Am nächsten Morgen war es trotz ordentlich geleerter Teller am Vorabend immer noch etwas diesig. Wir brachen zur Besichtigung von „Dunvegan Castle & Gardens“ auf. Im Schloss selbst durfte nicht fotografiert werden, damit der aktuelle Chieftain des McLeod-Clans nicht in seiner Privatsphäre gestört würde. Von außen war der Himmel grau, die Gärten allerdings ein echtes Highlight.

Der Steingarten war von einem seiner Vorfahren angelegt worden, der einmal im Theater von Edinburgh den Hut einer vor ihm sitzenden Dame angezündet haben soll, weil diese ihn auch nach dreimaliger Aufforderung nicht abnehmen wollte. So geht’s natürlich auch.

Im Anschluss machten wir uns zu einer selbst für mich harmlosen, kleinen Wanderung zum Coral Beach am Ostufer des Loch Dunvegan auf. Das Wetter besserte sich merklich, meine Fotolaune auch. Der Strand ist herrlich in einer kleinen Bucht gelegen. Wenn man den direkt am Wasser liegenden, lustigen Hügel besteigt, bekommt man auch eine Superaussicht von oben. Man sollte nur beim Abstieg nicht singen, da man sich ansonsten gleich wieder zweimal auf seinen Hintern setzt. Immerhin zerbröselte ich diesmal dabei nichts Wertvolles unter mir…

Auf Flickr befinden sich noch einige Fotos mehr von diesem wirklich hübschen Ort. Anschließend ging es weiter zur einzigen Distillery auf Skye, der „Talisker“ Distillery. Für eine Führung blieb diesmal keine Zeit, da wir pünktlich zum Essen wieder im „Sea Breezes“ sein wollten. Wofür Zeit blieb, war ein geteiltes ‚Dram‘ Talisker (traditionelle Trinkspielchen kamen nicht in Frage…) im Stehen und der Kauf einer Flasche „Lagavullin“, der mir im Vorfeld wärmstens empfohlen worden war.

Auf der Fahrt zurück nach Portree sahen wir den Cuillin im herlichsten Licht und vollkommen wolkenlos vor uns liegen. Der Bauherr beschloss, dass es am kommenden Tag wieder eine ordentliche Wanderung geben würde, falls das Wetter sich einigermaßen hielte. Nebel hin, Nebel her. Vorher hieß es allerdings noch „Essen fassen!“.

Auf der Tageskarte standen Crab claws, die sich der Bauherr als Starter gönnte, und denen eine Main-course-Portion Steamed Mussels folgte. Ich blieb bei meinen Fishcakes und probierte als Hauptspeise das Baked supreme of chicken. Bei den Desserts hielten wir uns an Bewährte. Habe ich schon erwähnt, dass dieser Sticky toffee pudding einfach unglaublich ist?! Nicht?! O.k. – dieser Sticky toffee pudding ist einfach unglaublich!

Am folgenden Morgen trieb der Bauherr dann mich und meinen sticky-toffee-pudding-gestählten Körper unbarmherzig den Storr hinauf. Wenn das Zeug nur nicht so unanständig lecker wäre… Die Sonne schien, wir schritten bergan, die anfänglich noch zahllosen Touristen ließen wir auf Höhe des Old Man of Storr dann größtenteils hinter uns. Der Ausblick unterwegs war herrlich. Leider war uns einmal mehr kein Gipfelblick vergönnt.

Es deutete sich bereits an: Die Wolken hingen wieder genau, wo sie nicht hängen sollten. Beim Abstieg gab es dann nach kurzer Zeit wieder veritable Fotomotive, und als wir schließlich wieder m Auto waren, hatte der Nebel sich komplett verzogen. Menno!

Zum Trost verbrachten wir den letzten Abend auf Skye wieder im „Sea Breezes“. Und es kam, wie es kommen musste: Während der Bauherr diesmal die Honey and oatmeal whisky ice cream zum Dessert orderte, stand vor mir wieder der Sticky toffee pudding. Seufz! Wie würde ich den vermissen! 

Und dabei blieb mir nicht einmal Fränk Schlecks geniale Ausrede: „I just know that I did nothing wrong! I will therefore continue my search to find out how the substance could have entered my body“.

Von Grantown aus ging es nach einem letzten, wirklich sehr leckeren Frühstück – Merke: Todesangst sorgt für einen gesegneten Appetit! – weiter zu unserem nächsten Quartier in Portree auf der Isle of Skye. Vorher musste allerdings eine Knippsbüchse besorgt werden. Zu diesem Behülfte kehrten wir in Inverness bei „Comet“ ein und erstanden eine 1100D.

Falls jemand Interesse an einer fast neuen DSLR mit 18-55er Zoomobjektiv hat: Das Ding ist echt nett und macht auch wirklich ordentliche Fotos. Die werden ja von dieser Stelle ab hier zu besichtigen sein. Ich würde sie behalten, aber das macht nun wirklich keinen Sinn.

Auf unserem weiteren Weg an Loch Ness (kein Ungeheuer!) und Loch Cluanie (kein George!) entlang fuhren wir das „Eilean Donan Castle“ an, das unglaublich malerisch an der Straße lag. Der Bauherr steuerte – mal wieder… – einen Parkplatz an, damit ich Fotos machen konnte.

Bereits beim Verlassen des Autos war lautstarkes und extrem gereiztes Spanisch zu vernehmen. Wir fuhren auf den Parkplatz neben einem Wagen mit einer spanischen Familie, deren Mutter schweigend auf dem Beifahrersitz saß. Die beiden Kinder hatten sich am Ufer auf einem Stein niedergelassen und starrten begeistert das Schloss an, während der völlig entmenscht schreiende Vater von „Un castillo!!! Un castillo?!?! Und castillo!!!!“ dazu überging, mit hochrotem Kopf seine friedlich dasitzenden Kinder nach allen Regeln der Kunst bis ins zwölfte Glied zu verfluchen. 

Bei „Ein Schloss?!?!!! Was glaubt ihr, wer da wohnt?!!! Juan Carlos????!!!“ gaben die Kinderlein auf und erklommen schweigend wieder die Rückbank. Der temperamentvolle Stierkämpfer hingegen schrie unentwegt weiter. Selbst als das Auto den Parkplatz verließ, hörte man ihn durch die geschlossenen Scheiben immer noch wilde Flüche ausstoßen, um seinen Kindern klarzumachen, welch eine Bande nutzloser Idioten sie seien, weil sie sich dieses blöde Schloss anschauen wollten.

Die Geschmäcker sind halt verschieden. Ich machte hingegen völlig verzückt ein Foto nach dem anderen, bis der Bauherr schließlich auch zu seinem ersten „Un castillo!!!“ anzusetzen schien. An dieser Stelle müssen zwei Dinge unbedingt erwähnt werden: Erstens die unendliche Geduld, mit der mein Gatte ein ums andere Mal Parkplätze ansteuerte, wenn er den Eindruck hatte, dass ich unbedingt etwas fotografieren zu müssen glaubte, und zweitens die Sinnlosigkeit von Trafalgar. Am Ende wird die gesamte Insel ja nun allsommerlich doch von spanischen Reisebussen geentert.

Auf Skye angekommen bezogen wir kurz und schmerzlos unser neues Domizil und nutzten anschließend das inzwischen wieder hervorragende Wetter, um noch zu einer Quiraing-Besteigung aufzubrechen. Der untere Teil des Weges führt durch eine geradezu unwirkliche und sehr faszinierende Landschaft. Als es an den Aufstieg ging, lag das Gipfelplateau bereits in Wolken. Wir steigen trotzdem rauf – allerdings nur um dann eine solche Aussicht zu haben: Klick! Außer uns irrten nur ein paar vergessene Schafe im Nebel herum. Wir herrlich wäre das bei besserer Sicht gewesen. Beim nächsten Mal dann halt!

Auf einen Tipp unseres neuen Gastgebers hin wollten wir am Abend eines der beiden empfohlenen Seafood-Restaurants aufsuchen. Der Bauherr lechzte bereits nach Muscheln. Blöderweise hatte das „Harbour View“ montags Ruhetag und das „Sea Breezes“ war völlig überfüllt. Wir reservierten ein Tisch für den nächsten Abend und ergatterten anschließend den letzten im nebenan gelegenen „The Restaurant at the Pier“. Leider erfuhren wir beim Bestellen, dass die Muscheln bereits aus seien. Verdammt!

Der Bauherr wich auf Scallops aus, ich orderte den Baked Local Salmon – beides sehr lecker und empfehlenswert. Wir blickten am Ende des Tages zufrieden und satt dem nächsten entgegen. Und er enttäuschte uns nicht. Es blieb trocken!

Wir brachen bei zwar etwas bedecktem Himmel von Elgol aus zu einer Wanderung am Loch Scavaig entlang Richtung Loch Corruisk auf. Im Hintergrund ist auf den Fotos meist der im Nebel liegende Cuillin zu sehen. Wir folgten dem Weg allerdings nur bis Camasunary und bastelteten uns dann einen Rundweg zurück nach Elgol. Damit blieb uns immerhin die Stelle Schottlands erspart, von der Bonnie Prince Charlie dereinst auf seiner Flucht gesagt haben soll: „Even the devil shall not follow me here!“

Das letzte Stück unseres Weges führte uns schließlich an der Landstraße entlang zurück nach Elgol, während wir fast auf der gesamten Strecke zwei paranoide Schafe vor uns hertrieben. Sie blieben immer wieder stehen, sahen sich nach uns um und rannten dann panisch immer weiter die Straße entlang, statt sich wie ihre Kollegen einfach irgendwo rechts oder links in die Büsche zu schlagen.

Zum Abendessen ging es anschließend ins „Sea Breezes“ nach Portree – und es hielt, was es versprochen hatte. Der Bauherr bekam endlich seine Mussels, ich nahm als Starter Smoked haddock spring onion fishcakes. Darauf folgte jeweils ein Teriyaki marinated salmon fillet, bevor das Dessert anstand: Rich dark chocolate tart und Sticky toffee pudding mit jeweils einer Kugel Ice cream. Waaah!

Den Rest des Abends verbrachten wir mit dem Anschauen eines Berichtes über einen Hütenhund-Wettbewerb im gälischen TV. Mit englischen Untertiteln konnte man der Sache dann auch folgen. Wir lernten, dass etwa einer von zwei Sheepdogs „Jim“ heißt, und dass auch gut ausgebildeten Hunden Mißgeschicke passieren können, die Punkte kosten und aus denen sie völlig aufgeweicht wieder hervorgehen. Die eifrige „Nell“ verschwand kurz in einer riesigen Mooruntiefe, was vom Sprecher mit den Worten „Oh Jesus! She’s got bogged!“ kommentiert wurde. Die Sache an sich kannten wir schon aus eigener Erfahrung – wir hatten nur bisher keine treffende Beschreibung dafür gefunden.          

Und weiter geht’s! Vor den Chinesen hatte der Herr den Cairn Gorm gestellt. Und über den musste ich rüber vor dem nächsten Abendmahle. Also ab dafür. Wir starteten mit dem Auto durch bis zum Parkplatz an der Bergbahn, die wir natürlich nicht nahmen, da wir ja jung und gesund sind.

Die schwierigste Aufgabe war am Ende das Auffinden des Einstiegs. Es ging erstmal sehr steil bergauf durch Heidekraut und vorbei an einem die Landschaft verschandelnden Sessellift bis wir schließlich Schottlands höchstgelegenes Restaurant „The Ptarmigan“ erreichten.

Dahin wären wir auch mit der Bergbahn gelangt – wir hätten bloß nicht aussteigen und weitergehen dürfen. Nach einem Kaffee stiefelten wir weiter Richtung Gipfel. Und von da aus über einen Bergkamm (Stob Coire und An t-Sneaghda) ins Lairig Ghru und zurück zum Parkplatz. Das Wetter hatte erstaunlicherweise schon wieder gehalten, was es am Morgen versprochen hatte. Und für die Mühen des Anstiegs entschädigte uns der wirklich herrliche Panoramablick.

Während der Rückfahrt beschlossen wir dann endgültig, den Inder weiträumig zu umfahren und den Chinesen zu testen. Das war am Vorabend einfach ein Maß an Selbsterniedrigung gewesen, das wir nicht mehr ertragen konnten. Also auf zum „Shi Ping Guo“!

Lustigerweise fand sich auf der Karte dieses Etablissements ein Wein aus meiner Heimat – ein „Piesporter Michelsberg“. Ich trank ihn trotzdem nicht. Allerdings erwies sich das Essen als genießbar, und wir beschlossen, am folgenden Abend nochmals dort einzukehren. Bei unserer Rückkehr ins B&B bemerkten wir voller Freude, dass der Whiskybus verschwunden und die wahnsinnig lustigen Engländer auf ihrer Speyside-Tour mit sich genommen hatte. Endlich keine Deutschenwitze mehr beim Frühstück!

Am nächsten Tag sah dann das Wetter deutlich schottischer aus. Wir entschieden uns für eine Wanderung durch Tal des River Dee, da die Wolken derartig tief hingen, dass man nicht mal von der oberen Sprosse einer Treppenleiter noch irgendeine Art von Fernsicht gehabt hätte. Am Fluss war es dann allerdings sehr schön. Als es schließlich anfing zu regnen, packte ich die Kamera übervorsichtigerweise in einer extra dafür mitgebrachten Tesco-Plastiktüte in den Rucksack und wir verkürzten unseren Weg und kehrten zum Auto zurück. Am Parkplatz machte ich noch dieses Foto vom wahnsinnig grünen Waldboden – und dann war es soweit. Meine brandneue 5D verabschiedete sich. Das Display fiel aus, die Elektronik spielte verrückt. Einfach futsch. Shit!

Ein absolutes Worst-case-Szenario angesichts der Tatsache, dass ich mir das Ding speziell für diesen Urlaub angeschafft hatte – aus Angst, meine betagte 30D könnte den Geist aufgeben. Ich hatte sie natürlich auch nicht als BackUp mitgenommen. Krisensitzung beim Chinesen! Es wurden verschiedene Lösungsansätze beraten und schließlich beschlossen, dass für den Fall, dass das Ding nicht überraschend über Nacht den Dienst wieder aufnehmen würde, eine nach dem Urlaub über ebay wieder zu vertickernde 1100D angeschafft würde.

Dann kam das Essen. Meins war wie am Vortag o.k., aber auf des Bauherrn Teller lag etwas, das nicht gut aussah. Bestellt hatte er „Chicken with pineapple“. Das hier sah aus wie „Hello Kitty“. Rosa. Und unendlich schleimig. Ein echtes Horroressen. Und das noch angesichts der Tatsache, dass dem Bauherrn eine hysterische Ehefrau gegenüber saß, die über den Verlust ihrer Kamera nicht hinwegkam. Manchmal schlägt das Schicksal wirklich besonders grausam zu.

Unseren letzten Tag in den Cairngorms beschlossen wir angesichts der immer noch unverändert üblen Wetterlage mit der Besichtigung von „Ballindalloch Castle“ und der „Glenlivet Destillery“ zu verbringen. Erst ein herrlicher Park mit Walled Garden, dann ein Schlückchen Alkohol, zusätzlich der Kauf zweier Kochbücher – das Leben nahm eine unerwartet positive Wendung. Das wollten wir uns keinesfalls vom Abendessen verderben lassen und kehrten sicherheitshalber in der „Craig Bar“ ein, die grundsolide britische Pies and Chips anbot.

Meine „Heidi“ (goat’s cheese, sweet potatoes, spinach, red onion, roast garlic) und des Bauherren „Moo & Blue“ (British beef, rich gravy, hebs, Stilton) schmeckten dann auch tatsächlich recht gut. Sicherlich besser als der „Highlander Burger“ im ortsansässigen Imbiss. Ziemlich gut gelaunt ging es zurück aufs Zimmer, wo ich kurze Zeit später nach DSLR-Angeboten in Inverness surfte, als der Bauherr neben dem Bett das Netzkabel berührte und kurz hinter einer Stichflamme verschwand. Dann wurde es dunkel. Der Bauherr lebte noch, wir standen allerdings beide unter Schock. Die Stichflamme hatte zudem Schmauchspuren auf dem Teppich hinterlassen.

Die Nachttischlämpchen hatten noch Saft, aber die komplette Elektrik im Bad und sämtliche Steckdosen waren tot. Wir warteten im Schein der Lämpchen auf unsere Entdeckung durch den Hausherren. Offensichtlich war auch die Flurbeleuchtung betroffen, da wenig später vor unserer Tür hektische Betriebsamkeit entstand. Wir verhielten uns ruhig und unbeteiligt. Es ging noch eine Weile treppauf und treppab – dann wurde es still. Der Strom war immer noch nicht wieder da. Wir überschlugen, was es kosten würde, in diesem Haus neue Leitungen zu verlegen. Wir waren bereit, uns zu stellen.

In diesem Augenblick ging das Licht im Bad an. Es war nur die Sicherung gewesen. Juhuuu! Mit der Nagelschere entfernte ich vorsichtig die verkokelten Fasern aus der Auslegware. Wir waren gerettet! Jedenfalls vorläufig…

So. Wir sind wieder da. Der Urlaub hätte allerdings ruhig noch etwas länger dauern können. Andererseits würden dann auch Bildbearbeitung und Berichte noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Also belassen wir es mal so wie es ist.

Den Urlaubsbericht habe ich mal in chronologischer Reihenfolge in vier Abschnitte unterteilt – nach den vier Gegenden, die wir nacheinander besucht haben. Die Cairngorm Mountains machen dabei den Anfang.

Nach unserer Landung in Edinburgh ging es erstmal zur Autovermietung, um unser gebuchtes Kleinstgefährt abzuholen. Wir hatten Glück – ‚winzig‘ war gerade nicht da und ein Polo wurde uns als kostenloses ‚Klein‘- Upgrade übergeben!

Wir überquerten den Firth of Forth und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Unterkunft, dem „Kinross Guest House“ in Grantown-on-Spey. Unterwegs machten wir zwei Zwischenstopps am Braemar Castle und an der königlichen Sommerresidenz in Balmoral.

Viel mehr als Brücke und Einfahrt bekamen wir allerdings um diese Uhrzeit nicht mehr zu sehen. Und der horrende Eintrittspreis – Man kann ohnehin nur den Ballsaal und den Park besichtigen – hätte sich in der Kürze der Zeit auch nicht wirklich gelohnt. Die Fahrt durch die Cairngorm Mountains nach Grantown war auch ohne vorherigen Tee mit der Queen sehr erfreulich.

Unsere Gastgeberin Jane Laud erwies sich als unglaublich freundliche und angenehme Person, das für uns reservierte Zimmer war ein Traum. Hier würde es sich in den kommenden Tagen gut aushalten lassen. Dass das schöne Zimmer uns fast nicht überlebt hätte, ist eine andere Sache. Dazu aber später mehr. Jane empfahl uns zum Abendessen das ortsansässige indische Restaurant und anschließend den in der Nähe des Hauses gelegenen Pub „The Craig Bar“. Wir zogen also nochmals los.

Das Essen in der „Sylhet Brasserie“ war wirklich sehr lecker und die Bedienung ausgesprochen freundlich. Also eigentlich mehr als freundlich. Man könnte fast ‚unterwürfig‘ sagen. Beim anschließenden Besuch in der Bar (Motto: „Per ardua ad astra“) testete der Bauherr den ersten Whisky – auf Anraten des Besitzers einen „Knockando“, der wohl wirklich recht gut war. Am Ende des Tages zerrten wir die von Jane ordentlich unter der Matratze festgezurrten Laken heraus und waren sehr zufrieden mit dem Verlauf unseres ersten Tages in Schottland.

Am folgenden Morgen nach einem hervorragenden Frühstück, das nur durch die „Stupid Germans…“-Witze der Whiskybus-Besatzung am Nachbartisch gestört wurde, stand dann unsere erste Wanderung an. Das Wetter sah erstmal gut aus. Jane brachte uns die amtliche Prognose an den Frühstückstisch, die besagte, dass der am Vortag noch prophezeite „Thunderstorm“ plötzlich verschwunden sei. „Hervorragend!“ dachten wir und machten uns auf den Weg zum Lairig Ghru. Die Landschaft war traumhaft, der Blick in alle Richtungen bot hervorragende Fotomotive. Was will man mehr?!

An der Chalamain Gap waren zwei Wanderer direkt hinter uns. Als wir diese wieder trafen, bestand die Gruppe dann nur noch aus einem einzelnen Schotten, der seine Frau laut eigener Aussage dort zurückgelassen hatte. Sie war wohl wenig begeistert von dem Geklettere über die riesigen Felsblöcke gewesen, aber war das wirklich eine Lösung? Der Bauherr nutzte die Gelegenheit, um mir vor Augen zu führen, wie andere Männer mit ihren wanderunwilligen Frauen umgingen. Mmmmhhh…

Unterwegs wurde ich dann etwas übermütig und wählte einen eigenen Weg – abseits der Bauherrenroute – bergab. Während ich noch fröhlich „I take the high road and you take the low road…“ vor mich hinsang, rutschte ich brutal ab, stützte mich auf den Carbonwanderstock, den der Bauherr mir freundlicherweise zu Nutzung überlassen hatte, und zerbröselte diesen im Fallen. Ähemm… Ich versprach, das Singen einzustellen. Jedenfalls bis zur Landung in Frankfurt.

Als der Himmel sich dann bedrohlich verdunkelte und in der Ferne deutliches Gewittergrollen zu vernehmen war, trafen wir den Schotten, der seine Ehe offensichtlich nicht wirklich ernst nahm, wieder. Wir sprachen kurz über das möglicherweise bevorstehende Gewitter, aber das schien ihn nicht wirklich zu beeindrucken. Im offenen Kurzarmhemd zog er seines Weges als die ersten Tropfen fielen und der Donner näher kam. Wir drehten um.

Das erwies sich dann auch als gute Idee. Donnergrollen und Blitze kamen näher. Wir marschierten tapfer Richtung Parkplatz. Auf dem Weg dahin fanden wir im Wald einen wunderschönen See, an dem wir eine Weile pausierten. Am Loch Morlich entlang wanderten wir zurück zum Auto. 

In Grantown besuchten wir wieder den bewährten Inder. Diesmal trieb uns allerdings das überhöfliche Getue ziemlich in den Wahnsinn. Wie war nochmal die zweite Empfehlung zum Nahrung fassen im Ort gewesen? Richtig! Der Chinese. Morgen dann.

Gartenarbeit, Posttouren und der Alltag genügen mir für heute erstmal. Zwei von 15 Tagen – das muss langen. Morgen gibt es mehr.

… und grün, grün, grün. Wir sind wieder zurück aus Irland. Genauer gesagt aus dem Westen Irlands. Und die Rolltreppe auf dem Foto war ungefähr das Erste und das Letzte, das wir von der „Grünen Insel“ zu sehen bekamen.

Der Dubliner Airport bot reichlich Fotomotive. Bei unserer Ankunft dort wusste ich diese auch noch zu schätzen. Heute – bei unserer Abreise – war ich dann zu müde und zu geschafft und zu reizüberflutet, um dem Anblick einer Rolltreppe noch etwas abgewinnen zu können. Dafür hatten wir zu viele und zu überwältigende Eindrücke aus den vergangenen zwölf Tagen zu verarbeiten.

Was vor allem ich in den kommenden Tagen zu verarbeiten habe, sind knapp 14 GB Fotos. Teilweise hart erkämpfte Panoramafotos von Mountaintops. Mein Plan bis zum Wochenende: die vergangenen Tage zusammenzufassen und vielleicht den ein oder anderen Tipp für Irlandreisende beizusteuern.
_____________________________________________

Nachtrag vom 29.07.2011, 22:12 Uhr:
Jaaa! Geschafft! Ungefähr 3.800 Fotos habe ich in den beiden vergangenen Tagen gesichtet, bearbeitet, aussortiert und hochgeladen. Und insgesamt fünf – zwar weitschweifig wirkende, aber doch stark komprimierte – Urlaubsberichte geschrieben (siehe unten, da mittlerweile in chronologischer Reihenfolge einsortiert). Ab morgen kann ich mich dann in voll auf die dringend notwendigen Garten- und Hausarbeiten konzentrieren, die ich in den letzten beiden Tagen stark vernachlässigt habe. Und jetzt – weg vom Rechner! Ich bin frei!