Blümchen und Fähnchen

Dieses Wetter… Es scheint in diesem Jahr immer dann nicht so zu funktionieren, wie man es von ihm erwartet, wenn es dringend erforderlich wäre. Am Ende hängt es doch mit dem Kachelmann zusammen. Meine geplante Pflanzaktion „Lavendelböschung“ jedenfalls hatte sich recht schnell erledigt, als ich feststellte, dass man bei jedem Schritt bis zum Knöchel im Matsch versinkt.

Zudem sind Teile des Hangs durch die Starkregenfälle der letzten Tage abgerutscht. Die habe ich zumindest mal notdürftig befestigt. Mehr war heute nicht drin. Morgen vielleicht – falls es bis dahin einigermaßen trocken bleiben sollte…

Spass am Regen scheinen nur die Pflanzen zu haben. Allüberall sprießt und wächst es. Und die Kübel platzen bereits aus allen Nähten. Erstaunlich, was aus zwei lächerlichen Gänseblümchen werden kann, wenn man ihnen nur ausreichend Zeit, Sonne und Wasser gönnt. Die Dinger sind wahrhaft explodiert.

Da Gartenarbeit offensichtlich nicht möglich war, wandte ich mich stattdessen frustriert den profanen Dingen im Leben der Hausfrau zu: Wäsche waschen, putzen und der Übertragung der heutigen WM-Spiele. Letzteres kann man ja hervorragend mit den anderen beiden Dingen kombinieren. Seit gestern hat die Anzahl der lächerlichen Deutschland-Fähnchen an den Autos deutlich zugenommen. Morgen werde ich dann wahrscheinlich recht einsam mit meinem gänzlich unbeflaggten Auto durch die Gegend fahren. Und… Nein! Ich habe auch keine Deutschland-Überzieher auf den Außenspiegeln, keinen DFB-Aufkleber auf der Heckscheibe, und auch meine Motorhaube ist nicht schwarz-rot-gülle lackiert, sondern nach wie vor hellblau.

Das einzige Mal, bei dem sich in meinem Haushalt eine kleine Papier-Flagge befand, war anlässlich der Weltmeisterschaft 2002. Max war zu dieser Zeit knapp zehn Jahre alt und Ronaldo-Fan. Als Brasilien dann im Finale auf Deutschland traf, saß er stolz in seinem Ronaldo-#9-T-Shirt neben mir auf dem Sofa. Ich hatte mich mit meinem mir von der Sprachvergewaltigungs-Kollegin überreichten Deutschland-Fähnchen dort platziert. Das Spiel lief für beide Seiten gut bis zur Halbzeit. Es stand 0:0-Unentschieden. Max ließ jedoch bereits eine leichte innere Zerrissenheit spüren. Brasilien? Oder doch Deutschland? Er hielt in Gelb-grün durch.

So lange, bis das erste Ronaldo-Tor fiel. Sein Jubel fiel recht verhalten aus. Und seine Mutter stand natürlich unter Schock. Als das zweite Tor fiel, begann er zu heulen. Irgendwie hätte er jetzt doch lieber einen anderen Sieger gesehen. Und schuld war Ronaldo, der Doofkopf. Beim Schlusspfiff riss er sich wutentbrannt das T-Shirt vom Leib und stürzte Richtung Balkon, wo er es zu verbrennen gedachte. Ich konnte ihn zwar daran hindern, aber er zog es nie wieder an.

Und seine Begeisterung für Fußball hält sich seit diesem Tag auch in überschaubaren Grenzen. Das blöde Spiel interessiert ihn einfach nicht mehr. Weder zur Bundesliga-Saison, noch zu den alle zwei Jahre stattfindenden Massenpsychosen, die unter den Titeln Europa- und Weltmeisterschaft die gesamte Nation hysterisieren und in einen schwarz-rot-grausamen Taumel stürzen. Das dämliche Finale hat ihm wohl für immer den Spass daran verdorben.

Ronaldo mochte ich danach übrigens nie wieder. Über seine späteren Gewichtsprobleme habe ich mich richtig gefreut. Die hatte er echt verdient. Und mein Fähnchen hab‘ ich noch am Abend des Finales weggeschmissen. Und nie wieder eins in meine häusliche Umgebung vordringen lassen. Die Dinger sind definitiv einer gesunden Entwicklung Minderjähriger abträglich.

8 Kommentare

  1. Der letzte Absatz bringt mich ins Grübeln. Ob meine aktuellen Gewichtsprobleme daran liegen, dass mich jemand nicht mehr leiden kann? :mecry:

    Ach, und Fähnchen: Gerade wenn du glaubst, du hast jetzt alle Varianten der beknackten Fähnchen-in-der-Gegend-Rumfahrerei gesehen, kommt dir ein Radbehelmter mit zwei aufgesteckten Fähnchen
    entgegen. Glandon wäre entzückt gewesen. 😀

  2. Meine aktuellen Gewichtsprobleme liegen zum grossen Teil an der Viererpackung Pringles, die ich neulich gekauft habe. Da gab es als Bonus noch eine Deutschland-Fahne. Jetzt weiss ich mangels Helm
    nicht wohin damit.

  3. Original von Piti:
    „Der letzte Absatz bringt mich ins Grübeln. Ob meine aktuellen Gewichtsprobleme daran liegen, dass mich jemand nicht mehr leiden kann? :mecry:“

    Also ich bin’s nicht. :seufz:

  4. panni hat mich doch noch nie gemocht. =)

    Ingrid erzählt mir gerade, sie hätte eine Radlerin mit Fähnchen am Rad gesehen. So folgsam hatte ich Glandon gar nicht eingeschätzt. 🙂

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