„Mon Dieu, Rümmenisch!“

Fast 28 Jahre ist es her, dass obenstehende Worte dem damaligen französischen Präsidenten in der „Nacht von Sevilla“ über die Lippen gekommen sein sollen. François Mitterand scheint man zumindest eines nicht vorwerfen zu können: dass er kein Visionär gewesen sei.
Seiner Worte erinnerte man sich bereits Ende November, als besagter „Rümmenisch“ anlässlich der Jahreshauptversammlung des FC Bayern ein ganz abscheuliches, kleines Gedicht zu Ehren Franz Beckenbauers vortrug.

Das Gedicht (nicht zuletzt unterstützt durch den äußerst souveränen Vortrag) ist irgendwie eine krude Mischung aus Kristiane Allert-Wybranietz (*), Vogonen-Lyrik (**) und Kindergartenabzählreimen (***).
Beim Vortrag des Werkes (Bild-Link für ganz Hartgesottene, die es noch nicht kennen sollten) saß man mit offenem Mund da und erreichte ganz neue, ungeahnte Dimensionen des Fremdschämens. Fast war man überzeugt, dass der Auftritt eines bekannten deutschen Ex-Radprofis bei Beckmann „gar nicht mal soooo schlimm“ gewesen war.
Egal! Was soll’s? Die Erkenntnis, dass Fußballer keine Intellektuellen sind, trifft einen ja nicht ganz unerwartet.
Nachdem heute nun allerdings bekannt wurde, dass er das peinliche Werk nicht mal selbst verfasst hat, fragt man sich denn doch, wie so etwas passieren konnte. Hat Rummenigge etwa gegoogelt (Suchbegriffe „danke danke danke sehr franz“) und dann mit einem erleichterten „Getz aba!“ die Seite auf den vereinseigenen Laserdrucker gejagt?
Oder hat er freitags kurz vor Feierabend die blonde Sekretärin beauftragt, ihm schnell ein paar Zeilen zu schreiben? Und da die gleichzeitig noch mit Franz Beckenbauer die Vorbereitungen für die FCB-Weihnachtsfeier durchgehen musste, blieb nur ein schnelles copy&paste auf der sagenhaften Seite von Frau Pfeiffer-Klärle aus Rödermark? Pfeiffer-Klärle?! Aus Rödermark?!?!
Und dann? Ausgedruckt und dem Chef auf den Tisch gelegt, scheinheilig „Ist das gut so, Herr Rummenigge?“ gefragt, unschuldiger Augenaufschlag – und ab ging’s zum Kaiser? Tststs.
Andererseits: Wer außer dem Lippstädter (****) Rotbäckchen hätte denn wohl auf der großen, weiten Welt (bzw. dem Universum) den Mut besessen, öffentlich ein derart übles Gedicht vorzutragen? O.k. – ein sehr schlechtgelaunter Prostetnik Vogon Jeltz vielleicht, aber in diesem Falle wäre es immerhin kein Plagiat gewesen.
Wie weit ist es mit der Welt gekommen, wenn Gedichte von den Webseiten vogonischstämmiger Rödermarkerinnen abgeschrieben werden? Entsetzlich! Das ist ja mindestens so erniedrigend wie bei McDoof um Essen betteln oder Kader Loth um Informationen über die Emanzipationsgeschichte bitten oder bei kik Klamotten klauen. Völlig absurd und dazu unendlich peinlich, wenn man dabei erwischt wird.
Ach, Herr Rummenigge! Damit Derartiges nie wieder passieren kann, habe ich mich mal umgeschaut. Wie wäre es mit „Denken, schreiben, dichten. – Ein Wochenende für Beginner“? Das bietet die Volkshochschule München nämlich derzeit an. Einfach mal erkundigen!

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*„Seit ich die Grenzen, die man mir setzte, nicht mehr anerkenne, nicht mehr als Grenze erlebe, spüre ich erst, wie stark ich bin … wie grenzenlos ich sein kann.“

** Zitat aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams: „Die vogonische Dichtkunst ist nämlich die drittschlechteste im Universum.
Die zweitschlechteste ist die der Asgothen von Kria. Während der Rezitation des Gedichts »Ode an einen kleinen grünen Kittklumpen, den ich eines Sommermorgens in meiner Achselhöhle fand« durch ihren Dichterfürsten Grunthos den Aufgeblasenen starben vier seiner Zuhörer an inneren Blutungen, und der Präsident des Mittelgalaktischen Kunstklau-Beirats kam nur deshalb mit dem Leben davon, weil er sich eines seiner Beine abknabberte. Grunthos soll von der Wirkung seines Gedichts ‚enttäuscht‘ gewesen sein und wollte gerade mit der Lesung seines zwölf bändigen Epos
»Meine Lieblingsgluckser zur Badezeit«beginnen, als in einem verzweifelten Versuch, Leben und Kultur zu retten, der Dickdarm des Dichters sich durch den
Hals nach oben stülpte und das Gehirn erwürgte.
Die allerschlechteste aller Dichtungen ging zusammen mit ihrer Schöpferin, Paula Nancy Millstone-Jennings aus Greenbridge, Essex, England, bei der Vernichtung des Planeten Erde unter.“

*** „Eins, zwei, drei – Freddy kommt vorbei“ – oder so…

**** Das heutige Titelfoto entstammt dem völlig zu Unrecht vergessenen Werk „Lippstadt im Bild“ von Walter und Angelika Münch, von dem sich glücklicherweise ein Exemplar in unserem Haushalt befindet.

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