42 – oder: Verdammt!

Mit der 42 – der Antwort auf alle Fragen – begann gestern das Elend. Eigentlich hatte ich sie als gutes Zeichen gedeutet – und sogar fotografiert. 42 von mir nicht beantwortete Anrufe – auf eine Sammelnummer weitergeleitet. Gefiel mir. Da war die Welt aber auch noch in Ordnung.

Etwa zehn Minuten später war alles irgendwie blöd. In diesen zehn Minuten hatte ich meinen Arbeitsplatz verlassen und mich zum Auto begeben. Ich war eingestiegen, hatte den Rückwärtsgang eingelegt, war aus der Parktasche zurückgesetzt – und hatte dann einen vollkommen schwabbeligen Schalthebel in der Hand gehabt. Das Auto fuhr noch, aber ausschließlich im ersten Gang. Verdammt!

Ich fuhr schlich die Straße hoch, bog rechts ab, bog nochmals rechts ab und sah eine Werkstatt. In diesem Moment wurde mir schlagartig klar, dass ich mit diesem Auto in diesem Zustand eventuell doch nicht nach Hause fahren könnte. Ich rollte auf den Hof der Werkstatt und traf auf den ausgesprochen netten Inhaber. Guuut… Er sah das Auto und meinte „Fiat…“, aber ich verzieh ihm. Er wusste, was es war (gerissener Schaltzug) und orderte innerhalb von Minuten Ersatzteile. Erst als er den Schlüssel von mir wollte, wurde mir endgültig klar, dass ich da jetzt ohne Auto stand. 35 Kilometer von zu Hause. Verdammtverdammt!

Da blieb nur eins: Den Gatten anrufen und um Abholung bitten. Er fuhr los. Während ich auf einer glühend heißen Bank vor dem Bürogebäude meines Arbeitgebers auf ihn wartete, kam mir die Idee, einen Leihwagen zu nehmen. Für zwei Tage. Könnte klappen. Ein Kollege, der gerade Feierabend machte, fuhr mich zur nahegelegenen Autovermietung. Man bot mir einen BMW X3 – etwas anderes war nicht mehr verfügbar – für EUR 95,- pro Tag an. Ääähhh… Nein. Danke. Dann laufe ich lieber. Der Kollege fuhr mich freundlicherweise wieder zu der glühend heißen Bank zurück, an der mich kurz darauf der Gatte einsammelte.

Blöderweise musste ich heute – aus Gründen – nicht an meinen Arbeitsplatz, sondern in ein Hotel in Kirchheimbolanden. Eine Mitfahrgelegenheit ab Bingen hatte ich schon seit Tagen. Aber wie nach Bingen kommen?! Da blieb nur der ÖPNV, dem ich – ebenfalls aus Gründen – vor einigen Jahren abgeschworen hatte. Nun denn. Muss dann ja wohl. Nach zweimaligem Umsteigen in Wiesbaden und Mainz sammelte mich eine Kollegin in Bingen (Rhein) Hauptbahnhof ein und nahm mich mit zum Mitfahrerparkplatz in Bingen-Kempten. War doof, aber erträglich.

Mittags rief ich in der Werkstatt an. Ja. Das Auto sei fertig. Ich könne es abholen. Perfekt! Ein Kollege bot mir an, mich nach Mainz zu fahren. Ich weinte fast vor Glück. Als wir nach Feierabend Richtung Mainz durchstarteten gerieten wir zunächst in eine Straßensperrung. Da stand mitten auf der Straße ein rettungsbewesteter, kirchheimbolandener Ureinwohner, winkte mir einer Kelle und schrie „Do enuff!“. Und das äußerst ausdauernd. Das hatte was vom vogonischen „Widerstand ist zwecklos!“. Wir schafften es dann trotzdem irgendwann, Kibo zu verlassen. Irgendwie. Unter zahlreichen „Do enuff!“s und hysterisch-kindischem Gelächter.

Wir trafen in Mainz ein. Ich holte das Auto ab. Ich war wieder glücklich. Ich fuhr los – und zwar direkt in einen Stau. Auffahrunfall. Danke.

Egal. Alles war gut. Das Puntili und ich waren wieder vereint, wenn auch etwas ärmer. Schaltkulissenaus- und -einbau, Schaltzugerneuerung und Einstellen und Schmieren der Schaltung kriegt man halt nicht geschenkt. Als etwa auf Höhe der Abfahrt Gonsenheim ein seltsamer Piepton die traute Zweisamkeit zerstörte und auf dem Display vor mir drei Lämpchen aufleuchteten, war die Partystimmung schlagartig verflogen. Eins der Lämpchen war ein Ausrufezeichen in einem Warndreieck, eins konnte ich nicht deuten – und eins war die Motorkontrollleuchte. Verdammtverdammtverdammt!

Was – in drei Teufels Namen! – war denn nun das wieder?! Ich fuhr – relativ schweißgebadet – in Schierstein ab, weil ich dachte, dass es nicht wirklich gut sein könne, mit brennender Motorkontrollleuchte lustig durch die Gemarkung zu fahren. Die erste Werkstatt, auf die ich traf, gehörte zu einem „Opel“-Autohaus. Man schickte mich weg. Da hinten sei irgendwo ein „Fiat“-Autohaus. Bei „Fiat“ stand ich dann etwa zehn Minuten komplett unbeachtet im Verkaufsraum bis mir der Kragen platzte. Ich rauschte wortlos ab. Und beschloss, die Kiste würde es schon noch bis fast nach Hause zu meiner eigentlichen Stammwerkstatt schaffen. Ich schwitzte weiter (waren ja auch über 30 Grad im Innenraum des piependen und leuchtenden Puntilis…) und schaffte es tatsächlich.

Das Auslesen des Fehlerspeichers sorgte einerseits für Erleichterung, andererseits dafür, dass ich ein tolles neues Wort lernte: Gangwählhebelsensor! Allein dafür hatte sich das ganze Drama schon gelohnt. Wie herrlich das klingt!

Ich fuhr vom Hof – und die Lämpchen gingen wieder an. Und es piepste. Egal! Morgen werde ich erstmal in der Frühstückspause bei meinem neuen Schaltkulissenfreund („Schaltkulisse“ kannte ich vorher übrigens auch nicht) vorbeischauen und ihn sehr bestimmt bitten, die Funktion meines Gangwählhebelsensors zu korrigieren. Ich finde, das ist er mir schuldig.

Und wenn morgen wieder 42 unbeantwortete Anrufe auf meinem Telefon auflaufen sollten, lösche ich sie. Mit Todesverachtung. Pah!

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