„The world is klausing in“…

Jetzt hat sich seit dem letzten Blogpost aber einiges aufgestaut. Also an Material. Zwei Wochen lang fehlte mir allabendlich die Kraft, mich noch an den Rechner zu schleppen. Selbst gekocht wurde hier nicht mehr regelmäßig. Der Gatte musste sich gar am ein oder anderen Abend ein Brötchen belegen! Skandal! Steinigt mich! Und am Wochenende stand ich dann den wortwörtlichen Auswüchsen meines Zucchinibeets gegenüber. Aber versuchen wir mal, es in irgendeiner Art und Weise der Reihe nach anzugehen, statt schon wieder endlos zu jammern.

Beginnen wir einfach mit dem Fisch oben. Es handelt sich um eine Lachsforelle. Eigentlich wollte ich zwei kaufen, aber als ich sah, wie riesig das Vieh war, begnügte ich mich mit einer. Und sie war wirklich ein Traum – nur mit Kräutern, Limette, Olivenöl, Salz und Pfeffer im Ofen gegart. Dazu Bratkartoffeln und ein paar Tomaten aus dem Garten. Ein perfektes und schnelles Essen, das einen mit einem deutlich weniger perfekten und sehr langen Montag versöhnte.

Apropos „Tomaten“: Sie sind etwas spät dran in diesem Jahr, aber sie geben sich Mühe. Und das möchte ich hiermit anerkennen. Sie hängen sehr voll, färben sich aber nur zögerlich. Vermutlich haben sie einen perfiden Plan geschmiedet und werden alle gleichzeitig reif, damit ich nicht aus der Übung komme beim Einkochen.

Weitere Sorten, die in den letzten Tagen reif wurden und getestet werden konnten, waren die „Schwarze Pflaume“,…

… der überaus fruchtige und geschmacksintensive „Smaragdapfel“…

… und die „Evergreen“ – #greennotgreen -, die seltsamerweise plötzlich deutlich rot war. Das Saatgut war gekauft. An mir kann es also nicht liegen. Ich neige ja ab und an dazu, beim Beschriften ein wenig zu schludern…

Diesmal habe ich mir allerdings absolut nichts vorzuwerfen. Zumindest DIESEN Fehler hat jemand anders gemacht, falls es einer ist. Bei der Google-Suche nach der Evergreen stieß ich auf einige rot-gestreifte Fotos. Seltsam, aber so steht es geschrieben. Möglicherweise muss das so?! Aber wer hat sich dann den Namen ausgedacht?! Egal. Schmecken tut sie jedenfalls hervorragend.

Was auch reif wurde, waren die ersten Gurken. Und da auch wieder Zucchini ihrer Vernichtung harrten, legte ich beide süß-sauer ein. Den Unterschied schmeckt man anschließend kaum heraus, sodass man z.B. in Rouladen unauffällig Zucchini statt Gurken schmuggeln kann. Und keiner merkt’s.

An dieser Stelle muss ich mal kurz unterbrechen, weil ich feststelle, dass ich nicht mal ein Foto von den Einmachgläsern gemacht habe. Was ist nur mit mir los?! Das gab es in Jahren nicht.

— 15 Minuten später —

Na toll. Jetzt habe ich eins gemacht, finde es aber doof. Egal. Gurkengläser sind so wahnsinnig attraktiv und selten  ja nun auch nicht. Vergessen wir das einfach.

Apropos „Vergiss es!“: Letzten Dienstag hatte ich einen klassischen Gaffer-Moment. Als der Gatte sehr spät nach Hause kam, machte ich nicht mal eine Rettungsgasse für ihn frei. Ich saß vor dem Fernseher und starrte gebannt auf den „Großen Zapfenstreich“ zu Uschis Ehren.

Und als ob die militärischen Ehren, der saublöde Kommentar („Heeresmusikskorps“ – zum 100sten Mal…) und das gerührte Uschi neben ihrem bebrillten saarländischen Monchichi noch nicht schlimm genug gewesen wäre, hatte es sich die Scorpions gewünscht. Die S-C-O-R-P-I-O-N-S!!! Die überflüssigste Band aller Zeiten!

„… An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change…“

Das machte mich fassungslos. Und sehr traurig. Aber was hatte ich erwartet?! „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ von Ton Steine Scherben in einer Blasmusikversion?! Der Gatte schaltete um. Danke! Und für diese Entscheidung brauchte er nicht mal einen externen Berater.

„… Walking down the street
Distant memories
Are buried in the past forever…“

Am nächsten Tag erhielt ich eine Mail. Eine Mail meines Handy-Providers. Wer erinnert sich noch an mein Rumgeheule von letzthin? Der Anfang klang schon mal wie eine Grabrede („Wir verlieren Sie ungern als Kunden, respektieren andererseits Ihre Entscheidung.“) – aber dann kam es: „Hiermit bestätigen wir Ihnen die Kündigung für den Vertrag mit der Nummer 63586456. Ihr Vertrag endet zum 11.10.2019.“ DAS war ein Moment für eine Fanfare des Heeresmusikkorps! Wo ist es, wenn man es mal braucht?!

Dann stand da noch: „Sie können Ihre Kündigung übrigens bis 7 Tage vor Vertragsende zurücknehmen.“ Einen Teufel werde ich tun! Es hat von Ende Juni bis jetzt gedauert, bis ich aus der Nummer raus war. Da werde ich sicher meine Kündigung übrigens keinesfalls zurücknehmen. Danke für nichts!

Kommen wir  – ich wische mir nur flott den Schaum vom Mund – zur Abwechslung mal wieder zu etwas Nettem. Seit dem Sardinien-Urlaub hatte ich über diese Kartoffel-Zucchini-Küchlein nachgedacht. Und dann habe ich einen Versuch gestartet, der auf Anhieb äußerst gelungen war. Hier ist er:

Tortini di Patate, Zucchine e Formaggio

Zutaten

  • 300 g gekochte Pellkartoffeln
  • 300 g Zucchini
  • 2 hellgrüne, kleine Paprika (oder eine gelbe oder rote normaler Größe)
  • etwas frischer Thymian
  • 100 g Pecorino
  • 50 g Parmesan plus etwas zum Darüberstreuen
  • 1 Ei
  • Paniermehl
  • Olivenöl, Salz, schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  • Pellkartoffeln durch eine Kartoffelpresse drücken und auskühlen lassen.
  • Zucchini und Paprika sehr fein würfeln. Sehr, sehr fein.
  • Etwas Olivenöl erhitzen und die Paprikawürfel darin anbraten. Zucchini zugeben und ebenfalls mit anschwitzen. Nicht weich garen! Salzen und pfeffern.
  • Pecorino fein würfeln. Parmesan reiben. Thymian hacken.
  • Kartoffelbrei, Gemüse- und Pecorinowürfelchen, Ei, Thymian und Parmesan mischen und abschmecken. Eventuell nachwürzen.
  • Muffinförmchen fetten und mit Paniermehl ausstreuen. Kartoffelmasse bis zum Rand einfüllen und festdrücken. Mit Paniermehl und geriebenem Parmesan bestreuen und etwas Olivenöl darüber träufeln.
  • Bei 200°C Ober-/Unterhitze etwa 30 Minuten garen. Schließlich kurz unter dem Grill überbacken. Die Küchlein können heiß oder kalt serviert werden.

Die Dinger waren göttlich, was allerdings auch an den hellgrünen, mallorquinischen Paprika lag, deren Geschmack deutlich hervorkam. Abgekühlt sind die Küchlein auch hervorragend für ein Picknick oder Buffet geeignet. Ich fand sie am zweiten Tag – durchgezogen und kalt – fast noch besser.

Gute Nachricht übrigens: „Julia Klöckner will mehrere Millionen Bäume pflanzen“ (FAZ-Link). Nahezu genial. Und wenn sie mit den winzigen Setzlingen und ihren Bewunderern den deutschen Wald gerettet hat, kann sie gleich am Amazonas weitermachen. Das sollte dafür sorgen, dass sie erstmal keine Zeit mehr hat, sich mit „wichtigen“ Menschen aus den Führungsetagen der Nahrungsmittelindustrie zu treffen und dummes Zeug von sich zu geben.  Oder hochgiftige Pflanzenschutzmittel zuzulassen. Oder noch mehr Schweine in winzige Ställe zu pressen.

„… I follow the Moskva
Down to Gorky Park (der kann bestimmt auch ein paar Bäume vertragen)
Listening to the wind of change…“

Das „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“. Mir war schon beim „Gute-Kita-Gesetz“ schlecht. Das macht es jetzt nicht wirklich besser. Am besten helfen die Verantwortlichen aus den Werbeagenturen, die sich die Namen dieser gerade inflationär auftauchenden Adjektiv-Substantiv-Gesetze und -Gesetzentwürfe ausgedacht haben, beim Pflanzen. Spaten nehmen und ab in den Wald, Jungs! Und erst wieder rauskommen, wenn ihr mit Julia mehrere Millionen Bäume gepflanzt habt! Ach! Und nehmt bitte Klaus Meine mit.

Häkeln kann ich übrigens auch empfehlen. Das beruhigt. Jedenfalls sofern man ausreichend Garn besorgt hat. Wenn einem allerdings wie mir exakt ein Knäuel fehlt, um die Arbeit eines Wochenendes abzuschließen, beruhigt es nicht wirklich. Was habe ich mir nur dabei gedacht?!

Nachdem ich dieses Netz im Netz (sensationelles Wortspiel!) gesehen habe, musste ich es haben. Also erstmal Wolle geordert. Da die allerdings erst Dienstag eintreffen wird, zog ich am Samstag los, um schon mal welche für einen Probelauf zu besorgen. Ganz tolle Aaach-das-langt-schon…-Idee. Für die Henkel langte es dann leider nicht mehr. Drei Reihen rundum fehlen. Grrrr… Jetzt muss ich morgen wegen eines einzigen blöden, moosfarbenen Knäuels nochmal los.

Ich glaube jedenfalls, dass das meine neue Marktfrühstück-Wochenmarkt-Tasche werden könnte. Und ich fürchte, ich brauche sie noch in ein paar weiteren Farben. Das macht aber nichts. Denn die Häkelei hat mich an diesem Wochenende tatsächlich sehr entspannt. Und Entspannung war bitter nötig. Im Prinzip müsste ich jetzt Hunderte von diesen Taschen häkeln, um einen echten Ausgleich zu erzielen.

Ich könnte aber auch einfach noch einen kleinen Windbeutel mit Ziegenfrischkäse-Tomaten-Rucola-Schwarze-Nuss-Füllung essen. Auf pikant gefüllte Windbeutel hat mich gestern eine Kollegin gebracht. Der Gatte ist da jetzt nicht der größte Fan von, aber das macht nichts. Bleibt halt mehr für mich.

Und jetzt gehe ich mit der Häkelnadel ins Bad. Den Ohrwurm entfernen. Was Schwarzenegger in „Total Recall“ mit seinem Auge konnte, kann ich mit meinem Ohr erst recht. Pah!

„… Take me to the magic of the moment
On a glory night…“

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