Darf ich Ihnen aus dem Mantel helfen?

Das war mein erster, wenn auch zugegebenermaßen nicht sehr uneigennütziger Gedanke bei meiner Rückkehr aus dem Büro. Hatte ich doch dank eines Zwischenstopps auf dem verfrühten Heimweg zwei Langustenschwänze im Gepäck. Und ein sehr nettes Gespräch über die Zubereitung von Seeteufel an der Fischtheke. Mit der Verkäuferin. Und über Skrei.

Jedenfalls traf ich in Hochstimmung zu Hause ein. Immerhin lag für den freien Nachmittag ein cooles Projekt vor mir. Beziehungsweise zwei.

Die Höflichkeit wich der Schere. Die Jungs wurden aus ihren Zwangsjäckchen befreit.

Erste Amtshandlung war das Ansetzen eines Krustentierfonds. Zu den Langustenschalen gesellten sich noch einiger im Gefrierfach gehortete Garnelenschalen. Und Schalotten, Lauch, Möhren, etwas Tomatenmark, eine angequetschte Knoblauchzehe und etwas Estragon, Sternanis und Koriandersaat. Abgelöscht wurde mit Resten eines sehr leckeren Rieslings vom Weingut Himmel in Hochheim und einer ordentlichen Ladung Hühnerbrühe.

Ab dafür!

Anschließend wurde erstmal ordentlich einreduziert. Und dann durch ein Sieb gegeben. Und weiter einreduziert. Und zum Schluss mit etwas Noilly Prat abgeschmeckt und mit etwas kalter Butter montiert.

Während des Reduktionsprozesses entschied ich mich für Spitzkohl als Beilage. Der musste weg. Und schien auch ganz gut zu passen. Ich blanchierte ihn, schreckte ihn ab und briet ihn kurz in Olivenöl an. Riesling dazu. Und Salz, Pfeffer, etwas Orangenabrieb und fertig.

Die Langusten wurden kurz vor Schluss halbiert und in Butter und Olivenöl von allen Seiten angebraten, eine gequetschte Knoblauchzehe und etwas Zitronenthymian aus dem Garten dazu. Weißwein dran – und dann kurz mit Deckel garziehen lassen.

Am Ende gönnte ich dem ganzen noch ein wenig von den scharfen Gemüseresten, die ich letzte Woche für schlechte Zeiten ge-Twist-off-t hatte.

Ausgezeichnet war das. Kann man natürlich nicht jeden Tag machen, aber ganz sicher bei passender Gelegenheit mal wieder.

Apropos „passende Gelegenheit“: In der vergangenen Nacht trieb mich Schlaflosigkeit dazu, mir „The Day after Tomorrow“ anzuschauen. Jedenfalls bis kurz vor Schluss. Und so im Halbkoma. Richtig wach wurde ich allerdings bei der Szene, als flüchtende US-Amerikaner vor der mexikanischen Grenze standen und abgewiesen wurden. Später durften sie dann doch rein, aber die Situation an sich war angesichts der heutigen politischen Lage schon enorm erheiternd.

Fast so erheiternd wie Trump auf Twitter. „Professional anarchists“… „Paid protesters“… Wo muss ich mich bewerben?! „Thugs“ musste ich übrigens erstmal googlen.

„Du Schwein!“ sagte das Schwein zum Schwein.

Ich bin sicher, meinen Langusten hätte das auch nicht gefallen. Fragen konnte ich sie ja nun leider nicht mehr.

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