Eine gelungene Premiere

Samstag Nachmittag hatte ich mich spontan entschlossen, mich endlich mal am Synchronbacken (zur Erläuterung: Klick! oder Klick!) zu beteiligen. Stand schon länger mal auf dem Plan – aber irgendwas ist ja immer… Aber diesmal passte das Rezept nicht nur ganz gut. Nein, es war praktisch lebensnotwendig. Wir hatten nämlich keins mehr im Haus. Wie im Krieg. „Wir hatten ja nix…“ und so.

 

„Altes Brot ist nicht hart. Gar kein Brot – das ist hart!“ So stand es beim Bäcker einer Kollegin im rheinhessischen Hinterland geschrieben. Prinzipiell stimme ich dem natürlich zu. Aber ist es wirklich vertrauenserweckend, wenn das in einer Bäckerei steht?! Ich bezweifle es. Klingt eher so, als ob man eventuelle Nörgeleien bereits im Keim ersticken wolle.

Nachdem das Synchronback-Brot mittlerweile aufgegessen wurde – und ich fand, dass es heute bei der letzten Scheibe noch wirklich, wirklich gut schmeckte -, reiche ich mal mein Rezept mit meinen Anmerkungen nach.

Miche mit Dinkelvollkornmehl

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Zutaten

Für den Vorteig

  • 125 g lauwarmes Wasser
  • 2 g Frischhefe oder ½ TL Trockenhefe
  • 200 g Dinkelvollkornmehl
  • 4 g Salz

Für den Teig

  • Vorteig von oben
  • 395 g Wasser
  • 260 g Weizenmehl Type 550
  • 195 g Dinkelvollkornmehl
  • 9 g Salz
  • 3 g Frischhefe oder 1 Gramm Trockenhefe

Zubereitung

  • Alle Zutaten für den Vorteig in eine Schüssel geben, gut vermischen und über Nacht bei Raumtemperatur gehen lassen.
  • Am nächsten Tag den relativ festen Vorteig und Wasser in eine große Schüssel geben und den Vorteig darin auflösen. Mit einem Holzlöffel verrühren.
  • Restliche Zutaten zugeben und mit dem Holzlöffel weiter vermischen, bis der Teig sich grob verbindet.
  • Nun auf die Arbeitsfläche geben und von Hand kneten bis der Teig zusammenkommt. Wichtig: kein weiteres Mehl dazugeben! Anm.: Dieser Schritt erfordert "die ganze Bäckerin". Die Versuchung, alles zu bemehlen und hemmungslos weiteres Mehl einzukneten, ist extrem groß. Durch das Vollkornmehl ist der Teig zwar nicht ganz so flüssig wie der meines Ciabattas, aber viel fehlt nicht.
  • Den Teig wieder in die Schüssel geben und drei Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen, dabei den Teig nach 15, 30, 45, 60 und 120 Minuten in der Schüssel falten. Falten heisst, den Teig am Rand nach oben ziehen (dehnen) und zur Mitte einschlagen. Schüssel um 90 Grad drehen und wieder falten. Noch zweimal wiederholen, sodass der Teig ringsum gefaltet ist.
  • Nach dem letzten Falten muss der Teig noch eine Stunde ruhen. Übrigens merkt man bei jedem Falten wie der Teig stabiler wird. Anm.: Achtung! Zwischen den einzelnen Faltvorgängen kommt es zu einer Unzahl ritueller Waschungen, der Abfluss des Spülbeckens verkleistert und anfangs hat man den Eindruck, dass der Teig zur Hälfte den Ausguss runter ist, bis er im Topf landet. Passiert aber nicht. Scheint nur so. Unter allen Umständen Ruhe bewahren!
  • Den Teig grob zu einem runden Laib formen - Betonung auf "grob"! Bedecken und 15 Minuten ruhen lassen.
  • Den Teig nun zu einer glatten Kugel formen mit der Naht nach unten oder nach oben, je nachdem was für einen Look man möchte, in ein mit einem Küchenhandtuch ausgelegtes Sieb legen.
  • Teigling zudecken und 50 bis 60 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen.
  • 20 bis 30 Minuten vor dem Backen einen Gusseisentopf mit Deckel im Ofen auf 230° C aufheizen.
  • Brot auf ein Backpapier kippen, einschneiden und in den heißen Topf geben. Oder direkt in den heißen Topf plumpsen lassen und falls gewünscht kunstvoll einschneiden. Wer es schafft, das Ding so beherzt in den Topf zu kippen, dass es nicht an einer Seite hässliche Falten wirft, hat gewonnen. Wer es dann noch schafft, ein nach dem Backen gut erkennbares Muster hineinzuschnitzen, ist Queen oder King for a Day. Mindestens.
  • Topf verschliessen und 40 bis 45 Minuten backen. Nach 30 Minuten den Deckel entfernen.
  • Brot aus dem Topf nehmen und auf einem Gitter auskühlen lassen

Fest steht: Trotz des Aufwands und der anfänglichen Skepsis hat das Ergebnis voll überzeugt. Das backe ich ganz sicher wieder. Wenn ich mich nicht so wahnsinnig gut im Griff hätte, hätte ich es komplett warm verschlungen. Mit etwas Butter und Salz. Köstlich!

Hat übrigens wirklich Spaß gemacht – auch wenn der Gatte mich zwischenzeitlich im Verdacht hatte, mich an einem neoliberalen Backwettbewerb nach dem Motto „Ich hab‘ den Knusprigsten!“ zu beteiligen. Ich schaffte es dann aber, zwischen dem letzten Falten und dem abschließenden Kneten, seine Bedenken zu zerstreuen. Glaube ich zumindest.

Als das Brot fertig war und der Duft durchs Haus zog, war es sowieso egal, weshalb ich das getan hatte.

Hier nochmal ein Foto vom Anschnitt:

Danke an dieser Stelle nochmals an die Organisatorinnen und an alle Mitbäcker/innen. Das war ein sehr unterhaltsamer Morgen. Ich bin demnächst sicher wieder mal dabei!

Nachgereicht – alle Mitbäcker und -bäckerinnen:

Zorra von 1xUmrühren bitte aka Kochtopf
Sandra von From-Snuggs-Kitchen
Lisa von Chiliblüten
Julia von TheKaumau
Corline von Linal’s Backhimmel
Simone von Zimtkringel
Christina von The Apricot Lady
Nora von Sisters Bakery and Kitchen
Dagmar von Dagmar’s Brotecke
Birgit von Kreativität in Küche, Haus & Garten
Birgit von Backen mit Leidenschaft
Katrin von Krabsch
Volker von Volker mampft
Conny von Mein wunderbares Chaos
Steffi von dulcipessa
Simone von Aus der Lameng
Britta von Brittas Kochbuch

22 Kommentare

  1. Schön, dass du es endlich mal geschafft hast mitzubacken. Ich hatte ja etwas mit meinem Teig zu kämpfen. Aber wie du schreibst, der Geschmack ist top, so hat sich das Ganze doch gelohnt. 😉

  2. Rituelle Waschungen, haha, sehr gut! 🙂 Und ein sehr schönes Brot! Ich werde definitiv auch wieder Miche backen. Das Ergebnis entlohnt einen für die Mühen doch allemal 🙂 Liebe Grüße, Nora

    1. Das war die Premiere für den Schmortopf als Brottopf. Hab‘ ich so noch nie gemacht. Fand ich aber super. Wenn das Ding im Topf ist, schleicht man nicht dauernd um den Ofen rum und hypnotisiert den Teig 😀 Ich glaube, am Freitag lege ich noch eins fürs Wochenende nach =)

      1. Ach, ich hab trotzdem versucht den Deckel zu hypnotisieren 😀 Hab vorher auch noch nie im Topf gebacken und fand das unerträglich. Sonst sitze ich immer die ersten 15 Minuten vorm Ofen, haha.

  3. Liebe Manuela,

    Brot zu backen ist manchmal hart. 😉 Also bei mir war der Prozess dieses Mal ein bisschen schwierig. Das Ergebnis war lecker, so toll wie Deine Miche sieht meine allerdings nicht aus. Deine ist perfekt!

    Herzlichst, Conny

  4. Ja, der Teig hatte es in sich, aber das Ergebnis versöhnt. Du hast da wirklich ein Prachtstück gebacken!!
    Schön, dass Du mit dabei warst und vielleicht bis zur nächsten Runde 😀

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