Übernehmen Sie, Doppel-Null!

Gnocchi. Definitiv ein Job für die Doppel-0 unter den Mehlen. Das war mir bislang alles so nicht klar. Gnocchi gab es bereits öfters – und in verschiedenen Varianten. Manchmal waren sie gut, manchmal doof – und ab und an mal perfekt. Ein echtes Rezept gab es nie, weil ich stets rumprobierte, nachjustierte und es sich dann nicht mehr nachvollziehen ließ, was denn nun so drin war. Das änderte sich gestern. Und zwar schlagartig.

Ich beschloss nämlich, einfach mal wen zu fragen, der sich damit auskennt. Clevere Idee. Ich tarnte mich also als Italienerin und gab „gnocchi di patate tipo di farina“ in die Suchmaschine ein und fühlte mich wie eine Geheimagentin mit der Lizenz zum Kneten. Und fand eine geniale Anleitung. Es stellte sich heraus, dass das Ei in den Gnocchi eine ähnliche Glaubensfrage ist wie das Ei in der Pasta. Zumindest für Italiener. Auf die Idee, Gnocchi ohne Ei zu machen, war ich bislang nicht gekommen. Einen Versuch war’s wert.

Ich habe mal die italienische Abhandlung kurz zusammengefasst und mich bei meinem Test akribisch an die wichtigsten Punkte gehalten:

Gnocchi di Patate

Gericht: Pastateller
Keyword: gnocchi
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 1 kg mehligkochende Kartoffeln
  • 250 g Mehl, Tipo 00
  • Salz
  • reichlich Butter zum Anbraten

Anleitung

  • Das wird jetzt mehr eine Anleitung als ein Rezept. Aber legen wir mal los.
  • Die Kartoffeln müssen zwingend mehlig-kochend sein. Und am besten keine ganz frischen aus neuer Ernte, sondern ältere. Sie werden in ungesalzenem Wasser gargekocht und anschließend heiß abgezogen und durch die Kartoffelpresse gedrückt. Jetzt dürfen sie erstmal auskühlen.
  • Sobald die Kartoffeln abgekühlt sind, Mehl unterkneten. Wichtig: Möglichst wenig kneten, locker einarbeiten. Übermäßiges Geknete macht den Teig unfluffig. Das Originalrezept geht von 250 bis 300 Gramm Mehl aus. Ich startete mit 250 Gramm, wäre aber vermutlich auch mit etwas weniger ausgekommen. Das liegt immer auch an der Kartoffelsorte. Also: Mit 200 Gramm beginnen, gegebenenfalls nochmals nachlegen.
  • Aus dem Teig kleine Kügelchen formen und diese jeweils mit einem kräftigen Ruck über das Gnocchibrettchen rollen bzw. über die Gabel. Auf leicht bemehlter Fläche zwischenlagern. Bei mir genügte Backpapier. Der Teig klebte null.
  • Da bisher noch keinerlei Salz an den Gnocchi ist, das Kochwasser wirklich kräftig salzen. Kurz aufkochen, Hitze etwas reduzieren, eine Portion Gnocchi hineingeben, Hitze wieder erhöhen und kurz wallend aufkochen. Hitze wieder runter und warten, bis die Gnocchi an die Oberfläche kommen. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und auf Küchenkrepp kurz abtropfen lassen. Mit den restlichen Gnocchi ebenso verfahren.
  • Von meinen 99 Gnocchi, die ich an dieser Stelle hatte, legte ich 30 fürs Abendessen weg. Den Rest fror ich ein. Dazu mit etwas Abstand auf ein mit Folie bezogenes Schneidbrett legen, mit weiterer Folie abdecken und in die Gefrierung geben. Wenn die Gnocchi gefroren sind, portionsweise in Tüten einfrieren.
  • Vor dem Servieren in reichlich Butter goldbraun anbraten.

Und heraus kamen die perfekten Gnocchi. Man fasst es nicht! Sie waren vor dem Kochen perfekt, sie waren nach dem Kochen perfekt – und sie waren nach dem Anbraten immer noch perfekt. Und einfacher geht’s wirklich nicht. Ich bin sicher, dass das echt nur am Doppel-0-Mehl liegt. Gottlob kriegt man es mittlerweile auch in gut sortierten Supermärkten.

Dazu gab es eine Roquefortsauce (ich schätze, jeder Italiener mit etwas Stolz im Leib – also alle – hätte mich dafür bedenkenlos getötet…) und zur Tarnung zwei knusprig ausgebratene Scheiben Prosciutto Crudo obendrauf. Und reichlich Champignons dazu. Also Funghi meine ich natürlich.

Mission accomplished! Gelingsicheres Gnocchi-Grundrezept gefunden. Check!

And now to something completely different! Das da oben bin ich. In der einen Hand halte ich das Handy im Selfie-Modus, in der anderen eine Schüssel mit knapp einem Kilo Zwiebelwürfel. Wenn meine Taucherbrille nicht so dermaßen beschlagen gewesen wäre, könnte man sehen, dass ich null geheult habe. Und genau das war der Plan!

Wir leben ja nun hier in einem Taucherhaushalt. In unserer EG-Dusche hängt ein Taucheranzug, was an meinem runden Geburtstag im vergangenen Jahr für allerlei Kurzweil gesorgt hat. Zum Geburtstag vorher hatte mir der Gatte – er will es nicht aufgeben – eine Schnorchelausrüstung geschenkt. Brille, Schnorchel, Flossen. Ich sag’s gleich: Bisher wurden sie nicht genutzt, aber eventuell ändert sich das demnächst. Also rein bestimmungsgemäß. Die Brille wurde jedenfalls heute eingeweiht. Zum Zwiebelschneiden.

Ich fühlte mich zwar dabei ein wenig wie Hannibal Lecter, aber ich heulte absolut nicht. Das wollte ich schon die ganze Zeit über mal testen. Test gelungen! Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse, säbelte ich mir zwar bei der vorletzten Zwiebel in den Mittelfinger, aber auch das brachte mich nicht zum Heulen. Die Sichtverhältnisse waren übrigens deshalb so schlecht, weil mir immer noch die Nase läuft. Unappetitliche Sache das. Ich gehe an dieser Stelle mal nicht in die Details.

Eh egal. Um 11 Uhr stand der Topf auf dem Herd und blubberte gemütlich vor sich hin. Und so sollte das auch für die nächsten Stunden bleiben.

Rindsgulasch

Gericht: Rustikaler Teller, Suppenteller
Keyword: gulasch
Autor: frei nach Franz Keller

Zutaten

  • 800 g Rindfleisch aus der Oberschale
  • 800 g Zwiebeln
  • Butterschmalz
  • 3 Knoblauchzehen
  • 130 g Tomatenmark
  • 1 EL Paprika, scharf (hier: Pimentón de la Vera)
  • 1 EL Paprika, edelsüß (hier: azoranisches Pimentão doce)
  • 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 1 TL getrockneter Wildthymian
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 TL Salz
  • 400 g Tomaten (hier: ein Glas Ofentomaten aus dem eigenen Garten)
  • 250 g meiner selbst eingekochten scharfen Paprika (ersatzweise: zwei Paprikaschoten, eine rot und eine grün)
  • 400 ml trockener Rotwein
  • 1 große Karotte
  • 400 g Kartoffeln
  • 1 l Rinderfond
  • l Gemüsefond
  • 200 g Saure Sahne
  • Smoked Tabasco Chipotle nach Belieben
  • Salz, Pfeffer

Anleitung

  • Rindfleisch und Zwiebeln sehr fein würfeln. Zwiebelwürfel in Butterschmalz goldbraun anbraten. Fleisch zugeben und bei starker Hitze fünf Minuten scharf anbraten.
  • Tomatenmark zugeben und ebenfalls etwa eine Minute mit anrösten. Knoblauch, Gewürze, Paprika und Tomaten zugeben und unter Rühren eine weitere Minute anrösten. Mit Rotwein ablöschen und diesen fast vollständig einkochen lassen.
  • Möhre und Kartoffeln sehr fein würfeln. Zusammen mit dem Fond zugeben. Etwa drei Stunden bei offenem Deckel und mittlerer Hitze schmoren lassen. Ab und an umrühren.
  • Zuletzt zwei Suppenkellen Soße abschöpfen und mit der Sauren Sahne aufrühren. Wieder zugeben. Einrühren. Suppe mit dem Tabasco und evtl. Mit Salz und Pfeffer (eher unnötig) abschmecken.

Da zu Gulaschsuppe eigentlich frisches Brot Pflicht ist, konnte ich gleich noch ein „auf Halde“ liegendes Rezept testen. Ich habe es am Freitag zum zweiten Mal ausgedruckt, da ich die erste Ausgabe nicht mehr finden konnte. Ein klassischer Fall von „Arme Erben“. Sie werden Hunderte von Rezepten in meinem Nachlass finden, die ich Zeit meines Lebens verkramt habe. Und sie entsorgen müssen.

Das Teigkneten ging ohne beschlagene Brille. Ich brauchte nur einen Gummihandschuh für meinen lädierten Finger. Mit dem schwarzen Handschuh UND der Brille hätte ich wahrscheinlich vor mir selbst Angst bekommen und sicherheitshalber meine Leber vor mir versteckt.

Das Rezept für die Buttermilch-Dinkel-Brötchen stammt von hier: „Lecker-macht-süchtig“. Der Teig ging ganz ausgezeichnet auf. Nach dem Durchkneten verschwand die eine Hälfte im Kühlschrank. Aus der zweiten produzierte ich insgesamt 16 Brötchen, die etwas kleiner als handelsübliche Exemplare waren.

Buttermilch-Dinkel-Brötchen

Gericht: Brotkörbchen
Keyword: brot
Autor: MrsFlax

Zutaten

  • 1 kg Dinkelmehl, Type 630
  • 35 g Backmalz
  • 20 g Salz
  • 42 g frische Hefe
  • 1 TL Zucker
  • 300 ml Wasser
  • 300 ml Buttermilch

Anleitung

  • Mehl, Backmalz, Salz und Zucker in der Schüssel der Küchenmaschine vermischen.
  • Wasser und Buttermilch in einem Topf leicht erwärmen und die Hefe darin auflösen
  • Hefemischung zur Mehlmischung geben und zu einem glatten Teig verkneten.
  • Den Teig an einem warmen Ort abgedeckt 45 Minuten gehen lassen.
  • Den Teig portionieren, nochmals kurz jedes Teigstück durchkneten und zu einer Kugel formen.
  • Den Backofen auf 230°C Ober- und Unterhitze aufheizen und Wasser in die Fettpfanne geben.
  • Die Teiglinge mit etwas Mehl bestäuben und mit Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Lochblech legen. Nochmals 20 Minuten gehen lassen.
  • Jedes Brötchen vor dem Backen in der Mitte kreuzförmig einschneiden.
  • Brötchen etwa 15 Minuten bei 230°C Ober- und Unterhitze goldbraun abbacken.

Und das Beste: Die Dinger schmecken wie sie aussehen. Ich sag’s ja: Ich habe gerade einen echten Lauf.

Zur Gulaschsuppe schmeckten sie ganz hervorragend. Und als schnelle Frühstücksbrötchen fürs Wochenende sind sie auch geeignet. Zumal man den Teig ja bereits am Vortag herstellen und im Kühlschrank zwischenlagern kann.

Und damit ist das Wochenende ja irgendwie auch schon wieder vorbei. Und mir graut schon vor der kommenden Büro-Woche. Zur Zeit ist es anstrengend. Also anstrengender als üblich. Und das wird sich auch bis November 2019 nicht ändern. Im Gegenteil. Es wird wahrscheinlich noch schlimmer bis dahin. Andererseits: Wie schlimm kann es schon werden mit einer Gulaschsuppe an der Seite?! Und mit dem Wissen, dass jede Menge Leute mehr Angst vor der 5%-Hürde als vor Andrea Nahles haben.

4 Kommentare

  1. Hallo Manuela,

    das Gnocchi-Rezept wird auf jeden Fall ausprobiert, vielleicht gelingen selbst mir damit mal fluffige Exemplare, statt zäher Tennisbälle! 😀

    Beneidenswert, dass es das Typo 00 schon in die besseren Supermärkte geschafft hat. Ich habe hier mit Müh und Not mal welches in einer italienischen Trattoria aufgetrieben, die auch ein paar italienische Spezialitäten verkauft. Irgendwie lebe ich in einer kulinarischen Wüste! ‚-p

    LG
    Nessa

      1. Hätte ich auch gern. * seufz * Tegut gibt’s hier oben im Norden soweit ich weiß nicht. Die Fischabteilung scheint auch der Hammer zu sein, nach dem, was Du immer so anschleppst. 🙂

        1. Tegut gibt’s nur in Hessen glaube ich. Und in angrenzenden Randgebieten der Nachbarbundesländer. In Mainz macht im Sommer auch noch einer auf. Allein die Gemüseabteilung ist genial. Der Fisch sowieso. Bin echt froh, dass ich den hier habe 🙂

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