Im Mehltau zu Berge wir zieh’n, fallera…

Es ist mal wieder so weit: Der Mehltau hat zugeschlagen. Und das in einem so trockenen Sommer. Die Gurken sehen noch ganz gut aus. Bei den Zucchini ist mir eben schon das Küchenmesser in der Tasche aufgegangen. Fast hätte ich sie komplett ausgeworfen, konnte mich aber noch beherrschen.

Fürs erste habe ich die schlimmsten Blätter entfernt. Vielleicht halten sie ja noch ein wenig durch, wenn sie mehr Luft bekommen. Immerhin ernte ich noch täglich einige Früchte. So ganz will ich das noch nicht aufgeben – trotz der weißen Pest.

Gestern habe ich erstmals eine größere Menge Zitronengurken ins Haus geschleppt. „Eine größere Menge“ heißt in diesem Zusammenhang acht ausgewachsene Exemplare. Da lohnte es sich, einen Konservierungsversuch zu starten. Ich habe sie sauer eingelegt. Sie schmecken übrigens auch roh hervorragend. Wie Gurke halt. Der Name kommt offensichtlich ausschließlich von der Optik.

Eingelegte Zitronengurken

Zutaten

  • 800 g Zitronengurken
  • 80 g Meersalz, fein
  • 1 l Wasser
  • 300 ml Essig
  • 300 ml Wasser
  • Schale einer halben Zitrone
  • 100 g Zucker
  • Senfsaat, Pfefferkörner, Lorbeerblätter, Koriandersaat, Fenchelsaat
  • 1 Zwiebel in Ringen

Zubereitung

  • Gurken "entstacheln". Ich habe sie unter fließendem Wasser mit einem Edelstahlschwämmchen abgerubbelt. Das funktionierte prima. Anschließend in feine Spalten schneiden.
  • In eine Schüssel geben und mit dem Salz bestreuen. Den Liter Wasser angießen, umrühren und etwa zwei Stunden ziehen lassen.
  • Gurken abseihen, das Salzwasser wird nicht mehr benötigt.
  • In einem ausreichend großen Topf alle restlichen Zutaten erhitzen. Zitronengurken zugeben. Etwa fünf Minuten leicht köcheln lassen.
  • Gurkenstücke mit einem Schaumlöffel "abfischen" und in sterilisierte Gläser füllen. Essigwasser mit den Gewürzen angießen. Gläser verschließen.
  • Fettpfanne (oder eine größere Auflaufform) etwa zwei Finger hoch mit Wasser befüllen und mit Küchenkrepp oder einem Küchenhandtuch auslegen. Auf etwa 130°C erhitzen. Wichtig: Die Gläser sollten noch heiß sein. Bei großen Temperaturunterschieden könnten sie sonst platzen, wenn sie in den Ofen gestellt werden. Die Gläser sollten sich nicht berühren.
  • Nach etwa 30 Minuten sieht man, wie in den Gläsern Bläschen aufsteigen. Die Deckel sind bei Twist-Off-Gläsern jetzt deutlich nach oben gewölbt. Noch eine Viertelstunde im Ofen lassen und anschließend langsam abkühlen lassen.

Prinzipiell würde ich sagen: „Kann man anbauen, muss man aber nicht“. Allerdings haben sie im Vergleich mit den italienischen Einlegegurken bisher einen wirklich ordentlichen Ertrag gebracht. Ich denke, sie haben im kommenden Jahr eine zweite Chance verdient. Wobei es eigentlich dann ihre vierte Chance ist. Im ersten Jahr war die Ernte läppisch. Im zweiten Jahr sind sie zwar gekeimt, aber dann irgendwie verschwunden. Ein Rätsel.

Themenwechsel: Es geht mir nicht aus dem Kopf – und es passt so gut zu deutschem Liedgut und sauren Gurken – die dümmlichen Worte des Thomas N. beim Bürgerdialog in Stralsund. Merkels Antwort lassen wir mal beiseite. Darüber wird ja schon genug geschrieben. Aber was in drei Teufels Namen bringt einen Menschen dazu, sich auf einen solch offensichtlichen geistigen Irrweg zu begeben?!

Ich zitiere mal: „Frau Merkel, Sie haben uns im Namen der Toleranz in eine Diktatur geführt… Is‘ meine Meinung… Öh, die Grundrechte sind zur Zeit massiv eingeschränkt. Artikel 1 Grundgesetz ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘. So sollte es sein. Dieses Recht hat man allerdings verwirkt, wen man sich zur Zeit in Deutschland offiziell zur AfD oder als Patriot bekennt. Das will ich hier mal offen sagen. Die Pressefreiheit ist zur Zeit nicht gegeben. Wir haben eine Propagandapresse. Die… die DDR wäre blass… die würde vor Neid erblassen, wenn sie das sehen würde. Öh… Unsere Grundrechte… öh… Meinungsfreiheit ist… als AfD-Mitglied ist das auch nicht gegeben. Das wollt‘ ich jetzt hier kurz sagen.“

Da staunt man nur noch. Ich meine, das widerspricht sich doch komplett selbst. Wie kann jemand „das hier mal offen sagen“, wenn seine Meinungsfreiheit doch so stark eingeschränkt ist?! Und er wird für den Unfug hinterher nicht mal anständig ausgepeitscht. DAS IST Meinungsfreiheit. Die Zustände, die er anprangert sind doch lustigerweise genau die Zustände, die er und seinesgleichen herbeisehnen. Endlich anderen den Mund verbieten können. Endlich nur noch eine Meinung. Und Menschenwürde?! Nicht für „Untermenschen“ natürlich!

Ich bin gleichermaßen angewidert und auf eine seltsame Weise fasziniert. Das ist wie eine Stimme aus einer fremden Welt. Einer fremden und ekelhaften Welt. Man könnte sich den ganzen Tag lang lustig übergeben, wenn man nicht gerade etwas besseres vorhätte.

Zum Beispiel Tomaten einkochen.

Das Rezept war ein Tipp aus der Hauptstadt. Und es hat sich so derartig gut bewährt, dass ich fast in Tränen ausgebrochen bin, als ich vor etwa einem halben Jahr das letzte Gläschen geöffnet habe. Und so stand es diesmal ganz vorne auf der Liste. Die erste größere Tomatenernte war dafür eingeplant. An dieser Stelle nochmal ein ausdrückliches „Danke!“ an Joaquin, der mich darauf aufmerksam gemacht hat. Gestern köchelten dann also drei Kilo beste, reife Tomaten aus eigenem Anbau vor sich hin. Hier nochmals das Rezept:

Stephan Hentschels Tomatencreme

Zutaten

  • 1 Teil weiße Zwiebeln
  • 2 Teile Tomaten
  • Majoran (hier: Thymian)
  • Salz

Zubereitung

  • Für die Tomatencreme kommt ein Teil weiße Zwiebeln auf zwei Teile Tomaten. Ich hatte 2,4 kg Tomaten übrig - also 1,2 kg Zwiebeln. Sehr praktisch, da man die Menge jeweils problemlos an die vorhandenen Zutaten anpassen kann.
  • Tomaten und Zwiebeln grob schneiden und in einen großen Topf geben. Anschwitzen. Etwas frischen Majoran (ich nahm Thymian wegen meiner einseitigen und zugegebenermaßen etwas krankenhaften Vorliebe für Thymian) und wenig Salz zugeben. Die Tomaten ziehen gleich zu Anfang ordentlich Wasser. Unbedingt bei niedriger Temperatur sanft köcheln lassen – rühren und rühren und immer wieder rühren. Das geht so weiter, bis die komplette Flüssigkeit der Tomaten verdampft ist. Bei meiner Menge dauerte das etwa zehn Stunden. Anschließend Masse aufmixen.
  • Ich habe die pürierte Creme im Topf heiß gehalten, während ich die Gläser sterilisiert habe, und anschließend alles sofort heiß abgefüllt und verschraubt.

Acht kleine Gläschen wurden es. Da werde ich wohl eine weitere Ladung herstellen müssen. Es ist so wahnsinnig vielseitig. Man kann es als Saucenbasis oder Saucenbeigabe nutzen. Man kann Tomatenmark damit ersetzen. Man kann Halloumi damit einstreichen, bevor man ihn paniert und ausbrät. Es taugt zum Marinieren und zu allem anderen, was man so mit Tomaten machen kann. Ich liebe es.

Apropos „Tomaten“: Jetzt muss ich doch mal flott die halbreifen Früchte meiner RAF Mar Azul vorzeigen, deren Saatgut ich von La Palma angeschleppt habe. Eine sensationelle Farbe – und die wird noch besser. Das ist jetzt schon eine der hübschesten Sorten, die ich je im Beet hatte.

Am Ende werden sie nahezu schwarz sein. Ich bin schon etwas hibbelig.

Gestern spät kehrte dann auch der Gatte zurück nach Hause. Er war in Riga. Und er brachte „Black Balsams“ mit. Und schwärmte von lettischem Roggenbrot, dessen er aber leider am letzten Tag nicht mehr habhaft werden konnte, um welches mitzubringen. So habe ich also schon eifrig im Netz recherchiert und eben eins angesetzt. Ein „Rupjmaize“.

Bei Brotexperimenten bin ich doch sofort dabei – und das hier scheint enorm spannend zu sein. Das kriegt auf alle Fälle demnächst ein eigenes Blogpost, so ich es denn hinbekommen sollte. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch noch etliche andere verlockende lettische Rezepte entdeckt, die ich ausprobieren könnte, z.B. „Pīrāgi„. Ich werde berichten.

Und bis dahin gehe ich mal Hochrechnungen checken. Und Hoeneß‘ Gang „durch die große Tür“ verdrängen. Der hat mir nämlich gestern das zweite Paralleluniversum-Erlebnis beschert. Egal. Fallera.

„…Wir wandern ohne Sorgen
singend in den Morgen…“

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