„Please don’t take my sunshine away…“

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Eklig hier. Muss mal gesagt werden. Ein Temperatursturz von zwanzig Grad innerhalb eines Tages ist nichts, das man gerade mal so wegsteckt. Vielleicht liegt es am Alter, aber sich im Herbst nochmal ein paar Tage Sonne zu gönnen, hat schon was. Schlimm nur die Rückkehr…

Auf dem Foto oben sieht man unseren hervorragenden Airbus 320 der Air Malta. Heute vor einer Woche starteten wir mit ihm durch zu unserer Air-Malta-Premiere. Gelungene Premiere! Der Gatte und ich waren uns einig, dass das Bordbrötchen das beste Brötchen war, das wir jemals in der Touriklasse einer europäischen Airline zu uns genommen hatten.

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Es handelte sich um ein Körnerbrötchen mit Thunfisch, Kapern, Oliven und Paprika. Erstaunlich lecker. Was auch unbedingt noch erwähnt werden muss, ist die Tatsache, dass dem Air-Malta-Personal die lächerliche Rettungswesten-Kür erspart bleibt. Stattdessen gibt es ein lustiges Video mit einem Cartoon, dessen Hauptperson ein „Knight of Malta“ ist.

Er tapert durch Fettnäpfchen und Krisen und erklärt die Sicherheitshinweise. Am Ende sitzt er an einem Tisch im Hafen, hat ein Glas Wein in der Hand – hinter ihm etliche Luzzus (das sind die lustig lackierten Fischerboote Maltas, die auf eine phoenizische Tradition zurückgehen) aneinandergereiht, vor ihm ein Teller – und wünscht einen angenehmen Aufenthalt. Netter Typ.

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Vielleicht gibt’s beim nächsten Mal ein besseres Foto. Gozo ist für den Herbst 2017 schon wieder anvisiert. Das nur mal so am Rande. Widmen wir uns aber jetzt erstmal Gozo 2016.

Wir reisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Frankfurt. Am Stadion wurde es dank des Bundesligaspiels der Eintracht gegen die Bayern schlagartig total voll in der Bahn. Wir wurden an die Tür gequetscht und beteten, dass die Zugstimme „Ausstieg in Fahrtrichtung links“ sagen würde. Sagte sie nicht. Sie sagte „Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“. Na, danke!

Die Eintracht-Fans waren allerdings äußerst freundlich und kooperativ, und bugsierten uns auf der gegenüberliegenden Seite nach draußen. Am Flughafen informierten wir uns erstmal im Hinblick auf das Spielergebnis – 2:2. O.k. – da konnte man mit dem Adler auf der Brust schon einigermaßen gutgelaunt sein.

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Das erste, das wir von Malta sahen, war Valletta bei Nacht. Allerdings deutlich hübscher als auf dem miesen Handyfoto oben. Sehr lustig übrigens die Landstraßenbeleuchtung, die die komplette Insel wie ein Netz überspannt.

Beim Warten auf die Koffer trafen wir den maltesischen Mitreisenden wieder, der sich während des Flugs bereits fünf oder sechs Cisk einverleibt hatte. Er wartete mit einem Sixpack Cisk (maltesisches Lager-Bier) unter dem Arm auf sein Gepäck. So kann man sich auch die Heimkehr versüßen…

Mit den Koffern ging es zur Autovermietung, mit dem Auto Richtung Hafen an der Nordspitze Maltas. Wir hatten abartiges Glück und fuhren als vorletzte auf die abfahrbereite Fähre. Rein. Klappe zu. Ab ging’s.

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Es folgte die Fahrt nach Marsalforn, das Treffen mit unserem Vermieter, der uns half, die Koffer durchs Treppenhaus – dazu später mehr – in den vierten Stock zu schaffen. Tolle Wohngegend übrigens – direkt gegenüber dem ersten Haus am Platz, dem Ritz.

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Wir waren aufgedreht und wach. Wir gingen auf ein Bier und einen Wein in die Marsalforn Bay. Die „Glassbox“, ein von einem emigrierten Briten betriebener Pub, bot uns beides. Und noch ein Bier und noch einen Wein. Irgendwann kurz vor drei Uhr in der Nacht fielen wir platt in die Kissen.

Der Gatte, der am Morgen in aller Frühe gleich den ersten Tauchgang hatte, tat mir ein wenig leid, als ich mit einem Kaffee entspannt auf dem winzigen Balkon in der Sonne saß und las. Als er zurückkehrte, war er allerdings noch fit genug, um mich durch Victoria, die Hauptstadt Gozos, und an den Salzpfannen von Xweinij Bay bis Ghasri Point entlang zu treiben. Mein Mitleid schrumpfte gen Null.

Victoria – bzw. Ir-Rabat – hatten wir bereits beim letzten Mal durchwandert. Ebenso die Cittadella, eine riesige Festungsanlage, die die Gozitaner in der Neuzeit zur Abwehr türkischer Piraten errichtet hatten. Beim unserem letzten Besuch war der Himmel grau gewesen, und ich hatte ein Jahr lang genervt, dass ich das unbedingt bei blauem Himmel fotografieren müsse… usw…

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Wir hatten ein riesiges Glück mit dem Wetter – übrigens die ganze Woche lang. Es war wahrhaft fantastisch. Und die Cittadella mit blauem Himmel dahinter war gleich mehrfach toller als in Wolken.

Dazu kam, dass die seit zwei Jahren andauernden und mit üppigen EU-Mitteln (in diesem Fall ist das Geld außerordentlich gut angelegt!) geförderten Bauarbeiten inzwischen beendet sind. Wenn man den Haupteingang nimmt, kommt man durch die Eingangshalle und in den Genuss einer kostenfreien und extrem beeindruckenden 3D-Show, die die Geschichte der Festung nacherlebbar macht. Diese Multimediainszenierung ist derartig gelungen, dass sich mir gerade bei dem Gedanken daran schon wieder die Haare am Unterarm aufstellen. Einer der besten Momente des Urlaubs. Man geht praktisch heraus mit dem Gefühl, anschließend jedem Gozitaner die Hand drücken und ihm sagen zu müssen, wie stolz man auf ihn und die zivilisatorische Leistung Gozos ist.

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Richtig gute Bilder davon habe ich leider nicht. Es war voll und dunkel, und ich war paralysiert. Guuut… Ein Stativ wäre auch nicht schlecht gewesen, aber das lag im Koffer…

Anschließend fotografierte ich wie blöd jeden Winkel, Gang und Tunnel. Heute bei der Bearbeitung der Fotos bereute ich es bereits. Ziemlich viele halt. Grmpf.

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Die große Masse lade ich bei Gelegenheit auf Flickr hoch. Nach einem Kaffee in Victoria – der Gatte musste sich vom Wirt anhören, dass ich „a good girl“ sei – ging es an den Ghasri Point im Nordwesten der Insel. Salzpfannen und Meer. Traumhaft.

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Als wir schließlich sehr, sehr hungrig waren, entschieden wir, dem „Menqa l’Antika“-Nachfolgerestaurant (der ehemalige Inhaber Chef Gordon, dem ich bereits im letzten Jahr ein hymnisches Denkmal gesetzt hatte, musste leider schließen und in abhängiger Beschäftigung sein Glück suchen)  „T’Anglu“ eine Chance zu geben. Gute Idee!

Das Essen war köstlich, die weibliche Bedienung der Hammer. Wir hatten eine Smoked Fish Platter und Penne Contadino, anschließend einen Lampuki (so heißt die riesige Goldmakrele, die um diese Zeit – „It’s Lampuki Season!“ – die maltesischen Gewässer kreuzt) in Tomatensoße und ein Champignonrisotto. Zuletzt blieb nur der Carob Liqueur aufs Haus und ein Kaffee. Das langte erstmal.

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Ein überaus gelungener Abend. Und auf der Karte waren noch Sachen, die wir auch unbedingt noch probieren wollten.

Im Gehen fragten wir die Bedienung, ob sie eine Ahnung habe, wo diese seltsam lackierte Bank in Marsalforn stünde, von der ich bereits Fotos gesehen hatte und die ich unbedingt fotografieren wollte. Sie hatte keine Ahnung. Der Gatte wagte es anschließend, einen Polizisten danach zu fragen. Die Antwort? „The bench…!“ Ja klar… DIE Bank! Sagt das doch gleich! Er erklärte uns den Weg. Mein Plan für den kommenden Morgen stand.

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Ich erwähne das jetzt nur einmal: Der Gatte hatte allmorgendlich Tauchgänge vereinbart. Damit ich mich nicht zu Tode langweilen würde, nur jeweils einen pro Tag. Ich frage nun ernsthaft: Wie kann man sich in der Sonne im Oktober mit einem Buch langweilen?! Eben. Geht nicht. Die Vormittage waren herrlich erholsam und alles andere als langweilig.

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Die Bank fand ich am kommenden Morgen. Die ist einfach toll. Die Blasen an den Füßen, die ich nach der Suche und einem Einkauf hatte, waren es wert. Anschließend entsorgte ich die für meine Qualen verantwortlichen Birkenstocks in einem schwarzen Sack. Das mit dem Müll ist auf Gozo auch so eine Sache… Auch dazu später mehr.

Nachmittags fuhren wir dann zum Xatt l’Ahmar an der Südküste, stellten das Auto ab und machten uns auf den Weg zur wundervollen Bucht Mgarr ix-Xini. Todesmarsch. Praktisch. Immer an der Küste lang. Und an Angelina Jolies toller Filmstelle. Vor zwei Jahren hatten Brangelina die komplette Insel unterjocht, um ihren Mega-Flop „By the Sea“ dort zu drehen. Kack-Film, tolle Stelle.

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Bei unserer Ankunft war ich richtig platt. Seltsamerweise nur ich. Wir tranken etwas. Es ging wieder. Wir machten uns auf den Rückweg. Der Rückweg war ähnlich spektakulär wie der Hinweg. Im Prinzip fallen mir ohnehin nur wenige Stellen auf Gozo ein, die nicht irgendwie spektakulär wären.

Abends gingen wir essenstechnisch fremd. Und das war keine gute Idee. Irgendwie dachten wir, dass wir mal so richtig was riskieren müssten. Am anderen Ende der Bay, das wir sonst nie aufsuchten. Und wir landeten im „Il Gambero“, der Nummer zwei bei Trip Advisor. Wie dieses Ding da hin kommt, erschloss sich uns nicht.

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Der Gatte nahm Bucatini mit Meeresfrüchten. Auf seinem Teller lag der Inhalt eines kompletten Schleppnetzes – allerdings nicht auf Bucatini. Meines Wissens sind das Röhrennudeln. Meine Pasta mit Lachs hingegen entpuppte sich als erste Pasta al Salmone senza Salmone der Welt. Ich fand nix. Selbst nach intensiver Suche war kein winziges Fitzelchen billigsten Lachses zu finden. Ich habe ein Foto davon, aber das ist dermaßen unscharf, dass es als Beweis nicht taugt. Der Gatte teilte seine Unmengen von Meeresfrüchten mit mir. Trotzdem gemein. Wir gingen ohne Dessert und Kaffee.

Ein anschließender Spaziergang entlang der Marsalforn Bay mit Bank-Session am Meer beruhigte mich wieder etwas.

Am kommenden Tag stand etwas ganz Großes an: mein Weg zu Jesus. Den hatte ich im vergangenen Jahr nämlich nicht gefunden.

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Diesmal – dem Gatten sei Dank! – hatten wir die ganze Aktion innerhalb einer guten halben Stunde abgehakt. Hoch zu Jesus, Fotos machen, wieder runter. Ein wahrhaft triumphaler Moment.

Es folgten die obligatorischen Einkäufe bei Ta’Mena und dann eine weitere schlimme Erfahrung: eine Küstenwanderung von Ta’Cenc an den Sanap Cliffs entlang zur Xlendi Bay. Diesmal brauchte ich Kaffee, Wein UND Eis, um den Rückweg zu schaffen. Immerhin gab es – wie im letzten Jahr – keinen Wolkenbruch bei unserer Ankunft.

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Der Rückweg zum Auto verlief erstaunlich reibungslos. Wir beschlossen, keine Experimente zu machen, und erneut im T’Anglu einzukehren. Das entpuppte sich allerdings leider als krasse Fehlentscheidung. Aber dazu morgen mehr.

Heute muss ich mich erstmal um den Linseneintopf kümmern. Was bleibt einem auch anderes übrig bei diesem Dreckswetter?!

Mehr Sonne gibt es morgen übermorgen. Versprochen.

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