Vertigo irgendwie

So ein bisschen was hatte das zwischendurch schon vom Hitchcock-Klassiker mit Kim Novak und James Stewart. Immerhin muss man auf keine Treppenleiter und keinen Turm steigen beim Synchronbacken. Es war wieder soweit! Zorra hatte zur 61. Ausgabe aufgerufen: Synchronbacken September 2021. Nach einem Rezept von Ibaá Yarza stand diesmal eine Ensaïmada auf dem Programm. Ausgezeichnet! Die wollte ich seit unserem Mallorca-Urlaub 2019 ohnehin schon immer mal nachgebacken haben.

Auf Mallorca selbst kommt man nur schwerlich drumherum – aber wer will das auch schon?! Die Ensaïmada begegnete uns allüberall. Sogar beim Abflug noch am Flughafen im Karton zum Mitnehmen. Und halt in fast jeder Bäckerei überall auf der Insel.

Danke jedenfalls für den Schubser, Zorra. Der kam gerade recht. Und wenn nicht Ihr-wisst-schon-was (das Virus, dessen Namen wir nicht nennen wollen) über uns gekommen wäre, hätte ich auf alle Fälle in 2020 eine weitere Gelegenheit gehabt, das Original unter der Sonne Mallorcas zu genießen. Nun. So war es aber ja nun nicht. Dann backen wir sie halt selbst.

Als ich samstags den Teig – übrigens mal wieder einen echten Handschmeichler-Teig – ansetzte, stellte ich fest, dass der Andrang bei diesem Synchonbacken recht überschaubar war. Es ist mir absolut rätselhaft, wieso. Das ist ein so außerordentlich tolles Rezept, dass ich sehr unglücklich wäre, wenn ich ihm keine Chance gegeben hätte. Es ist sogar so gut, dass ich – ich glaube zum ersten Mal! – absolut nichts an meinem eigenen Ergebnis auszusetzen habe. Ich weiß. Das kommt recht selten vor. Ich nöle ja ansonsten ganz gern mal rum.

Erst wollte ich auf die Füllung verzichten, dann dachte ich kurz über Sobrasada nach. Ich habe nämlich tatsächlich welche im Haus. Als ich jedoch die Zuckermenge im Teig sah, bekam ich Skrupel. Das wäre am Ende wie Leberwurst auf Rosinenbrötchen. Ich schwenkte auf süß um – und entschied mich für die vier herrlichen Feigen, die über einen freitäglichen Gierkauf (Man hat zwar keinerlei Ahnung, was man damit anstellt, aber man muss es trotzdem unbedingt haben) in meiner Küche gelandet waren. Nun denn. In diesem Fall könnte man das im Nachhinein als sehr vorausschauend legitimieren.

Von der Teigbearbeitung selbst gibt’s übrigens keine Fotos. Ich wollte die Kamera nicht mit meinen Schweineschmalzhänden schänden. Nicht mal das Handy.

Die Feigenfüllung gab ich nur innen in die Rolle. Das war dann auch perfekt und ließ sich super aufrollen. Der Vertigo-Teil begann. Erst wurde der Teig hauchdünn ausgezogen und unter Ziehen und Dehnen eingerollt. Und dann nochmals zu einer Spirale geformt. Ich riss beim Dehnen ein paar Löcher rein. Am Rand gab es ein paar dickere Stellen. Aber am Ende sah es aber gar nicht mal so schlecht aus. James Stewart wäre wahrscheinlich vor dem Blech kollabiert.

Was zu Beginn noch ziemlich verhungert wirkte, sah spätabends schon recht füllig aus. Morgens war klar: Da musste gleich der Ofen angeworfen werfen. Das konnte nicht mehr länger warten. Wir wollen ja keine Übergare riskieren.

Und auch das Abbacken klappte dann prima. Und beim Bestäuben mit Puderzucker ging auch nix schief. Läuft.

So. Jetzt noch meine Rezeptvariante. Zorra hat ihrem oben verlinkten Synchronbacken-Post übrigens auch eine Übersetzung des spanischen Originals ins Deutsche als PDF spendiert.

Und noch eine Anmerkung: Die Füllung lässt sich ganz hervorragend variieren. Im Prinzip kann man jedes Fruchtmus und jede Marmelade zum Füllen nehmen. Und so als dicke, fette Puddingschnecke mit Bayerischer Crème kann ich mir das auch sehr gut vorstellen.

Ensaïmada de Mallorca

Gericht: Backblech
Land & Region: Mediterran
Keyword: gebäck, kuchen

Zutaten

für die Füllung:

  • 4 Feigen vollreif
  • 1 EL Zucker
  • 1 Schuss Granatapfelsirup

für den Teig:

  • 250 g Weizenmehl Tipo 0
  • 80 g Wasser
  • 1 Ei Größe M
  • 80 g Zucker
  • 25 g Schweineschmalz auf Zimmertemperatur
  • 3 g Trockenhefe in etwas Wasser gerührt

für die Endmontage:

  • 150 g Schweineschmalz auf Zimmertemperatur
  • Puderzucker zum Bestäuben

Anleitung

Am Anfang steht die Füllung

  • Feigen in Achtel zerteilen und mit dem Zucker in einen Topf geben. Sirup hinzufügen und bei niedriger Temperatur leicht köcheln lassen, bis die Feigen sehr weich sind.
  • Mit einem Pürierstab aufmixen, etwas abkühlen lassen und in einen Gefrierbeutel geben. Kalt stellen.

Jetzt die Teigherstellung, …

  • Alle Teigzutaten außer der Hefe in die Schüssel der Kühenmaschine geben und verkneten lassen, bis alles einen homogenen Teig ergibt.
  • Zehn Minuten ruhen lassen. Eine Minute bei mittlerer Geschwindigkeit kneten. Dreimal wiederholen. Der Teig sollte jetzt deutlich kompakter geworden sein und sich vom Schüsselrand lösen.
  • Am Ende der letzten Ruhezeit Teig an einer Stelle auseinanderziehen. Er sollte sich zwischen den Fingern vorsichtig zu einer fast durchsichtigen Membran dehnen lassen. Falls nicht: Kneten und Teigruhe nochmals wiederholen.
  • Nun bei einer letzten Knetrunde die aufgelöste Trockenhefe (nicht zuviel Wasser!) zugeben und nochmals ordentlich kneten lassen. Anschließend darf er sich eine halbe Stunde in einer Schüssel erholen.

… die Teigbearbeitung…

  • Derweil Arbeitsplatte (hier ist reichlich Platz gefragt!) mit Schweineschmalz fetten damit der Teig nicht kleben bleibt.
  • Teig relativ dünn ausrollen, mit Schweineschmalz bestreichen und anschließend durch Dehnen und Ziehen auf eine Größe von etwa 1,30 x 1,00 Meter bringen. Bei mir war es etwas weniger, aber das ist offensichtlich nicht kriegsentscheidend.

… und das Füllen und Formen des Teigs

  • Den Gefrierbeutel mit der Füllung an einer Spitze recht breit abschneiden und die Füllung als "Wurst" am vorderen Rand der langen Seite des Teigrechtecks aufbringen.
  • Nun von der Füllungsseite her aufrollen. Zwischendurch immer mal wieder den Teig etwas dehnen beim Rollen.
  • Die jetzt entstandene über einen Meter lange Teigrolle auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech in Spiralform auslegen. Zwischen den Rollen reichlich Platz lassen, da der Teig ordentlich aufgeht.

Teigpause

  • Backblech in den ausgeschalteten Ofen geben und etwa 14 Stunden gehen lassen. Bei mir war es etwas länger. Ich wollte ungern Sonntags bereits um vier Uhr morgens aufstehen. Hat nicht geschadet.

Und zuletzt: Ofen marsch!

  • Ofen auf 180°C Ober- / Unterhitze vorheizen und etwa 18 bis 20 Minuten abbacken. Auf den Ofenboden eine Metallschale mit Wasser stellen.

Und fertig!

  • Ensaïmada nach dem Ende der Backzeit mit dem Backpapier auf ein Kuchenrost ziehen und auskühlen lassen. Noch heiß mit reichlich Puderzucker bestäuben.

So und jetzt noch die Linkliste zu den Ergebnissen meiner Mitbäcker*innen. War wieder schön mit euch! Und zum Schluss nochmal ein ausdrücklicher Dank für die Rezeptauswahl. Wer weiß, wann ich je eine Ensaïmada gebacken hätte ohne dich, Zorra!

zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf * Birgit von Birgit D * Britta von Backmaedchen 1967 * Simone von zimtkringel * Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum * Ilka von Wasmachstdueigentlichso?! * Birgit M. von Backen mit Leidenschaft * Susan von Labsalliebe * Geri von Lecker mit Geri

20 Kommentare

  1. Die Füllung ist ja der Kracher! Da hätte ich auch mal drauf kommen sollen. Ich bringe momentan von jedem Marktgang Feigen mit heim, die ich dann irgendwann unter leisen Würgegeräuschen seitens des Gatten mit Ziegenkäse frühstücke. Wären sie im Gebäck gelandet, wäre mir zumindest mal eine dramatische Einlage erspart geblieben.
    Grüße
    Simone

  2. Wundervoll mit den Feigen als Füllung! Sehr, sehr appetitlich! Ich denke auch schon über weitere Exemplare nach. Dann kleiner und mit einer dicken Vanillecreme als Füllung – (man schließlich träumen, oder?!) Liebe Grüße

  3. Wow, Manuela da gibt’s wirklich nichts zum Mothen. Sieht perfekt aus und die Füllung!!! I like. Das Problem mit den Fettfingern hatte ich auch. Ich wollte aber unbedingt Fotos für Insta, deshalb Händewaschen, Foto machen und schon wieder fettige Finger….

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