Seid gegrüßt, Euer Hohlheit!

Es stand wieder einmal ein Synchronback-Wochenende – veranstaltet von Zorra und Sandra – an. Perfekt! Mitten in meinem Urlaub. Nun ist es ja nicht wirklich so, dass ich tatsächlich Urlaub hätte. Wir folgen ja nach wie vor DEM Plan. Und so fand ich mich nach Leiterhalte- und Hilfstätigkeiten für den Gatten, der sich in den letzten Tagen stur und unbeirrt mit Schleifgeräten erst über die Gartenmöbel, dann über die Terrasse und zuletzt über die holzverschalten Bauelemente hergemacht hatte, am Samstag Abend in der Küche wieder. Da war doch noch was…

Genau! Die Biga für die Rosette Soffiate nach einem Rezept von Petra – Chili & Ciabatta – musste noch vorbereitet werden. Und das, obwohl das Sofa äußerst eindringlich nach mir rief. Morgens war pünktlich mein Mehl eingetroffen: Tipo 0 Violett von bon’gu, das mir perfekt geeignet schien. Also frisch ans Werk!

Und: Nein! Ich stelle meine potthässliche Biga nach dem Anrühren nicht öffentlich zur Schau. Zumal es auch nur ein wahrhaft abscheuliches Handyfoto gibt, dass die Sache noch schlimmer macht. Sah aus wie ein fieser Teigklumpen in der 80er-Jahre-Dorfdisco-Stroboskop-Hölle. Danke auch, Edelstahlschüssel und Funzellicht!

So wie auf dem Foto sah sie jedenfalls morgens aus, als ich das gozitanische Küchenhandtuch lupfte. Puh! Erleichterung! Deutlich weniger abstoßend. Sogar außerordentlich vielversprechend. Ich hatte doch etwas Bedenken gehabt, weil ich die Hefe komplett aus dem Rezept gekickt hatte. Mein Sauerteig ist momentan allerdings so dermaßen aktiv, dass ich ihm den Job allein zutraute.

Die Biga ohne Namen aus dem Sauerteig ohne Namen landete in der Schüssel der Küchenmaschine ohne Namen. Sie drehten ein paar Runden – nach und nach gesellten sich die restlichen Zutaten hinzu. Was heraus kam, erfreute mich noch mehr. Was für ein hübscher Teig!

Total geschmeidig, aber nicht klebrig. Da wurden Träume wahr! Das hässliche Disko-Entlein hatte sich in einen formidablen Schwan verwandelt.

Nachdem ich ihn eine Weile begeistert betatscht, gefaltet, nochmal gefaltet und anschließend eingeölt hatte, sah er immer noch toll aus:

Ich war schon so ein bißchen verliebt. Das muss ich gestehen… Auch wenn mich irgendwann das schlechte Gewissen plagte. Ich spielte drinnen lustig mit Teig herum, während der Gatte die Fassadenarbeiten wieder aufgenommen hatte. Und durch die stundenlange Falterei war es leider auch nicht möglich, ihm die Brötchen zum Frühstück zu kredenzen.

Dann kam der Moment mit dem Apfelteiler. Wenn ich das Wort schon höre, bekomme ich Gänsehaut. Und das liegt daran: Eine Kollegin hatte sich irgendwann einen angeschafft, ihn aber dann doch nicht benutzt. Sie fragte mich, ob ich ihn haben wolle. Nicht, dass ich mir zum damaligen Zeitpunkt hätte vorstellen können, mit einem Apfelteiler etwas wirklich Sinnvolles anzustellen – aber wer bin ich, dass ich ein angebotenes Küchen-Gadget ablehne?! Ich nahm ihn entgegen und steckte ihn in meine Handtasche („Die Tasche einer Frau, der Magen einer Sau, der Inhalt einer Worscht sind auf ewig unerforscht!“).

Und es kam, wie es kommen musste. Ich vergaß ihn. Bis ich am nächsten Tag arglos in die Tasche griff. Ich erspare uns an dieser Stelle mal die blutigen Details. Mit verpflasterter Hand stopfte ich ihn mit Todesverachtung in die Mülltonne. Drecksding! Kleiner Exkurs beendet.

Es ging also ans Formen. Zum Nachbau der Originale entschied ich mich für eine Kombination aus rundem Vier-Zentimeter-Ausstecher und Messer. Funktionierte. Na also! Wer braucht schon dieses Apfelgedöns?! Je zwei Brötchen rollte ich ein und verknotete sie. Im Gedenken an die Italien-Urlaube meiner Kindheit.

Besonders das Jahr, indem meine Eltern ihr Schlafzimmer direkt über der Backstube der Apartmentanlage hatten, wird mir in dieser Hinsicht unvergesslich bleiben. Ab vier Uhr morgens hielt sie nichts mehr im Bett. Seltsam… Aber da war man dann halt früh am Strand und erwischte einen guten Sonnenschirm. Ach, Bibione! Manchmal vermisse ich dich schon…

Aber auch das ist ein völlig anderes Thema. Zurück zu den Brötchen! Selbst die aus der Erinnerung heraus geformten – eingerollt und verknotet -, sahen abgebacken nicht wirklich wie die aus Bibione aus.

Aber insgesamt war ich doch positiv überrascht. Vor allem nach dem ersten Test. Ich entdeckte zwar das essentielle Loch im Inneren nicht, aber das war egal. Sie schmecken hervorragend!

Hier erstmal mein abgewandeltes, lochloses Rezept:

Italienische Brötchen, die keine Rosette Soffiate geworden sind

Gericht: Brotkörbchen
Land & Region: Italienisch
Keyword: brot, synchronbacken
Autor: MrsFlax

Zutaten

für die Biga / Vorteig:

  • 400 g Weizenmehl Tipo 0 Violett, ersatzweise Manitoba
  • 120 g Wasser
  • 120 g aktiver Sauerteig seit einem Tag "angefüttert"

für den Hauptteig:

  • 40 g Weizenmehl Tipo 0 Violett
  • 55 g Wasser
  • 4 g Gerstenmalz flüssig
  • 10 g Salz
  • etwas Olivenöl

Anleitung

Ansetzen der Biga:

  • Mehl, Wasser und Sauerteig in die Schüssel der Küchenmaschine geben und bei Stufe eins vier Minuten kneten. Der Teig wird ziemlich klumpig. Ignorieren! Schüssel abdecken und bei Zimmertemperatur etwa 16 Stunden gehen lassen.

Herstellung des Hauptteigs:

  • Gerstenmalz und Wasser zum Vorteig geben und kurz ankneten lassen. Mehl zugeben und sechs Minuten auf Stufe eins kneten lassen. Salz zugeben und nochmals sieben Minuten auf Stufe zwei - oder bis sich der Teig vom Schüsselrand löst - durchkneten lassen. Arbeitsplatte mehlen, Teig darauf kippen, mit der umgestülpten Schüssel abdecken und etwa fünfzehn Minuten gehen lassen.

Teigbearbeitung:

  • Teig zu einem Rechteck ausrollen und von beiden Seiten zur Mitte falten. Dann nochmals in der Mitte zusammenklappen. Wieder fünfzehn Minuten gehen lassen.
  • Gleiche Prozedur wiederholen: Ausrollen, falten, falten, abdecken. Nochmals fünfzeh Minuten gehen lassen.
  • Teig zu einer straffen Kugel zusammenrollen und mit Olivenöl bestreichen. Wieder abdecken und dreißig Minuten gehen lassen.
  • Teigkugel achteln, Stücke rundschleifen. Teiglinge mit Mehl bestreuen und nochmals dreißig Minuten gehen lassen.
  • Teiglinge einschneiden (Original: mit einem Apfelteiler bearbeiten) oder einrollen oder verknoten und auf Backpapier nochmals eine Stunde gehen lassen.

Abbacken:

  • Gegen Ende der Gehzeit den Ofen mit Pizzastein und mit Wasser gefüllter Fettwanne auf 260°C Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Backpapier mit den Brötchen mit Hilfe eines Teigschiebers in den Ofen transportieren. Brötchen etwa zwanzig Minuten abbacken, bis sie oben schön gebräunt sind.

Und jetzt noch ein Blick auf den Anschnitt. Hohl? Not!

Und auf die drei Varianten, die ich geformt habe.

Und wer jetzt immer noch Lust auf Brötchen hat: Hier sind die Ergebnisse und Anleitungen meiner Mitbäckerinnen. Viel Spaß beim Stöbern!

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf
Birgit von Birgit D
Britta von Backmaedchen 1967
Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum
Geri von Lecker mit Geri
Désirée von Momentgenuss
Simone von zimtkringel
Katja von Kaffeebohne
Dagmar von Dagmars Brotecke
Ilka von Was machst du eigentlich so?!
Birgit M. von Backen mit Leidenschaft
Sandra von From-Snuggs-Kitchen
Bettina von homemade & baked
Christine von Anna Antonia-Herzensangelegenheiten

19 Kommentare

  1. Hallo Manuela,
    manchmal frage ich mich, wie groß Bibione war. Gefühlt ist Anfang der 70er jeder in Bibione im Urlaub gewesen. So viel Erinnerung habe ich daran gar nicht mehr, außer, dass die Brötchen in Italien schon immer besser geschmeckt haben.
    Deine Rosette, die keine sein wollen, sehen super aus.
    Liebe Grüße
    Katja

    1. Danke =)
      Wir waren mehrere Sommer hintereinander in Bibione. Wenn ich allein schon an diese Autofahrten über Alpenpässe denke… Und an die hartgekochten Eier und Leberwurstbrote in der Kühltasche. Ein Traum! 😀

  2. Autsch, da haben die bösen tiefen der Handtasche zugeschlagen…ich erwähne den….jetzt mal nicht ich denke das Trauma ist schon groß genug….deinen Brötchen sehen auch ohne des Einsatzes von… sehr gelungen aus. Das Loch braucht doch kein Mensch, ohne hat man viel mehr vom leckeren Brötchen.

    Herzliche Grüße
    Britta

  3. Deine Brötchen sind toll geworden! Egal ob mit, oder ohne Loch. Auch optisch sind sie ohne Apfelteiler richtig schön geworden.
    In meiner Kindheit waren wir auch gefühlt jedes Jahr in Bibione <3

    Liebe Grüße, Bettina

    1. Danke =)
      Bibione scheint tatsächlich ziemlich beliebt gewesen zu sein. Unser Highlight war immer, einmal am Tag zur Sandbank zu schwimmen. Und hinterher ein Eis an der Strandbar 😀

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.