Nach der letzten Nacht in Camp machten wir uns morgens bereits auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft in Castletownbere auf der Beara Peninsula. Unterwegs war ein ausgedehnter Zwischenstopp zwecks Besuch von Muckross House and Gardens geplant. An dieser Stelle kreuzten sich unsere Wege dann auch ein einziges Mal mit den Touristenmassen, die sich per Bus über den Ring of Kerry schoben.

Wir stürzten uns also ins Getümmel. So schlimm war es allerdings nicht mal. Immerhin war der überaus hübsche Platz oben nicht besetzt. Gut… Vielleicht lag es auch einfach am Wetter. Es „mistete“ nämlich immer noch vor sich hin…

So blieben mir neben den Standardansichten von Muckross House und Muckross Friary nur mehr oder weniger gruselig-düstere Ansichten des Torc Waterfall, des Meeting of the Waters und diverser Stellen im Wald rund um den Muckross Lake und durch den Rennadinna Yew Wood. Wegen der bescheidenen Sicht und des grauen Himmels erwies sich nicht mal der sagenumwobene Blick vom Ladies‘ View als auch nur annähernd so schön wie erwartet. Immerhin entkamen wir kurz darauf den Touribussen.

Und landeten in Castletownbere, dem Hauptort der Beara Pensinsula und gleichzeitig der letzten Station unserer Reise. Unsere Kraft reichte gerade noch für die Begrüßung durch unseren neuen Hausherren Cornelius O’Sullivan, vermutlich ein Sproß des stolzen O’Sullivan Clans, der einst Beara beherrschte. Ein Schild im Eingangsbereich verkündete: „The gentle Hand to Victory“. Nun denn. ‚Unser‘ O’Sullivan erwies sich jedenfalls als überaus freundlicher, etwas älterer Herr, der uns unser wirklich großzügiges Zimmer im B&B „Summer Hill“ zeigte. 

Anschließend schafften wir es noch nach Castletownbere auf der Suche nach einem warmen Abendessen. Castletownbere scheint zumindest zur Hälfte von O’Sullivans bewohnt zu sein. Auf dem Weg zu „Murphy’s Restaurant“ – ein kurzes Stück entlang der Hauptstraße – entdeckten wie immerhin O’Sullivan’s Dental Care, O’Sullivan’s Bar, O’Sullivan’s Estate Agency, O’Sullivan’s Solicitors und schließlich O’Sullivan’s Garage. Na, Mahlzeit! Das Essen war gut, aber nicht überwältigend. 

Das Frühstück am nächsten Morgen – hergestellt von Cornelius O’Sullivan himself – dagegen war wundervoll. Und der Kaffee belegte eindeutig Platz zwei knapp hinter dem von Catherine Harte Brennan. Beim Frühstück erzählte uns die nette Dame vom Nebentisch den neueren Teil der Geschichte des nahegelegenen Puxley Manor. Die Ruine desselben war vor einigen Jahren wohl von einem US-amerikanischen Hotelkonzern aufgekauft worden, um daraus eine Luxusunterkunft für Börsenmakler, Manager und Rating Agency Mitarbeiter zu basteln. Leider erwischte die Finanzkrise das Projekt eiskalt – und es starb einen schnellen Tod.

Puxley Manor steht nun also äußerlich komplett renoviert und mit einem hässlichen Apartmentkomplex im Nacken an seiner gewohnten Stelle und braucht in den kommenden 250 Jahren nicht mehr zu tun als in den vergangen: einfach ganz entspannt wieder verfallen.

Wir waren dagegen  gespannt und wollten es uns am Nachmittag anschauen. Zuvor stand mir jedoch eine Prüfung der besonderen Art bevor: eine Fahrt mit der einzigen Seilbahn Irlands. Ob das eine gute Idee ist? Der Bauherr fand ja. Und karrte mich zur Dursey Cable Car – der schnellsten Möglichkeit, Dursey Island zu erreichen. Hieß es zumindest. Auf dem Weg dorthin kamen wir an diesem Schriftzug vorüber. Mit schwante Schreckliches. Die Seilbahn selbst wirkte auch wenig vertrauenerweckend auf mich. Besonders angesichts des Nebels, der über der Insel lag. Auch der Defibrillator am Kartenverkaufshäuschen stimmte mich nicht positiver. Die Hundewarnungen waren auch in einem deutlich rauheren Ton verfasst. Nachdem uns morgens noch das erste Schild ganz tief drinnen berührt hatte, mussten wir nun das zweite lesen:

Immerhin ließ ich mich überreden, die Kabine der Seilbahn zu besteigen. Das fühlte sich alles andere als gut an. Ein Blick nach links konfrontierte mich mit dem Notknopf und einer abgegriffenen Kopie des Psalms 91. Waaah! Eine wirklich geschickte Art, den Fahrgästen klarzumachen, dass jetzt nur noch beten hilft. Zu spät – das Ding fuhr los.

Und es kam an. Und ich verließ es. Geschafft! Zumindest bis zur Rückfahrt… Der Nebel auf Dursey Island war derart dicht, dass wir auf dem Wanderweg an der Küste entlang das Meer unter uns jeweils nur hören, aber nicht sehen konnten. Toll. Immerhin hatte ein Scherzkeks auf der Insel allerhand lustige Gimmicks versteckt: eine Telefonzelle im Vorgarten, eine Bushaltestelle, an der seit mindestens fünfzig Jahren kein Bus mehr gehalten hatte, und eine total witzige Geschwindigkeitsbeschränkung. Respekt, der Herr!

Vom geplanten Wale Watching konnte am Ende der Insel keine Rede sein. Das einzige, das wir einigermaßen erkennen konnten, waren Schafe. Und auch ansonsten steppte auf Dursey Island nicht gerade der Bär. Kurz vor dem Erreichen der Seilbahn lichtete sich dann der Nebel etwas und wir konnten erahnen, was die Insel bei besserem Wetter zu bieten gehabt hätte. Wider Erwarten erreichten wir nach längerer Wartezeit die Bearaseite lebendig und in guter Verfassung.

Das Wetter schien sich insgesamt zu bessern, sodass wir beschlossen, noch nach Puxley Manor und Dunboy Castle, der nahegelegenen ehemaligen Festung der O’Sullivans zu suchen. Dieser überaus unauffällige Wegweiser allein hätte uns ohne die Wegbeschreibung der netten Dame vom Frühstück jedenfalls nicht weitergeholfen. Nach unseren Erfahrungen mit dem irischen Verständnis von Verboten zauderten wir dann auch nicht lange, bis wir uns durch den Bauzaun mit den vielen Verbotsschildern quetschten. Und da war es!

Inmitten einer herrlichen Landschaft, die drei ebenso vergessene Ackergäule bewohnten. Hätte der eine ins Handgepäck gepasst – ich hätte ihn mitgenommen. Leider war er ein wenig… ähemm… füllig. Von Dunboy Castle hatten die Engländer dereinst nicht viel übrig gelassen – wie von so vielem in Irland…

Abendessenstechnisch gaben wir Castletownbere eine zweite Chance – die „Olde Bakery“ hatten wir noch nicht getestet. Und sie war richtig gut. Prima! Da mussten wir uns für den letzten Abend nicht noch etwas Neues suchen. Nach Hause ging es wieder einmal an der vermutlich seit Jahrzehnten geschlossenen „Silver Dollar Bar“ vorbei. Keine Ahnung, weshalb der Bauherr meine Vorliebe für die mitgenommene Fassade nicht teilen konnte oder wollte. Pöh!

Glücklicherweise sah das Wetter an unserem letzten Urlaubstag bereits beim Frühstück perfekt aus. Perfekt für die Besteigung des Hungry Hill. Meinte der Bauherr. Und ich war inzwischen auch wieder bereit, mich an dem durch Daphne du Maurier geadelten Berg zu versuchen. Cornelius war beim Frühstück einigermaßen beeindruckt, als wir ihn über unsere Pläne in Kenntnis setzten. 

Und das Wetter blieb stabil. Und wir hatten einen herrlichen Aufstieg und eine makellose Sicht vom Gipfel. Ein ziemlich anstrengender, aber sehr schöner Berg ist das. Mir hatten es besonders die Bergseen angetan. Ich zähle die Fotos, die ich von den beiden Glasslakes gemacht habe, lieber nicht.

Und beim letzten Abendmahl in der „Olde Bakery“ kamen dann auch des Bauherren Biertests zu einem eindeutigen Ergebnis. Der Sieger heißt „Murphy’s Irish Stout“. Glückwunsch! Das war übrigens ganz sicher nicht unsere letzte Irlandreise. Zu vieles haben wir noch nicht gesehen. Wer noch überlegt, ob das ein Urlaubsziel für ihn wäre: Aber unbedingt ist es das – es sei denn, man hat etwas gegen freundliche Menschen, schöne Landschaften und interessante Geschichten.            

Damit wären wir jetzt also bei Donnerstag und auf der Dingle Peninsula angekommen. Den ersten Tag verbrachten wir mit einer Rundwanderung zum Sauce Creek. Wir starteten am Brandon Point, wo wir das Auto abstellten und arbeiteten uns eine Weile bergauf und -ab an der Küste entlang und durchs Moor voran, bis wir oberhalb des Sauce Creek ankamen. Was für ein Blick!

Schließlich ging es in weitem Bogen über einen breiten Fahrweg an die Küste hinunter und ein Stück Landstraße entlang zurück zum Brandon Head. Ein herrlicher und wenig frequentierter Wanderweg, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Da uns das Wetterglück auch freitags nicht verließ, hatte der Bauherr in seiner unendlichen Weisheit wieder den höchsten und ebenfalls einen heiligen Berg erwählt, mit dessen Bezwingung wir den Tag verbringen würden: Brendon Mountain, der Berg des Heiligen Brendan. Brendan lebte im 6. Jahrhundert in Westirland, unternahm jedoch in missionarischem Eifer eine Menge von Reisen. Eine davon führte ihn im Jahre 540 in einem Lederboot nach Amerika.  Sagt man…

Wir machten uns stattdessen in Lederboots daran, seinen Berg zu besteigen, was sich als ziemlich anstrengendes Unterfangen erwies. Jedenfalls für mich, wobei ich zugeben muss, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich fitter als zu Beginn unseres Urlaubs fühlte. Fit genug für einen weiteren Berg.

Und der Brendan Mountain hielt, was Croagh Patrick versprochen hatte. Diese Heiligen haben bergmäßig wirklich einen guten Geschmack.

Der Anstieg über die leichtere Seite zog sich erst relativ harmlos durch Wiesen hin – hinter uns der Blick in die Bucht, vor uns der auf den Berg, bis es doch noch härter wurde. Der größte Teil des Wegs ist übrigens ein Kreuzweg mit markierten Stationen.

Und da jeder Kreuzweg irgendwann ein Ende hat, erreichten auch wir den Gipfel. Der Blick, der sich dabei nach allen Seiten bot, war überwältigend.

Nach dem Abstieg beschlossen wir, uns noch das nahegelegene Gallarus Oratorium anzuschauen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an Brandon Creek vorbei, der Stelle, an der der Heilige Brendan dereinst sein Lederboot bestiegen hatte. Gallarus selbst erwies sich dann – dank eines extrem beredten Mitarbeiters vor Ort – als überaus faszinierend. Micheal Finnegan erzählte auf eine äußerst interessante Art und Weise von der Geschichte und Architektur dieser über 1000 Jahre alten Bauwerke. Selbst des Englischen nicht ansatzweise mächtige, französische Touristen lauschten stundenlang seinen Worten, ohne auch nur eines davon zu verstehen.

Wir unterhielten uns anschließend noch mit ihm, wobei sich herausstellte, dass es sich um eine Art irischen Hessie James handelte. Zwar lief uns noch kein Blut aus dem Ohr, aber er hatte uns schließlich dringend ans Herz gelegt, uns weitere Stätten in der Nähe anzusehen und uns mit Wegbeschreibungen versehen. So landeten wir an diesem Abend noch bei den Resten des Riasc Monastery und der Kilmalkedar Church, bevor wir hungrig und erschöpft im Hafen von Dingle nach einem Seafood Restaurant suchten.

Am Ende landeten wir im „Fenton’s“, wo wir ausgesprochen gut, aber auch recht teuer aßen. Der Bauherr bestellte Mussels als Vorspeise und erhielt ein lachhaftes Tässchen mit acht Müschelchen serviert. Im Gegensatz zu den Mengen im „Marconis“ in Clifden ein echter Witz. Für den nächsten Abend musste ein neues Restaurant her.

Den nächsten Morgen allerdings begannen wir bei deutlich schlechterem Wetter als am Vortag exakt damit, womit wir abends aufgehört hatten: Prehistoric Bee Hive Huts in Fahan. Unser wortgewandter Freund aus Gallarus wäre stolz auf uns gewesen. Ein freundlicher Hund ließ uns für 2,- € pro Person zu seinen kleinen Steinhütten gehen. Es folgte ein Besuch im Dunbeg Promontory Fort.

Dank der am frühen Morgen in Tralee erworbenen zwei Compact Flashs konnte ich nun sorglos weiter fotografieren ohne Angst haben zu müssen, demnächst komplett damit aufhören zu müssen. Wir fuhren den Slea Head Drive (sehr empfehlenswert!) entlang und landeten schließlich im Blasket Centre. Wir waren anfangs etwas skeptisch, ob es sich als interessant erweisen würde, aber es war letztendlich mehr als das. Ein extrem gut gemachtes ‚Museum‘, das einen Blick in das Leben der letzten Bewohner von Greater Blasket bietet, der uns für eine ganze Weile gefangen nahm. Es gibt u.a. eine sehr aufschlussreiche Dokumentation zu sehen, desweiteren beeindruckende Fotos mit Zitaten aus dem literarischen Werk der Bewohner, von denen die letzten 1953 evakuiert wurden. Alles sehr schön aufbereitet und dargeboten.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit der Fahrt über den Slea Head Drive und sahen herrliche Küstenabschnitte – leider vorwiegend in Irish Mist gehüllt. Zuletzt landeten wir noch am Inch Beach, an dem eine Szene aus „Ryan’s Daughter“ spielt.

Fürs Abendessen kehrten wir in Ventry im „The Skipper“ ein. Der Besitzer hieß Paddy Chauvet. Chauvet? Wir hatten ihn durch Zufall gefunden – unseren französischen Koch! Hier hat er also sein neues Lager aufgeschlagen. Und er enttäuschte uns nicht. Das Essen war super.

Für Dienstag und Mittwoch war hervorragendes Wetter prognostiziert. Den Bergplänen des Bauherren stand also nichts mehr im Wege. Abgesehen von meiner fehlenden Kondition natürlich. Gottlob war nicht der letzte Sonntag im Juli, der sogenannte ‚Reek Sunday‘. So durfte ich wenigstens in meinen zwischenzeitlich wieder getrockneten Schuhen losziehen.

Der Croagh Patrick ist Irlands heiliger Berg. 441 hat sich der Heilige Patrick hier 40 Tage lang fastend aufgehalten, bevor er den Schlangen in Irland den Garaus machte. 

Am Fuße des Berges befindet sich ein recht großer (gebührenpflichtiger) Parkplatz, von dem aus man recht flott die Statue des heiligen Patrick erreicht. Ein Blick in die Anweisungen für Katholiken und ein letzter Gruß des großen Vorgängers – und ab geht es durch ein kleines Tor in den Aufstieg. Und der hat es in sich. Wenn man vorankommen möchte, sollte man sich allerdings nicht zu oft umdrehen. Was für ein Ausblick!

Zum Gipfel hin wird der Weg immer beschwerlicher, parallel nimmt die Zahl der ‚Pilger‘ ab. Es begegnete uns eine Frau in „Crocs“ (Croagh Patrick, Mädel! Nicht Croc Patrick!), ein übergewichtiger Ire kam uns mit nacktem Oberkörper schreiend und winkend entgegen, und mit uns kämpfte sich verbissen ein ständig mit seiner Mutter per Handy in Kontakt stehender junger Mann voran. Bis kurz vor dem Erreichen der Kapelle hatten wir eine absolut fantastische Sicht nach unten in die Bucht. Die letzten Meter legten wir dann im Nebel zurück. Bei unserem Eintreffen wurde gerade eine Messe gelesen. Außer etwa zwanzig Personen nahmen daran drei Schafe und ein Esel teil.

Der Abstieg ist ebenfalls nicht ganz einfach, dafür hat man allerdings die geniale Aussicht immer vor und nicht hinter sich. Leider ließ der Parkscheinautomat im Tal nur eine Parkdauer von vier Stunden zu. Durch die Messe waren wir etwas knapp dran, hatten aber keinen Strafzettel am Auto. Immerhin stand schon fest, wo wir zu Abend essen würden, nämlich ein zweites Mal im „Marconis“ in Clifden. Und wir waren genauso begeistert wie am Vortag. Blöd nur, dass wir Clifden mittwochs bereits verlassen mussten. 

Nachdem wir gepackt und gefrühstückt hatten, machten wir uns auf zur nächsten Station unserer Reise, der Dingle Peninsula. Der strahlende Sonnenschein ermöglichte uns auf dem Weg dorthin den Besuch der Cliffs of Moher, einem etwa acht Kilometer langen Abschnitt der irischen Westküste mit 200 Meter hohen Klippen. Die Klippen entlang führt ein Weg, von dessen Begehung allerdings dringend abgeraten wird. Ob sich daran gehalten wird? Ungefähr so wie an das Kontaktverbot mit den Ponies im Connemara National Park. Hier das entsprechende Schild:

Wir starteten unsere Wanderung am Besuchercenter bei O’Brien’s Tower, erfreuten uns an den reichlich vorhandenen Warnhinweisen und machten uns auf den Weg nach Hag’s Head. Der Weg ist bei schönem Wetter gut zu gehen. Bei Regen und Sturm sollte man vielleicht sicherheitshalber die Variante hinter der Absperrung wählen. Die Zahl der Besucher verhielt sich auch hier antiproportional zur zunehmenden Wegstrecke. Dank des herrlichen Wetters gab es reichlich Gelegenheit für Fotos, was unsere Gehzeit allerdings etwa verdoppelte. Aber wer schaut an einem solch beeindruckenden Ort schon auf die Uhr?! Eben. Nur Kleingeister.

Blöd war dann nur, dass wir gerade in Killimer eintrafen, als die Fähre zum anderen Ufer des Shannon gegangen war und sich die Frequenz auf „jede volle Stunde“ ausgedehnt hatte. Da hieß es warten. Umso größer die Begeisterung, als wir endlich unseren Japaner auf der stolzen „Shannonbreeze“ abstellen durften. Nach einer netten abendlichen Überfahrt und ein wenig Gurkerei auf viel zu engen irischen Landsträßchen trafen wir in Camp (15 Kilometer westlich von Tralee im Norden der Dingle Peninsula) ein. Immerhin war noch Zeit für einen Spaziergang zum Strand mit Sonnenuntergang  und eine Portion Fish & Chips in „The Cottage“.

Wir hatten Restaurantbewertungen im Internet gefunden und waren hocherfreut, dass sich das Ding fast direkt neben unserer Unterkunft „Lurraga House“ befand. Ein Franzose in der Einöde! Mal gespannt. Offensichtlich hat das Restaurant allerdings irgendwann in 2010 den Inhaber gewechselt. Der Service war überaus freundlich, aber auf der Karte fanden wir letztlich nichts, das uns mehr reizte als Fish and Chips. Sagen wir es so: Wir waren am Ende satt. Wo ist nur „Paddy, the Frenchman“ hin?

In Clifden schlugen wir unser Quartier für insgesamt vier Tage auf. Dass das B&B freundlicherweise seinen Bewohnern eine Teeküche mit Kühlschrank zur Verfügung stellte, versetzte den Bauherren in die glückliche Lage, seine Biertestreihe während unseres Aufenthaltes anhand einer dort eingelagerten Beamish-Halbliterdose fortsetzen zu können. Guinness lag anschließend allerdings immer noch vorne. Das aber nur am Rande.

Das erste Frühstück in der neuen Unterkunft war lecker – bis auf die Sausages, die sich erst auf meinem Teller und nach einem kurzen Test dann in eine Serviette gewickelt in meiner Hosentasche befanden. Da uns bereits am Vortag ein offensichtlich geisteskranker Hund vors Auto gesprungen war und der Bauherr nur knapp ausweichen konnte, dachte ich, sie könnten vielleicht im Verlauf des Tages noch von Nutzen sein. Nach dem Frühstück sahen wir uns den hauseigenen Teil der Atlantikküste an.

Das da Wetter sich zwar gebessert hatte, aber immer noch bisweilen ein Schauer niederging, verbrachten wir den Tag mit einigermaßen wetterunabhängigen Unternehmungen. Morgens ging es zur Ballyconneely Pony Show, immerhin der zweitgrößten in Connemara. Die größere Connemara Pony Show hatte bereits vor unserem Eintreffen ohne uns stattgefunden. Lustig war’s. Es wurden jede Menge Ponies vorgeführt und zwei Menschen prämierten dann das jeweils Schönste seiner Klasse.

Aber irgendwie hatten sie keine Ahnung. Mein Favorit machte nämlich keinen Stich. Tine, wäre das o.k. für dich gewesen? Ich war mir nicht sicher und habe es deshalb lieber dort gelassen. Sorry. Schließlich wurden auch noch Preise an andere Tiere vergeben, z.B. an ein Kalb. Da schaute die niedliche Konkurrenz dumm aus der Wäsche. Und nicht nur die.

Ähnlich blöd fühlten wir uns kurz danach, als wir bei einer Tankstelle vorfuhren, um unseren Japaner mit Treibstoff zu versorgen. Der Tankdeckel ließ sich nicht öffnen. Eine intensive Suche nach Tricks und / oder Knöpfen verlief erfolglos. Wir räumten die Zapfsäule unverrichteter Dinge und riefen bei der Suzuki-Hotline an. Nach lustigen Ratespielen und eine schnitzeljagdähnlichen Suche auf Geheiß des Technikers fand sich schließlich im Fußraum ein winziger Hebel. Immerhin wissen wir jetzt, wie man die Klappe des Tanks bei einem neuen Swift öffnet. Wissen, das die Welt nicht braucht.

Anschließend verbrachten wir den Nachmittag mit einem ausgedehnten Spaziergang an Dogs Bay und Gurteen Bay. Auf der Fahrt dorthin mussten wir allerdings an einer ziemlich hundefeindlichen Wandmalerei vorbei. Eine deutliche Steigerung zum harmlosen „Scoop the Poop“-Schildchen in Clonmacnoise. Dogs Bay selbst war allerdings traumhaft. Auch ohne Strandwetter. Und auch, obwohl die dort grasende Kuh wenig für die herrliche Bucht hinter ihr übrig zu haben schien.

Zum Abendessen hielten wir in Roundstone an und sahen uns den im Reiseführer vielgepriesenen Hafen an. Mmmmhhh… „Heute wird der Ferienort vor allem von Künstlern und Naturforschern aufgesucht…“ meint man im Hause Baedecker. Offensichtlich haben diese Künstler und Naturforscher den Hafen in einen Schiffsfriedhof verwandelt. Etwa jedes zehnte dort liegende Boot war noch benutzbar. Ich schaffte es immerhin, drei davon in einem Foto unterzubringen. Meine persönlichen Highlights: der Anblick der „Independent“ (ein Boot wie Berlin: ‚arm, aber sexy‘) und die Granitbank mit der netten Aufschrift.

Gut war dann auch das Abendessen im „O’Dowds“, wo wir Seafood und besonders erwähnenswert leckere, noch warme Soda-Brötchen aßen.

Der nächste Tag begann mit dem Besuch von Kylemore Abbey, um das sich eine extrem romantische Geschichte rankt, die man dort an jeder Ecke vor Augen geführt bekommt. Und obwohl das ehemalige Herrenhaus architektonisch eigentlich ein Fake ist, ist es wunderschön. Die Wälder dahinter, der Fluss davor, der herrliche Park und der Victorian Walled Garden. Ein Traum!

Einen kleinen Teil der jetzigen Abbey kann man besichtigen – ein Blick ins Esszimmer gefällig? -, noch lohnender allerdings ist ein Spaziergang durch Park und Gartenanlagen. Der im viktorianischen Stil angelegte Garten lässt jeden Hobbygärtner vor Neid erblassen und angesichts des eigenen Versagens weinend zusammenbrechen. DAS ist ein Garten! SO müssen Gemüsebeete aussehen! Und SO ein Kräutergarten! Die Wege könnten auch etwas breiter sein. Und wer hat schon nach getaner Arbeit so einen herrlichen Platz zum Entspannen?

Beruhigend nur: Dazu braucht man eine Menge Personal. Und wer kann sich das schon leisten? Und war es nicht schon immer so? Derjenige mit der meisten Arbeit führt das bescheidenste Leben. Nach dem Esstisch im Herrenhaus hier der im Head Gardener’s House und der der Gärtner. Finde den Unterschied…

Als ich gerade dazu überging, nette Details zu fotografieren, ging mal wieder ein Schauer hernieder. Immerhin hatten wir den Garten trocken bestaunen können.

Den Nachmittag verbrachten wir im Connemara National Park. Bereits am Beginn des ausgedehnten Rundwegs verbot uns ein Schild, mit den Ponies in irgendeiner Weise Kontakt aufzunehmen. Gut. Dann nicht. Im Prinzip kein größeres Problem, da die einzigen Ponies, auf die wir trafen, zusammengedrängt an einer weit entfernten Hecke Schutz vor dem Wind suchten. Die Landschaft war auch ohne Ponies toll, obwohl ich schon ein wenig rumnervte, weil so gar keine zu sehen waren.

Als wir wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung ankamen, waren da allerdings Ponies. Blöderweise hatte denen nur niemand gesagt, dass sie ebenfalls jeden Kontakt mit möglicherweise anwesenden Menschen vermeiden sollen. Und offensichtlich hielten sich auch alle anwesenden Menschen absolut nicht an das Schild, das ich eben noch ernst genommen hatte. Aber irgendwie nimmt in Irland ohnehin niemand Verbotsschilder ernst. Damit wurden wir in der Folge noch ein paar Mal konfrontiert.

Zu Abend aßen wir – Achtung! Jetzt kommt der ultimative Tipp für Connemara-Reisende! – in Clifden bei „Marconis“. Das Essen war ein Traum! Der Bauherr bekam als Vorspeise eine Suppenschüssel voller „Steamed Mussels in a Chilli and Coconut Broth“, ich hatte „Tian of Oak Smoked Salmon, Fresh Water Prawns and Lemon Scented Crab with a Cucumber Salsa and Parsley Oil“. Das war sensationell. Die Hauptgerichte nicht weniger. Und erst die Desserts! Wir waren wirklich begeistert. Wer nach Clifden kommt: ein Muss! Besser geht es nicht.                       

Sinnvollerweise beginne ich den Urlaubsbericht wohl mit der Anreise. Vom Büro ging es nach Hause, von dort gleich zum Zug und weiter zum Frankfurter Flughafen. Aer Lingus verfrachtete uns noch am frühen Abend nach Dublin, von wo aus wir allerdings noch per Leihwagen nach Clonmacnoise zu unserem ersten Quartier weiterfahren mussten.

Allen Widrigkeiten – namentlich Suzuki Swift, Linksverkehr und einer Navigationsstimme, deren Anweisungen den Eindruck machten, als ob es sich um Arnautovics Traumfrau handeln könne – erreichten wir schließlich tatsächlich um etwa 22 Uhr Kajon House. Die Arnautovic-Tussi befahl uns auf der gesamten Motorwaystrecke, die jeweils nächste Abfahrt zu nehmen, woraufhin sie uns wieder auf die Auffahrt lotste. Wir gehorchten ihr natürlich nur einmal, lachten uns aber anschließend bei allen ihren weiteren Versuchen schlapp. Dummes Luder!

Zurück zum Kajon House: John, der Hausherr empfing uns trotz der späten Stunde überaus freundlich und zeigte uns unser Zimmer, das wir ja nur für eine Nacht bewohnen würden. Um es vorweg zu nehmen: Catherine und John waren die absolut nettesten, warmherzigsten und freundlichsten Menschen, denen wir während der gesamten knapp zwei Wochen in Irland begegneten. Und wir begegneten sehr vielen, sehr netten Menschen. Zudem würde auch ihr Frühstück das beste bleiben, das uns aufgetischt werden würde. Und ihr Kaffee blieb auch ungeschlagen. Ein Bed & Breakfast, das wir jederzeit bedenkenlos empfehlen werden!

Gut gestärkt durch ein Full Irish Breakfast und unter Beachtung des extra für Deutsche angebrachten Warnhinweises fuhren wir schließlich weiter. Das Wetter war durchwachsen, aber das sollte die Pläne des Tages vorerst nicht durchkreuzen können, da als erstes ein Besuch der frühmittelalterlichen Klostersiedlung von Clonmacnoise anstand. Da konnte man auch mit einem Schauer dann und wann leben. Und wir hofften auf eine Verbesserung der Lage für den Nachmittag. Clonmacnoise selbst war dann sehr beeindruckend.

Nachmittags ging es dann weiter Richtung Connemara, wo wir in Clifden unser zweites B&B beziehen würden. Auf dem Weg dorthin hatte der Bauherr, der i.ü. die Stationen und Unternehmungen der Reise im Alleingang absolut perfekt geplant hatte, eine Wanderung entlang des Killary Harbour vorgesehen. Irlands einziger Fjord wäre bei Sonnenschein sicher eine wahre Pracht gewesen, wir trafen jedoch gemeinsam mit einem fetten Regenschauer am Anfangspunkt unseres Marschs ein. Nach kurzer Wartezeit im Auto machten wir uns jedoch hoffnungsvoll auf den Weg. 

Unsere Hoffnungen erwiesen sich allerdings nicht als ausreichend gegen die Unbillen der Natur. Nach Dreivierteln der Strecke gaben wir schließlich durchnässt, halb erfroren und mit aufgeweichter Fotoausrüstung auf und machten uns auf den Rückweg. Der Beginn der Strecke war ein breiter Fahrweg gewesen, am Ende wateten wir jedoch knöcheltief durch Schlamm. Bei der Gelegenheit gaben meine Wanderschuhe denn auch mehr oder weniger den Geist auf. Meine treuen Begleiter seit dem Dolomitenurlaub 2004 wurden endgültig geflutet, was den Rückweg auch nicht eben erleichterte, aber zumindest für eine lustig schmatzende Geräuschkulisse sorgte.

Ein paar wenige Fotos gelangen in kurzen Regenpausen. Im Auto zogen wir uns erstmal um, bevor wir uns unter die Augen unserer neuen B&B-Hausherren begaben. Unser wirklich schönes Zimmer im  Ardmore House an der Lower Sky Road (Tipp: Unbedingt abfahren wegen wirklich toller Aussichten!) verwandelten wir dann gleich durch Verteilung der triefnassen Klamotten und Schuhe auf die vorhandenen Heizkörper in eine Tropfsteinhöhle. Kathy und John erwiesen sich ebenfalls als äußerst nette Menschen.

Zum Abendessen fuhren wir nach Clifden und aßen im Derryclare Restaurant sehr leckere Pasta. Der Bauherr startete seine Biertestreihe mit einem Guinness.