Todesstrafe?! Und das soll ich entscheiden?!

Ja, da linst er schelmisch aus der Hecke, unser stolzer Landesvater. Die Wahlplakate im „Make Hessen great again“-Style zeigen ihn dabei in lustigen Denker- und / oder Beraterposen. Ich bin schon echt beeindruckt…

Jetzt will er von mir aber noch, dass ich zusätzlich über einige Verfassungsänderungen abstimme. Der Wahlbenachrichtigung liegt eine Din-A-4-Broschüre bei, in der das alles dem Hessen an sich nochmals gründlich erklärt wird. Fünfzehn Verfassungsänderungen sind es insgesamt. Interessant wird es bei Nummer vier: Gesetz zur Änderung der Artikel 21 und 109 der Verfassung des Landes Hessen (Aufhebung der Regelungen zur Todesstrafe)“.

Bislang war mir gar nicht klar, dass Hessen als letztes Bundesland die Todesstrafe noch in seiner Verfassung hat. Guuut… Im Prinzip ist dieser Artikel durch das Grundgesetz seit 1949 praktisch unwirksam. Aber es gibt ihn noch. Lieber Himmel!

Bisheriger Wortlaut: Artikel 21 (1) Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihm aufgrund der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen oder beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden.“ Ooopsi!

„Besonders schwere Verbrechen“… Könnte damit zum Beispiel auch das unsägliche „ZUKUNFT JETZT MACHEN“ auf den Plakaten der SPD gemeint sein?! Der Tod am Strang scheint mir für den genialen Kopf, der auf diese saublöde Infantilisierung gekommen ist, noch zu human. Hängt ihn höher!!!

Und wer hat #tsg18 aka Thorsten Schäfer-Gümbel eigentlich dazu gezwungen, vor Kameras Kinderwägen in ESWE-Busse zu heben und sich zusammen mit der Super-Nanny bei „Jugend forscht“ zu bewerben?! Und wieso erinnert mich das #tsg18 so an #r9 und #cr7?! Vielleicht noch ein Fußballplakat? Schließlich soll ja auch der Artikel 26g – Staatsziel zum Schutz und zur Förderung des Sports – geändert werden.

Mir macht das diesmal alles irgendwie Angst. Vor allem auch die beiden Einladungen zu Veranstaltungen mit Volker Bouffier und Christian Lindner. Lindner im Kurhaus, Bouffier in der Orangerie in Aukamm.

Ob es wirklich eine gute Idee ist, sich mit Bouffier in einer Straße zu treffen, die „Weinreb 23“ heißt?! Und ich bin mir auch nicht sicher, was es bedeutet, wenn zwei Tage später Lindner im Kurhaus „Die nächste Stufe Hessen“ zündet. Wie gesagt: Es macht mir Angst.

Am meisten Angst macht mir allerdings der hessische FDP-Kandidat. Da wäre erstmal sein Name: René Rock. R-E-N-É-R-O-C-K! Das klingt nach Iggy Pop aus dem Osten, wenn man mich fragt. Da kommt er aber nicht her. Sondern aus Offenbach. Passt auch.

Und ich finde, er sieht auch nicht wirklich nett aus. Und im Gegensatz zu den Lindner-Fotos scheint man hier in der FDP-Zentrale auch etwas sparsam unterwegs gewesen zu sein. „Hey, René, vergessen wir das mit dem Fotografen. Du hattest doch letztens die tollen Handyfotos, die deine Frau gemacht hat. Wir nehmen die.“ René Rock: „O yeah!“

So oder so ähnlich wird das schon abgelaufen sein. Da bin ich sicher. Und ob er „die Welt“ wirklich zum Besseren verändern will? Ich nehme es ihm nicht ganz ab.

Auf dem zweiten Foto sieht er noch böser aus. Mehr wie der „Pate vom Sonnenberg“. Er IST praktisch das „Gesetz der Straße“. Und ich glaube auch nicht, dass er wirklich die Todesstrafe abschaffen will. Das sieht man ihm doch an, dass er die so übel gar nicht mal findet! Das Foto hat was von einem gefährlichen, neoliberalen Lenin. Sorry, Genosse Lenin!

Und wo wir gerade so einen gemütlichen Plausch über die Todesstrafe und gefährliche Menschen halten: Nehmt dies!

Klaus Gagel – die „frische Kraft für Hessen“ – in wunderbarem farblichem Einklang mit den Altkleidercontainern am Wiesbadener Nordfriedhof. Was für ein herrliches Arrangement!

Ich werde Herrn Gagel, der für den Rheingau-Taunus-Kreis antritt, hier sicher nicht verlinken, kann aber jedem empfehlen, mal seine Seite zu gageln… ääähhh… googlen. Die gibt es offensichtlich seit achtzehn Jahren. Und höchstwahrscheinlich hält er seither am identischen „Design“ fest, der Herr Gagel – laut eigener Aussage „Privatinvestor mit akademischem Hintergrund“. Brrrrr… Da schüttelt’s mich ein wenig…

Seine „Interessen“ laut Homepage: „Meine Kinder, Ski, Wandern, Segeln, Ausgehen, Wiesbaden, Rheingau, Meteorologie und Klimatologie, Finanzmärkte, Austrian School, Gold, Politik, Immobilien“.

„… Gold, Politik, Immobilien“. Warum nicht gleich noch „Blutdiamanten, Totalitarismus, Entmietungen“?! Sympathischer Typ. Durch und durch!

Womit wir wieder bei der Todesstrafe wären. Man steckt in einer Zwickmühle. Prinzipiell fielen einem ja schon eine Reihe von Leuten ein, die sich „besonders schwerer Verbrechen“ schuldig gemacht haben bzw. sich derer noch schuldig machen könnten, und die man recht gerne beim Sonntagsspaziergang auf dem Neroberg baumeln sehen würde. Aber was, wenn genau diese Leute an die Macht kommen?! Dann baumelt man am Ende selbst auf dem Neroberg. Und das hilft uns ja allen nicht wirklich weiter.

Der Wiesbadener SPD-Kandidat Dennis Volk-Borowski wirkt dagegen recht sympathisch. Doppelnamen bei hessischen Genossen sind ja gerade voll im Trend. Und dann hat das auch noch so was von „Volksborowski“. Als ob die BLÖD ihn anbieten würde. Wie das „Volkshandy“, die „Volksbibel“ und den „Volksrasierer“. Jedem Bürger seinen Borowski! Wir haben ein Recht auf Borowskis. Wir sind nämlich nicht nur Hessen. Nein! Wir sind #starkeshessen!!! So.

Und ich denke jetzt nochmal ein bißchen über die Todesstrafe nach. Aber was nutzt mir schon eine Todesstrafe, die durch das blöde Grundgesetz ausgehebelt wird?! Eben. Nix. Menno.

6 Kommentare

      1. Wie das legendäre Team Livewrong? :idee:

        Täusche ich mich, oder fällt der Wiederaufstieg der FDP mit dem Ende von Team Livewrong zusammen? Ich fürchte, wir haben einen schrecklichen Fehler gemacht… X(

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