Urlaub in der Hölle

Endlich Urlaub! Heute war mein letzter Büro-Arbeitstag vor den nun folgenden zwei Wochen Arbeit am Bau. Endlich wieder „richtige“ Arbeit. Und endlich mal eine Weile keine nervigen Kollegen und Kolleginnen für den Großteil des Tages. In Hochstimmung checkte ich am Eingang aus.

Da des Bauherrn VW in dieser Woche die Grätsche gemacht hatte, stand er seit heute morgen in der Werkstatt. Im Verlaufe des Vormittags stellte sich heraus, dass wir ihn auch übers Wochenende in der Klinik lassen müssen, da die Operation umfangreicher wird als erwartet. Das Problem daran: Im Kofferraum befanden sich zu diesem Zeitpunkt Stichi, Kreisi und diverse andere Dinge, die dringend am Wochenende benötigt wurden.

Also ging es von der Arbeit aus erstmal auf die Autobahn. Der Bauherr wurde eingesammelt und gemeinsam fuhren wir zum waidwunden VW-Schätzchen. Das mit dem „Schätzchen“ sehe natürlich nur ich so. Männer haben ja meist ein deutlich weniger sentimentales Verhältnis zu ihren Autos. Der Bauherr im Speziellen hat gar eine Art Wut auf sein krankes Gefährt entwickelt. Dabei wären Sorge und Mitgefühl doch eigentlich die logischen Emotionen in einem solchen Fall. Vermutlich stand der Kostenvoranschlag ihm emotional einfach etwas im Wege.

Nachdem wir alle wichtigen Gerätschaften in den Fiat umgeladen hatten, machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zum Haus. Habe ich wirklich „Haus“ gesagt?! O.k. – nochmal von vorne. Was ich wirklich meinte:

Nachdem wir alle wichtigen Gerätschaften in den Fiat umgeladen hatten, machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zur Höllensauna. Es ist wirklich der Horror! Im Erdgeschoss ist es heiß. Sehr heiß. Wenn man dort alle Fenster mit Folienschlitzen aufgerissen hat und eine Weile wartet, kann man es einigermaßen aushalten.

Was man in keinem Fall tun sollte: Die Treppe hinaufgehen. So ungefähr ab der vorletzten Stufe wird es unerträglich. Ich habe keine Ahnung, wie heiß genau das ist, aber es ist ungefähr so heiß, dass man sofort und ohne sinnloses Zögern schreiend die Treppe wieder hinab laufen möchte. Oder sich am besten gleich über das Brüstungsgeländer in den Luftraum stürzen will. Der Bruchteil einer Sekunde Luftzug beim Sturz wäre es vermutlich wert.

Stattdessen muss man versuchen, sich mit innerhalb von Sekunden am Körper klebenden Kleidungsstücken durch die Räume zu schleppen, um für ein kleines bißchen Abkühlung zu sorgen. Im Bad ist es am schlimmsten. Und ich schwöre: „Am schlimmsten“ beschreibt nicht im mindesten, wie schlimm es wirklich ist.

Wir verließen das Haus und lungerten ein wenig auf der zukünftigen Terrasse herum. In der prallen Sonne. Und es war herrlich kühl. Ich entdeckte einen Grashalm, dessen Existenz ich als Ermunterung für meine zukünftige Rasenzucht ansah. Der Bauherr hatte kurz vorher noch behauptet, dass hier nichts wachsen würde, wenn man nicht kubikmeterweise Mutterboden und Humus aufschütten würde. Der Grashalm hat ihn jedoch nicht vom Gegenteil überzeugen können. Egal. Ich gieße ihn trotzdem morgen.

Was mit Gießen allein nicht mehr zu retten sein dürfte, ist unser Carporthersteller, der sich – wie wir gestern feststellen durften – in Insolvenz befindet. Zumindest für uns finanziell erstmal nicht weiter tragisch. Wir haben ja noch nichts bezahlt. Aber das Fundament ist jetzt natürlich exakt nach dessen Vorgaben gegossen worden. Eine Mail an den Wolfinator wurde mit einer etwas wortreicheren, aber inhaltlich identischen Douglas-Adams-Antwort bedacht: „Don’t panic!“ Der Bauherr wird in der kommenden Woche mal mit dem Insolvenzverwalter telefonieren.


Nach dem Autoärger, der höllischen Hitze und der Carportproblematik beschlossen wir, dass wir etwas Nettes verdient hätten und starteten zu „Rosis Restaurant“ in Bechtheim durch, um dort zu Abend zu essen. Zugegebenermaßen ein nicht sehr attraktiver Name für ein Restaurant, aber der Bauherr war zufällig darauf gestoßen und hatte es als Geheimtipp bezeichnet. Und: Es ist ein Geheimtipp!

Das Essen war köstlich. Wir hatten beide Fisch von der Tageskarte (Kabeljau und Seeteufel) mit verschiedenen saisonalen Beilagen. Der Wein war göttlich, die Bedienung aufmerksam, die Umgebung angenehm. Alles war super – bis auf die Gespräche am Nachbartisch. Sagen wir es so: Dort saßen vier Rebläuse (in Form zweier Ehepaare etwas gehobeneren Alters) – allerdings von der zu etwas Geld gekommenen und unglaublich blasierten Mittelschicht-Sorte. Breiten wir den Mantel des Schweigens über ihre Konversation.

Um jedoch auf das Essen zurückzukommen: Ich hatte den Nachtisch noch nicht erwähnt. Zwei Sorten hausgemachtes Sorbet (um genau zu sein Kokos und Waldbeer), die ebenfalls absolut köstlich waren. Das war sicher nicht unser letztes Essen dort.

Aber morgen wird erstmal gearbeitet. Wir wollen die Trockenbaufehler im Luftraum und Treppenhaus korrigieren und das kleine Bad fertig beplanken. Zudem müssen an den Fenstern und Terrassentüren noch GK-Kanten angebracht werden. Prinzipiell gäbe es ja auch oben noch etwas zu tun, aber das haben wir erstmal verschoben auf eine Bauphase, in der die Temperaturen wieder etwas erträglicher sind.

1 Kommentar

  1. „…… Wir verließen das Haus und lungerten ein wenig auf der zukünftigen Terrasse herum. In der prallen Sonne. Und es war herrlich kühl…..“ Göttlich ge – und umschrieben. 😉
    Jedenfalls wünsche ich dir erst einmal „wunderschöne“ Osterarbeitsbauferien, sowie euch weiterhin viel Erfolg.
    Ein wunderschönes Restfrühlingswochenende schicke ich mal als Gruss noch so nach. 😉

    LG rolf

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