Erdbewegungen & Kriegserklärungen

Ersteres nicht zu knapp. Zum zweiten kommen wir später. Bereits in aller Frühe begab sich der Bauherr zum ortsansässigen Maschinenverleih, um den bestellten Radlader abzuholen. Kurze Zeit später bog er bereits winkend mit dem Ding um die Ecke. Um es gleich vorab zu sagen: Ich wagte es nicht (im Gegegnsatz zur Nachbarin, die auf dem Grundstück gegenüber lustig drauflos baggerte). Der Bauherr jedoch strahlte und es schien für ihn wirklich ein Kindheitstraum in Erfüllung zu gehen. Bereits nach kurzer Zeit steuerte er das Teil virtuos übers Grundstück und verteilte Berge von Mutterboden.

Begonnen haben wir hinter dem zukünftigen Carport mit der Böschung am wertvollen Zaun. Und genau dieser wahnsinnig wertvolle Zaun sorgte für den ersten Unbill des Tages. Die Herren Grundstücksbesitzer kamen wie jeden Samstag zum Rasenmähen auf ihrem unbebauten, aber eingezäunten Grundstück vorbei – und sahen den Bauherren mit dem Radlader bei der Arbeit. „Ey! Du! Das geht so nicht!“ Es folgte eine langatmige Erklärung, was da genau nicht ginge. Am Ende folgte das Fazit: Kein Boden darf den Zaun berühren. Der rostet sonst. Trotz Kunststoffummantelung.

Nach längerem Hin und Her begab ich mich zu OBI. Ganz schlechte Idee! Proppenvoll, alle genervt. Es dauerte allein zwanzig Minuten, bis ich einen Parkplatz und einen Einkaufswagen ergattert hatte. Die dämlichen Rasenkanten gab es in Kunststoff nur in maximal 20 Zentimetern Höhe, panische Anrufe beim Bauherren blieben unbeantwortet. Ich nahm dann das doofe Kunststoffding mit, damit wir wenigstens alibimäßig den Boden vom Zaun abgrenzen können. Der Nachbar hatte ohnehin offensichtlich schon ziemlich hohen Blutdruck.

Diese dämliche Zaun raubt uns seit Beginn der ersten Tiefbauarbeiten (wie bereits im ersten Artikel dieses Blogs erwähnt) schon den letzten Nerv. Wir hatten damals bereits mit dem unfreundlichen Herrn verhandelt, da wir ursprünglich der Ansicht waren, das Ding müsse für die Baggerarbeiten kurzfristig entfernt werden. Schon da gab es Diskussionen. Die Tiefbauer hatten dann anschließend mit wahnsinnigem Feingefühl à la „Heißer Draht“ am Zaun entlang gebaggert und fundamentiert (dritter Blogeintrag). Nun ist es also wieder soweit. Tatsache ist: Der Zaun ist eigentlich zu hoch. Er überschreitet die erlaubte Höhe fast um einen halben Meter. Prinzipiell stört uns das nicht, der Bauherr erwägt jedoch, es als Druckmittel einzusetzen. Wenn wir darauf bestünden, müsste wahrscheinlich das ganze Ding zurückgebaut werden.

Bei meiner Rückkehr aus der Hölle des OBI – ich hatte außer dem Plastikzeugs noch eine Schubkarre und allerlei Grillutensilien besorgt – war der Erdberg vor dem Haus fast komplett verschwunden. Alles war vom Bauherren und seinem treuen Freund Radladi hinters Haus geschüttet worden.Er hatte bereits damit begonnen, den Berg am Ende der Straße hinters Haus zu komplimentieren.

Plötzlich tauchten weitere Familienangehörige der „Zaun-Könige“ auf. Mit einer kleinen Kamera machten sie Fotos von unseren eklatanten Grenzverletzungen. Es kam zu einem Gespräch zwischen den Beiden und dem Bauherrn. Dieser entschied am Ende des Gesprächs, dass wir uns ab sofort in einem „kriegsähnlichen Zustand“ befänden. Er kochte. Und er meinte, es würde ihm sicher Spass machen, ab sofort bei mittäglichem Rasenmähen seiner neuen Feinde nicht weiter kulant zu sein. Und der Zaun müsse ohnehin weg. Zu hoch! Jetzt stört er uns nämlich.

Die freigesetzte Wut wurde in den nächsten Stunden in endlose Erdbewegungen umkanalisiert. Der Bauherr ist mein Held! Ich bin voller Bewunderung für seine autodidaktisch erworbenen Baggerkünste. Das hätte ich nie geschafft. Der Radlader macht mir wirklich Angst. Ihm nicht. Er baggerte und baggerte und baggerte – immer Richtung Sonnenuntergang, denn da wollte er sein Werk vollendet haben.

Währenddessen unternahm ich eine weitere Fahrt zur OBI-Hölle, um ein paar kleinere Pflanzsteine zu besorgen, mit Hilfe derer man die Grundstücksgrenze halbwegs satisfaktionsfähig wird befestigen können. Die werden morgen getestet. Um ca. 19 Uhr befand sich dann sämtlicher Mutterboden auf dem Grundstück. Gelogen! Vor dem Würfel liegt noch ein bißchen was, aber das schaufeln wir morgen per Hand auf. Blöderweise gelang es mir in meiner unendlichen Dummheit, eine der für die Endmontage der Schubkarre benötigten Muttern unter der Terrasse zu versenken. Sie flutschte mir aus der Hand und glitt exakt zwischen zwei Terrassenbrettern durch. Weg! Ein klassischer Alfred-Tetzlaff-Moment: „Dusselige Kuh!“

Und dann begann es zu regnen. Ein richtig schöner Sommerschauer. Und dann kehrten wir auf der Straße noch die brutalsten Spuren unserer Arbeit zusammen. Und dann war der Tag vorbei. Restprogramm ist Fußball vom Sofa aus. Mehr geht heute nicht mehr. Und ich weiß nicht mal, ob ich den Schlusspfiff noch erleben werde…

4 Kommentare

  1. Dieser Blog hält immer was er verspricht! Denn wenn das Haus erst fertig ist, wird der Grenzkrieg mit dem Nachbarn auf ewig für Blogcontent sorgen. Hurra! (also für mich, die neugierige Leserin,
    living thru others und so)
    Wohnen die da eigentlich? oder haben die bloß ein Grunstück zum Rasenmähen?
    Der Meinige würde auch glatt bauen, wenn er dann einen Bagger haben darf…
    (schnell weiterlesen…)

    1. der bauherr wünscht sich jetzt einen radlader zum geburtstag. ich denke nicht, dass das etwas werden wird. manche wünsche müssen eben für immer wünsche bleiben 😀

    1. ich schätze, mit einem trecker-quartett könnte man ihm auch eine große freude machen. lustig irgendwie.

      ich würde jetzt wirklich gerne mehr schreiben, aber das ist aus geheimhaltungsgründen leider nicht möglich. der bauherren-geburtstag steht immerhin unmittelbar bevor 😀

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