Popeye outside Anchor Bay

Der Insektenstich am Unterarm entwickelte sich wirklich prächtig. Fast war ich versucht, mir einen Anker drauf tätowieren zu lassen und in Popeye Village in der Anchor Bay auf Malta (der Kulisse für den Popeye-Film, die mittlerweile in einen Vergnügungspark verwandelt worden ist) um eine Anstellung zu bitten. Das mit der Pfeife hätte ich irgendwie auch noch hingekriegt.

Blöderweise war nun aber Sonntag, und ich fand das Cortison-Gel, von dessen Mitnahme ich völlig überzeugt war, nirgendwo. Die Apotheke in Marsalforn – „Tony’s Pharmacy“ – hatte geschlossen. Ich verdrängte es. Spiegeleier, Kaffee und Sonnenschein überlagerten die Sache irgendwie. Und als mittags der Gatte nach Hause kam, fühlte ich mich auch fit genug für eine Wiederholung der Küstenwanderung aus dem letzten Jahr von Daħlet Qorrot zur Hondoq ir-Rummien (Hondoq Bay).

Das Wetter war absolut makellos. Wir stellten das Auto in Daħlet Qorrot ab und machten uns auf den Weg die hübsche Treppe mit dem himmelblauen Geländer hinauf. Up, up and away!

Und es war wie erwartet: einfach herrlich! Das ist wirklich ein fantastisches Stück Küste, das man da entlang geht. Wichtig: festes Schuhwerk! Trittsicherheit ist erste Voraussetzung. Ein bißchen wagemutig muss man auch sein, weil es zwischendurch einen ziemlichen Abhang hinuntergeht. Und es gibt eine Leiterpassage. Aber den Abhang kriegt man rutschend ganz gut in den Griff. Man sieht ihn auf dem folgenden Foto: die Scharte neben dem Fels.

Wenn man da runter ist, wird es einfach nur traumhaft. Ich mutierte zum Fotopiranha. Der Gatte schlenderte gemächlich am Meer entlang, und ich schnappte nach rechts, links, oben, unten – alles gleichzeitig. Dann gab es eine Wasserpause an den Salzpfannen mit Blick auf Comino und Malta.

Und blauer ging der Himmel wirklich nicht. Und das Meer gab farblich auch alles.

Gut. Wenn ich gerade nicht so wahnsinnig beschäftigt und abgelenkt war, juckte mein Arm wie blöd, aber ich schaffte es immer wieder, das relativ erfolgreich zu verdrängen. Am Knöchel konnte ich nicht kratzen, weil der Wanderschuh mir den Zugang verweigerte.

Wir gingen bis zur Hondoq Bay – man könnte auch bis zum Hafen in Mġarr weitergehen, aber der Rückweg über die Landstraße und durch Qala langte auch so.

In Daħlet Qorrot gab es aus Erquickungsgründen erstmal Eis und Wein. Und für den Abend hatten wir einen Tisch im „Il-Kartell“ in Marsalforn reserviert. Meeresfrüchte, wir kommen!

Auf der Tageskarte standen Gillardeau Oysters. Ich probierte die erste Auster meines Lebens. Und – Überraschung! – sie war null schwabbelig wie erwartet, sondern einach nur herrlich meerig. Mjam!

Außerdem gab es noch Fish Polpetti, Tortellacci neri al Salmone (mit Safran-Velouté und Pistazien) für mich und Pasta Gozitana (mit Zalzett tal-Malti, Salsa Rosa und Zucchini) für den Chef.

Das Ganze direkt an der Hafenkante. Uns ging es gut!

Auf dem Rückweg liefen wir an Tony’s Phamacy vorbei und checkten die Öffnungszeiten. Da würde ich wohl am nächsten Morgen vor der Tür stehen, wenn Tony seinen Laden öffnen würde. Mein Fuß war mittlerweile auch angeschwollen…

Allerdings war ich auch in diesem Zustand noch zu kognitiven Höchstleistungen fähig. Wir kamen nämlich an folgendem Schild vorbei:

Und wir schauten es an und versicherten uns gegenseitig unseres Unverständnisses über den Gebrauch maltesischer Artikel. Exakt bis zu dem Moment, in dem ich sagte: „Und was, wenn das immer am ersten Buchstaben des Substantivs bzw. Namens hängt?!“ Wir starrten das Schild an. Wir gingen in Gedanken alle möglichen Kombinationen durch. Öfters steht ja auch mal „Il“ davor. Zum Beispiel bei „Il-Kartell“.

Der Gatte löste das Problem schließlich durch Befragung von Wikipedia: Malti.

Zitat: „Wie im Arabischen gibt es keinen unbestimmten Artikel. Die Grundform des bestimmten Artikels lautet il- (z. B. il-jum = der Tag). Wie im Arabischen wird das -l- des Artikels an Dentalkonsonanten assimiliert, d. h. an d, t, n, x, z, s, r, wenn diese dem Artikel unmittelbar folgen wie in id-dinja (die Welt), is-sena (das Jahr), ix-xems (die Sonne) u.ä.. Vor den übrigen Konsonanten bleibt -l- immer erhalten (il-karozza = das Auto, il-bint = die Tochter, il-ħbieb = die geliebten Menschen u. ä.). Wenn das vorherige Wort mit einem Vokal endet, entfällt das i- im Anlaut des Artikels. Es entfällt ebenfalls, wenn das folgende Wort mit einem Vokal anlautet. In beiden Fällen lautet der Artikel nur l- (l-istudenti u l-professuri = die Studenten und die Professoren u. ä.) bzw. d-, t-, n-, x-, z-, s- oder r-, wenn wie oben erläutert assimiliert werden muss.“

Assimilation! Ich hielt mich kurz für genial. Dann juckten meine Insektenstiche wieder wie verrückt. Ich hasste mich.

Die Nacht war fürchterlich, aber wir reden hier gerade noch von zwei Stichen. Morgens verkaufte mir Tony eine 0,1%ige Cortison-Crème. Ich wendete sie an – und fand fünf Minuten später im Rucksack mein mitgebrachtes 0,5%iges Gel. Lief ja wieder super. Immerhin war ich erstmal versorgt. Die Stiche, die mittlerweile das Format nützlicher Gliedmaßen angenommen hatten, schwollen etwas ab. Aufatmen! Mit Gozo farm eggs und Cortison ist der Tag dein Freund.

Gegen Mittag tauchte der Gatte wieder auf – im wahrsten Sinne des Wortes. Er war in der Dwejra Bay gewesen. Die gozitanischen Dive Guides hatten sich darüber amüsiert, dass am Folgetag die Straße nach Dwejra wegen Straßenbauarbeiten gesperrt sein würde, und niemand die maltesischen Tauchbasen, die mittwochs und donnerstags wohl gerne Tauchgänge auf Gozo einplanten, informiert hatte. Kleines inselinternes Späßchen. Auf sowas steht der Gozitaner… Wir verlegten unsere Dwejra-Exkursion erstmal auf Freitag.

Und wir planten die Cittadella in Victoria (Ir-Rabat) für den aktuellen Tag ein. Dafür würde ich schönes Wetter brauchen. Und es war gerade schönes Wetter. Auf dem Weg nach Victoria kauften wir noch Brot bei Grech’s Bakery. Brot und Mandelstückchen und Mandelplätzchen. Für fünf Euro erhielten wir ein Brot, fünf Stückchen und zehn Plätzchen. Und noch je eins auf die Hand. Backwaren sind wirklich ausgezeichnet auf Gozo. Und absolut preiswert. Also ihren Preis wert.

Ich googlete das Rezept für die Biskuttini tal-Lewz. Und es liegt hier und wartet auf einen Nachbau. Vielleicht hebe ich es mir auch für die Weihnachtsbäckerei auf. Mal sehen.

Die Cittadella war wie immer sehr beeindruckend. Ich kann nur jedem anraten, das Visitor’s Centre mitzunehmen. Wir haben den Film einmal in Russisch und einmal in Englisch angeschaut. Dann langte es dem Gatten. Ich hätte auch locker noch zwei Durchgänge in Kisuaheli und meinethalben Mongolisch nachlegen können.

Anschließend stromerten wir durchs Gelände. Das Wetter war so klar, dass wir fast nach allen Seiten das Meer sehen konnten. Und dank des blauen Himmels waren auch die Limestone-Fotos perfekt.

Zwischendurch gönnten wir uns eine Pause im Ta‘ Rikardu. Da wurden uns die allüberall gegenwärtigen österreichischen Kreuzfahrtrentner etwas zu anstrengend. Der Gatte bestand darauf, die Getränke auf der Dachterrasse einzunehmen. Damit machten wir uns nicht wahnsinnig beliebt, da die Bedienung nur über eine recht unpraktische Wendeltreppe bis zu uns vordringen konnte, aber dafür saßen wir traumhaft.

Und die Bedienung erläuterte uns freundlicherweise auch gleich noch die korrekte Aussprache von Imqaret, einer typisch maltesischen Süßigkeit. Es handelt sich um eine Dattelfüllung in einer fritierten Teighülle. Mit Vanilleeis kaum zu toppen. Das Rezept liegt ebenfalls für die nächste Gelegenheit bereit.

Eigentlich wollten wir nach dem Cittadella-Besuch noch Kaffee auf dem St. George’s Square trinken, aber das hatte sich damit erledigt. Wir stellten fest, dass unser „House of Gozo“-Laden aus dem vergangenen Jahr geschlossen hatte, besorgten bei „La Bottega del Sole e della Luna“ den getrockneten Wildthymian und ein weiteres Fischküchenhandtuch und liefen noch ein wenig durch die Gassen von Victoria.

Prinzipiell könnte man sich da totfotografieren, aber man hat sich ja im Griff. Zumindest ansatzweise.

Da Montag war, hatten wir beschlossen, das Abendessen etwas bescheidener ausfallen zu lassen. Der eigentlich angedachte Test des neuen Restaurants „AlanTil Joplin“ musste einen Tag warten, da es montags Ruhetag hatte. Wir bestellten einen Tisch für Dienstag. Und entschieden uns für eine Pizza. Leider hatte das anvisierte „Piùtrentanove“ ebenfalls montags geschlossen, sodass wir ins „Electra“ ausweichen mussten.

Die Gozitana Ftira war essbar, aber nicht mit der in Nadur aus der Mekren’s Bakery zu vergleichen. Egal. Wir waren satt. Der Teig war übrigens echt gut. Als schließlich am Nachbartisch ein britisches Paar auftauchte, dass sich nach bester Mainzer „Comolario“-Manier vom weiblichen Bruno unterwürfigst hofieren ließ, verging mir etwas der Spaß. Lächerlich.

Wir schlappten „nach Hause“, ich rieb zum ungefähr 1.000stenmal meine Stiche ein, der vierte Tag des Urlaubs war blöderweise auch schon wieder vorbei. Zwei neue Stiche hatte ich mir eingefangen. Zwei. Ein Witz, wie sich am nächsten Abend herausstellen würde. Hier: noch ein Moskito-Cliffhanger! Ich bin mir echt mittlerweile für nix mehr zu schade…

cof

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