Geschenke? Schon vor Weihnachten?

„Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet die zweite Kerze brennt!“

Ja, die haben wir heute morgen entzündet. Und anschließend begab ich mich todesmutig trotz Erkältung hinaus in den Garten, um dem Mandel- und dem Pfirsichbäumchen das Wintermäntelchen anzuziehen. Ersteres sieht jetzt aus wie ein gepfählter Schneemann. Keine Ahnung, ob ihm das gefällt oder nicht. Jedenfalls wurden die Stämme mit Kokosmatten umwickelt und die Kronen bekamen lichtdurchlässige Vlieshauben. Und wehe, mir kommen Klagen zu Ohren…

Anschließend verteilte ich – wo ich schonmal halb erfroren in feuchten Gummistiefeln im Schnee herumirrte und in Geberlaune war – großzügig Vogelfutter. Beide Futterstellen und sämtliche Meisenknödel u.ä. mussten auch aufgefüllt werden. Mahlzeit!

„So nehmet euch eins um das andere an,
Wie auch der Herr an uns getan.“

Diesen Punkt konnten wir also bereits abhaken. Es ging aufs Sofa mit dem Strickzeug. An dieser Stelle hätte ich noch zwei Fotos von gestern zu bieten, die in die Rubrik „Ähemm… ja…“ fallen. Das erste wirft die Frage auf, ob auch Rentierschlitten Parkverbote beachten müssen bzw. die Erfüllungsgehilfen des Christkinds Strafzettel bekommen können. Das zweite Foto erzählt eine mir völlig unverständliche Bildergeschichte, die wohl dazu dienen soll, zu vermeiden, von einem herabfallenden Bauteil erschlagen zu werden.

Mir ist dabei nicht ganz klar, an wen sich diese Warnung richtet. An den unbeteiligten Laien, der wegen des verstörenden Schilds stundenlang rätselnd im Gefahrenbereich herumsteht? Oder an den versierten Bauarbeiter, der sich über dieses Warnschild wahrscheinlich so köstlich amüsiert, dass er nicht bemerkt, dass von oben gleich einige Doppel-T-Träger auf ihn herniederprasseln?

„Freut euch ihr Christen,
Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr“ 

Und schon kommen wir zum Kern des heutigen Blogposts: der nahende Herr. Der Saar-Ul(l)e machte mal wieder von sich reden, indem er sich benahm, als ob er ein „Freund der italienischen Oper“ sei. Mal abgesehen davon, dass es mittlerweile offensichtlich soweit gekommen ist, dass man als Politiker scheinheiligerweise nicht einmal mehr den Anschein von Restanstand aufrecht erhalten muss – nein! – man kann sich jetzt auch seelenruhig ein Schild um den Hals hängen, auf dem in Versalien geschrieben steht: „Ja! Kauf mich!“ und durchs Regierungsviertel der Hauptstadt schlendern. Klasse!

Schlimmer jedoch als der Blick in den moralischen Abgrund der parlamentarischen Prostitution (Wieso habe ich mich eigentlich etliche Male über Berlusconi aufgeregt?) erscheint das, was der Herr Ul(l)e erreichen will. Was in Gottes Namen bedeutet es eigentlich genau, dass das Angebot aus Berlin „entscheidende Vorteile für das Saarland bringen“ müsse?! Mir graut bereits beim Gedanken daran! Was genau wird von Teflon-Mutti Merkel da erwartet?

Müssen vielleicht Saarländer sich plötzlich nicht mehr mit den Worten „ein scheener Daach wünsch ich ihne“ verabschieden? Bekommen sie Grammatik-Unterricht? Damit könnte man sich ja noch anfreunden. Aber was könnte dabei noch herauskommen? Achtspuriger Ausbau der B406 von Saarlouis nach Saarbrücken? Vergabe der Fußball-WM 2030 ans Saarland? Kostenlose Luxus-Schwenkgrills für alle Saarländer über sechs Jahren? Die standrechtliche Erschießung Oskar Lafontaines? Oder vielleicht ein Verweilrecht für den 1. FC Saarbrücken in der 1. Fußball-Bundesliga – sagen wir mal für die nächsten zehn Jahre, inklusive Rekrutierung von mindestens fünf Spielern in den Kader der Nationalmannschaft?

Es bleibt spannend. Aber was soll’s? Der Advent ist ja die Zeit der Besinnung. Da kann man sich ja auch in Bonn mal überlegen, ob man sich nicht vielleicht die Schamlosigkeit der Fußballfunktionäre aneignen sollte. Lohnend scheint es ja allemal zu sein…

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