Lass‘ mich! Ich hab‘ J06.9 G!

Was hab‘ ich gesagt?! Genau! Nach dem Huhn ist vor dem Huhn! Da habe ich nämlich bereits die ersten Anzeichen körperlicher Schwäche an mir festgestellt. Gestern morgen erschien mir abwarten noch als Option. Am Nachmittag machte mir der Gatte einen Strich durch die Rechnung. Während ich in Schweiß gebadet und wehrlos auf dem Sofa herumdelirierte, machte er mir kurzerhand einen Arzttermin für heute. „So kannst du nicht arbeiten. Basta!“

Und er hatte natürlich vollkommen recht. Mein Auftritt à la „Nacht der lebenden Toten“ im Wartezimmer versetzte die anwesenden sieben Rentner in Todesangst. Bei meinem ersten Schneuzen und Röcheln rückten sie bereits ab und drückten sich wie eine Schafherde beim Auftauchen des bösen Wolfs in einer Ecke zusammen. Ich weiß auch wirklich nicht, was man so toll daran findet, ständig in virenverseuchten Arztpraxen herumzulungern, wenn es dem eigenen Allgemeinzustand deutlich zuträglicher wäre, eine Runde durch die frische Luft zu drehen. Hobbies haben die Leute… Tststs… Was soll das sein?! Die Ü80-Version von „no risk no fun“?!

Jedenfalls verzichtete mein Arzt bei meinem Anblick auf den Händedruck und zog sich eine Maske über. Na danke! Und dann zog er mich für den Rest der Woche aus dem Verkehr. Mit der Option auf Verlängerung, falls es am Montag nicht besser sei. Ich hatte sogar Fieber! Also 37,7°C, was für meine Verhältnisse etwa so ist, wie wenn andere Menschen 42°C Fieber haben. Also normale Menschen. Menschen, die auch mal krank werden. Und die sich das dann auch eingestehen, statt weiterhin ins Büro zu marschieren mit dem „Wenn ich abtrete, nehme ich noch zehn von euch mit!“-Blick.

Sofort nach meiner Rückkehr – ohne schuldhaftes Zögern praktisch – zerrte ich ein Huhn aus der Gefrierung und warf es mit letzter Kraft in einen Topf. Diesmal musste ich in mein Standardrezept schauen. Mein Gehirn ist irgendwie verklebt.

Und während das heilende Huhn in seinem Gemüsebad so vor sich hintreibt, lege ich noch ein Rezept vom Wochenende nach. Falls ich die Sache hier nämlich nicht überleben sollte, weiß der Gatte wenigstens noch, wie ich es gemacht habe. Er fand es nämlich gut.

Es diente der Verarbeitung der Rahmsauerkrautreste vom Vortag. Auf der Suche nach einer Idee stieß ich auf Allgäuer Krautkrapfen, was perfekt passte, da der Nudelteig nur aufgetaut werden musste.

Am ersten Abend vergesellschaftete ich sie angebraten mit Skrei und Balsamicolinsen. Am zweiten Tag einfach so aus dem Bräter mit Bratwurst und Senfsauce, die damit auch endlich aufgebraucht war. Hier werden zur Zeit keine Gefangenen gemacht! Beides übrigens ausgezeichnet. Und ideal für die kalte Jahreszeit.

Krautkrapfen

Zutaten

  • 300 g Sauerkraut - zubereitet als Rahmsauerkraut (Schalotten in Butter anschwitzen, Sauerkraut dazu, mit je etwa 100 ml Rinderfond, Weißwein und Sahne einköcheln lassen, abschmecken)
  • Reste der gestern geposteten Senfsauce - ansonsten einfach etwas Senf zugeben und abbinden
  • 10 Scheiben geräucherter Schinken (Menge geschätzt)
  • Nudelteig aus 200 g Mehl, 2 Eiern und etwas Salz
  • 300 ml Rinderfond
  • eventuell Butterschmalz zum Anbraten

Zubereitung

  • Nudelteig herstellen und sehr dünn auswalzen. Mit Schinkenscheiben belegen.
  • Sauerkraut gleichmäßig darauf verteilen. Teig von der breiten Seite her einrollen.
  • Teigrolle in Stücke schneiden - bei mir wurden es 14 Stücke. Diese nebeneinander mit der Schnittseite nach oben in eine ofenfeste Form (oder eine Gussform o.ä.) stellen. Rinderfond angießen, Deckel auflegen und bei 200°C Ober- / Unterhitze garen, bis die Flüssigkeit fast vollkommen aufgenommen wurde.
  • Einzelne Rollen falls gewünscht nochmals kräftig von allen Seiten in Butterschmalz anbraten. Am ersten Tag habe ich das getan. Am zweiten nicht. Schmeckt auch.

So. Und jetzt gehen mein grippaler Infekt und ich wieder aufs Sofa und sterben weiter leise vor uns hin. Wieso ist die Treppe ins OG eigentlich so viel länger und steiler als sonst?!

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