Die (Bau-)Wüste lebt

Schade, dass ich mir den Kilometerstand von heute morgen nicht notiert habe. Irgendwie kommt es mir vor, als ob ich den gesamten Tag im Auto verbracht hätte. Und zwischendurch musste ich immer mal kurz einen Zwischenstopp in der heimischen Sanitärabteilung einlegen, da mich der Max-Magen-Darm-Virus nun auch erwischt zu haben scheint. Aber auf solche Nebensächlichkeiten kann eine Bauherrin von echtem Schrot und Korn natürlich keine Rücksicht nehmen. Der Kronprinz hatte die gesamte vergangene Woche deshalb sterbend auf dem Sofa verbracht. Verdammtes Y-Chromosom, das immer dafür sorgt, dass Krankheiten stets einen wesentlich übleren Verlauf nehmen! Wie ungerecht das doch ist!

Zuerst ging es heute morgen zu Ikea nach Wallau. Laut Ankündigung auf deren Internetseite gab es heute als „Tagesangebot“ den von Max bereits seit Monaten begehrlich umschlichenen Sessel namens Poäng für EUR 20,90 statt der regulären EUR 50,-. Da quälte sich sogar der Herr selbst frühzeitig aus dem Bett. Leider völlig umsonst, wie sich kurz darauf herausstellen sollte.

Von einem entsprechenden „Tagesangebot“ hatte dort keiner der befragten Mitarbeiter je etwas gehört, man erklärte mir jedoch, der Sessel sei tatsächlich reduziert – allerdings bereits seit Wochen – für EUR 29,90 erhältlich. Gut. Das hätte man noch verkraften können und man reist ja auch ungern umsonst an. Dumm nur, dass der nicht sehr freundliche Herr im Lager uns auf nicht sehr freundliche Art und Weise mitteilte, dass das Ding ein Auslaufmodell gewesen und bereits seit einiger Zeit ausverkauft sei. Demonstrativ riss er das Preisschildchen vor unseren Augen vom Regal. Na, danke!

Wir zogen also unverrichteter Dinge wieder ab. Zusätzlich zweifelte ich wechselweise an meinem Verstand und an meiner Sehkraft, war ich doch absolut sicher, dass das blöde Ding speziell für heute so stark reduziert worden war. War es auch, wie man sieht. Beim nächsten Zwischenstopp zu Hause setzte ich erstmal eine Mail an Ikea ab. Das erleichtert enorm – auch wenn es nichts bringt.

Von Wallau ging es dann erstmal zu Beyer Baustoffe nach Hechtsheim, um die Putzkanten für die Bäder zu besorgen. Die Aktion verlief problemlos. Wie immer. Hervorragend! Anschließend begaben wir uns zum Imbiss am Hagebau, um die von Herrn Max vehement eingeforderte Currywurst mit Pommes zu besorgen. Seine Fressgier hat sich seit der Magen-Darm-Grippe stark gesteigert. Die verlorenen Kilos müssen wohl unbedingt innerhalb kürzester Zeit wieder aufgespeckt werden.

Nach ein paar weiteren Erledigungen (u.a. war auch die zweite Tapetenlieferung eingetroffen) machte ich mich schließlich auf den Weg zum Haus. Als ich um die Ecke bog, konnte ich es kaum fassen. Ein Firmenfahrzeug unseres Wiesbadener Elektrikers stand direkt vor der Tür! Er lebt! Und ich hatte mir schon solche Sorgen gemacht…


Er lebte nicht nur, er arbeitete sogar. Hammer! Als ich einen Blick in den Technikraum warf, sah ich, dass er gerade den Zähler montiert hatte. Im Geiste öffnete ich bereits eine Magnum-Flasche Champagner, um diesen Anblick gebührend zu feiern. Er war sehr freundlich – fast schon unterwürfig – und ich überlegte, wie sehr Tom wohl nach der Baubesprechung auf den Putz gehauen hatte. Nicht zu knapp, wie es schien.

Im Obergeschoss erwartete mich der nächste erfreuliche Anblick: Spachteleien soweit das Auge reichte! Und eine Wand schöner als die andere. Und vor allem tausendmal schöner als die schönste von meinen. Das geht richtig voran. Schlagartig wird mir klar, weshalb das Knauf-Zeugs UniFLOTT heißt. Möglicherweise können wir wirklich morgen abend bereits mit dem Kalkputz loslegen. Wie man sieht, wurden auch die letzten Spuren meiner grauenerregenden und rigipsverachtenden Trockenbau-Schändungen in Ankleide und Bad beseitigt.


Immerhin weiß ich schon, was der Bauherr sagen wird, wenn er die Fotos sieht. Seine Worte werden exakt diese sein: „Siehst du, so hab‘ ich dir gesagt, muss das aussehen. Warum hörst du auch nicht?“ Oder jedenfalls sehr ähnlich.

2 Kommentare

  1. Hallo.

    Schon die Möbel gepackt? 😉 Es geht ja wirklich nun richtig in die „letzte“ Phase. Das mit dem Epilektriker würde ich nicht so ernst nehmen. Wahrscheinlich hat er nur irgend etwas verbockt und wollte durch seine Freundlichkeit davon erst mal Ablenken. 😉 Die Hausfasade sieht ja wirklich sehr gut aus. Obwohl dies zwar nicht gerade mein Geschmack ist, muss ich sagen, dass sie dennoch gefallen würde. Dann wünsche ich auch noch viel Spass für die Zukunft. Wenn es ans Fensterputzen geht. 😉
    „Y – Kronprinz“ klingt zum „schecken“. 🙂 🙂 Aber so sind meistens jedenfalls „Einzeller“. 😉
    Wünsche euch noch eine angenehme Restnachosternbaustellenarbeitswoche…. Was für ein unmögliches „Unwort“. Viel Spass jedenfalls noch. 😉

    LG rolf

    1. über den umzug möchte ich lieber noch nicht nachdenken. den bekommst du dann sowieso irgendwann in allen schrecklichen details geschildert *grmpf* 😀

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