Brust oder Keule

Ja, ich lebe noch. Aber ich bin straight away in den 70ern gelandet. Geschmacks- und Geruchsverlust à la Louis de Funès in „Brust oder Keule“. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ende Juni gab es ein paar Anlässe, bei denen ich sehr, sehr vielen Menschen begegnete. Also mehreren hundert Menschen auf einmal – teilweise in einem geschlossenen Raum. Und es kam, wie es kommen musste: Es erwischte mich dann doch noch, das verfluchte Virus.

Gleichzeitig legte es den Gatten flach. Vor gut zwei Wochen stellten wir beiden parallel fest, dass wir uns nicht wirklich gut fühlten. Der Gatte hatte innerhalb kürzester Zeit über 40°C Fieber. Bei mir ging noch einigermaßen. Das änderte sich aber recht flott. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen der Hölle, endlose Husterei – also im Prinzip alles, das man nicht braucht. Wir litten. Und wurden beide postiv getestet. Mist!

Die erste Woche verlief mehr oder weniger im Tran. Ich schleppte mich immer mal wieder an den Firmenrechner, um das Nötigste zu erledigen. Den Rest der Zeit verbrachte ich auf dem Sofa mit Amazon-Prime-leer-gucken. Als ich dann gerade der Meinung war, es ginge wieder, war ich sehr glücklich. Ich stand gerade zum erstenmal seit einer Woche wieder am Herd. Und ich stellte fest, dass ich nichts mehr schmeckte.

An diesem Abend kochte ich stur nach Plan das Abendessen durch. Ich hatte nicht die leistete Ahnung, wie es schmeckte. Schlimm: Essen widerte mich regelrecht an. Man macht sich gar kein Bild, wie gruselig das ist, etwas runterzuwürgen – und exakt so ist das… – ohne zu schmecken.

Es gab ein Curry mit Reisnudeln und knusprigem Tempeh. Ich sage nur: Voll vor die Füße! Außer dem ein oder anderen Käsebrot aß ich seit letztem Wochenende gar nichts. Gestern dann hatte ich zum erstenmal den Eindruck, ich röche wieder etwas. Da war etwas Verbranntes in der Luft, das ich wahrnahm. Der Gatte tippte auf eine Grillorgie bei den Nachbarn. Möglich.

Trotz meiner misslichen Lage schleppte ich mich allabendlich raus in den Garten zum Gießen. Geht ja gerade nicht anders. Drei Gurken habe ich bereits geerntet. Die Zucchini starten gerade durch. Die Tomaten sind noch grün, aber entwickeln sich brav. Und vorgestern mussten dann die Johannisbeeren runter. Der Gatte pflückte, ich kochte mit letzter Kraft ein.

Fünfzehn Gläschen sind gerettet – in weiß, rot und schwarz. Immerhin. Ich plane Eis sobald ich wieder etwas davon habe.

Heute werde ich einen neuen Kochversuch starten. Mit einem Rezept, das ich bereits verbloggt habe. Da muss ich nicht lange abschmecken. Das sollte passen.

Mein letztes Essen, das ich genossen habe, war noch mit Spargelbeilage. Und Halloumi, Tahinisauce und Patatas bravas. Drückt mir die Daumen, dass sich das bald erledigt. Ich habe dieses Virus unterschätzt. Und ich hasse es.

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