumpt am Hinterrad von Axel Merckx (wie deprimierend muss das sein?) um die Kurve gehechelt kam. Gut, am Tag danach gab es dann eine kurze Unterbrechung der privaten Freudenfeste durch diese blöden „Floyd aus der Asche“-Schlagzeilen in l’Equipe, aber der glücklichste Moment – der, indem seine Testosteronwerte bei der „Phoenix“-Etappe bekannt wurden – folgte ja noch. Ein Sport, der solche Protagonisten hat, ist den Asphalt nicht wert, auf dem er ausgeübt wird, Mr. Armstrong!
Aber jetzt ist ja alles in Ordnung. Oder – um mit Floyd, dem hüftkranken Testomonster, zu sprechen: „Die besten Fahrer starten in diesem Jahr bei den besten Rennen. So soll es sein.“ (Zitat aus dem oben verlinkten spon-Artikel). Da stellt sich die Frage: Wo bleibt die Lawine, die Gott für die Doper aufgehoben hat? Die Pius-Brüder können doch nicht schon alles gewesen sein.

Irgendwie tobt ja überall das Chaos. Da musste ich doch gestern über Baustellenradio erfahren, dass sich die Biathleten bei der WM in Südkorea verlaufen haben. Unter ihnen der wie üblich heftig speichelnde Ole Einar Björndalen, der erst dachte, er habe den WM-Titel gewonnen, dann doch nicht und dann doch wieder.
Fast zeitgleich verfuhr sich beim Giro della Provincia di Grosseto das gesamte Peloton, weil ein Streckenposten völlig desorientiert in der Gegend herum stand und sich schließlich total überrascht vor dem nahenden Feld mit einem beherzten Sprung in Sicherheit bringen musste. Das Rennen gewann dann wohl Daniele Pietropolli, der eigentlich am Ende des Feldes fuhr, aber relativ schnell gerafft hatte, dass das die falsche Richtung war.

„Fassungslos über soviel Dreistigkeit“ sind laut der Süddeutschen heute die deutschen und schwedischen Biathleten. Es geht um die aufgeflogenen russischen Läufer und die an diese absolut skandalösen Geschehnisse anknüpfenden „Morddrohungen“ gegen sogenannte „Dopingkritiker“. Diese „Kritiker“ stammen witzigerweise alle aus den Reihen der Biathlon-Aktiven.
Zitat Süddeutsche:
„Kati Wilhelm sagt: ‚Das ist schon starker Tobak, wie die Saitsewa hier auftritt.‘ Und Magdalena Neuner erzählt über die Kollegen aus Russland: ‚Die haben Superstimmung, sie sagten, sie hätten den dreien ’schönen Heimflug und viel Spaß‘ gewünscht. Wir sind manchmal fassungslos über so viel Dreistigkeit.‘ Gleichzeitig wachse die Ungewissheit über die eigene Glaubwürdigkeit. ‚Ich habe oft Angst, dass sich viele Zuschauer abwenden, von den Radfahrern sind sie ja auch schon verarscht worden‘, sagt Wilhelm.“
Eine berechtigte Angst – würde ich mal sagen. Aber auch irgendwie witzig. Als (Ex-)Radsportfan hat man das ja alles schon hinter sich. Die Entwicklung jetzt im Biathlon zu beobachten, entbehrt nicht eines gewissen morbiden Charmes. Erst kommen die Schwüre und Beteuerungen. Dann positive Proben. Und dann entweder die Flucht in ein Paralleluniversum („Ich habe nie jemanden betrogen – und das ist ganz groß!“) oder öffentliche Reue und der Versuch eines Neustarts wie z.B. in den Fällen Jaksche und Sinkewitz. Aus dem Neustart wird dann leider nichts, solange das System noch besteht und funktioniert. Und es funktioniert immer noch. „Lancer the Cancer“ macht es schließlich vor.
Dafür haben sie ihm bei der Amgen Tour of California (schon allein die Tatsache, dass ein Pharma-Unternehmen ein Radrennen sponsort, schlägt ja irgendwie dem Fass den Boden aus…) die Zeitfahrräder geklaut. Zumindest berichtet er das beim launigen Twittern. Konnte er gerade noch so einschieben zwischen einer Meldung über Dopingkontrolle #19 und einer Kurzinfo über Burger in Sausalito. Nun denn…
Weitere lustige News gibt es aus Österreich. Harry-Potter-Hasser und Schwulen-Heiler Wagner bricht unter massivem Druck von allen Seiten offenbar ein. Oops!
(Nebenbei muss ich feststellen, dass ich heute ein Faible für „Süddeutsche“-Verlinkungen habe. Und weiterhin nebenbei muss ich feststellen, dass mein Frankfurter-Skyline-Foto viel schöner ist als die in deren Artikel verwendeten.)
Zudem „droht“ die Regierung neuerdings den „Großverdienern“. Auch sehr witzig irgendwie. Wer hat die „Großverdiener“ nochmal in die komfortable Lage gebracht, „Großverdiener“ zu sein? Aber gut. Jetzt schwimmt man halt mit dem von Bild (die uns mit der genialen Wortschöpfung „Gier-Banker“ beglückt!) und Konsorten angestachelten Volkszorn. Bis zur Wahl dauert es ja nicht mehr sehr lange. Da volkstümelt es sich auch gerne mal so superbillig dahin. Angie hat ja alles im Griff: den Papst, den Klimaschutz, die Rettung von Arbeitsplätzen und die „Gier-Banker“. Wie hieß das noch damals in „Hart aber herzlich“? „Das ist Mrs. Merkel – eine Traumfrau. Einfach toll!“
Ach! Stimmt ja! Das ist ja ein BAUblog!!! Verdammt! O.k. – es gibt nichts Neues zu berichten. Ein Anruf des Bauherrn bei der Baubehörde verlief ergebnislos, da der betreffende Sachbearbeiter sein Telefon erst gar nicht abnahm. Ich würde jetzt wirklich zu gerne dessen Nachnamen hier zum Besten geben, weil der ist einfach… Hammer! Liegt irgendwo zwischen den Bildschen „Gier-Bankern“ und Ede Zimmermanns „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. Nein! Ich sag’s lieber nicht. Am Ende wird deshalb das Zwangsgeld fällig. Und dann bin ich schuld daran. Und das will ja sicher niemand *hihi*

Das Wochenende war hart. Sehr hart. Zweimal zehn Stunden nahezu ohne Pausen können ganz schön an die Substanz gehen. Wir haben in diesen zwanzig Stunden allerdings auch Beachtliches geleistet. Im Vergleich zu den professionellen Trockenbauern eigentlich Unglaubliches.
Ess- und Wohnzimmer sind fertig, Ankleide ist fertig, Würfel ist fertig.
Und die Wände sehen absolut sensationell aus. Minimale Fugen und die Balkenausschnitte sind wirklich auf den Millimeter genau zugeschnitten. Der Spachtelmann wird uns lieben – soviel steht fest!
Zudem hat der Bauherr in Pausen, in denen ich mit Zuschnitten für die komplizierteren Stellen beschäftigt war, den Hauswirtschaftraum komplett gedämmt. Die Küche wurde bei Einbruch der Dunkelheit noch OSB-beplankt. Der Bauherr testete sein neues Männerspielzeug – die Lochsäge.
In other words: Wir haben rangeklotzt wie die Tiere. Wie kommt es eigentlich, dass man dann am Abend zwar fertig, aber sehr, sehr zufrieden ist?
Meine tägliche Arbeit im Büro hat nicht annähernd den gleichen Effekt. Vielleicht macht körperliche Arbeit einfach glücklich? Vielleicht befriedigt es einen auch, abends ein Ergebnis zu sehen? Bei Büroarbeit gibt es ja kein echtes „Ergebnis“. Gut… Manchmal löst man ein Problem oder schließt einen Vorgang, in den man viel investiert hat. Fälle, in die man sich richtig reingehängt hat. Aber es ist immer etwas anderes als das Ergebnis echter „Arbeit“. Marx hin, Entfremdung her – ich bin echt stolz auf uns!
Am Mittwoch treffe ich mich mit Tom-I-even-call-you-on-the-phone-if-it’s-Saturday-or-not und dem Wolfitekten. Letzterer hat mich nicht gerade glücklich gemacht. Ich hatte ihm in der vergangenen Woche per Mail die Planung der Vorbauwand im oberen Bad anvertraut, weil wir absolut keine Zeit hatten, die Sache mit den Trockenbauern selbst vor Ort zu klären. Und er hatte ja immerhin darauf bestanden, so eine Art Baubetreuung zu übernehmen. Dass er für diese bezahlt wird, muss wohl nicht extra erwähnt werden.
Jedenfalls ist das Ergebnis bei genauerem Hinschauen nicht so wahnsinnig durchdacht. Die jetzt fertig gestellte Vorbauwand ist zwar vom ästhetischen Gesichtspunkt her in ihrem momentanen Zustand toll, aber die Frage ist doch, wie wir zwischen die Oberkante und die niedrigste Stelle des Dachs noch einen Spiegelschrank quetschen sollen. Da hat er sich anscheinend nicht gerade den Kopf zerbrochen. Meiner Ansicht nach muss die Wand deutlich zurückgebaut werden. Ein Punkt, den man mit unserem Herrn Bauleiter am Mittwoch ansprechen muss.
Ein Punkt von ca. zwanzig Punkten, auf die wir heute nach und nach gestoßen sind. Alle wurden in meinem „schwarzen Buch“ akribisch festgehalten. Schlauerweise habe ich mir zu Beginn der Bauarbeiten ein Moleskine-Buch nur für den Bau zugelegt. Ich liebe die Dinger! Das hier hat sich bereits vielfach bewährt. Verlieren darf man es natürlich nicht. Dann ist im wahrsten Sinne des Wortes „alles aus“. Weil in dem Ding einfach wirklich alles Wichtige notiert, eingeklebt und skizziert worden ist.
Um nochmal darauf zurück zu kommen: Tom rief am Samstag auf des Bauherren Mobiltelefon an, da die beiden am Freitag irgendwie telefonisch nicht zueinander gefunden hatten. Zu der „Zwangsgeld“-Sache meinte er nur, dass das ja wohl nicht wahr sein könne, da der gleiche Statiker bereits zwei weitere (mittlerweile abgeschlossene) Bauvorhaben im gleichen Landkreis betreut habe, und der Behörde demnach seine Zulassung sehr wohl vorliegen müsse. Das wird dann wohl morgen telefonisch mit der „Unteren Bauaufsichtsbehörde“ zu klären sein.
Der heutige Tag fand sein Ende in einer Wischi-wischi-Aktion im kompletten Erdgeschoss. Bauherrin: „Ich muss das noch machen. Ich schäme mich sonst am Mittwoch für den Zustand der Baustelle.“ Bauherr: „Du findest doch immer was, um dich zu schämen. Das ist unsere Baustelle. Und die kann aussehen, wie es uns gefällt.“ Bauherrin: „Mir gefällt es aber gekehrt besser.“ Bauherr: *grunz* *augenverdreh* *resignier*